Buchtipps:

Cialdini, Robert B.: Die Psychologie des Überzeugens. Ein Lehrbuch für alle, die ihren Mitmenschen und sich selbst auf die Schliche kommen
"Cialdini gelingt es, seine persönlichen Erfahrungen, etwa bei Verkäuferschulungen und Polizeiverhören, mit den Erkenntnissen der experimentellen Psychologie zu einem Lehrbuch zu verbinden. Muntere Zeichnungen und vertiefte Fragen ergänzen die plaudernde Erzählung. Da wird Lernstoff kurzweilig." (FAZ)

 

Mögliche Prüfungsfragen Vordiplom Sozialpsychologie (Herr Klinger)

Warum sind wir konform?

Konformität: Änderung im Verhalten oder in der Meinung als Folge von realem oder vorgestelltem Gruppendruck.
Formen von Konformität:

  • Befolgung (compliance): Konformität, welche bedeutet, daß man öffentlich handelt in Übereinstimmung mit dem sozialem Druck, obwohl man persönlich nicht damit einverstanden ist. Häufig soll damit eine Belohnung verdient oder eine Bestrafung vermieden werden.
  • Gehorsam (obedience): wenn ein expliziter Befehl von übergeordneter Autorität gegeben wurde)
  • Akzeptanz (ehrliche, innere Konformität): Konformität, die beinhaltet, daß Verhalten und Meinung dem sozialen Druck entsprechen.

Welche Faktoren haben einen Einfluß auf Konformität?

  • Gruppengröße: MILGRAM: 1, 2, 3, 5, 10 oder 15 Leute guckten nach oben. Bei 5 nach oben blickenden Leuten bleiben die meisten Passanten (80%) stehen und gucken auch nach oben. Erklärung:social impact theory von LATANÉ
  • Einstimmigkeit: Unterstützung durch eine andere Person vergrößert den sozialen Mut einer anderen Person dramatisch!
  • Zusammenhalt in der Gruppe
  • Status: stärkere Tendenz von Frauen zur Konformität
  • Antworten in der Öffentlichkeit: Konformität ist höher, wenn wir öffentlich antworten müssen
  • keine vorherige Bindung: vorherige Verpflichtungen/Aussagen werden kaum zurückgenommen

Normative influence: Konformität, um Erwartungen anderer zu erfüllen (Bedürfnis, akzeptiert zu werden). Normativer Einfluß führt zu Compliance.
Informational Influence: Konformität als Folge dessen, andere Menschen als Informationsquelle zu akzeptieren. Informationaler Einfluß führt zu Acceptance.

Was motiviert uns zur Antikonformität? Personale Kontrolle als Gegengewicht zur situationalen Kontrolle:
Reaktanz
Beteuerung unserer Einzigartigkeit

Klassische Studien:
SHERIF (1937): Versuch zum autokinetischen Phänomen.
Wiederholt man dieses Experiment mit mehreren Vpn innerhalb einer Gruppe, so nähern sich ihre Urteile vom 1. Tag einem gemeinsamen Mittelwert an. Eine Gruppennorm ist entstanden, die nach einem Jahr erhalten blieb!
Das Experiment von Sherif hat "acceptance" hervorgerufen (auch bei anschließenden Alleinurteilen folgten die Vp immer noch der Gruppennorm!). Im Gegensatz dazu hat Milgram eine extreme Form der compliance hervorgerufen.
Problem: Mehrdeutigkeit der Situation, im folgenden wird eine eindeutige Wahrnehmungssituation untersucht:
JACOBS & CAMPBELL (1961): Untersuchung des autokinetischen Effektes. Verbündeter des VL gibt einen übertrieben hohen Schätzwert vor. Danach verläßt er den Raum und wird von einer echten Vp ersetzt, welche auch einmal schätzt und selber wieder ersetzt wird. Urteil wird immer in 2-er Gruppen gefällt, wobei jeweils eine Vp von der vorhergehenden eine Norm vorgelegt bekam, die dann ihrerseits diese Norm einer neuen Vp vorgab. Es zeigt sich, daß der überhöhte Schätzwert fünf "Generationen" bestehen bleibt.
ASCH (1955): Vpn, die mit 6 Verbündeten des VL die Länge von Strichen schätzen müssen, werden durch Fehlschätzungen der Verbündeten in ihrem Urteil stark beeinflußt und passen sich den Fehlurteilen in 37% der Fälle an, obwohl sie alleine fast zu 100% richtig gelegen hätten.
Problem: teuer und schwierig zu kontrollieren. Überraschend ist Konformität aufgetreten ohne jeglichen äußeren Druck.
MILGRAM (1965, 1974): Coverstory: Studie zum Lernen und Gedächtnis in Zusammenhang mit Bestrafung
Ergebnis: Entgegen den Vorhersagen von Psychiatern, Studenten und Erwachsenen, die glaubten, daß keine Vp als "Lehrer" über 135 Volt hinausgehen würde, gingen ca. 65% der Vpn bis 450 Volt.

Erkläre die "korrespondierende Schlußfolgerung" und das U-Boot / Astronauten-Experiment von Jones, Davis und Gergen!

Wir schlußfolgern oft, daß Absichten und Dispositionen einer Person ihren Handlungen entsprechen. Jones & Davis spezifizieren die Bedingungen, unter denen solche Attributionen am wahrscheinlichsten sind. Normales oder erwartetes Verhalten sagt weniger über eine Person aus als dies bei unerwartetem Verhalten der Fall wäre.
Nach dieser Theorie geschehen Schlußfolgerungen aufgrund der Analyse der distinkten (auffälligen) Merkmale. Dabei gilt:

  • Je weniger distinkte Merkmale, desto besser.
  • je negativer die gewählte Handlungsalternative einer Person ist, desto aussagekräftiger ist sie.

Kriterien:

  • soziale Erwünschtheit (Handelt eine Person z.B. völlig gegen die Konventionen oder handelt sie so, wie sich in aller Regel jeder verhält?)
  • Entscheidungsfreiheit
  • soziale Rolle (Wenn z.B. ein Feuerwehrmann ein Kind aus einem brennendem Haus rettet, sagt dies viel weniger über ihn aus als wenn dies ein unbeteiligter Passant getan hätte.)

Im Prozess der Schlussfolgerung gibt es zwei Stadien:

  1. Attribution einer Absicht (hat die Person es mit Absicht getan?)
  2. Attribution von Dispositionen (welche Persönlichkeitseigenschaft haben sie/ihn dazu veranlasst?)

ULEMAN (1989): Legte Studenten Sätze, an die sie sich später erinnern sollten wie etwa: "Der Bibliothekar trägt das Gemüse der alten Frau über die Straße." Was die Studenten später erinnerten, sind weder "Bücher" noch "Taschen" (was man mit Bibliothekar in Verbindung bringen würde), sondern das Wort "hilfsbereit"
Schlüsselwörter für die Erinnerung => automatische Attribution des Verhaltens

Jones, Davis & Gergen 1961): Vpn hörten sich ein Tonband an, auf dem eine Psychologe und ein Student ein Vorstellungsgespräch simulierten.
Für einen Teil der Beobachter ging es um eine Stelle innerhalb einer U-Boot-Besatzung: Rollenerfordernis war eine extravertierte Person, die nicht leicht aus der Ruhe zu bringen sein sollte.
Für einen anderen Teil ging es um die Stelle eines Astronauten; hierfür war nun eine introvertierte Persönlichkeit erforderlich.

Ergebnis: Die Vpn erwarteten als Durchschnittsperson eine mit erwarteter Eigenschaft (intro-, extravertiert). Gegenläufige Beobachtungen wurden als auffälliger bewertet. Introvertierte U-Boot-Anwärter wurden als abhängiger, zurückgezogener bewertet. Bei unerfüllten Rollenerwartungen wurde eher auf die Disposition geschlossen.

Wie kommt es zur Zuschreibung von dispositionalen Faktoren aufgrund von Verhalten?

Frustrations-Aggressionshypothese: Vorurteile wegen frustrierender Kindheitserlebnisse. Umlenkung der Aggression tritt auf, wenn der Grund für Aggression furchteinflößend (Bär) oder nicht bestimmbar ist (allgemeine wirtschaftliche Depression). => Sündenböcke
Freud: Menschen pflegen Ansichten und Einstellungen, die unbewußte Bedürfnisse befriedigen.
Lerntheorie: Modelllernen
Kognitiver Ansatz: Vorurteile als Folge kognitiver Prozesse, die der Vereinfachung der komplexen Welt dienen. Attributionsfehler. Durch Kategorisierung können wir leichter über Menschen nachdenken, weil dadurch nützliche Information mit minimalem Aufwand bereitgestellt wird.
Konflikttheorie: Vorurteile durch Gruppenzugehörigkeit
Soziale Identitätstheorie: Aufwertung der Eigengruppe

Wann und wo wird die Konsistenz eigenen und fremden Verhaltens überschätzt?

Wenn fälschlicherweise dispositional attribuiert wird.

Halo-Effekt: Beispiel: Attraktive Personen haben auch einen guten Charakter.
CLIFFORD & HATFIELD (1973): Lehrer nehmen attraktive Kinder als intelligenter und erfolgreicher war.

Unterschätzung der Situation: Wenn man selbst glaubt, beim Milgram-Versuch anders gehandelt zu haben.

Was ist der falsche Konsensus-Effekt, was der falsche Uniqueness-Effekt?

False consensus effect: Tendenz, die Verbreitung / Häufigkeit der eigenen Meinungen und des eigenen nicht-wünschenswerten oder nicht-erfolgreichen Verhaltens zu überschätzen. Daß ich das nicht so gut kann, ist dorch normal...
Mögliche Erklärung:

  • Mangel an anderen, objektiven Informationen
  • Verallgemeinerung von einer begrenzten Stichprobe aus, der man vor allem selber zugehört.

False Uniqueness effect: Tendenz, die Verbreitung/ Häufigkeit der eigenen Fähigkeiten und des eigenen wünschenswerten oder erfolgreichen Verhaltens zu unterschätzen. Was ich toll machen kann, kann kaum jemand anderes!
Mögliche Erklärung: Stärkung des self-images
Beispiel: Jemand, der betrunken Auto fährt, aber Sitzgurte angelegt hat, wird die Häufigkeit mit der Autofahrer betrunken fahren überschätzen, aber die Häufigkeit mit der Autofahrer Sitzgurte tragen unterschätzen.

Was weißt Du zur Attributionstheorie?

HEIDER, 1958:Der Mensch als naiver Verhaltenstheoretiker, um der Welt Stabilität und Ordnung zu verleihen.
Unterscheidung von Internalen Ursachen (Dispositionale Attribution) und Externalen Ursachen (Situationale Attribution).

KELLEY (1973): Attributionsmodell.
Kovariation: Eine Ursache wird dann dem Resultat zugeschrieben, wenn beide mehr fach zusammen auftreten.
Siehe hierzu: Induktive Logik von Stuart Mill.

Wenn ein Beobachter verstehen will, warum eine Person sich in einer bestimmten Situation in einer bestimmten Weise verhalten hat, versucht er, nach drei Informationsquellen zu fragen:

  1. Konsensus: Haben sich auch andere Personen in ähnlichen Situationen ähnlich verhalten?
  2. Distinktheit: Hat sich die betreffende Person in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich verhalten? Oder verhält sie sich auch in unterschiedlichen Situationen immer so?
  3. Konsistenz: Hat sich die Person in ähnlichen Situationen auch ähnlich verhalten? Oder verhält sie sich in ähnlichen Situationen oft unterschiedlich?

Ein Effekt kann drei mögliche Ursachn haben:

  1. die Person
  2. etwas bestimmtes an der Situation (Entität)
  3. der Zeitpunkt

Um hier nun Schlußfolgerungen ziehen zu können, sind mehrere Beobachtungen nötig. Man hat aber manchmal nur eine Beobachtung.
Aufgrund früherer Erfahrungen können wir mittels kognitiver Schemata doch unsere Annahmen machen.

Der Mensch handelt aber nicht immer nach logischen Normen. Empirische Ergebnisse zeigen, daß die Schlußfolgerungen naiver Verhaltenstheoretiker von diesen normativen Prinzipien abweichen können.
Kahnemann & Tversky:
Die Entscheidung hängt auch von der Fragestellung ab.
Gewinn in Aussicht: risikoarme Entscheidung
Verlust in Aussicht: risikoreiche Entscheidung

Auch die Studie von Jones & Harris (1967) zeigt, daß man nicht immer nach diesen Kriterien geht. Discounting Prinzip: mit Ansteigen möglicher Ursachen für ein Ergebnis werden die einzelnen möglichen Ursachen abgewertet.
Augmentation Prinzip: Wenn ein Ergebnis trotz widriger Fakten auftritt, werden die auslösenden Ursachen als besonders stark angesehen - als stärker, als wenn keine widrigen Fakten aufgetreten wären.

Jones, Davis & Gergen 1961): Vpn hörten sich ein Tonband an, auf dem eine Psychologe und ein Student ein Vorstellungsgespräch simulierten.
Für einen Teil der Beobachter ging es um eine Stelle innerhalb einer U-Boot-Besatzung: Rollenerfordernis war eine extravertierte Person, die nicht leicht aus der Ruhe zu bringen sein sollte.
Für einen anderen Teil ging es um die Stelle eines Astronauten; hierfür war nun eine introvertierte Persönlichkeit erforderlich.

Ergebnis: Die Vpn erwarteten als Durchschnittsperson eine mit erwarteter Eigenschaft (intro-, extravertiert). Gegenläufige Beobachtungen wurden als auffälliger bewertet. Introvertierte U-Boot-Anwärter wurden als abhängiger, zurückgezogener bewertet. Bei unerfüllten Rollenerwartungen wurde eher auf die Disposition geschlossen.

Unter welchen Bedingungen können Minderheiten die Einstellungen von Mehrheiten beeinflussen?

Faktoren des Minderheiteneinflusses:
Beständigkeit, Konsistenz:
MOSCOVICI & al. (1969): Vpn benannten die Farbe von Dias. Wenn eine Minderheit blaue Dias hartnäckig (konsistent) "grün" nannte, stimmten gelegentlich Mitglieder der Mehrheit zu.
Wenn Minderheit an Personen blaue Dias nur in einem Drittel der Fälle "grün" nannte, stimmte kein Mitglied der Mehrheit zu.
Minderheiteneinfluss wirkt eher über die central route of persuasion

Selbstvertrauen:
Jedes Verhalten der Minderheit, das Selbstvertrauen signalisiert (z.B. sich an das Tischende setzen), erhöht die Selbstzweifel unter der Mehrheit.

Zerstörung der Einigkeit der Gruppe:
LEVINE (1989): Eine Person, die von der Mehrheitsmeinung abfällt, war überzeugender als eine konsistente Minderheit. Wenn Abtrünnigkeit erstmal beginnt, kann dies einen Schneeballeffekt ausüben (siehe Nemeth).

Die Inhaber von Minderheitspositionen müssen...

  • ...ihr Anliegen konsequent und überzeugend vertreten
  • ihre Unabhängigkeit demonstrieren
  • darauf achten, daß ihre Standpunkte eine logische und rationale Alternative ist
  • bereit sein, ggf. der Mehrheit entgegenzukommen

Nenne Symptome des Groupthink!

Groupthink (nach JANIS, 1971): Denkweise, die bei Personen auftritt, wenn das Streben nach einem Konsens so dominierend wird, daß eine realistische Einschätzung von Handlungsalternativen vernachlässigt wird.

Voraussetzungen von Groupthink:

  • zusammenhaltende (cohesive) Gruppe
  • relative Isolation von abweichenden Ansichten
  • richtungsweisender Führer (der die von ihm favorisierte Meinung bekanntgibt)
  • Mangel an methodischen Prozeduren für Suche und Einschätzung von Information
  • Stress verbunden mit wenig Hoffnung, eine bessere Handlungsalternative als vom Gruppenführer vorgeschlagen, zu finden

Symptome: Kollektive Form von Dissonanzreduktion, die auftritt, wenn Gruppenmitglieder versuchen, ihre positive Stimmung angesichts einer Gefahr aufrecht zu erhalten.
Überschätzen der Macht und Legitimität der Gruppe

  • Illusion of invulnerability: Exzessiver Optimismus, der einen Gefahren, Warnungen verkennen läßt
  • Unquestioned belief in the group's morality: Annahme der Gruppenmitglieder, daß die Gruppe im Recht ist; Ignorieren von ethischen /moralischen Fragen.

Ignoranz der Gruppenmitglieder

  • Rationalization: Gruppenmitglieder neigen dazu (Fehl)Entscheidungen zu rationalisieren (zu rechtfertigen) als darüber kritisch nachzudenken.
  • Stereotyped view of opponent: Gegner werden als zu negativ, schwach oder dumm betrachtet.

Gruppendruck nach Einigkeit (concurrence seeking)

  • Conformity pressure: Gruppe übt Druck auf Mitglieder mit abweichenden Meinungen aus (oft sarkastisch und unsachlich)
  • Self-censorship: Mitglieder halten Kritik und Zweifel zurück, wenn die Gruppe als einig scheint.
  • Ilusion of Unanimity: Anschein von Einigkeit in der Gruppe, der durch das Fehlen von Kritik hervorgerufen wird.
  • Mindguards: (Einige) Mitglieder versuchen, die Gruppe vor Informationen abzuschirmen, die die Richtigkeit und den Erfolg ihrer Annahmen und Pläne in Zweifel ziehen könnten.

Erkläre die Kausalattribution nach Heider!

Vier hypothetische Stufen:

  1. Wahrnehmung der Situation
  2. Erwartung über typisches Verhalten
  3. Verhaltenskategorisierung
  4. Attribution: Ist die eigene Erwartung verletzt? Wenn ja, kommt es zur dispositionellen Schlußfolgerung.

Nach Heider sind wir immer motiviert, der Welt Stabilität und Ordnung zu verleihen und kategorisieren deshalb.

Nenne 5 wichtige Gruppendefinitionsmerkmale!

Gruppe: Zwei oder mehr Menschen, die länger als ein paar Momente, miteinander interagieren, sich gegenseitig beeinflussen und sich als Einheit ("Wir-Gefühl") wahrnehmen.
Noch mehr?

Erkläre den Unterschied zwischen Konformität, Compliance und Gehorsam!

Formen von Konformität:

  • Befolgung (compliance): Konformität, welche bedeutet, daß man öffentlich handelt in Übereinstimmung mit dem sozialem Druck, obwohl man persönlich nicht damit einverstanden ist. Häufig soll damit eine Belohnung verdient oder eine Bestrafung vermieden werden.
  • Gehorsam (obedience): wenn ein expliziter Befehl von übergeordneter Autorität gegeben wurde)
  • Akzeptanz (ehrliche, innere Konformität): Konformität, die beinhaltet, daß Verhalten und Meinung dem sozialen Druck entsprechen.

Wie beeinflussen Kohäsion und Gruppengröße die Tendenz zur Konformität?

Wenn die Gruppengröße drei übersteigt, verhalten wir uns konform.

Die anderen Gruppenmitglieder müssen sich einig sein.

Nenne Befunde zur selbstdienlichen Attribution!

Self-serving bias: Tendenz, sich selbst vorteilhaft wahrzunehmen. (vgl. "Development of the social self")

  • Erklärung für positive und negative Ereignisse (= selbstdienliche Attributionen)
  • selbsterhöhende Vergleiche
  • unrealistischer Optimismus
  • False-consensus- versus False-uniqueness-effect

Befunde:

  • Geschäftfsleute halten sich für moralischer als den durchschnittlichen Geschäftsmann.
  • 86% aller Australier halten ihre Arbeitsleistung für überdurchschnittlich
  • Studenten glauben, daß sie mit höherer Wahrscheinlichkeit positive Ereignisse erfahren werden (guter Job) und geringerer Wahrscheinlichkeit negative Ereignisse (Alkoholprobleme).
  • Nach dem Erdbeben 1989 in San Francisco verloren Studenten ihren unrealistic optimism bezüglich der Sicherheit vor Naturkatastrophen... allerdings nur für 3 Monate.
  • Schüler, die zu selbstbewußt sind, bekommen schlechtere Noten, da sie schlecht vorbereitet sind, während ängstlichere Schüler besserer Noten bekommen, da sie härter arbeiten.

Beeinflußt der fundamentale Attributionsfehler unsere Einstellungen?

Ja klar!
Fundamental attribution error: Tendenz von Beobachtern, beim Verhalten anderer die situationalen Einflüsse zu vernachlässigen und dispositionale Einflüsse zu überschätzen. Auch correspondence bias genannt, da das Verhalten als mit der Einstellung korrespondierend wahrgenommen wird.

Wenn wir bestimmte Eigenschaften bei einer Person annehmen, haben wir infolgedessen ja auch eine andere Einstellung ihr gegenüber.

Wir sagen unser Verhalten voraus. Nenne Experimente dazu!

SHRAUGER (1983): Wahrscheinlichkeitsvorhersagen von Vpn, die Schätzungen darüber abgaben, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie in den folgenden 2 Monaten bestimmte Ereignisse erleben werden, waren nicht genauer, als wenn man den Durchschnittswert geschätzt hätte.
WRIGHT & RIP (1981): Schüler können die Abhängigkeit ihrer Meinung über verschiedene umliegende Colleges von verschiedenen Eigenschaften wie Größe, Schulgeld, Entfernung von Zuhause vorhersagen
=> Selbst-Wahrnehmung führt zu richtigen Ergebnissen, wenn die Ursachen des Verhaltens offensichtlich sind und mit unserer Intuition übereinstimmen.
WILSON & al. (1989): Ausgedrückte Einstellungen gegenüber Objekten sagt späteres Verhalten einigermaßen voraus. Eine Analyse der Gefühle brachte jedoch für die Voraussage späteren Verhaltens nichts.
Bsp.: Die augenblickliche Zufriedenheit von Pärchen ist ein guter Prädiktor für das Bestehen nach mehreren Monaten.
Eine Auflistung der Pro- und Contraargumente für ihre Beziehung war dagegen kein Prädiktor.
WILSON & al. (1993): Spätere Zufriedenheit mit der Wahl eines Posters ist höher, wenn die Wahl "aus dem Bauch heraus" getroffen wurde als wenn zuerst die Pro- und Contraargumente bedacht wurden.
Verhaltensweisen, die eher kognitive Aspekte aufweisen wie die Wahl eines Studienortes, wird durch eine Analyse der Pro- und Contraargumente besser vorhergesagt als Verhaltensweisen, die emotionale Aspekte aufweisen und damit eine Entscheidung aus dem Bauch heraus fordern.
Folgerungen:

  • Selbstbetrachtungen geben zwar Hinweise auf psychologische Prozesse, sind aber oft nicht verläßlich.
  • Die Überzeugung, mit der jemand über seine Erfahrungen berichtet und interpretiert läßt keinen Rückschluß auf die Zuverlässigkeit seiner Aussagen/Vorhersagen zu.

Welche Faktoren beeinflussen Gehorsam?

Emotionale Distanz zum Opfer:
Im Milgram-Experiment:

  • Ohne visuellen oder akustischen Kontakt zwischen Lehrer und Schüler: => fast alle Vpn (93%) bis 450 V
  • Lehrer und Schüler im selben Zimmer => 40% der Vpn bis 450V
  • Lehrer drückt Hand des Schülers auf Schockplatte => 30% der Vpn bis 450V
  • Vergleich mit Kriegssituation : Nahkampf vs. Luftangriff


Nähe und Legitimität der Autorität

  • mit zunehmender physischer Nähe der Autoritätsperon steigt Gehorsam
  • die Autoritätsperson muß als legitim wahrgenommen werden
  • bei Anweisungen des Versuchsleiters am Telefon(also physisch abwesend): Voller Gehorsam fiel auf 21%
  • Anweisungen durch einen andere Vp (Verbündeter des VL), weil der eigentliche Versuchsleiter "dringend weg mußte": voller Gehorsam fiel auf 20%

Untersuchung von HOFLING & al. (1966): 21 von 22 Krankenschwestern verabreichen ohne zu zögern eine Überdosis eines Medikamentes auf telefonische Anweisung eines fremden Arztes. Allein die wahrgenommene Legitimität der Person (Arzt!) genügte, die offensichtliche überhöhte Dosis zu geben.

Institutionelle Autorität
Prestige der Yale University spielte beim Milgramexperiment eine Rolle. Nach Verlegen des Experimentes nach Bridgeport, Connecticut in ein mittelmäßig kommerzielles Gebäude: 48% der Vpn zeigten vollen Gehorsam, also Abnahme.
Auch im alltäglichen Leben geht von Personen soziale Macht aus, deren Rücken durch eine entsprechende Institution gestützt wird.
Bsp.: der Selbstmörder auf der Klippe, dessen Auto mitten auf der Straße stand und der durch einen Polizisten aufgefordert worden ist, seinen Wagen wegzufahren, damit er durchkönne, ging von der Klippe und fuhr seinen Wagen weg. Der befreiende Effekt von ungehorsamen Mitgliedern einer Gruppe
Vpn ist mit zwei anderen "Lehrern" zusammen , die sich weigern weiterzumachen: Voller Gehorsam bei 10%

Was war das Wesentliche an den Asch-Studien?

Experiment von ASCH (1955): Vpn, die mit 6 Verbündeten des VL die Länge von Strichen schätzen müssen, werden durch offensichtliche Fehlschätzungen der Verbündeten in ihrem Urteil stark beeinflußt und passen sich den Fehlurteilen in 37% der Fälle an, obwohl sie alleine fast zu 100% richtig gelegen hätten.
Problem: teuer und schwierig zu kontrollieren, weil die Vertrauten des VL mit perfekter Konsistenz ihr Verhalten bei den einzelnen Vp zeigen müssen. Crutchfields Experiment hat einen ökonomischen Vorteil und der Effekt war auch hier zu beobachten, obwohl man die anderen nicht sehen konnte, also keine soziale Interaktion:
Überraschend an den beschriebenen Experimenten ist, daß Konformität aufgetreten ist ohne jeglichen äußeren Druck.

Was war das Wesentliche an den Yale-Studien?

Welche Faktoren spielen bei der Überzeugung eine Rolle?

Im Rahmen des 1929 ins Leben gerufenen „Yale Communication and Attitute Change Program“ ging die Hovland-Gruppe der Frage nach, wie mit Überredungskommunikation Einstellungsänderungen beim Rezipienten zu provozieren und zu kontrollieren sind.

WHO SAYS?

Glaubwürdigkeit: Die Überzeugungskraft von Botschaften von glaubwürdigen Personen geht meist nach einer gewissen Zeit verloren oder die Wirkung einer unglaubwürdigen Person kann nach einer gewissen Zeit zunehmen. (Sleeper-Effekt)
Mit der Zeit verschwinden Merkmale des Kommunikators, während jedoch die Botschaft an sich erhalten bleibt.
Kompetenz: selbstbewußte Redeweise
Vertrauenswürdigkeit: beim Gespräch direkt in die Augen schauen
Attraktivität: Ähnlichkeit, Sympathie

WHAT IS SAID?

Wirksamkeit von analytischer bzw. emotionaler Argumentationsstrategie abhängig von Publikum:

  • Gebildete, analytische Zuhörer sprechen eher auf analytischen Stil an
  • Weniger gebildete, wenig analytische Zuhörer eher auf emotionalen Stil
  • Involviertes Publikum reagiert eher auf die zentrale Route, also auf die Präsentation von Argumenten
  • Desinteressiertes Publikum reagieren eher auf die periphere Route wie etwa die Attraktivität des Kommunikators

Botschaften wirken überzeugender durch Assoziation mit positiven Gefühlen.
Einseitiger Stil ist am effektivsten, wenn das Publikum ohnehin schon zustimmt. Zweiseitiger Stil am effektivsten, wenn das Publikum nicht zustimmt oder sich zumindest der Gegenargumente bewußt ist.
HOVLAND (1949): Vpn sollten überzeugt werden, daß nach der Niederlage Deutschlands der Krieg der USA mit Japan mindestens noch zwei Jahre dauern würde. Dazu wurden zwei Radiosendungen aufgezeichnet, die eine enthielt nur einseitige Argumente, die andere Sendung enthielt Argumente für beide Seiten. Vpn, die schon am Anfang gleicher Meinung waren, überzeugte die einseitige Sendung mehr als die zweiseitige Sendung. Vpn, die am Anfang anderer Meinung waren, überzeugte jedoch die zweiseitige Argumentationsweise mehr. -Zweiseitiger Argumentationsstil besser, wenn für Zuhörer Gegenargumente verfügbar sind => Vermeidung des Eindrucks, als Sprecher voreingenommen zu sein (biased)!
Einseitiger Stil ist am effektivsten, wenn das Publikum ohnehin schon zustimmt. Zweiseitiger Stil am effektivsten, wenn das Publikum nicht zustimmt oder sich zumindest der Gegenargumente bewußt ist.
Primacy Effekt: Unter sonst gleichen Bedingungen hat die zuerst präsentierte Information am meisten Wirkung.
Der Recency-effect tritt auf, wenn

  • genügend Zeit zwischen beiden Botschaften verstreicht
  • wenn das Urteil anschließend unmittelbar nach der zweiten Botschaft abgerufen wird

Je stärker die hervorgerufene Angst (Ausmaß und Wahrscheinlichkeit) ist, desto stärker ist die Wirksamkeit der Botschaft.
Natürlich darf die Angst nicht zu stark sein.

HOW IS IT SAID?

Auf Erfahrung beruhende (aktiv erworbene) Einstellungen sind scheinbar verläßlicher, stabiler und weniger anfällig gegenüber Angriffen als passiv erworbene Einstellungen.
Einfluß durch persönlichen Kontakten ist stärker als Einfluß der Massenmedien.

TO WHOM IS IT SAID?

Das Jugendalter ist eine stark formative Phase, die in der Jugend gebildeten Meinungen sind sehr stabil.
Der Grad der Involviertheit spielt eine wesentliche Rolle. Bei hoher Involviertheit setzt man sich aktiv mit dem Thema auseinander (centrale Route), während man bei Themen, die einem nicht sonderlich interessieren eher die periphere Route einschlägt.

Was ist Forced Compliance?

Obwohl die Vp der Meinung ist, daß Sie Wahlfreiheit hat, wird sie dazu gebracht, sich entgegen ihrer Einstellung zu verhalten. Bei ungenügender externer Begründung führt dies zu Einstellungsänderung.
Saying-becomes-believing effect: Wenn man Leute dazu bringt, Aussagen zu treffen, an denen sie zweifeln, beginnen sie das zu glauben, was sie sagen. Das aber nur, wenn der Druck von außen nicht zu groß ist.
HIGGINS. (1978): Studenten sollten eine Persönlichkeitsbeschreibung zusammenfassen und ihr Exzerpt einer Person vortragen, von der sie glaubten, daß sie die beschriebene Person entweder mochte (Bedingung I) oder nicht mochte (Bedingung II).
In Bedingung I fielen die Zusammenfassungen positiver aus und die Studenten mochten die beschriebene Person anschließend auch selber mehr als in Bedingung II.
Foot-in-the-door phenomenon: Tendenz von Personen, die zuerst einer kleinen Forderung zustimmten, später auch einer größeren Forderung zuzustimmen.
Freedman & Fraser(1966): Nur 17% aller Haushalte stimmten zu ein großes, häßliches "DRIVE CAREFULLY!" -Schild in ihrem Vorgarten aufstellen zu lassen. Andere Haushalte waren 2 Wochen vorher gefragt worden, ob sie nicht einen "Be A Safe DRIVER!"-Aufkleber auf ihr Autofenster kleben würden. Von diesen Haushalten stimmten später 76% zu, das "DRIVE CAREFULLY!"-Schild in ihrem Vorgarten aufstellen zu lassen.

Drei Erklärungsansätze:

Self-presentation: Vorgang, sich selbst darzustellen und sich so zu verhalten, daß man einen guten Eindruck hinterläßt.
Niemand will inkonsistent bezüglich Einstellung und Verhalten erscheinen.

Kognitive Dissonanz: Spannung, die entsteht, wenn jemand sich gleichzeitig zweier inkonsistenter Kognitionen bewußt ist. Wir sind motiviert, diese Spannung zu reduzieren und Konsistenz innerhalb unserer Kognitionen aufrechtzuerhalten, indem wir unser Denken anpassen und dadurch die unangenehme Spannung auflösen
Abbau der kognitiven Dissonanz bzw. der dadurch entstehenden Erregung durch Anpassung des Denkens bzw. Anpassung von Einstellung und Verhalten.
FESTINGER & CARLSMITH (1959): Vpn mußten 1h lang langweilige Aufgaben erfüllen. Nach dem Experiment erklärte der VL den Vpn, daß das Experiment untersucht, wie Erwartungen die Leistung beeinflussen. Die Vp sollte eine weitere angebliche Vp davon überzeugen, daß das Experiment interessant sei. Nachdem die echte Vp diese Aufgabe erfüllt hatte, gab sie in einem Fragebogen einer weiteren scheinbar unabhängigen Untersuchung darüber Auskunft, wie interessant sie das Experiment tatsächlich gefunden hatte. In der einen Bedingung bekamen die Vpn für ihre Lüge $20 in der anderen Bedingung $1. In der Kontrollgruppe mußte keine andere Person belogen werden.
Ergebnis: Die Vpn in der $1-Bedingung beurteilen das Experiment als interessanter als die Vpn in der $20-Bedingung.
Erklärung: Vpn in der $1-Bedingung erfahren stärkere kognitive Dissonanz aufgrund einer insufficient justification ihres (moralisch fragwürdigen) Verhaltens, weshalb sie ihre Einstellung ihrem Verhalten anpassen, um Dissonanz zu reduzieren.

Selbst-Wahrnehmungstheorie (BEM, 1972): Theorie, die besagt, daß wenn unsere Einstellungen schwach oder mehrdeutig sind, dann erschließen wir uns unsere Einstellungen wie ein außenstehender Betrachter, indem wir unser Verhalten und die Umstände, unter denen das Verhalten aufgetreten ist, betrachten.

Warum halten Menschen so sehr an Vorurteilen fest?

Kognitiver Ansatz: Informationsfülle wird reduziert (Kategorisierung). Stereotype und Vorurteile sind ökonomisch und erlauben eine bessere Kontrolle der Umwelt.
Psychodynamischer Ansatz: Steigerung des Selbstwertes durch Abwertung der anderen (unbewußte, frustrierte Bedürfnisse)
Soziokultureller Ansatz: Man identifiziert sich mit der eigenen Bezugsgruppe (Ingroup).

Was ist Freedom of Choice?

Wahlfreiheit führt immer zum Gefühl der Kontrolle über die Situation.
Voraussetzung für "Forced Compliance".

Jones & Davis: Schlußfolgerung, wie sehr Absichten und Dispositionen einer Person ihren Handlungen entsprechen, hängt davon ab, wieviel Wahlfreiheit wir ihr zusprechen.

Welchen Attributionsunterschied gibt es zwischen Beobachtendem und Handelndem?

Der Beobachter unterschätzt die Situation, da er diese weniger beachte. Der Handelnde hat aber die Situation im Mittelpunkt.

Durch Wechsel der Perspektive konnte eine Umkehrung des Attributionsmusters beobachtet werden.
STORMS (1973): Zwei Vpn unterhalten sich, wobei auf der einen Seite die Vp sitzt und daneben eine Kamera aufgebaut ist, die die gleiche Perspektive besitzt. Gegenüber sitzt der Gesprächspartner und hat neben sich auch eine Videokamera, die die gleiche Perspektive hat. Desweiteren sitzt auf der gleichen Seite ein Beobachter. Nach dem Gespräch beurteilen die Vp und der Beobachter, ob das Verhalten der gegenübersitzenden Vp vor allem durch personale oder situationale Einflüsse verursacht war. Danach urteilt der Beobachter im Gegensatz zur Vp, daß die Situation den geringsten Einfluß auf das Verhalten der Vp hatte.
Anschließend sehen beide das Video, das aus der Perspektive des anderen aufgenommen wurde. Danach führt der Beobachter das Verhalten vor allem auf die Situation zurück, während die Vp ihr Verhalten auf personale Einflüsse zurückführt.
Erklärung: Mit der Zeit nimmt die zentrale Bedeutung der Person in der Erinnerung ab, und situationale Einflüsse nehmen zu. Verstärkung der self-awareness durch das Video führt zu verstärkter personaler Attribution des Handelnden.

Was hat den größeren diagnostischen Wert: Rollenkonsistentes oder rolleninkonsistentes Verhalten?

Rolleninkonsistentes Verhalten,
Da sich Personen nicht den allgemeinen Erwartungen beugen und so dem Beobachter Rückschlüsse auf die internen Prozesse ermöglichen.

Was besagt der Pygmalioneffekt?

Soziale Wahrnehmungen beeinflussen die soziale Realität.
self-fulfilling prophecy: Unsere Ideen und Vorstellungen lassen uns manchmal in einer Art und Weise handeln und verhalten, so daß wir dadurch eine augenscheinliche Bestätigung unserer Erwartungen "produzieren".
Teacher expectations effect: Dazu zwei Experimente:
Rosenthal and Jacobson(1968): Vier zufällig ausgewählten Kindern wurde aufgrund von (fiktiven) Tests bescheinigt, daß sie am Beginn eines außergewöhnlichen intellektuellen Spurts seien. Tatsächlich war es so, daß sie in IQ-Tests zulegten.
Experiment von BABAD, BERNIERI und ROSENTHAL (1991): Lehrer sprachen zu Schülern von denen sie hohe oder niedrige Erwartungen hatten, wobei nur der Lehrer gefilmt wurde ohne daß Schüler zu sehen waren. Ein 10-Sekunden-Ausschnitt, der Gesicht oder die Stimme des Lehrers zeigte bzw. hören ließ, reichte, um Kinder und Erwachsene vorhersagen zu lassen, mit welchen Schülern der Lehrer sprach.

Was sind Einstellungen?

  • Eine positive oder negative Bewertungsreaktion gegenüber etwas oder jemandem, die sich in Ansichten (belief), Emotionen(Affect), oder beabsichtigtem Verhalten auswirkt.
  • Einstellungen sind Prädispositionen, auf eine bestimmte Art und Weise zu reagieren.
  • Einstellungen sind kognitive Repräsentationen, die aus einer zusammenfassenden Bewertung eines Einstellungsobjekts bestehen.

ABC of Attitudes: Affect (Gefühl), Behavior (beabsichtigtes Verhalten), Cognition (Denken)

Was ist die Foot-in-the-Door-Technik?

Tendenz von Personen, die zuerst einer kleinen Forderung zustimmten, später auch einer größeren Forderung zuzustimmen.
Experiment von Freedman & Fraser(1966): Nur 17% aller Haushalte stimmten zu ein großes, häßliches "DRIVE CAREFULLY!" -Schild in ihrem Vorgarten aufstellen zu lassen. Andere Haushalte waren 2 Wochen vorher gefragt worden, ob sie nicht einen "Be A Safe DRIVER!"-Aufkleber auf ihr Autofenster kleben würden. Von diesen Haushalten stimmten später 76% zu, das "DRIVE CAREFULLY!"-Schild in ihrem Vorgarten aufstellen zu lassen.
Variation des foot-in-the-door-phenomenons:
Low-Ball-Technique (speziell üblich bei Autohändlern): Strategie, um die Zustimmung von Personen zu erhalten: Personen die der ersten Forderung zugestimmt haben, stimmen oft auch noch zu, wenn die erste Forderung noch erhöht wird. Personen, die nur die höhere Zweitforderung erhalten haben, stimmen mit geringerer Wahrscheinlichkeit zu.
Dazu ein Experiment von CIALDINI & al. (1978): Autokäufer sind bereit, einen höheren Preis für ein bestimmtes Auto zu zahlen, wenn sie schon dabei sind, den Kaufvertrag auszufüllen, als wenn sie noch am Anfang der Verhandlungen standen.

Weitere Beispiele für die Anwendung der foot-in-the-door technique:

  • Verkauf von Versicherungen
  • Spendensammlungen
  • schrittweise Eskalation des Vietnamkriegs

Nenne Untersuchungen und Theorien zu Vorurteilen!

DUNCAN (1976): Weiße Studenten sahen ein Video von einer Auseinandersetzung eines Weißen mit einem Schwarzen. Wenn der Weiße den Schwarzen schubste, werteten nur 13 % sein Verhalten als "gewalttätig", aber wenn der Schwarze den Weißen schubste, werteten 73% die Handlung als "gewalttätig".
GREENWALD & SCHUH (1994): Autoren mit nicht-jüdischen Namen zitieren Autoren mit nicht-jüdischen Namen um 40 % häufiger.
AYRES (1991): Bei einheitlichen Verhandlungsstrategien beim Autokauf (Selbstkostenpreis des Händlers. $11,000, mußten männliche Weiße am wenigsten zahlen, weibliche Weiße mehr, männliche Schwarze noch mehr und weibliche Schwarze am meisten.

Displaced Aggression:Umlenkung der Aggression tritt auf, wenn der Grund für Aggression furchteinflößend (Bär) oder nicht bestimmbar ist (allgemeine wirtschaftliche Depression).
Diese sogenannte Sündenbock-Theorie konnte bestätigt werden:
MILLER & BUGELSKI (1948): Arbeiter in einem Lager, die frustriert wurden (ausgefallener Theaterbesuch), zeigten stärkere Vorurteil gegenüber Japanern und Mexicanern als die nicht-frustrierte Kontrollgruppe. Frustration führt zu verstärkten Vorurteilen
Realistic group conflict theory: Theorie, die besagt, daß Vorurteile aus dem Wettbewerb von Gruppen um knappe Ressourcen entstehen. Demnach ist maximaler Wettbewerb zu erwarten, wenn identische Bedürfnisse bestehen (Gause-Gesetz).
GREELEY & SHEATSLY (1971): Weiße, die der sozioökonomischen Schicht der Schwarzen am nächsten sind, haben die stärksten Vorurteile.

Wie entstehen Einstellungen und Einstellungsänderungen?

Drei Erklärungsansätze:

Self-presentation: Vorgang, sich selbst darzustellen und sich so zu verhalten, daß man einen guten Eindruck hinterläßt.
Niemand will inkonsistent bezüglich Einstellung und Verhalten erscheinen. Obwohl es hier fraglich ist, ob wirklich auch die innere Einstellung geändert wird.

Kognitive Dissonanz: Spannung, die entsteht, wenn jemand sich gleichzeitig zweier inkonsistenter Kognitionen bewußt ist. Wir sind motiviert, diese Spannung zu reduzieren und Konsistenz innerhalb unserer Kognitionen aufrechtzuerhalten, indem wir unser Denken anpassen und dadurch die unangenehme Spannung auflösen
Abbau der kognitiven Dissonanz bzw. der dadurch entstehenden Erregung durch Anpassung des Denkens bzw. Anpassung von Einstellung und Verhalten.
FESTINGER & CARLSMITH (1959): Vpn mußten 1h lang langweilige Aufgaben erfüllen. Nach dem Experiment erklärte der VL den Vpn, daß das Experiment untersucht, wie Erwartungen die Leistung beeinflussen. Die Vp sollte eine weitere angebliche Vp davon überzeugen, daß das Experiment interessant sei. Nachdem die echte Vp diese Aufgabe erfüllt hatte, gab sie in einem Fragebogen einer weiteren scheinbar unabhängigen Untersuchung darüber Auskunft, wie interessant sie das Experiment tatsächlich gefunden hatte. In der einen Bedingung bekamen die Vpn für ihre Lüge $20 in der anderen Bedingung $1. In der Kontrollgruppe mußte keine andere Person belogen werden.
Ergebnis: Die Vpn in der $1-Bedingung beurteilen das Experiment als interessanter als die Vpn in der $20-Bedingung.
Erklärung: Vpn in der $1-Bedingung erfahren stärkere kognitive Dissonanz aufgrund einer insufficient justification ihres (moralisch fragwürdigen) Verhaltens, weshalb sie ihre Einstellung ihrem Verhalten anpassen, um Dissonanz zu reduzieren.

Selbst-Wahrnehmungstheorie (BEM, 1972): Theorie, die besagt, daß wenn unsere Einstellungen schwach oder mehrdeutig sind, dann erschließen wir uns unsere Einstellungen wie ein außenstehender Betrachter, indem wir unser Verhalten und die Umstände, unter denen das Verhalten aufgetreten ist, betrachten.

Wird in der Forced-Compliance-Situation die Einstellung tatsächlich geändert?

Compliance: Eine Änderung im Verhalten oder Meinungen als Folge von realem oder vorgestelltem Gruppendruck.
Akzeptanz (ehrliche, innere Konformität): Konformität, die beinhaltet, daß Verhalten und Meinung dem sozialen Druck entsprechen.
Befolgung (compliance): Konformität, welche bedeutet, daß man öffentlich handelt in Übereinstimmung mit dem sozialem Druck, obwohl man persönlich nicht damit einverstanden ist. Häufig soll damit eine Belohnung verdient oder eine Bestrafung vermieden werden.

Bei ganz schwachem Druck, der gerade ausreicht, um zu überzeugen, glaubt die Person, aus eigener Entscheidung gehandelt zu haben. Dann wird sie ihre Meinung ändern.

Was ist die Bennington-Studie?

Individuelle Einstellungen werden von der Gruppenzugehörigkeit beeinflußt.

Konservative Töchter an der liberalen Bennington-Universität änderten ihre Einstellung abhängig von der Bezugsgruppe.
Je länger die Studentinnen an der Uni waren, um so liberaler waren sie. Auch nach 25 Jahren noch.

Nenne die wichtigsten Attributionsfehler!

Fundamentaler Attributionsfehler: Man schließt auf Disposition und unterschätzt die Situation.

Actor-observer-difference: Für den Beobachter steht der Handelnde im Mittelpunkt, für den Handelnden steht aber die Situation im Mittelpunkt.

Repräsentativheuristik: Hervortretende Merkmale werden beachtet, ohne Auftretenswahrscheinlichkeit zu berücksichtigen.
Beispiel: Linda (31) ist ledig, sprachgewandt und sehr intelligent. Sie hat Philosophie studiert und hat sich intensiv mit sozialen Problemen, wie Diskriminierung, Atomenergie/-waffen,... auseinandergesetzt.
Ist Linda wahrscheinlicher
a) eine Bankangestellte
b) eine Bankangestellte und in der Frauenbewegung aktiv?
Die meisten Menschen denken, b) ist richtig aufgrund der größeren Repräsentativität. Tatsächlich ist es aber unwahrscheinlicher, daß jemand Bankangestellte und zugleich aktive Frauenrechtlerin ist.

Selektive Wahrnehmung: VALLONE, ROSS & LEPPER (1985): Pro-israelischen Studenten und pro-arabischen Studenten wurden (neutrale) Nachrichtenausschnitte über die Ermordung von Zivilisten in Flüchtingslagern im Libanon gezeigt. Jede Gruppe glaubte, daß die Nachrichten die andere Seite bevorzugten.

Reaktive Abwertung der Gegenpartei: Sogar Einlenken wird als Trick angesehen.

Nenne Bedingungen der Einstellungsänderung!

Self-presentation: Vorgang, sich selbst darzustellen und sich so zu verhalten, daß man einen guten Eindruck hinterläßt.
Niemand will inkonsistent bezüglich Einstellung und Verhalten erscheinen.

Kognitive Dissonanz: Spannung, die entsteht, wenn jemand sich gleichzeitig zweier inkonsistenter Kognitionen bewußt ist. Wir sind motiviert, diese Spannung zu reduzieren und Konsistenz innerhalb unserer Kognitionen aufrechtzuerhalten, indem wir unser Denken anpassen und dadurch die unangenehme Spannung auflösen
Abbau der kognitiven Dissonanz bzw. der dadurch entstehenden Erregung durch Anpassung des Denkens bzw. Anpassung von Einstellung und Verhalten.
Selbst-Wahrnehmungstheorie (BEM, 1972): Theorie, die besagt, daß wenn unsere Einstellungen schwach oder mehrdeutig sind, dann erschließen wir uns unsere Einstellungen wie ein außenstehender Betrachter, indem wir unser Verhalten und die Umstände, unter denen das Verhalten aufgetreten ist, betrachten.

Overjustification effect: Ergebnis der Bestechung/Belohnung von Personen für Tätigkeiten, die sie bereits gerne machen. Diese sehen danach ihre Handlungen als external kontrolliert statt intrinsisch motiviert.
Dieser Effekt kann durch die kognitive Dissonanztheorie nicht erklärt werden!!

Wie definiert Festinger kognitive Dissonanz?

Sie erzeugt einen Spannungszustand, der entsteht, wenn man sich gleichzeitig über zwei inkonsistente Kognitionen bewußt ist. Der Spannungszustand wird als unangenehm erlebt und motiviert, die Dissonanz zu überwinden. Kognitionen werden dafür so verändert, daß sie miteinander kompatibel sind.

Beispiel: Raucher

Was spricht dafür, daß Wahrnehmung kein passiver, sondern ein aktiver Vorgang ist?

Bei mehrdeutiger sozialer Information spielen vorgefaßte Meinungen eine große Rolle. Erinnerungen, Interpretationen und Wahrnehmung werden dann von vorgefaßten Meinungen beeinflußt.
Vorteil: Effektive, schnelle Steuerung der Informationsverarbeitung von großen Mengen von Information durch Filterung und Organisation.
Nachteil: Verzerrungen von Wahrnehmung und Kognition.

ROTHBART & BIRELL (1977): Bei der Beurteilung des Gesichtsausdruckes aufgrund eines Fotos eines männlichen Gesichtes spielten Vorinformationen eine große Rolle.
Vorinformation und Wahrnehmung des Gesichtes:

  • GeStaPo-Führer. Interpretation des Bildes: grausames Gesicht
  • Retter von Juden. Interpretation des Bildes: warmes Lächeln


Optische Täuschungen sprechen auch dafür, daß Wahrnehmung ein aktiver Vorgang ist.

Was ist die Kriteriumsauswahl bei Erfolgs- und Mißerfolgsmotivation?

Atkinsons Leistungsmotivation: Hohes Erfolgsmotiv + große Angst vor Mißerfolg: mittelschwere Aufgaben, um Feedback über die Leistung zu bekommen.
Hohes Erfolgsmotiv + geringe Angst vor Mißerfolg: schwierige Aufgaben, um Mißerfolg darauf schieben zu können, oder leichte Aufgaben, um sicher Erfolg zu haben.

Was ist der Inertia-Effekt?

Der Wert bestätigender Informationen wird überschätzt, der von entgegengerichteten Informationen unterschätzt.

SNYDER & SWANN (1984, 1992): Zwischen Vpn und anderen Menschen wurden blind-dates arrangiert, wobei den Vpn Hypothesen über den Charakter ihrer Gesprächspartner vorgegeben wurden, die es zu testen galt. => Vpn versuchten oft, ihre Hypothesen zu testen, indem sie nach bestätigenden Informationen suchten und entkräftende Belege außen vor ließen, die ihre Theorie widerlegen hätte können.

Nenne ein Entscheidungsexperiment zum Thema "kognitive Dissonanz" vs. "Selbstwahrnehmung"!

FESTINGER & CARLSMITH (1959): Vpn mußten 1h lang langweilige Aufgaben erfüllen, wie z.B. Holzklötze umdrehen. Nach dem Experiment erklärte der Versuchsleiter den Vpn, daß das Experiment untersucht, wie Erwartungen die Leistung beeinflussen. Die Vp sollte eine weitere angebliche Vp davon überzeugen, daß das Experiment sehr interessant sei. Nachdem die echte Vp diese Aufgabe erfüllt hatte, gab sie in einem Fragebogen einer weiteren scheinbar unabhängigen Untersuchung darüber Auskunft, wie interessant sie das Experiment tatsächlich gefunden hatte. In der einen Bedingung bekamen die Vpn für ihre Lüge $20 in der anderen Bedingung $1. In der Kontrollgruppe mußte keine andere Person belogen werden.
Ergebnis: Die Vpn in der $1-Bedingung beurteilen das Experiment als interessanter als die Vpn in der $20-Bedingung.

Erklärung der kognitiven Dissonanztheorie: Der kleinste Anreiz, der dazu bringt, etwas zu tun, ist in aller Regel der effektivste, um zum Beibehalten der Handlung zu bewegen. Wenn externale Rechtfertigung zu gering ist, eine Handlung zu rechtfertigen, dann reduzieren wir die kognitive Dissonanz, indem wir es internal rechtfertigen.

Erklärung der Selbstwahrnehmungstheorie: Menschen erklären ihr Verhalten, indem sie sich selbst und die Bedingungen, unter denen sie sich verhalten haben, beobachten. Wenn keine externalen Ursachen vorhanden sind, schließen wir von unserem Verhalten auf unsere Einstellungen. Die motivationale Erklärung wie bei der Dissonanztheorie ist hier also nicht notwendig. Bems Theorie ist sparsamer, kommt aber bei den Vorhersagen zum gleichen Ergebnis.

Führt die Gegenwart anderer Menschen eher zu sozialer Erleichterung oder zu sozialem Faulenzen?

Social Faciliation: Verstärkung von dominanten (vorherrschenden, wahrscheinlichen) Reaktionen aufgrund der Gegenwart anderer Personen.
ZAJONC & SALES (1966): Vpn mußten verschiedene sinnlose Wörter zwischen 1 und 16mal wiederholen. Bei anschließender scheinbarer Darbietung der Silben im Tachistoskop, wobei in Wirklichkeit nur ein schwarzer Balken dargeboten wurde, wurden meistens die Wörter wahrgenommen, die sie vorher am häufigsten wiederholt hatten. Durch Anwesenheit anderer Personen wurde dieser Effekt noch verstärkt.
Tritt auf, wenn individuelles Ziel oder individuelle Leistung individuell zuweisbar ist.

Social Loafing: Tendenz, sich weniger anzustrengen, wenn man in einer Gruppe ein gemeinsames Ziel verfolgt und man als Individuum für seine Leistung nicht verantwortlich ist, d.h. der erbrachte Anteil an der Gesamtleistung nicht individuell zuweisbar ist(additive task). Soziales Bummeln nimmt mit wachsender Gruppengröße zu.
INGHAM (1974): Vpn, die die Augen verbunden hatten, mußten an erster Stelle Tauziehen, wobei einem Teil gesagt wurde, daß sie alleine ziehen, zum anderen wurde gesagt, daß mit ihnen 2-5 Menschen ziehen. Alleine zogen die Vpn um 18% stärker als in der Gruppe.
Tritt auf, wenn gemeinsames Ziel in der Gruppe oder die gemeinsame Leistung nicht individuell zuweisbar ist.

Nenne situationale Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit hilfreichen Verhaltens verringern!

Die wachsende Anzahl von Zuschauern beeinflußt das Hilfeverhalten jedes einzelnen Zuschauers durch drei Aspekte (nach LATANÉ & DABBS, 1975):

  1. Verringerung der Wahrscheinlichkeit, daß der Vorfall wahrgenommen wird
  2. Verringerung der Wahrscheinlichkeit daß der Vorfall als Problem oder Notfall wahrgenommen wird
  3. Verringerung der Wahrscheinlichkeit, daß man sich selber verantwortlich fühlt.

Bystander effect: Befund, daß Personen mit geringerer Wahrscheinlichkeit helfen, wenn noch andere Zuschauer vorhanden sind.

DARLEY & LATANÉ (1968): Studenten sollten über ihre Probleme beim Studium sprechen. Dazu saßen sie in verschiedenen Kabinen und unterhielten sich über Mikrofon. Es wurde der Eindruck erweckt, als wenn einer der Gesprächsteilnehmer einen epileptischen Anfall erleiden würde. Von den Studenten, die glaubten, der einzige zu sein, der den Vorfall gehört hatte, halfen 85%. Von den Studenten, die glaubten, daß noch vier weitere Zuhörer vorhanden seien, halfen nur 31%. Die Studenten, die nicht geholfen hatten, waren sich bewußt, daß ein Notfall aufgetreten war, aber waren unschlüssig, ob sie helfen sollten. Desweiteren glaubten sie, daß die Anwesenheit von anderen Zuhörern sie nicht in ihrem Verhalten beeinflußt hatte.

Die Anwesenheit anderer Zuschauer verringert die Hilfsbereitschaft, wenn

  • der Notfall nicht eindeutig ist
  • die anderen Zuschauer Fremde sind
  • man Schwierigkeiten hat, die Reaktionen der anderen Zuschauer zu interpretieren(Wichtigkeit der facial communication)


Zeitdruck:
DARLEY & BATSON (1973): Theologiestudenten sollten über einen Text sprechen, was auf Tonband aufgenommen werden sollte. Ein Teil referierte über die Parabel vom "Barmherzigen Samariter" , ein anderer Teil über einen anderen Text. Zur Aufnahme wurden die Studenten in ein naheliegendes Gebäude geschickt, wobei ein Teil der Vpn unter Zeitdruck stand, ein anderer Teil noch genügend Zeit hatte, in das andere Gebäude zu gehen. Auf dem Weg lag ein zusammengekauerter Mann, der hustete und stöhnte. Von den unter Zeidruck stehenden Studenten halfen 10%, von den Studenten, die noch genügend Zeit hatten, halfen 66%. Das Referatsthema hatte dagegen kaum Einfluß auf die Hilfsbereitschaft.

Nenne situationale Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit hilfreichen Verhaltens erhöhen!

Vorbilder von prosozialem Verhalten erhöht die Hilfsbereitschaft. Was sind die Motive von Altruismus?

  • Sozialer Austausch
  • Helfen als verdecktes Selbstinteresse
  • Empathie als eine Quelle ursprünglichen Altruismusses
  • Die Reziprozitätsnorm
  • Die Norm der sozialen Verantwortung
  • Arterhaltung

Externale Motivation: z.B. Steigerung des Ansehens, Einschmeicheln, Vermeidung von Bestrafung wegen unterlassener Hilfeleistung,...
Internale Motivation: z.B. Verringerung des eigenen Unbehagens bei Anblick von Leid, Steigerung des Selbstwertes

Wie ist der Zusammenhang zwischen der Anwesenheit anderer und der Schwierigkeit der Aufgabe in Bezug auf die Leistung?

Social Faciliation:
Ursprüngliche Bedeutung: Die Tendenz in Gegenwart anderer Menschen bei einfachen oder gut-gelernten Aufgaben bessere Leistungen zu vollbringen.
Aktuelle Bedeutung: Verstärkung von dominanten (vorherrschenden, wahrscheinlichen) Reaktionen aufgrund der Gegenwart anderer Personen.
Dieser Effekt tritt bei bloßer Anwesenheit anderer auf, ist also nicht das Ergebnis von Konkurrenz.
Manchmal wird also die Leistung bei Anwesenheit anderer erhöht, manchmal erniedrigt. Dieser scheinbare Widerspruch wurde durch Zajonc (1965) gelöst: die Anwesenheit anderer hat den allgemeinen Effekt der Steigerung des Erregungsniveaus der Person. Erhöhte Erregung wird dann die Leistung steigern, wenn die Person ein Verhalten ausübt, das sie gut beherrscht oder das einfach ist. Sind die erwarteten Reaktionen jedoch neu, nicht gut gelernt oder schwer, dann ist die erhöhte Erregung störend, die Person reagiert angespannt.
Allgemein: Erregung erleichtert dominante Antworten.
Experiment von ZAJONC & SALES (1966): Vpn mußten verschiedene sinnlose Wörter zwischen 1 und 16mal wiederholen. Bei anschließender scheinbarer Darbietung der Silben im Tachistoskop, wobei in Wirklichkeit nur ein schwarzer Balken dargeboten wurde, wurden meistens die Wörter wahrgenommen, die sie vorher am häufigsten wiederholt hatten. Durch Anwesenheit anderer Personen wurde dieser Effekt noch verstärkt.
Experiment von MICHAELS & al. (1982): Gute Billiardspieler verbesserten ihre Leistung bei Beobachtung durch vier Personen (80% Treffer im Vergleich zu 71% Treffer bei unaufdringlicher Beobachtung). Schlechte Billiardspieler verschlechterten sich in ihrer Leistung (25% gegenüber 36% bei unaufdringlicher Beobachtung)

Welche Fehler gibt es beim Beurteilen einer Situation?

Vorgefaßte Meinungen: Bei mehrdeutiger sozialer Information spielen vorgefaßte Meinungen eine große Rolle. Erinnerungen, Interpretationen und Wahrnehmung werden dann von vorgefaßten Meinungen beeinflußt.
WALLBOTT (1988): Manipulation der emotionalen Beurteilung von Filmszenen durch Variation vorangehender Szenen. Dabei wurden ein und derselben Filmszene, die einen Mann zeigt, verschiedene Szenen mit unterschiedlichen Aussagen vorangestellt. In Abhängigkeit der vorangestellten Szenen wurde der Mann völlig gegensätzlich beurteilt, obwohl es sich genau um die gleiche Darstellung gehandelt hat.

Overconfidence phenomenon: Tendenz, selbstsicherer zu sein als genau, d.h. die Genauigkeit der eigenen Urteile zu überschätzen.
KAHNEMAN & AMOS (1979): Vpn sollten Fragen des folgenden Typs beantworten:
"Ich bin mir zu 98% sicher, daß New-Delhi und Beijing weiter als ___ km aber weniger als ___ km entfernt sind (Luftlinie)."
Ergebnis: Bei 30% aller Fragen überschritten die Lösungen den Antwortspielraum.

Repräsentativheuristik: Strategie zur Schätzung von Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen dadurch, daß man die Ähnlichkeit oder die Passung zu bestimmten Prototypen beurteilt. Dies kann zur Vernachlässigung anderer relevanter Informationen führen.

Base-rate fallacy: Tendenz, base-rate information (Informationen, die die Mehrheit der Leute beschreibt) zu ignorieren oder zu unterschätzen. Statt dessen besitzen die distinkten Eigenschaften des untersuchten Falles einen großen Einfluß.
NISBETT (1976): Studenten sahen ein Video mit Interviews von Versuchsteilnehmern, die an einem Versuch teilgenommen haben, bei dem die meisten Vpn einem Opfer nicht geholfen hatten. Diese base-rate information hatte keinen Einfluß auf die Vorhersage, ob ein bestimmter Versuchsteilnehmer geholfen hatte oder nicht, da der subjektive positive Eindruck des jeweiligen Teilnehmers auf die VP überwog.

Verfügbarkeitsheuristik: Eine wirksame, aber fehlerhafte Faustregel, die die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen aus der Verfügbarkeit im Gedächtnis schätzt. Wenn einem bestimmte Beispiele schnell und häufig einfallen, dann nimmt man an, daß sie auch in der Realität oft vorkommen.
Beispiel: Überschätzung der Gefährlichkeit von Flugzeugabstürzen gegenüber Verkehrsunfällen, die im Vergleich weniger spektakulär sind.

IIllusionäre Korrelation: Wahrnehmung eines nicht existierenden Zusammenhangs bzw. eines stärkeren Zusammenhangs als tatsächlich vorliegt. Der Glaube an die Existenz eines Zusammenhangs verstärkt Wahrnehmung und das Erinnern von bestätigenden Informationen.

Was besagt der Fall "Kitty Genovese"?

1964 fiel Kitty Genovese in ihrem eigenen Wohnhaus einem Mordanschlag zum Opfer. Der Angriff mittels Messer zog sich mit einigen Unterbrechungen über mehrere Stunden hin. Insgesamt 38 Personen, Nachbarn des Opfers, wurden Zeugen des Überfalls, aber keiner half.
Bystander effect: Befund, daß Personen mit geringerer Wahrscheinlichkeit helfen, wenn noch andere Zuschauer vorhanden sind.
LATANÉ & DABBS (1968): Studenten füllten entweder alleine oder mit zwei Fremden in einem Zimmer einen Fragebogen aus, in dem durch eine Wandöffnung plötzlich Rauch eindrang. Alleine arbeitende Studenten bemerkten den Rauch früher (nach 5s) als in Gruppen arbeitende Studenten (nach 20s).

Pluralistische Ignoranz: Situation wird nicht als so gefährlich eingeschätzt. Verantwortlichkeitsdiffusion: Jemand anderes wird schon helfen.

Was verstehst Du unter Aggression (notwendige Definitionsmerkmale)?

Feindseliges Verhalten, das die eigenen Interessen unter Verletzung der Interessen des gegenübers durchzusetzen versucht.

Verhalten, das darauf abzielt, Schaden oder Schmerzen zu verursachen. Man kann feindselige und instrumentelle Aggression unterscheiden.

Was ist Kommunitarismus?

Versuch, die Aspekte des Individualismus bei Respektierung der grundlegenden Rechte, und die Aspekte des Kollektivismus bei Respektierung der Fürsorge für Familie und Gemeinschaft zu vereinigen.

Was ist Unterlaufen intrinsischer Motivation?

Overjustification effect: Ergebnis der Belohnung für Tätigkeiten, die sie bereits gerne machen. Diese sehen danach ihre Handlungen als external kontrolliert statt intrinsisch motiviert.
Dieser Effekt kann durch die kognitive Dissonanztheorie nicht erklärt werden!
Belohnung impliziert versteckte Nachteile oder Kosten.
Vorhersagen der Selbst-Wahrnehmungstheorie:

  • Verringerung der intrinsischen Motivation: bei einer unnötigen Belohnung mit eindeutiger Absicht, Verhalten zu kontrollieren, ist mit einer Verringerung von intrinsicher Motivation zu rechnen.
  • Keine Verringerung der intrinsischen Motivation: bei einer nicht vorhergesehenen Belohnung oder Strafe hat dies keine Verringerung der intrinsischen Motivation zur Folge, weil man Verhalten immer noch auf die intrinsische Motivation zurückführen kann.
  • Verstärkung der intrinsischen Motivation: Belohnungen, die Informationen über die eigene Leistung beinhalten, steigern intrinsische Motivation. Belohnungen, die als Kontrolle erkannt oder empfunden werden, verringern intrinsische Motivation.

Fazit: Um Menschen dazu zu bringen, (unangenehme) Aufgaben aus intrinsischer Motivation zu erfüllen, sind minimale Handlungsanreize (Druck/ Belohnung), die zum gewünschten Verhalten führen am besten geeignet.
(Deci & Ryan: Versuch mit den Kindern, die für ein Puzzlespiel belohnt wurden und danach keine Lust mehr dazu hatten)

Erläutere die fünf Schritte, die zu prosozialem Verhalten nach Latané & Darley führen können!

  1. Wahrnehmung eines Ereignisses
  2. Erkennen der Notlage
  3. Erkennen der eigenen Verantwortlichkeit
  4. Entscheiden für eine bestimmte Art der Hilfe
  5. Handeln

Vergleiche Stanford und Milgram!

ZIMBARDO ( 1971) "Stanford Prison Experiment": Studenten wurde zufällig die Rolle als Wärter oder Gefangener bei einer Simulation eines Gefängnisses zugewiesen. Die Wärter erhielten Uniformen, Knüppel und Pfeifen und sollten auf die Einhaltung der Regeln achten. Die Gefangenen mußten Sträflingskleidung tragen und wurden in Zellen gesperrt. Die Wärter begannen, die Gefangenen zu erniedrigen und sich grausame Praktiken auszudenken. Die Gefangenen brachen zusammen, rebellierten oder wurden apathisch. Nach 6 Tagen mußte das für 14-Tage geplante Experiment abgebrochen werden.
Erklärung: Zunehmende Vermischung von Rollenverhalten und Ich-Identität.

MILGRAM (1965): Der echten Vp wird "zufällig" die Rolle des Lehrer "zugelost", der Vertraute erhält die Rolle als "Schüler". Der Schüler soll eine Liste mit Wörtern auswendig lernen, wobei falsche Antworten vom "Lehrer" mit Stromschlägen wachsender Intensität bestraft werden, mit leichten Elektroschocks (45V) beginnend bis zu lebensbedrohlichen Schocks (450V).
Ergebnis: Entgegen den Vorhersagen von Psychiatern, Studenten und Erwachsenen, die glaubten, daß keine Vp als "Lehrer" über 135 Volt hinausgehen würde, gingen ca. 65% der Vpn bis 450 Volt.

Gemeinsamkeiten:

  • Beide Ergebnisse sprechen gegen die Dispositionshypothese. Die normalen Teilnehmer konnten nicht alle grausam sein.
  • Beide Experimente waren ethisch nicht ganz in Ordnung.

Wie entsteht nach Adorno eine autoritäre Persönlichkeit? Ist Rassenhaß damit zu erklären?

Eigenschaften autoritärer Menschen:

  • ethnozentristisch: Glaube an die Überlegenheit der eigenen ethnischen und kulturellen Gruppe und eine entsprechende Verachtung für alle anderen Gruppen.
  • Intoleranz gegenüber Schwäche -Einstellung zugunsten von Bestrafung
  • Unterordnung und Respekt gegenüber Autoritäten der Ingroup ("Gehorsam und Respekt gegenüber Autoritäten sind die wichtigsten Erziehungsziele!")
  • in der Kindheit strenge Erziehung
  • starke Orientierung an Macht und Status
  • Richtig-Falsch -Denken

Untersuchung von ADORNO & al. (1950): Vorurteile/Feindschaft gegenüber versch. Outgroups treten oft gemeinsam bei autoritären Persönlichkeitseigenschaften auf.
Korrelationen von autoritären Persönlichkeitsmerkmalen:

  • mit Sympathien für Apartheid
  • mit Sympathien für Folter
  • mit Vorurteilen gegen Schwarze, Schwule, Frauen,...

Rassenhaß ist damit nicht zu erklären, weil historische, gesellschaftliche, ökonomische und gruppendynamische Prozesse nicht berücksichtigt werden.

Nenne Studien zu prosozialem Verhalten!

DARLEY & LATANÉ (1968): Studenten sollten über ihre Probleme beim Studium sprechen. Dazu saßen sie in verschiedenen Kabinen und unterhielten sich über Mikrofon. Es wurde der Eindruck erweckt, als wenn einer der Gesprächsteilnehmer einen epileptischen Anfall erleiden würde. Von den Studenten, die glaubten, der einzige zu sein, der den Vorfall gehört hatte, halfen 85%. Von den Studenten, die glaubten, daß noch vier weitere Zuhörer vorhanden seien, halfen nur 31%.

LATANÉ & DABBS (1968): Studenten füllten entweder alleine oder mit zwei Fremden in einem Zimmer einen Fragebogen aus, in dem durch eine Wandöffnung plötzlich Rauch eindrang. Alleine arbeitende Studenten bemerkten den Rauch früher (nach 5s) als in Gruppen arbeitende Studenten (nach 20s).

Nenne bestimmte Faktoren, die im Stanford-Experiment die Deindividuation ermöglichten!

Sonnenbrillen, Uniformen, Nummern: Deindividuation und Demoralisierung

Warum hat sich niemand gewehrt? Pluralistische Ignoranz. Niemand schreitet ein, also wird alles seine Richtigkeit haben.

Wenn Social Loafing und Social Facilitation zusammenkommen:
Erregung + Verantwortungsdiffusion = Deindividuation
Deindividuation: Verlust der Selbstaufmerksamkeit und Bewertungsfurcht. Tritt in Situationen auf, die Anonymität fördern und die Aufmerksamkeit vom Individuum ablenken.
Bsp: Gruppe von Studenten fordern Selbstmörder auf, von Gebäude zu springen ("Jump, jump!)

Was ist der Naturalistische Fehlschluß?

Geht man ausschließlich vom (empirisch) Gegebenen aus, um daraus Gewünschtes oder Gesolltes abzuleiten, verwechselt man IST und SOLLEN.
Alleine aus der Tatsache, dass etwas in der Natur häufig oder regelmäßig vorkommt, lässt sich nicht schließen, dass es auch gut ist. Das 'Natürliche' ist nicht immer auch das Gute.

Wie erklären Schachter und Singer die Fehlattribution?

Die Empfindung körperlicher Erregung ist notwendig für Emotionen, aber nicht ausreichend.Sie ist für die Stärke der Emotion verantwortlich.
Kognition ist notwendig für die Qualität der Emotion.

  1. Emotionsrelevante Einschätzung einer Situation
  2. Überzeugung, daß die wahrgenommene Erregung durch diese Situation hervorgerufen wird

Normalfall: Das Ereignis, das physiologische Erregung auslöst, legt auch gleichzeitig eine passende emotionale Kognition über die Ursache nahe.
Sonderfall: Es gibt keine unmittelbare Erklärung für eine Emotion. Jeder hat aber das Bedürfnis nach einer Erklärung, daher Ursachensuche und evtl. Fehlattribution.

Experiment: Drei Faktoren wurden manipuliert:

  1. Physiologische Erregung (Injektion von Adrenalin oder Kochsalzlösung)
  2. Erklärungsbedürfnis (Vp wurden über die Wirkung des Adrenalins nicht, falsch oder richtig informiert)
  3. Emotionale Kognition (Vp wurde mit einer ärgerlichen oder euphorischen Person zusammengesetzt)

Alle Vorhersagen trafen zu, nur eine nicht: Zwischen der Placebo-Gruppe und der nich-informierten und der falsch informierten Adrenalin-Gruppe gab es keinen Unterschied. Alle Unterschiede waren aber gering.

Was ist Hindsight bias?

Hab ich doch gleich gewußt!

Tendenz, die eigene Fähigkeit zu überschätzen, Ereignisse oder Ergebnisse vorherzusagen, nachdem man das tatsächliche Ereignis oder Ergebnis erfahren hat.
Problem des Hindsight bias: Personen werden zu sicher bezüglich der Validität ihrer Urteile und ihrer Vorhersagen.
Beispiele:

  • Journalisten-Meinungen zu Wahlergebnisse
  • Experiment von TEIGEN (1986): Studenten sollten Sprichwörter und deren Gegenteile nach ihrem Wahrheitsgehalt beurteilen. z.B. "Angst ist stärker als Liebe" vs. "Liebe ist stärker als Angst". Beide Versionen wurden meistens als "wahr" beurteilt.
  • Experiment von DAWSON (1988): Ärzte, die Symptome und Todesursache (Diagnose) von Patienten wußten, hielten die Diagnose für einfacher als Ärzte, die nur die Symptome wußten. Gefahren durch den Hindsight bias:
  • Überschätzung des eigenen Wissens ("Ist doch alles ganz logisch!")
  • zu harte Bestrafung nach einem Fehler, der im Nachhinein vermeidbar erscheint

Was ist Reaktanz?

Motiv, das darauf abzielt, das Gefühl der eigenen Freiheit zu schützen oder wiederherzustellen. Reaktanz tritt auf, wenn etwas unsere Handlungsfreiheit bedroht (=> Bumerang Effekt).

Emotional: Verärgerung, die sich gegen die Quelle der Freiheitseinschränkung richtet.
Kognitiv: Einstellungsänderung. Die verlorene Option wird positiver und die Wuelle der Einschränkung negativer bewertet.
Verhalten: Das verbotene Verhalten wird demonstrativ gezeigt bzw. man verweigert sich dem Beeinflussungsversuch, so sehr es möglich ist.

HEILMAN (1976): Die Wahrscheinlichkeit, daß Passanten auf der Straße eine Unterschriftenliste unterzeichnen für eine Sache, die sie bereits zu mindestens mild unterstützen, wird durch Äußerungen wie "man sollte verbieten, solche Unterschriftenlisten zu verteilen oder zu verbreiten!" erhöht.
Weitere Beispiele: In den USA hat Alkohol eine größere Bedeutung unter Jugendlichen unter 21 Jahren (Altersgrenzefür den Alkoholkonsum) als über 21 Jahren bzgl. Abstinenz oder starkem Alkoholkonsum.
Je stärker sich eine Gruppe ungerechten Forderungen fügt, desto schwieriger ist es später, Widerstand zu leisten.
Eine Person muß der Mißstimmung der anderen Personen Ausdruck verleihen.

Was weißt Du über das Experiment des Barmherzigen Samariters?

DARLEY & BATSON (1973): Theologiestudenten sollten über einen Text sprechen, was auf Tonband aufgenommen werden sollte. Ein Teil referierte über die Parabel vom "Barmherzigen Samariter" , ein anderer Teil über einen anderen Text. Zur Aufnahme wurden die Studenten in ein naheliegendes Gebäude geschickt, wobei ein Teil der Vpn unter Zeitdruck stand, ein anderer Teil noch genügend Zeit hatte, in das andere Gebäude zu gehen.
Auf dem Weg ins andere Gebäude lag ein zusammengekauerter Mann, der hustete und stöhnte. Von den unter Zeidruck stehenden Studenten halfen 10%, von den Studenten, die noch genügend Zeit hatten, halfen 66%. Das Referatsthema hatte dagegen kaum Einfluß auf die Hilfsbereitschaft.
In einem weiteren Experiment zeigte sich, daß auch die Wichtigkeit des Termins, der einen unter Zeitdruck setzt, eine wichtige Rolle spielt.
Gründe: Bei Zeitdruck verringert sich die Aufmerksamkeit für die Umgebung: geringere/ fehlende Wahrnehmung einer Notlage!

Was ist "Bogus Pipeline?

JONES & SIGALL: Täuschungsverfahren, das Personen dazu veranlaßt, ihre wahren Einstellungen offenzulegen.
1) Vpn werden zuerst davon überzeugt, daß eine neuartige Maschine in der Lage ist, aus ihrer psychologischen Reaktion ihre Einstellungen festzustellen. Dazu wurden unter anderem Einstellungen abgefragt, die dem Experimentator aber schon aufgrund von vorher durchgeführten Fragebogentests bekannt waren, an die sich der Proband allerdings nicht mehr erinnern kann und deshalb über das "Wissen" der Maschine natürlich erstaunt ist.
2) Anschließend werden die Vpn aufgefordert, die Daten, die die Maschine liefern wird, vorherzusagen
=> auf diese Weise offenbaren die Vpn ihre (wahren) Einstellungen

Worin besteht der Einfluß der Psychoanalyse auf die ameriknische Sozialpsychologie?

Dinge wie Identifikation, Regression, Abwehrmechanismen, Unbewußtes flossen in die Forschung von motivationalen und Abwehrprozessen in Gruppendynamiktheorien ein.
Adorno: Autoritäre Persönlichkeit. Kinder projezieren Hass auf die Eltern auf andere Personen. Daraus entstehen dann Vorurteile gegen Minderheiten.

Welche Unterschiede bestehen zwischen Personen- und Objektwahrnehmung?

Objektwahrnehmung: Gemäß der Gestaltgesetze wird das Erscheinungsbild kategorisiert.
Pesonenwahrnehmung: Komplexer. Erwartungen spielen eine größere Rolle, und Vorurteile, Wünsche, Emotionen.

Wie unterscheidet sich die Selbstwahrnehmungstheorie (Bem) und die Dissonanztheorie (Festinger) hinsichtlich des Verlaufs der Einstellungs-Verhaltenssequenz?

Bei Bem geht das Verhalten der Einstellung voraus. Wenn man sich nicht sicher über seine Einstellung ist, beobachtet man sich selbst. Siehe James-Lange-Theorie (ich bin traurig, weil ich weine).

Bei Festinger ist schon vorher eine Einstellung vorhanden, die ggf. abgewandelt oder ergänzt wird.

Bem wiederholte Festingers Versuch (langweiliges Experiment), die Vpn hörten allerdings nur über die Studie und kamen zum gleichen Schluß: "Jeder würde so etwas für 20$ tun. Deshalb kann ich nichts über die Einstellung der Person sagen. Für 1$ wird der Akteur nicht schwindeln."
Das paßt nicht zu Festingers Theorie, da die Vpn ja nicht selbst die Dissonanz erlebten.

Fazit: Einstellung und Verhalten interagieren, es ist nicht so, daß das eine das andere beeinflußt.

Kognitive Dissonanztheorie kann erklären, was passiert wenn wir entgegen klar definierten Einstellungen handeln
  • Auftreten von Spannung, die man durch Einstellungsänderung zu reduzieren versucht!
  • Erklärung von Einstellungswandel (attitude change)
Selbstwahrnehmungstheorie kann erklären, wie Einstellungen erzeugt werden wenn keine klare Einstellung vorhanden ist.
  • Generierung einer Einstellung, die mit (zukünftigem) Verhalten in Einklang steht
  • Erklärung von Einstellungsbildung (attitude formation)

Auch Bem: Menschen, deren Einstellungen sich geändert haben, bestehen oft darauf, daß sie schon immer so gedacht haben, wie sie im Moment denken.

Was weißt Du über den "Ort der Kontrolle" (Rotter)?

Ausmaß, in dem Menschen ihr Leben als...
  • ...selbst kontrolliert (durch eigene Anstrengungen und Handlungen): internal
  • ...fremdkontrolliert (durch Zufall oder äußere Einflüsse): external
empfinden.

FINDLEY & COOPER (1983): Menschen mit internal locus of control sind akademisch erfolgreicher, schaffen es eher, das Rauchen aufzuhören, tragen häufiger Sitzgurte.
auNOEL & al. (1987): Schlechte Schüler werden erfolgreicher nach Internal-locus-of-control-Training

Nenne Untersuchungen zur Affiliation!

Affiliation = Aufnahme sozialer Kontakte.
Motiviert durch Bedürfnis nach Selbstbewertung durch sozialen Vergleich, vor allem in ungewohnten Situationen.

SCHACHTER (1959): Wen die Vpn Angst vor einem Elektroschock hatten, wollten sie lieber zusammen mit anderen Vpn auf den Versuchsbeginn warten als allein.

Kennst Du einen Befund zur erlernten Hilflosigkeit?

LANGER & RODIN (1976): Senioren wurden in einem Pflegeheim unterschiedlich behandelt. In einer Bedingung betonten die Pfleger, daß es ihre Aufgabe sei, das Heim so zu gestalten, daß die Senioren darauf stolz und darin glücklich sein können. Sie behandelten die Senioren als passive Empfänger von Pflege. Nach drei Wochen wurden die Senioren von sich selber, von Interviewern und den Schwestern als stärker geschwächt beurteilt.
In der anderen Bedingung betonten die Pfleger, daß die Senioren aus ihrem Leben machen konnten, was sie wollten. Die Senioren erhielten kleine Wahlmöglichkeiten zur Gestaltung des Heimalltages. Nach drei Wochen zeigten 93% der Senioren gesteigerte Wachsamkeit, Aktivität und Glücklichsein.

Benenne kulturvergleichende Studien zum Emotionsausdruck!

Darwin:
Intrakulturelle Beurteilungen des Emotionsausdrucks (elektrische Reizung verschiedener Gesichtsmuskeln wurden innerhalb der Kultur übereinstimmend interpretiert)
Interkultureller Vergleich (Fragebogen, den er verschiedenen Missionaren mitgab)
Beobachtung von Kindern (der Ausdruck ist noch nicht durch kulturspezifische Lernerfahrungen beeinflußt)
Vergleich des Emotionsausdrucks von Menschen und Tieren (ähnliche Ausdrücke)
Beobachtung von Blindgeborenen (keine Nachahmung möglich)
Beobachtung von geistig Behinderten (unkontrollierter Ausdruck)

Ekman:
Neuro-kulturelle Theorie:
Neuro: mimisches Affektprogramm, bestimmtes Muster von Gesichtsmuskeln für eine Emotion.
Kulturell: Regeln für die Kontrolle des Emotionsausdrucks.
Basisemotionen: Ärger, Ekel, Furcht, Frude, Traurigkeit, Überraschung. Sie haben sich durch natürliche Selektion herausgebildet, sind kulturübergreifend.
Jede Basisemotion ist durch einen spezifischen Ausdruck charakterisiert.
Wird eine Basisemotion ausgelöst, wird auch das Mimikprogramm aktiviert.
Kommunikative Funktion: Handlungsabsichten

Was haben Sozialpsychologie und Soziologie gemein und worin unterscheiden sie sich?

Gemeinsamkeiten:
  • Interesse daran, wie Menschen sich in Gruppen verhalten

Unterschiede:
Soziologie...
  • ... untersucht Gruppen (kleine bis große, z.B. Gesellschaften)
  • ... Forschungsmethodik: vorwiegend korrelative Feldstudien
Sozialpsychologie...
  • ... untersucht Denken, gegenseitigen Einfluß und Beziehungen von einzelnen Individuen zu anderen Individuen
  • ... untersucht auch den Einfluß einzelner auf Gruppen und umgekehrt
  • ... Forschungsmethodik: vorwiegend Experimente (manipulative)
  • ... untersuchen z.B. intime Beziehungen, wie sich Individuen zueinander hingezogen fühlen.

Wie beeinflußt das Selbst das Gedächtnis?

Self-reference effect (Higgins & Bargh, 1987): Tendenz, Informationen, die das eigene Selbst betreffen, schnell zu verarbeiten und gut zu erinnern. Bsp: Extrovertierte Personen erinnern Wörter wie "lebhaft", "spontan" besser.

Unrealistischer Optimismus: Nenne Beispiele für dieses Phänomen und Vor- und Nachteile!

Menschen zeigen oft unrealistic/illusory optimism bezüglich zukünftiger Lebensereignisse.
Vorteil von unrealistic optimism: Glück (weniger Angst)
Mögliche Nachteile: Nicht-Erkennen von Gefahren => mögliche Unterlassung von Vorsichtsmaßnahmen => Trägheit
Verschiedene Untersuchungen:
  • Studenten glauben, daß sie mit höherer Wahrscheinlichkeit positive Ereignisse erfahren werden (guter Job) und geringerer Wahrscheinlichkeit negative Ereignisse (Alkoholprobleme).
  • Nach dem Erdbeben 1989 in San Francisco verloren Studenten ihren unrealistic optimism bezüglich der Sicherheit vor Naturkatastrophen... allerdings nur für 3 Monate.
  • Schüler, die zu selbstbewußt sind, bekommen schlechtere Noten, da sie schlecht vorbereitet sind, während ängstlichere Schüler besserer Noten bekommen, da sie härter arbeiten.

Nenne unterschiedliche Erklärungen des Festinger und Carlsmith-Experiments!

FESTINGER & CARLSMITH (1959): Vpn mußten 1h lang langweilige Aufgaben erfüllen. Nach dem Experiment erklärte der VL den Vpn, daß das Experiment untersucht, wie Erwartungen die Leistung beeinflussen. Die Vp sollte eine weitere angebliche Vp davon überzeugen, daß das Experiment interessant sei. Nachdem die echte Vp diese Aufgabe erfüllt hatte, gab sie in einem Fragebogen einer weiteren scheinbar unabhängigen Untersuchung darüber Auskunft, wie interessant sie das Experiment tatsächlich gefunden hatte. In der einen Bedingung bekamen die Vpn für ihre Lüge $20 in der anderen Bedingung $1. In der Kontrollgruppe mußte keine andere Person belogen werden.
Ergebnis: Die Vpn in der $1-Bedingung beurteilen das Experiment als interessanter als die Vpn in der $20-Bedingung.

Erklärung der kognitiven Dissonanztheorie (Festinger): Vpn in der $1-Bedingung erfahren stärkere kognitive Dissonanz aufgrund einer insufficient justification ihres (moralisch fragwürdigen) Verhaltens, weshalb sie ihre Einstellung ihrem Verhalten anpassen, um Dissonanz zu reduzieren.

Erklärung der Selbst-Wahrnehmungstheorie (BEM, 1972): Theorie, die besagt, daß wenn unsere Einstellungen schwach oder mehrdeutig sind, dann erschließen wir uns unsere Einstellungen wie ein außenstehender Betrachter, indem wir unser Verhalten und die Umstände, unter denen das Verhalten aufgetreten ist, betrachten.

Wie erklären wir unser Verhalten? Nenne Experimente!

NISBETT & SCHACHTER (1966): Beim Austeilen von Elektroschocks wachsender Intensität ertragen Vpn, die ein Placebo mit den angeblich gleichen Wirkungen wie die eines Schocks bekommen, bis zu viermal höhere Stromstärken als die Vpn ohne Placebo. Als die Vp informiert wurden, daß sie mehr E-Schocks als im Durchschnitt ertragen haben, wird als Erklärung die (falsche) Pille nicht erwähnt. Selbst wenn die Vp nochmals auf die Einnahme der Pille hingewiesen worden sind, wird die Wirkung der Pille bestritten.
NISBETT & WILSON (1977): Vpn, die bei der Beurteilung eines Filmes durch Lärm abgelenkt werden, glauben, daß dies ihre Beurteilung beeinflußt, obwohl die Beurteilungen mit der Kontrollgruppe, die keinem Lärm ausgesetzt war, übereinstimmen.
=> Attribution hat große Wirkung auf unser Verhalten => Attributionen können auch falsch sein!

Wie führen Strategien des "Impression managements" zu falscher Bescheidenheit oder Selbst-besiegendem Verhalten?

Öffentlich gezeigte Bescheidenheit kann auch self-serving sein:
  • Abwertungen der eigenen Person kann beabsichtigen, Widerspruch zu erregen. Des weiteren erweckt man den Eindruck, bescheiden zu sein
  • Aufwertung eines Gegners kann dazu dienen, den eigenen Sieg über den (starken) Gegner aufzuwerten bzw. die eigene Niederlage zu schmälern. Desweiteren erweckt man den Eindruck, ein fairer Wettkämpfer zu sein.
GOULD (1977): Studenten lobten ihren erwarteten Gegner, aber nur, wenn ihre Aussagen publik gemacht wurden. Wurden die Aussagen anonym gehalten, wurden den erwarteten Gegnern geringere Fähigkeiten zugesprochen.
BAUMEISTER & ILKO (1995): Studenten schrieben über ein wichtiges Erfolgserlebnis. In einer Bedingung wurde gesagt, daß sie ihre Namen auf ihre Berichte schreiben sollten und ihre Berichte später einem Publikum vorgelesen werden sollten. In der anderen Bedingung verfaßten sie ihre Berichte anonym. Studenten in der ersten Bedingung verwiesen öfter auf die Hilfe durch andere. Studenten in der zweiten Bedingung führten Erfolge auf ihre eigene Leistung zurück.
Studenten zeigten in der Öffentlichkeit oberflächliche Dankbarkeit, um bescheiden zu wirken. Für sich allein zeigten sie private self-enhancing.

Definiere "Social Representations"!

Sozial geteilte Einstellungen, d.h. allgemein anerkannte Meinungen. Vorstellungen und Werte, auch Annahmen und kulturelle Ideologien, die allgemein verbreitet sind. Social representations tragen dazu bei, die Welt zu verstehen.

Welche Experimente kennst Du, die das I-Knew-It-All-Along-Phänomen belegen?

TEIGEN (1986): Studenten sollten Sprichwörter und deren Gegenteile nach ihrem Wahrheitsgehalt beurteilen. z.B. "Angst ist stärker als Liebe" vs. "Liebe ist stärker als Angst"

DAWSON (1988): Ärzte, die Symptome und Todesursache (Diagnose) von Patienten wußten, hielten die Diagnose für einfacher als Ärzte, die nur die Symptome wußten.

Nenne Experimente, die belegen, wie wir Ereignisse interpretieren und erleben!

Bei mehrdeutiger sozialer Information spielen vorgefaßte Meinungen eine große Rolle. Erinnerungen, Interpretationen und Wahrnehmung werden dann von vorgefaßten Meinungen beeinflußt.
Untersuchung von VALLONE, ROSS & LEPPER (1985): Pro-israelischen Studenten und pro-arabischen Studenten wurden (neutrale) Nachrichtenausschnitte über die Ermordung von Zivilisten in Flüchtingslagern im Libanon gezeigt. Jede Gruppe glaubte, daß die Nachrichten die andere Seite bevorzugten.
Untersuchung von LORD, ROSS & LEPPER (1979): Eine Gruppe war für die Todesstrafe, eine andere dagegen. Beiden Gruppen wurden jeweils zwei angebliche Forschungsberichte vorgelegt, von denen ein Forschungsbericht sich für den Abschreckungseffekt der Todesstrafe aussprach, der andere Bericht jedoch dagegen. Beide Gruppen akzeptierten jeweils Bericht der mit ihrer Meinung übereinstimmte, lehnten den anderen Bericht jedoch strikt ab. Wurde beiden Gruppen die gleiche Zusammenstellung von Argumenten für und gegen die Todesstrafe vorgelegt, dann verstärkte dies die jeweilige Position statt zu größerer Einigung zu führen.
Vorteil: Effektive, schnelle Steuerung der Informationsverarbeitung von großen Mengen von Information durch Filterung und Organisation.
Nachteil: Verzerrungen von Wahrnehmung und Kognition.

Die Manipulation von Preconceptions führte zu erstaunlichen Ergebnissen:
Experiment von ROTHBART & BIRELL (1977): Bei der Beurteilung des Gesichtsausdruckes aufgrund eines Fotos eines männlichen Gesichtes spielten Vorinformationen eine große Rolle.

Nenne die wichtigsten Unterschiede zwischen einem Experiment und einem Feldexperiment!

Laborexperiment: Störvariablen können besser kontrolliert werden. Laborexperimente haben eine höhere interne Validität.

Feldexperiment: Bieten eine natürliche Umgebung und somit ein "authentischeres" Ergebnis. Feldexperimente haben eine höhere externe Validität.

Erkläre "Framing" und nenne ein wichtiges Experiment!

Framing-Effekt: Vpn entscheidet sich anders, wenn die Fragestellung anders lautet.

Kahnemann & Tversky: Vp muß Entscheidung treffen, wer gerettet wird. Ging es um Maximierung der Überlebenden, wurde sichere Entscheidung getroffen. Ging es um Minimierung der Toten, wurde riskante Entscheidung getroffen.

Allgemeiner:
Wenn Gewinn ansteht, neigt man zur risikoarmen Entscheidung.
Wenn Verlust ansteht, neigt man zur risikoreichen Entscheidung.

Man entscheidet sich nicht nach Gewinnmaximierung oder Rationalität (Homo oeconomus)

Von wem stammt die Theorie des induktiven Schlußfolgerns?

John Stuart Mill (1806-1873)
Schluß vom Speziellen auf das Allgemeine. Man erfaßt aus der Empirie allgemeine Gesetze und leitet daraus eine Theorie ab.

Was ist ein quasi-experimentelles Design?

Eine oder mehrere UVs können nicht frei variiert werden, da die Vpn sie als Voraussetzung mitbringen.
Beispiel: Alter, Geschlecht, Zugehörigkeit zu einer Schulklasse.
So könnten UVs und Störvariablen konfundiert sein.

Wann benötigt die Wissenschaft non-experimentelle Forschung?

Wenn man nicht an Ursache-Wirkungs-Beziehungen interessiert ist, sondern nur die Existenz eines Phänomens nachweisen will.
Manche Experimente sind aus ethischen Gründen nicht durchführbar.

Nenne drei Methoden des induktiven Schlußfolgerns nach Mill!

  1. Methode der Übereinstimmung (Wenn x, dann y, also ist x wohl die Ursache von y)
  2. Methode des Unterschieds (wenn x, dann y, wenn nicht x, dann nicht y, also ist x wohl die Ursache von y)
  3. Methode der Residuen (wenn x, y, z Ursachen von u, v, w sind und x und y Ursache von u und v, dann muß z Ursache von w sein)

Was ist eine "non-obvious prediction"?

non obvious = nicht offensichtlich.

Kontra-intuitive Vorhersage.
Beispiele:
  • Bierbrauers Wiederholung der Milgram-Studie
  • Einschätzung, ob man hilft, wenn andere dabei sind

Was sind "demand characteristics"?

Hinweis im Versuch, wodurch die Vpn schließen kann, welches Verhalten erwartet wird.
(Versuchsleitereffekt)
So kann das Ergebnis verfälscht werden.

Verhinderung durch:
  • Doppelblindverfahren
  • Standardisierter Ablauf

Welche Unterschiede gibt es zwischen einem Experiment und sonstiger wissenschaftlicher Forschung?

Ein Experiment muß bestimmten Ansprüche genügen:
  • Validität (wird gemessen, was gemessen werden soll?)
  • Reliabilität (wie zuverlässig ist das Meßverfahren? Spätere Wiederholung ergibt das gleiche?)
  • Wiederholbarkeit, Objektivität
  • Konstanthaltung aller unwichtigen Variablen
  • Randomisierung der Probanden
  • Kontrollgruppe

Wie würden Sie mit Täuschungsmanövern in psychologischen Experimenten umgehen?

Sie sind oft unvermeidbar.
Die Vpn müssen zumindest nach der Untersuchung aufgeklärt werden, es sei denn, sie würden sich dann schlecht oder unnormal fühlen.
Wichtig ist auch, daß die Vpn freiwillig teilnehmen und jederzeit abbrechen können.

Was ist der Nachteil von ex-post-facto-Erklärungen?

Keine vorherige Bildung von Hypothesen

Keine Manipulation der UV, da diese erst nach dem Experiment festgelegt wurde.

Was ist der Unterschied zwischen internaler und externaler Validität?

External: Generalisierbarkeit eines Experiments.
Internal: Inwiefern können die Effekte der UV auf die AV kausal interpretiert werden?

Externe Validität setzt interne Validität voraus!

Was ist eine Theorie?

Viele Beobachtungen und Ergebnisse werden erklärt und zusammengefaßt.

Eine Theorie ist eine Struktur, die vorschreibt,...
  • ...WAS zu registrieren ist
  • ...WIE das zu Registrierende zu dokumentieren ist
  • ...WIE das Dokumentierte zu codieren ist
  • ...WELCHE Schlüsse auf Basis dieser Daten gezogen werden können

Bestandteile verhaltenswissenschaftlicher Theorien:
  • Axiome: Sätze oder Aussagen, die ohne empirische Überprüfung als gegeben angenommen werden. Entdecken und hinterfragen!
  • Theoreme: Logische Konsequenzen aus Axiomen. Oft Ansatzpunkt für Kritik.
  • Gesetze: Axiomatisierte Aussagen, die durch empirische Untersuchungen belegt werden.
  • Daten: Skalierte gesammelte Werte.
  • Modell: Das gleiche wie eine Theorie. Erklärungsversuch.
  • Hypothesen: Ein Satz, mehr nicht. Wenn-dann-Formulierung. Hypothesen werden zu Gesetzen, wenn sie sich in der Empirie bewahrheiten.

Bewertungskriterien für verhaltenswissenschaftliche Theorien:
  • Validität (logische und empirische Konsistenz)
  • Reichweite
  • Analyseebene
  • Klarheit
  • Anwendbarkeit
  • Attraktivität

Welche Erklärungen gibt es für "self serving bias"?

Kognitive Erklärung:
  • Folge der Verarbeitung von Informationen, die das Selbst betreffen. An eigene Handlungen kann man sich besser erinnern als an die von anderen Leuten.
Motivationale Erklärungen:
  • Bedürfnis nach Selbsterkenntnis, Selbstbestätigung, Selbststärkung
  • Verwirklichung unseres Selbstkonzeptes
  • Physiologische Erregung fördert das "self-serving bias".
Evolutionsbiologische Erklärung:
  • Soziale Kontakte und Zugehörigkeit zu Gruppen erhöhen den Überlebens- und Fortpflanzungsvorteil.
  • Abnehmendes Selbstwertgefühl oder soziale Ablehnung motivieren Menschen, ...
  • ... durch Anpassung an die Erwartungen anderer ihr Selbstwertgefühl zu erhöhen und ihren sozialen Status zu steigern
  • ... an sich selbst zu arbeiten
  • ... nach anderen sozialen Kontakten zu suchen

Welche Taktiken beinhaltet das "impression management"?

Self-presentation: Verhalten, das darauf abzilt, einen guten Eindruck zu machen (oder einen Eindruck, der den eigenen Idealen entspricht)

Self-monitoring: Man beobachtet das Verhalten anderer in bestimmten Situationen und paßt das eigene Verhalten an, bzw. man beobachtet sich selbst.

Wovon hängt die Perspektive bei der Attribution auf Disposition oder Situation ab?

Von der Zeit, die seit der beobachteten handlung vergangen ist
Mit wachsendem zeitlichen Abstand nimmt die zentrale Bedeutung der Person in derErinnerung ab und die Bedeutung der Situation zu.
Wenn man Zeit hat, überlegt man sich, daß der Einfluß der Situation größer ist als man zuerst denkt.

Ob wir Gelegenheit haben, über die Umstände nachzudenken.
Siehe Bierbrauer-Studie. Wenn man davon abgelenkt wird, über die Umstäne nachzudenken, warum der Beobachtete so gehandelt hat, schließt man auch eher auf die Disposition.

Kulturelle Unterschiede:
In kollektivistischen Kulturen ist der fundamentale Attributionsfehler weniger ausgeprägt.

Der Attributionsfehler ist nicht davon abhängig, ob der Beobachter auf den Einfluß der Situation hingewiesen wird.

JONES & HARRIS (1976) "Castro-Experiment": Vpn bekamen schriftliche Aussagen, entweder zuungunsten der Castro-Regierung oder aber zugunsten der Castro-Regierung. Man teilte den Vpn mit, die Autoren hätten sich freiwillig (Wahlfreiheit) für die jeweilige Position entschieden oder aber es sei von den Autoren verlangt worden (keine Wahlfreiheit), sich zu einer bestimmten Position zu äußern. Die Vpn mußten dann die nach ihrer Meinung vorliegende tatsächliche Position des Autors zur Castro-Regierung einschätzen.
Ergebnis: Selbst in der Bedingung "keine Wahlfreiheit" tendierten die Vpn dazu, Einstellungen zu attribuieren, die mit der im Text vertretenen Position übereinstimmten.
Die Vpn schienen also der Situation ("keine Wahlfreiheit") zu wenig und der Person zuviel Gewicht beizumessen.

Was ist zu beachten, wenn man eine Umfrage durchführt?

  • Sind die Stichproben repräsentant? (zufällige Gruppenzuteilung, Randomisierung)
  • Reihenfolge der Fragen bei Umfragen und Fragebögen beeinflusst die Beantwortung. Wichtig dabei ist, dass man die weitere Beantwortung von Fragen abhängig macht von der Beantwortung der ersten Frage. Lateinisches Quadrat.
  • Anworten werden beeinflusst durch die Vorstrukturierung der Antwort (z.B. multiple choice, freie Beantwortung,...)
  • Die Beantwortung von Fragen kann durch die Formulierung der Fragen bzw. der Antworten (bei vorgegebenen Antwortalternativen) stark beeinflußt werden. z.B. durch Verwendung des Wortes "verbieten" statt "nicht erlauben"

Nenne Faktoren, die Einfluss auf den Selbstwert haben!

  • Kulturell beeinflusste Identität (Kultur & Selbst, z.B. Unabhängigkeit (West) vs. Gemeinschaft (Ost) )
  • Rollenverhalten (manchmal handeln, weil Rolle dies vorschreibt)
  • Sichere frühe Bindung zu den Eltern
  • Meinung anderer Menschen über uns (was wir denken, dass andere von uns denken)
  • Vergleiche mit anderen
  • Alltägliche Erfahrungen (Erfolg, Misserfolg)

Beschreibe das so genannte "Milgram- Experiment"!

MILGRAM (1965): Studie zum Lernen und Gedächtnis in Zusammenhang mit Bestrafung
Zwei Vpn, von denen einer ein Vertrauter des VL ist, nehmen am Experiment teil. Der echten Vp wird "zufällig" die Rolle des Lehrer "zugelost", der Vertraute erhält die Rolle als "Schüler". Der Schüler soll eine Liste mit Wörtern auswendig lernen, wobei falsche Antworten vom "Lehrer" (scheinbar, doch das wußte die Vp natürlich nicht) mit Stromschlägen wachsender Intensität bestraft werden, mit leichten Elektroschocks (45V) beginnend bis zu lebensbedrohlichen Schocks (450V). Während des Experiments fordert der Schüler mit wachsender Spannung immer lauter und verzweifelter den Abbruch des Experiments. Bei Weigerung der Lehrer reagiert der Versuchsleiter mit stereotypen Anweisungen wie "Sie müssen unbedingt weitermachen!"

Ergebnis: Entgegen den Vorhersagen von Psychiatern, Studenten und Erwachsenen, die glaubten, daß keine Vp als "Lehrer" über 135 Volt hinausgehen würde, gingen ca. 65% der Vpn bis 450 Volt.
Auch eine Verschärfung des Experiments mit angeblich herzkranken Patienten veränderte die Ergebnisse nicht.
Kritik am Experiment:
  • Milgram tat seinen Vpn an, was diese ihren "Schülern" angetan haben: er zwang sie gegen ihren Willen Dinge zu tun, die sie nicht wollten.
  • Das Selbst-Konzept der Vp kann unter dem Versuch gelitten haben.

Zähle die sozialwissenschaftlichen Erklärungsebenen auf.

Menschen können von den verschiedenen Perspektiven aus (auf verschiedenen Ebenen) untersucht und erklärt werden, wobei die Erklärungsansätze von elementar (Physik, Chemie) bis integrativ (Philosophie, Theologie) reichen.
Jeder Erklärungsansatz gibt einen Aspekt einer vieldimensionalen Wirklichkeit wieder.
=> Keine Erklärung ist einzig richtig, vielmehr stehen die Erklärungen gleichberechtigt nebeneinander.

Welche Bedeutung maß Fritz Heider dem Common Sense bzw. der naiven Psychologie bei?

Menschen sind motiviert, der Welt Stabilität und Ordnung zu verleihen, um sie zu verstehen und Vorhersagen machen zu können.
Deswegen fügen wir Erlebtes in ein Netz aus kausalen Verknüpfungen, den s.g. dispositionalen Eigenschaften, ein.

Der naive Verhaltenstheoretiker unterscheidet, ob ein Verhalten auf Dispositionen des beobachteten Handelnden oder auf die Situation zurückzuführen ist.
Die Personenkräfte unterscheidet Heider in den Fähigkeitsfaktor (Können, stabil) und den motivationalen Faktor (Wollen, instabil).

Die situationalen Faktoren unterscheidet er in Zufall (instabil) und Schwierigkeit (stabil).

Welche Defizite/ Mängel weist nach Ross & Nisbett die naive Erkenntniserkennung auf?

  1. Dem Laienpsychologen ist nicht bewußt, daß die Welt, so wie er sie wahrnimmt, eine bereits von ihm interpretierte Welt ist.
  2. Er vernachlässigt situative Zwänge oder den sozialen Kontext.
  3. Er unterschätzt die sozialen Situationen innewohnende Dynamik.
Naive Verhaltenstheoretiker machen den Fundamentalen Attributionsfehler (Lee Ross, 1977).
Sie schließen zu oft auf Dispositionen des Handelnden und vernachlässigen die Situationszwänge. Das passiert sogar, wenn man die Beobachter über Situationszwänge aufklärt.

Ignorieren des Durchschnitts: Tendenz, Informationen, die die Mehrheit der Leute beschreibt, zu ignorieren oder zu unterschätzen. Statt dessen besitzen die distinkten Eigenschaften des untersuchten Falles einen großen Einfluß.
NISBETT (1976): Studenten sahen ein Video mit Interviews von Vpn, die an einem Versuch teilgenommen haben, bei dem die meisten einem Opfer nicht geholfen hatten. Diese Information hatte keinen Einfluß auf die Vorhersage, ob ein bestimmter Versuchsteilnehmer geholfen hatte oder nicht, da der subjektive positive Eindruck des jeweiligen Teilnehmers auf die VP überwog.
Nützliche Information über die Population, aus der die Person stammte, wurde zugunsten von distinkten Merkmalen (Freundlichkeit) vernachlässigt.

Welche Untersuchung von Kelley weist auf die Anwendung impliziter Persönlichkeitstheorien durch naive Psychologen hin?

Attributionsmodell nach KELLEY (1973): Bei der Attribution von Verhalten ist zu berücksichtigen:
  • Konsistenz: Handelt die betroffene Person immer in dieser Situation auf diese Weise?
  • Distinktheit: Handelt die Person in anderen Situationen auf andere Weise?
  • Konsensus: Handeln andere Personen in der Situation auf diese Weise?
Externale Attribution: Konsensus hoch, Distinktheit hoch, Konsistens hoch
Internale Attribution: Konsensus niedrig, Distinktheit niedrig, Konsistens hoch
Discounting Prinzip: mit Ansteigen möglicher Ursachen für ein Ergebnis werden die einzelnen möglichen Ursachen abgewertet.
Augmentation Prinzip: Wenn ein Ergebnis trotz widriger Fakten auftritt, werden die auslösenden Ursachen als besonders stark angesehen - als stärker, als wenn keine widrigen Fakten aufgetreten wären.

Nenne die zentrale Formel der Feldtheorie von Kurt Lewin und die beiden wichtigsten Postulate.

Lebensraum = Person und Umwelt
Die Person mit ihren Motiven und Bedürfnissen und die psychische Umwelt bilden zusammen den Lebensraum.

Bedeutungszuschreibung: Interpretation von Situationen und Personen auf Grundlage von wahrgenommenen situativen Kontexten und aktuellen Motiven, Bedürfnissen und Zielen, die gerade wichtig sind.
Psychisches Spannungssystem: Dynamisches Feld, das durch opponierende Kräfte in Balance gehalten wird und daher schwer zu verändern ist.

Worin liegen die Ursachen des Bystander- Effekts?
Beschreibe die Untersuchungen und Folgerungen von Latane & Darley.

Bystander effect: Befund, daß Personen mit geringerer Wahrscheinlichkeit helfen, wenn noch andere Zuschauer vorhanden sind.

Aufmerksamkeit

LATANÉ & DABBS (1968): Vpn füllten entweder alleine oder mit zwei Fremden in einem Zimmer einen Fragebogen aus, in dem durch eine Wandöffnung plötzlich Rauch eindrang. Alleine arbeitende Studenten bemerkten den Rauch früher (nach 5s) als in Gruppen arbeitende Studenten (nach 20s).

Interpretation der Ereignisse

Interpretation von Vorfällen wird durch den informativen Einfluß der Anwesenheit von anderen Personen beeinflußt; z.B. "Wenn die anderen auch nichts machen, kann es ja nicht so schlimm sein!"
LATANÉ & RODIN (1969): Vpn sollten einen Fragebogen ausfüllen. Dabei hörten sie, wie die Versuchsleiterin im Nebenraum vom Stuhl fiel und über ihren schmerzenden Fuß jammerte. Von alleine arbeitenden Studenten kamen 70% um zu helfen, von zu zweit arbeitenden Studenten kamen nur 40%, um zu helfen. Von denen, die nicht geholfen hatten, wurde der Vorfall eher als harmlos interpretiert.

Verantwortungsdiffusion

DARLEY & LATANÉ (1968): Vpn sollten über ihre Probleme beim Studium sprechen. Dazu saßen sie in verschiedenen Kabinen und unterhielten sich über Mikrofone miteinander, um ihre Anonymität zu gewährleisten. Es wurde der Eindruck erweckt, als wenn einer der Gesprächsteilnehmer einen epileptischen Anfall erleiden würde. Desweiteren bat dieser um Hilfe. Von den Studenten, die glaubten, der einzige zu sein, der den Vorfall gehört hatte, halfen 85%. Von den Studenten, die glaubten, daß noch vier weitere Zuhörer vorhanden seien, halfen nur 31%.
Die Studenten, die nicht geholfen hatten, waren sich bewußt, daß ein Notfall aufgetreten war, aber waren unschlüssig, ob sie helfen sollten. Desweiteren glaubten sie, daß die Anwesenheit von anderen Zuhörern sie nicht in ihrem Verhalten beeinflußt hatte.
Die Anwesenheit anderer Zuschauer verringert die Hilfsbereitschaft, wenn
  • der Notfall nicht eindeutig ist
  • die anderen Zuschauer Fremde sind
  • man Schwierigkeiten hat, die Reaktionen der anderen Zuschauer zu interpretieren

Worin unterscheiden sich dynamische und statische Handlungsinterpretationen?

Die verwendung von globalen Personenkategorien zur Verhaltensbeschreibung ist nach Wicklund & Braun (1987) Ausdruck eines statischen Denkens.
"Arbeitslose sind faul!", "Mercesfahrer sind arrogant!"

Wenn man aber den Enstehungskontest für eine Eigenschaft mit einbezieht, hat man einedymanische Orientieung.
"Er ist vielleicht arbeitslos, weil er lange krank war.", "Er fährt vielleicht Mercedes, weil er findet, daß es das sicherste Auto ist."

Wenn Leute sich wegen äußerem Druck gehindert fühlen, ihre Ziele zu verfolgen, neigen sie zum statischen Denken.
Studie: Hochmotivierte Jurastudenten beschrieben Anwälte eher mit statischen Merkmalen als Anwälte selbst.
Grund: Identitätsbedrohung.

Welcher Befund von Hastorf & Cantril zeigt die Verzerrung sozialer Wahrnehmung?

Zuschauer eines Football-Spiels beurteilten die jeweilige gegnerische Mannschaft als unfair und brutal. Der Effekt trat selbst dann auf, wenn die Zuschauer gebeten wurden, objektive Urteile abzugeben.

Wie erklären die Autoren die Resultate?

Wir wollen die Dinge so sehen, daß sie für uns günstig sind, um unseren Selbstwert nicht zu gefährden.

Welche anderen Erklärung geben Ross & Nisbett?

Dieser Prozeß ist eher beeinflußt von:
  • Selektiver Wahrnehmung: Wir nehmen verstärkt selbstdienliche Dinge wahr.
  • Voreingenommenheit: Man erwartet vom "Gegner" unfaires Verhalten und konzentriert sich auf bestätigende Beobachtungen
  • unterschiedliches Wissen über den Sachverhalt oder ungleiche Vorerfahrungen

Gibt es ein unparteiisches Fernsehen und neutrale Zuschauer?
Was fanden Vallone et al.?

Weil es so viele Beschwerden über parteiisches Fernsehen gab, untersuchten Vallone, Ross und Lepper 1985, ob es unparteiisches Fernsehen gibt und ob der Zuschauer wirklich so informationshungrig und neutral sei.

Sie haben pro-arabischen und pro-israelischen Vpn unterschiedliche Berichte über den Nahost-Konflikt gezeigt.
Die jeweiligen Gruppen fanden beide, daß die Berichte parteiisch waren, gegen die eigene Meinung.
Auch die Wahnehmung war unterschiedliche: Die Vpn sollten zählen, wie oft die Gegenseite positiv dargestellt wurde. Und beide Gruppen kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

So ist es den Medien gar nicht möglich, unparteiisch zu sein, auch wenn sie es sind.

Was ist reaktive Abwertung?

Geht auch auf Lee Ross zurück.
Mentale Blockierungen durch vorgefaßte Meinungen, die man selbst aber nicht wahrnimmt.
Wenn zum Beispiel eine Konfliktpartei bereit ist, ihren Standpunkt zu revidieren, legt die andere es als Trick aus. Das nennt Ross reaktive Abwehr.

Beschreibe die Theorie des funktionalen Probabilismus nach Egon Brunswik.

Brunswik hat untersucht, warum wir ein Objekt konstant groß wahrnehmen, obwohl sich die Bildgröße auf der Retina verändert, wenn es z.B. weiter wegrückt.
Wie kann man trotz dieser Variabilität verläßliche Vorhersagen machen?

Das vorherzusagende Ereignis ist die "distale Größe", das ist eine Funktion der "proximalen Größen", und das sind die Kriterien, die ich bei meiner Vorhersage mit einbeziehe.

Die Kriterien sind wie eine Linse, auf der einen Seite steht die Person und schaut durch, und auf der anderen Seite ist das ungewisse Ereignis. Und von der Linse hängt die Genauigkeit des Urteils ab.

Welche Komponenten umfaßt der soziale Kontext?

  • die objektive, vorgestellte oder symbolische Präsenz von anderen Menschen
  • die Handlungen und Interaktionen von und zwischen Menschen
  • die Rahmenbdingungen, in die das verhalten eingebettet ist
  • die Erwartungen, Normen und Rollen, die in einem bestimmten sozialen Kontext verhaltensbestimmend sind

Welche Formen der Bedeutungszuschreibung unterscheiden Heider und Weiner?

Heider:
Der naive Verhaltenstheoretiker unterscheidet, ob ein Verhalten internalen Personenkräften oder exterbalen Situationskräften oder einer Kombination aus beiden zuzuschreiben ist.
Die Personenkräfte sind unterteilt in Können und Wollen. (wichtig für die moralische Bewertung)
Die Situationskräfte sind unterteilt in Schwierigkeit und Zufall.

Weiner:
Zusätzlich spielt auch noch das Ausmaß der zeitlichen und situationsüberdauernden Stabilität eine Rolle:

Dimension Ursache
Internal - stabil Fähigkeit
Internal - instabil Anstrengung
External - stabil Schwierigkeit
External - instabil Zufall

Welche Einschränkung von Kelleys Kovarianzmodells wurde später aufgrund von Befunden von Kahnemann & Tversky u. a. gemacht?

Kovariation: Eine Ursache wird dann dem Resultat zugeschrieben, wenn beide mehr fach zusammen auftreten.
Siehe hierzu: Induktive Logik von Stuart Mill.

Wenn ein Beobachter verstehen will, warum eine Person sich in einer bestimmten Situation in einer bestimmten Weise verhalten hat, versucht er, nach drei Informationsquellen zu fragen:
  1. Konsensus: Haben sich auch andere Personen in ähnlichen Situationen ähnlich verhalten?
  2. Distinktheit: Hat sich die betreffende Person in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich verhalten? Oder verhält sie sich auch in unterschiedlichen Situationen immer so?
  3. Konsistenz: Hat sich die Person in ähnlichen Situationen auch ähnlich verhalten? Oder verhält sie sich in ähnlichen Situationen oft unterschiedlich?
Ein Effekt kann drei mögliche Ursachn haben:
  1. die Person
  2. etwas bestimmtes an der Situation
  3. der Zeitpunkt
Um hier nun Schlußfolgerungen ziehen zu können, sind mehrere Beobachtungen nötig. Man hat aber manchmal nur eine Beobachtung.
Aufgrund früherer Erfahrungen können wir mittels kognitiver Schemata doch unsere Annahmen machen.

Der Mensch handelt aber nicht immer nach logischen Normen. Empirische Ergebnisse zeigen, daß die Schlußfolgerungen naiver Verhaltenstheoretiker von diesen normativen Prinzipien abweichen können.
Kahnemann & Tversky:
Die Entscheidung hängt auch von der Fragestellung ab.
Gewinn in Aussicht: risikoarme Entscheidung
Verlust in Aussicht: risikoreiche Entscheidung

Auch die Studie von Jones & Harris (1967) zeigt, daß man nicht immer nach diesen Kriterien geht.

Jones & Harris konzipierten eine Studie, um zwei der Faktoren des Modells der dispositionellen Schlussfolgerungen zu untersuchen. Beschreibe die Untersuchung

Modell der korrespondierenden Schlußfolgerung von Jones und Davis:
Korrespondenz: Ausmaß an Information, die gewonnen werden kann in dem Maße, wie der Handelnde in bezug auf diese Merkmalsdimensionen vom Durchschnitt abweicht.
Hohe Korrespondenz = starke Abweichung vom Durchschnitt => Schluß auf Disposition des Handelnden

Bedingung:
  • Der Handelnde muß die Fähigkeit haben
Anhaltspunkte zum Schlußfolgern:
  • soziale Erwünschtheit des Verhaltens
  • Wahlfreiheit des Handelnden

Untersuchung von Jones & Harris (1967):
Die Faktoren Wahlfreiheit und soziale Erwünschtheit wurden analysiert.
Vpn bekamen schriftliche Aussagen, entweder zuungunsten der Castro-Regierung oder aber zugunsten der Castro-Regierung. Man teilte den Vpn mit, die Autoren hätten sich freiwillig (Wahlfreiheit) für die jeweilige Position entschieden oder aber es sei von den Autoren verlangt worden (keine Wahlfreiheit), sich zu einer bestimmten Position zu äußern. Die Vpn mußten dann die nach ihrer Meinung vorliegende tatsächliche Position des Autors zur Castro-Regierung einschätzen.
Ergebnis: Selbst in der Bedingung "keine Wahlfreiheit" tendierten die Vpn dazu, Einstellungen zu attribuieren, die mit der im Text vertretenen Position übereinstimmten.
Die Vpn schienen also der Situation ("keine Wahlfreiheit") zu wenig und der Person zuviel Gewicht beizumessen.

Hier machten die Vpn in der Terminologie von Jones & Davis eine Schlußfolgerung, obwohl dies nicht gerechtfertigt war, denn es war ja keine Wahlfreiheit vorhanden.

Beschreibe die Theorie des Entscheidungsrahmens von Kahnemann & Tversky.

Die beiden haben untersucht, nach welchen Prinzipien Menschen Entscheidungen aufgrund bestimmter Informationsvorgaben treffen.
Analyse der Abweichung von einem statistisch-rationalen Modell der Urteilsbildung.
Sie bezeichnen die Regeln, die man dabei anwendet, als Heuristiken bezeichnen.
Das sind mentale Dauemnregeln, nützliche Routineprogramme, die aber auch zu Fehlern führen können.

Repräsentativheuristik: Besonders hervortretende Merkmale werden mehr beachtet.
Versuch: Aus Akten von 70 Ingenieuren und 30 Anwälten wird eine herausgesucht, die von Hans. Und Hans ist politisch aktiv, liebt Diskussionen und ist ein guter Rhetoriker. Die Vpn werden nun gefragt, was Hans wohl von Beruf ist.
Und die meisten sagen, daß er Anwat ist, obwohl die Wahrscheinlichkeit viel geringer ist, da nur 30 Akten von Anwälten in der Mappe waren. Die Vpn haben Ihre Entscheidung aufgrund der Eigenschaften getroffen.
(base-rate-fallacy)

Verfügbarkeitsheuristik: Man beachtet mehr, was einem zuerst einfällt, was z.B. im eigenen Bekanntenkreis überhäufig vertreten ist.

Der Fundamentale Attributionsfehler kann auf diese beiden Heuristiken zurückgeführt werden.

Entscheidungsrahmen: Wie wir uns entscheiden, hängt auch davon ab, wie die Situation formuliert wird.
Versuch: Vp muß Entscheidung treffen, wer gerettet wird. Ging es um Maximierung der Überlebenden, wurde sichere Entscheidung getroffen. Ging es um Minimierung der Toten, wurde riskante Entscheidung getroffen.

Welche Möglichkeiten der Operationalisierung der fehlerhaften Einschätzung situativer Kräfte gibt es?

Man kann sich der Logik des Kelleyschen Kovarianzmodells bedienen.
Man kann den Beobachter fragen, wie hoch der Prozentsatz von Menschen sein wird, die in einer bestimmten Situation ein bestimmtes Verhalten zeigen oder unterlassen.
Wenn vermutet wird, daß die Mehrheit in einer Situation das gleiche macht, ist der Beobachter der meinung, daß starke situative Kräfte das verhalten beeinflußt haben.
Ist der beobachter der Meinung, daß nur wenige sich von der Situation beeinflussen lassen, vermutet er ein geringes Ausmaß an Situationskontrolle.

Schätzen die Bebachter, daß viele Vpn in der Milgram-Studie bis zur häöchsten Schockstufe gehen würden, kann man daraus schließen, daß sie von einem hohen Situationsdruck ausgehen.

Beschreibe das Drei- Komponenten- Modell nach Rosenberg & Hovland.



Einstellungen sind ein System aufeinander bezogene Komponenten, die sich gegenseitig beeinflussen. Sie haben die Tendenz, miteinander konsistent zu sein. Inkonsistenz will man immer vermeiden.
Die wichtigste Komponente ist der Affekt, denn er verleiht der Einstellung ihren motivationalen Charakter.

Was erforschte Robert LaPierre in seiner Studie?

LAPIERE (1934): Hotels wurden im Nachinein (!) befragt, ob sie Chinesen als Gäste aufnehmen würden, wobei von 128 erhaltenen Antworten 92% negativ waren. LAPIERE hatte jedoch bereits 6 Monate vorher mit einem "charmanten" jungen chinesischen Ehepaar die entsprechenden Hotels besuchte, wobei sie in fast allen bis auf ein Hotel aufgenommen und höflich behandelt worden waren.
Allerdings erfuhr das Experiment von Lapiere herbe Kritik wie zum Beispiel, daß ein weißer Professor das Ehepaar begleitet hat.

Wie zeigten Darley & Batson, dass Einstellungen der Situationskontrolle unterliegen?

DARLEY & BATSON (1973): Theologiestudenten sollten über einen Text sprechen, was auf Tonband aufgenommen werden sollte. Ein Teil referierte über die Parabel vom "Barmherzigen Samariter" , ein anderer Teil über einen anderen Text. Zur Aufnahme wurden die Studenten in ein naheliegendes Gebäude geschickt, wobei ein Teil der Vpn unter Zeitdruck stand, ein anderer Teil noch genügend Zeit hatte, in das andere Gebäude zu gehen.
Auf dem Weg ins andere Gebäude lag ein zusammengekauerter Mann, der hustete und stöhnte. Von den unter Zeidruck stehenden Studenten halfen 10%, von den Studenten, die noch genügend Zeit hatten, halfen 66%. Das Referatsthema hatte dagegen kaum Einfluß auf die Hilfsbereitschaft.
In einem weiteren Experiment zeigte sich, daß auch die Wichtigkeit des Termins, der einen unter Zeitdruck setzt, eine wichtige Rolle spielt. Gründe: Bei Zeitdruck verringert sich die Aufmerksamkeit für die Umgebung: geringere/ fehlende Wahrnehmung einer Notlage!

Welche Konsistenz von Einstellungen und Verhalten errechnet Allan Wicker?

Er analysierte 31 Untersuchungen und kam zu dem Befund, daß die Korrelation zwischen geäußerter Einstellung und tatsächlichem Verhalten selten über 0,3 hinausgeht.

Beschreibe die Theorie der begründbaren Handlung nach Fishbein & Aijzen.

Dem Modell liegt zugrunde, daß Menschen relativ rational und übereinstimmend mit ihren Absichten handeln.
Das Modell enthält drei Stufen:
  1. Eine Handlung kann aufgrund der Intention einer Person vorhergesagt werden. Wenn jemand nach einer Party selbst nach Hause fahren will, wird er wahrscheinlich nichts trinken.
  2. Die Verhaltensintention ist eine Funktion von der Einstellung zum Verhalten (Es ist gut, nicht zu trinken) und der subjektiven sozialen Norm (Was denken die anderen, wie ich mich verhalten soll?)
  3. Die Einstellung wird bedingt durch eine Erwartung (Ohne Alkohol zu fahren ist wichig, und wenn ich nichts trinke, werde ich fahren können).
    Die subjektive Norm wird bedingt durch die wahrgenommene Erwartung anderer und durch meine Motivation, mich konform zu verhalrten (Meine Freunde wollen nicht, daß ich trinke und fahre)
Auch mit diesem Modell können die Wahrnehmungsverzerrungen aber nicht erklärt werden. Auch ist nicht immer gesagt, daß eine Intention immer zum Verhalten führt.

Muzafer Sherif erforschte die Entstehung sozialer Normen. Wie?

Das folgende Experiment zeigt die Entstehung einer Gruppennorm.
SHERIF (1937): Vpn schätzten in einem dunklen Zimmer zunächst alleine, wie weit sich ein Licht hin- und herbewegt, welches sich jedoch in Wirklichkeit nicht bewegt (Autokinetisches Phänomen).
Wiederholt man dieses Experiment mit mehreren Vpn innerhalb einer Gruppe, so nähern sich ihre Urteile vom 1. Tag einem gemeinsamen Mittelwert (Norm) an. Eine Gruppennorm ist entstanden!
Auch nach einem Jahr bleibt unter den Vpn die Norm erhalten!
Das Experiment von Sherif hat bei den Vpn "acceptance" hervorgerufen (auch bei anschließenden Alleinurteilen folgten die Vp immer noch der vorher entstandenen Gruppennorm!). Im Gegensatz dazu hat Milgram (siehe unten) eine extreme Form der compliance hervorgerufen.

Welche beiden Formen von sozialem Einfluss unterscheiden Deutsch & Gerard?

Normativer Einfluß: Konformität, um die Erwartungen anderer zu erfüllen (um so das Bedürfnis, akzeptiert zu werden, zu erfüllen). Normativer Einfluß führt zu Befolgung. Die Sorge darum, was andere über einen denken, führt zu normativem Einfluß
Informativer Einfluß: Konformität als Folge dessen, andere Menschen als Informationsquelle über die Realität zu akkzeptieren. Informationaler Einfluß führt zu Acceptance. Wunsch, korrekte Informationen zu erhalten, produziert informativem Einfluß
Wann kann man also Konformität beobachten?
  • Bei Antworten vor einer Gruppe => normativer Einfluß
  • Wenn wir nicht in der Lage sind, eine Entscheidung zu fällen, wenn die Aufgabe schwierig ist oder wenn wir uns nicht sicher sind, ob wir Recht haben => informationaler Einfluß

Wie zeigte Serge Moscovici, dass auch Minoritäten Einfluss nehmen können?

MOSCOVICI & al. (1969, 1985): Vpn benannten die Farbe von Dias. Wenn eine Minderheit an Personen blaue Dias hartnäckig (konsistent) "grün" nannte, stimmten gelegentlich Mitglieder der Mehrheit zu.
Wenn Minderheit an Personen blaue Dias nur in einem Drittel der Fälle "grün" nannte, stimmte kein Mitglied der Mehrheit zu.
Zustimmen der Mehrheit zur Meinung einer Minderheit bedeutet stärkere Zustimmung als die Zustimmung einer Minderheit zur Meinung einer Mehrheit => informationaler Einfluß der Minderheit
Minderheiteneinfluss wirkt eher über die "central route of persuasion"

Was bezeichnet der Begriff "Ethnozentrismus"?

Intergruppenkonflikte beruhen auf vier sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren:
  1. Ethnozentrismus: wenn man seine eigene Gruppe als Maßstab sieht und Fremdgruppen im Vergleich zur eigenen Gruppe negativ beurteilt. Siehe hierzu: Adorno und die authoritäre Persönlichkeit.
  2. Stereotype: Soziale Gruppen, mit denen man nichts oder wenig zu tun hat, werden in Kategorien eingeteilt. So bilden soch vorgeformte Meinungen über Menschen, nur, weil sie einer Gruppe angehören.
  3. Vorurteile: ungerechtfertigte negative Einstellung gegenüber einer Person oder einer Gruppe allein auf Grundlage der Zugehörigkeit zu einer Gruppe.
  4. Ungerechte Ressourcenverteilung: siehe Sherifs "Robbers Cave-Studie".

Beschreibe das Gefangenen-Dilemma.

Eine Variation der mathematischen Spieltheorie
Zwei Verdächtige werden einzeln verhört und vor die Wahl gestellt:
"Wenn Sie gestehen, kommen Sie frei, und Ihr Partner sitzt für 48 Monate. Wenn er gesteht, kommt er frei, und Sie sitzen für 48 Monate.
Wenn Sie beide gestehen, bekommen Sie beide 18 Monate. Und wenn keiner gesteht, erhalten Sie beide 6 Monate."


Die häufigste Stragetie, die von den Vpn angewandt wird, ist Nichtkooperation, obwohl kooperatives Verhalten günstiger wäre.
Hier zeigt sich wieder, daß menschen nicht rational handeln.

Beschreibe Garett Hardings Allegorie der "Tragödie der Allmende".

Dilemma: Bauern, die ein gemeinsames Stück Weide, die Futter für eine bestimmte Anzahl an Kühen bietet, besitzen, würden die Weide nicht überweiden und somit zerstören, wenn jeder nur die ihm zustehende Anzahl von Kühen auf der Weide grasen ließe. Der Nutzen des einzelnen Bauern läßt sich aber (kurzfristig) maximieren, dadurch daß er mehr Kühe auf die Weide stellt als ihm zusteht. Würde das nur ein Bauer mit wenigen Kühen machen, wäre eine nur geringe Überweidung die Folge, die vielleicht keinen Schaden verursachen würde. Wenn allerdings ein Bauer so handelt, dann wollen die anderen Bauern auch ihren Nutzen maximieren bzw. nicht zurückstehen, und stellen auch mehr Kühe auf die Weide, wodurch die Weide aber zerstört wird und alle einen langfristigen Nachteil haben. => Konflikt zwischen Einzelinteresse und Gruppeninteresse bei begrenzten Ressourcen, wobei Maximierung des Gruppennutzens auch langfristig den Einzelnutzen maximieren würde.
Da dies aber mit dem Risiko einer Benachteiligung des Einzelnen verbunden ist, überwiegen die Einzelinteressen.

Anderes Beispiel: Umweltverschmutzung. Wenn ich mein Auto verkaufe, ist mein Beitrag zur Luftverbesserung minimal. Erst, wenn viele oder alle anderen auch ihre Autos abschaffen, bringt es einen Nutzen.


Gemeinsamkeiten vom Gefangenendilemma und der Tragik der Allmende als soziale Fallen:
1) Fundamentaler Attributionsfehler:
  • Situationale Erklärung des eigenen Verhaltens ("Ich muß mich vor der Gier der anderen schützen!")
  • Dispositionale Erklärung des Verhaltens der anderen ("Die anderen sind selbstsüchtig!")
2) Veränderung der Motive:
  • Gewinnmaximierung, dann
  • Verlustbegrenzung, schließlich
  • Wahrung des Images bzw. Vermeidung einer Niederlage
3) "non-zero-sum game", d.h. beide können gewinnen und beide verlieren, es ist nicht so, daß der Gewinn des einen gleichzeitig der Verlust des anderen sein muß.
Spiele bei denen sich die Ergebnisse nicht zu 0 aufaddieren müssen. Bei Kooperation können beide gewinnen, bei Konflikt können beide verlieren.

Nenne Gesetze, nach denen verschiedene Informationen zu einem Gesamteindruck verarbeitet werden!

  • Informationen werden nach dem subjektiven Empfinden der Wichtigkeit durch den Informationsempfänger gewichtet.
  • Erste Informationen (Eindrücke) beeinflussen oft die Verarbeitung nachfolgender Informationen.
  • Negative Informationen erhalten oft stärkeres Gewicht als positive Informationen

Welche 5 Analyseebenen gibt es in der Sozialpsychologie?

  1. Intrapsychische Ebene: Prozesse innerhalb eine Individuums wie Denken, Fühlen und Verhalten
  2. Interpersonale Ebene: Interaktionen zwischen Individuen
  3. Intragruppenebene: Strukturen und Prozesse innerhalb von Gruppen
  4. Intergruppenebene: Interaktionen zwischen Gruppen
  5. Interkulturelle Ebene: Normen, Werte und Symbole innerhalb und zwischen Kulturen.

Was ist Common Sense?

Gesunder Menschenverstand. Aber nicht für jeden einzelnen, sondern er ist das Ergebnis gemeinschaftlicher Erfahrung.
Ohne ihn könnten Menschen einander nicht verstehen und wären nicht in der Lage, miteinander umzugehen.

Was genau ist Kausalattribution?

Damit Menschen einander verstehen und interagieren können, müssen sie Beziehung zwischen beobachtbaren Ereignissen und deren Ursachen erklären.
Die Art der Interaktion ist davon bestimmt, welche Ursachen wir dem Verhalten eines anderen zugrundelegen.
Um die Ursache zu ergründen, muß der Beobachter, der das Verhalten des Akteurs wahrnimmt, dessen innere Zustände erschließen und seine Beweggründe interpretieren.
Das Herstellen einer Korrespondenz zwischen beobachtbarem Verhalten und den vermuteten dahinterstehenden psychischen Vorgängen ist das Resultat eines komplizierten Konstruktionsprozesses, der Kausalattribution.
Intuitives Schlußfolgern.

Heider:
Situationswahrnehmung => Verhaltenserwartung => Verhaltenskategorisierung => Attribution