Buchtipps:

Dunn, Judy; Plomin, Robert: Warum Geschwister so verschieden sind.
Die Familie hat einen entscheidenden Einfluß auf die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes. Wie erklärt sich dann aber die Verschiedenheit von Geschwistern? Mit dieser Frage befassen sich die Autoren, eine Entwicklungspsychologin und ein Verhaltensgenetiker. Sie widersprechen der Annahme, daß Kinder ihre Umwelt ähnlich erleben, zeigen, wie das Zusammenspiel der Interaktionen mit den Eltern, Geschwistern, Freunden wie auch das zufälliger Ereignisse für jedes Kind eine unterschiedliche Umwelt. Diese subtilen Unterschiede machen uns in weit größerem Ausmaß als die geteilten Gemeinsamkeiten zu dem, was wir sind.

Jones, Steve: Der Mann - Ein Irrtum der Natur?
Warum gibt es eigentlich Männer, und noch dazu so viele? Die Herstellung eines männlichen Organismus ist biologisch sehr aufwendig - weshalb auch etliche Arten ohne Männchen auskommen -, und schon ein einziger Mann könnte mit den bei einem Geschlechtsakt produzierten Samenzellen sämtliche Frauen in Europa befruchten. Mehr noch: Spätestens seit Klonschaf Dolly ist klar, dass Männer sogar zur Erzeugung von Nachwuchs im Grunde überflüssig sind. Ist der Mann also ein evolutionäres Auslaufmodell, ein Irrtum der Natur.

Dieter Schnack, Rainer Neutzling: Die Prinzenrolle. Über die männliche Sexualität
Witzig geschrieben, mit vielen Fallbeispielen. Und trotzdem informativ. Leider gibt es das Buch zur Zeit nicht neu zu kaufen...

Lawrence Wright: Zwillinge
Wenn man dieses Buch gelesen hat, muß man nichts mehr über Zwillingsstudien lernen. Es ist so nett geschrieben, daß man sich die Geschichten über die Untersuchungen und Befunde einfach so merkt. Solche Bücher mag ich am liebsten. Und es kostet nur 2,95 Euro!

 

P. Miller: Theorien der Entwicklungspsychologie

Psychoanalytische Theorien: Freud

Dynamischer Ansatz: Der Organismus ist ein in sich geschlossenes Energiesystem. Nervöse Energie verhält sich wie physikalische Energie. (Libido).
Vier Merkmale eines Instinkts:

  • Quelle: physiologische Bedürfnisse
  • Ziel: Befriedigung dieser Bedürfnisse
  • Objekt
  • Drang: abhängig von der Stärke des Triebs

Sublimierung: Befriedigung durch ein sozial anerkannteres Objekt.
Kompensation: Man gleicht ein Versagen auf einem anderen Gebiet aus.
Abwehrmechanismen: Verdrängung, Gegenteil behaupten, Projektion auf andere, Regression, Fixierung, Sublimierung

Entwicklungsstadien:

Orale Phase (0-1 Jahr): Dadurch, daß die Eltern die Kinder lehren, ihre Triebe auf sozial akzeptierte Weise zu befriedigen. Dadurch entsteht ein Konflikt. Wichtigster Vorgang: Entstehung der Mutterbindung, sie befriedigt Bedürfnisse.
Auswirkungen einer zu niedrigen Befriedigung: Ängstlichkeit, Pessimismus, Regression auf hochbesetzte Objekte aus dieser Phase, Wissen + Macht (essen einverleiben), Hartnäckigkeit, Entschiedenheit (Festhalten der Brustwarze), Sarkasmus (Beißen), Ablehnung (Ausspucken), Introversion, Ablehnung (Verschließen des Mundes), leichtgläubig (alles schlucken).
Anale Phase (1-3 Jahre): Konflikt durch Reinlichkeitserziehung.Zwanghaft, asketisch (Zurückhalten des Stuhls), Wutausbrüche (Schlagartiges, unpassendes Entleeren), Schenken, Kreativität, habgierig, geizig ("Schenken" des Stuhls).
Phallische Phase (3-5 Jahre): Ödipuskomplex. Junge internalisiert schließlich den Vater und entwickelt das Über-Ich. Kastrationsangst. Mädchen empfinden weniger Angst , identifizieren sich weniger mit der Mutter und haben ein schwächer ausgebildetes Gewissen.
Mechanismen der Entwicklung: Äquilibration: Prozeß zur Verringerung störender Elemente.
Ursachen für psychische Konflikte:

  • Reifung (Veränderung des Nervensystems), bringt neue Möglichkeiten
  • Frustration von außen
  • Innere Konflikte (zwischen Es, Ich und Über-Ich)
  • Persönliche Unzulänglichkeiten
  • Angst (z.B. vor Verlust)

Entwicklung durch qualitative Veränderung. Umwelt und Person interagieren.

Psychoanalytische Theorien: Erikson

Psychosoziale Phasen: Autoerotische Lust des Kleinkindes am Sprechen, jede Gesellschaft hat Normen entwickelt, um den Bedürfnissen des Kindes entgegenzukommen.
"Alles, was wächst, hat einen Grundplan, um ein funktionales Ganzes zu bilden."
Identität: das unbewußte Streben nach einer Kontinuität des persönlichen Charakters.

Phase 1: Urvertrauen vs. Mißtrauen (0-1 Jahr): Auch Entwicklung von Selbstvertrauen.
Phase 2: Autonomie vs. Scham und Zweifel (2-3 Jahre): Das Kind lernt sprechen, seinen Stuhlgang zu kontrollieren und zu gehen. Daraus entsteht Angst, und es braucht eine unterstützende Atmosphäre, in der es Selbstkontrolle entwickeln kann, ohne Selbstachtung zu verlieren. Festhalten vs. Loslassen.
Phase 3: Initiative vs. Schuldgefühl (4-5 Jahre): Identifikation mit den Eltern. Das Kind nimmt seine position irgendwo entlang der Dimension "Initiative" und "Schuldgefühle" ein.
Phase 4: Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl (6 Jahre - Pubertät): Schuleintritt.
Phase 5: Identität und Ablehnung vs. Identitätsdiffusion (Adoleszenz): Vertrauen, Autonomie, Initiative und Unternehmergeist tragen zur Identitätsbildung bei. Sozialer Druck, sich für einen Beruf zu entscheiden.
Phase 6: Intimität und Solidarität vs. Isolierung (Beginn des Erwachsenenalters): Intimität ist nur möglich, wenn eine Identität ausgebildet wurde.
Phase 7: Generativität vs. Stagnation (mittleres Erwachsenenalter): Selbstabsorption = Selbstverwöhnung.
Phase 8: Integrität vs. Verzweiflung (hohes Alter): Man muß damit leben, was man in seinem Leben geleistet hat. Trauer um das, was man in seinem Leben getan oder nicht getan hat.

Mechanismen der Entwicklung: Die körperliche Reifung gibt einen Zeitplan vor. Lösung von Konflikten durch widerstrebende Kräfte (z.B. Festhalten-Loslassen)

Kontexttheorie - Wygotski

Das Kind ist immer in einen Kontext eingebunden. Der Weg vom Kind zum Objekt und zurück führt immer über eine andere Person. Das Denken des Kindes erstreckt sich über seine Person hinaus, es scheint in die Umgebung einzufließen, so wie die Umgebung in es selbst einfließt.
Mikrosystem: Unmittelbarer Lebensbereich des kindes
Mesosystem: Prozesse zwischen zwei oder mehr Mikrosystemen
Exosystem: Wechselbeziehungen zwischen mehr Lebensbereichen, wobei einer nichts mit dem Kind zu tun hat (Arbeitsplatz des Vaters)
Makrosystem: Kultur.
Kultur: Besteht aus gemeinsamen Überzeugungen, Kenntnissen, strukturierten Beziehungen, einer bestimmten Art, Dinge zu tun (Bräuche), symbolischen Systemen.
Zone der proximalen Entwicklung: Distanz zwischen dem aktuellen Entwicklungsniveau des Kindes und der höheren Ebene als potentieller Entwicklung (wie kann unter Anleitung ein Problem lösen). Der Prozeß ist wichtiger als sein Ergebnis.

Bronfenbrenner definiert 4 Arten, wie das Kind auf seine Umwelt einwirkt:

  1. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale rufen bestimmte reaktionen hervor (nettes Kind begegnet häufig auch netten Erwachsenen)
  2. Unterschiede in der Tendenz, auf andere zuzugehen
  3. Tendenz, komplexe Aktivitäten aufzunehmen, Bedürfnis nach Veränderung
  4. Wie das Kind seine Fähigkeiten einschätzt, ein Ziel zu erreichen (Selbstwirksamkeit)

Im geistigen Austausch mit einem Erwachsenen verinnerlicht das Kind die Interaktion. Was extern ist, wird intern. Kinder wachsen in das geistige Leben der Menschen in ihrer Umgebung hinein und werden zunehmend selbstgesteuert statt fremdgesteuert.
Psychologische Werkzeuge: Sprachsysteme, Zahlensysteme, Landkarten, Kunstwerke. Sie verändern die elementaren geistigen Funktionen zu höheren geistigen Funktionen. Jedes Werkzeug ist mit einer anderen kognitiven Fähigkeit verbunden. Verschiedene Kulturen bewerten verschiedene Werkzeuge (verbale oder nonverbale) als wichtig.
Egozentrisches Sprechen: Hörbares Sprechen mit sich selbst statt mit anderen. Das kind gebraucht das Sprechen, um sein Denken zu steuern und sein Handeln zu planen. Kinder mit häufigeren egozentrischem Sprechen zeigten bessere leistungen in Mathe.
Inneres Sprechen: Mit 7-8 Jahren wird das egozentrische Sprechen zum inneren Sprechen: schweigend in Worten denken, oder nur murmeln oder die Lippen bewegen.
Piaget war der Meinung, das egozentrische Sprechen habe keinen Nutzen und zeige, daß das Kind unfähig zum Denken sei.
Methode der doppelten Stimulation: Fabige Blöcke mit kurzen Nonsense-Wörtern drauf. Kind soll sortieren, es kann sich aussuchen, ob nach Farbe, Form, Größe, Wörtern. Man kann sehen, wo das Kind in seiner Entwicklung steht.

Drei Stadien der konzeptuellen Entwicklung:

  1. Unorganisierte Kategorien (zusammengewürfelter Haufen)
  2. Komplexe (z.B. ein großer roter Block neben einem kleinen blauen, dann folgt ein kleiner gelber. Die Kategorien wechseln)
  3. Begriffe (korrekte zuordnung von Höhe und Größe, weil das kind mit Hilfe der Nonsense-Wörter die Dimensionen abstrahieren kann)

Aufgabe der verbotenen Farben: Vl stellt dem Kind Fragen, und es darf einen Farbnamen nicht sagen. Mit 8-9 Jahren nehmen die Kinder Farbkarten zur Hilfe, um es sich zu besser merken.
Gelenkte Partizipation: Kinder richteten ein Puppenhaus ein. Die Kinder, die im Vortest mit Hilfe der Mutter gearbeitet hatten, zeigten im Nachtest bessere Leistungen.
Mechanismen der Entwicklung: Entwicklung erfolgt nach einem dialektischen Prozeß von These, Antithese und Synthese. Vier Ursachen interagieren: innerlich-biologische, individuell-psychologische, kulturell-soziologische, äußerlich-physikalische Quelle.