Das Leib-Seele-Problem

...stellt die Frage nach dem Zusammenhang zwischen körperlichen und geistigen Vorgängen.

Die Grundfragen sind dabei folgende:
Wie kommt die Welt in unseren Kopf?
Wie wird ein Gedanke zur Tat?
Existiert unser Geist (oder unsere Seele) auch unabhängig von unserem Gehirn?
Gibt es eine eigenständige mentale Substanz = Geist?
Ist Geist nur die Information, die in unserem Gehirn aufgenommen, gespeichert, verarbeitet und ausgegeben wird?

Im Laufe der Debatte haben sich drei Grundpositionen herausgebildet:
Der Idealismus meint, die physikalische Welt um uns herum sei nur eine geistige Vorstellung und existiere nur in unseren Köpfen.
Der Dualismus meint, Geist und Materie seien zwei verschiedene Substanzen, die an bestimmten Stellen miteinander kommunizieren können.
Der Materialismus meint, es gebe nur Materie und Energie. Geist sei keine eigenständige Substanz, sondern nur eine Eigenschaft von Materie und Energie.

Philosophie
Das Leib-Seele-Problem ist ein klassisches Problem der abendländischen Philosophie. Bereits seit der griechischen Antike herrschte im Abendland die Auffassung vor, der Mensch habe einen Körper und eine Seele.

Descartes hat das Leib-Seele-Problem aufgeworfen, indem er zwar den dualistischen Standpunkt vertrat, dass es zwei Substanzen gibt. Aus empirischen Gründen sah er sich jedoch zur Annahme einer Wechselwirkung zwischen beiden genötigt.
Die gegenseitige Beeinflussung findet nicht direkt statt, sondern durch die Vermittlung eines feinen, stoffartigen Fluidums, das sich in den Nervenbahnen bewegt und die der Seele Stöße erteilt oder von ihr solche empfängt. Zirbeldrüse: Er hielt sie für die Schnittstelle zwischen Materie und Geist.

Diese "Brücke", die Descartes vom Leib zur Seele schlug, rief jedoch Kritiker auf den Plan, die nach alternativen Erklärungen suchten.
Okkasionalisten. Sie lehrten, dass Gott bei der Gelegenheit menschlicher Empfindung wie menschlicher Handlung die Kluft zwischen Leib und Seele überbrückt.

Spinoza: Parallelismus. Er bediente sich einer vollständig einheitlichen Deduktion nicht nur aller materiellen, sondern auch aller geistigen Erscheinungen. Die seelischen und die körperlichen Vorgänge sind dieselben Vorgänge an der Substanz. Geistige und materielle Ereignisse laufen parallel zueinander ab, wie synchron laufende Uhren. Gott hat es so eingerichtet.

In Leibniz´ Lehre gibt es Elementarteilchen, die Monaden, aus denen sowohl Materie als auch das Bewusstsein bestehen. Monaden sind in etwa in Analogie zur Geometrie zu denken: jeder Gegenstand besteht aus unendlich vielen Monaden, und doch ist jede einzigartig. Er behauptet, Gott habe alle Monaden so geschaffen, dass sie sich so verhalten, als gäbe es Kausalitätsbeziehungen und Interaktion zwischen Leib und Seele.

Für Nietzsche ist der Leib das Primäre: "Leib bin ich ganz und gar, und nichts außerdem; und Seele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe."

Für Vertreter der analytischen Philosophie sind viele Probleme der klassischen Philosophie, insbesondere der Metaphysik, auf verfehlten Sprachgebrauch zurück zu führen. Das gilt auch für das Leib-Seele-Problem, das nach ihrer Ansicht auf einem Kategorienfehler beruht.
Dann gibt es noch: Behaviorismus
Identitätstheorie
elimativer Materialismus
Funktionalismus
Epiphänomenalismus


Computerzeitalter.
Was unterscheidet den Menschen von intelligenten Maschinen?
Jeder Mensch ist von seiner eigenen Lebensgeschichte geprägt. Ein Computer kann keine menschliche Geschichte oder menschliche Erfahrung haben.
Computer haben keinen menschlichen, biologischen Körper. Er lasst sich höchstens mechanisch nachbauen. Also kann es nicht zu biologischen Prozessen wie Evolution kommen.
Der Mensch ist sozialisiert. Ein wichtiger Teil davon ist die Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Körper anderer Menschen.
Zur Sozialisation gehören auch biologische Bedürfnisse wie Durst. Die Maschine hat auch Bedürfnisse, jedoch keine biologischen.
Menschen haben Emotionen und Körpergefühl. Maschinen haben höchstens eingebaute ähnliche, künstliche Emotionen.
Ein Maschine kann nicht wie das komplexe menschliche Gehirn funktionieren; die Erfahrungen, die ein Gehirn sammelt, sind einzigartig.

Biologie
Bereits in der Zusammenarbeit von Nukleinsäuren und Proteinen in jeder lebenden Zelle kann man eine Analogie zum Körper-Geist Problem erkennen: In den Nukleinsäuren steckt die Information (Bauplan) und in den Aminosäuren die wirksame Funktion. Es ist bis heute nicht geklärt, über welche der beiden Stoffarten die Entwicklung des ersten Lebens lief. War es eine Nukleinsäurewelt oder eine Aminosäurewelt.

Psychologie
Gustav Theodor Fechner veröffentlichte 1860 die zweibändigen "Elemente der Psychophysik" und begründete damit die experimentelle Psychologie. Seine Forschungen in diesem Bereich waren eindeutig durch die Beschäftigung mit dieser metaphysischen Frage motiviert, wobei sie jedoch nicht als Rechtfertigung bzw. Zurückweisung einzelner metaphysischer Punkte dienen sollte. Die ganze Lehre teilt sich auf in eine innere und äußere Psychophysik, wobei erstere das direkte empirische Gegenstück zur Leib-Seele-Problematik darstellt.

Die Wahrnehmungspsychologie und in ihr insbesondere die Gestaltwahrnehmung ist die eigentliche Domäne, in der sich das Leib-Seele-Problem offenbart; denn das Wahrnehmungserleben in der psychischen Persönlichkeitsschicht baut sich auf den Wahrnehmungsfunktionen in der physischen Schicht auf.

Interessante Links:
www.philolex.de
www.udo-leuschner.de
www.wikipedia.de