Buchtipps:

LeDoux, Joseph E.: Das Netz der Persönlichkeit - Wie unser Selbst entsteht
Das Buch schildert auf lebendige und überzeugende Weise die Kernmechanismen der Emotionen. An der Emotion der Angst, dem häufigsten Element psychischer Störungen, macht LeDoux die direkte Anwendbarkeit seiner Überlegungen deutlich. Dies ist ein phantastisch gutes Buch." (Keith Oatley, New Scientist)

Martynkewicz, Wolfgang: Sabina Spielrein und Carl Gustav Jung
Sabina Spielrein, die Wegbereiterin der Psychoanalyse in der Sowjetunion, war einige Jahre Patientin von C. G. Jung, der an der jungen russischen Medizinstudentin das Freudsche Verfahren erstmals praktisch ausprobierte. Analytiker und Analysandin, hielten die unerläßliche sexuelle Abstinenz nicht lange ein. Was Jung zum Schulfall machen wollte, ... Leider gibt es das Buch nicht mehr neu zu kaufen.

Laurens van der Post: C. G. Jung, der Mensch und seine Geschichte.
Schöne kleine Biografie, hat man schnell durch. Und sie ist sehr nett geschrieben.

 

Differentielle Psychologie: Zusammenfassung

Deci & Ryan: Theorie der Selbstbestimmung:

Motivationen, die sich im Ausmaß der erfahrenen Selbstbestimmung unterscheiden:
Intrinsische Motivation (selbstbestimmt): Motivation erwächst aus Tätigkeit selbst; Spaß an der Sache, ohne "Arbeit".
Beachte: Diese Stufe ist keine Steigerung der Selbstintegration, sondern eher das Gegenteil.
Amotivation (selbst bestimmt): "weiß nicht, warum ich das mache", keine Motivation, weder intrinsisch, noch extrinsisch motiviert
Externale Regulation (Fremdregulation): "alle sollen stolz auf mich sein"
Introjektion (nicht selbst bestimmt): "meine Verpflichtung"; Innere Verpflichtung enthalten, äußere Vorgaben sind schon internalisiert. Gewissen/Über-Ich ist beteiligt.
Identifikation (selbst bestimmt, notwendig für ein persönlich wichtiges Ziel): "wertvoll/Spaß an Neuem"; eigengesteuert, aber immer noch auch fremdreguliert. Vom Selbst getrennt.
Selbst-Integration: selbst bestimmt, gleichzeitig vorhandene Identifikationen, wie der Wunsch, sich beruflich selbst zu verwirklichen und das Anliegen für die Familie da zu sein, sind so organisiert, daß sie konfliktfrei koexistieren können

Intrinsische Motivation entsteht, wenn Entscheidung für Tätigkeit selbstkongruent ist (also wenn sie mit wichtigen pers. Werten und Bedürfnissen übereinstimmt)
Selbstbestimmte Handlung: Wenn intrinsisches Interesse vorliegt (dauert länger als kontrolliertes)
Belohnung: Kann intrinsische Motivation in kontrollierte umwandeln. Externe Anreize schwächen Intrinsische Motivation
Alle haben das Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Autonomie.
Ideales Selbst: Wie man gern sein möchte
Aktuelles Selbst: Wie man glaubt zu sein
Zwischen den beiden oder der Umwelt und dem Selbst können Kongruenzen bestehen.

Drei Grundbedürfnisse:

  1. Anschluß und Beziehung
  2. Kompetenzerweiterung
  3. Selbstverwirklichung

Wann ist man intrinsisch motiviert?

  • wenn die positive Valenz aus der Tätigkeit selbstfließt (Csikzentmihalyi)
  • wenn die Tätigkeit dasselbe Thema hat wie das motiv (Heckhausen)
  • wenn die Tätigkeit selbstbestimmt ist (Deci & Ryan)
  • wenn die Tätigkeit selbst-reguliert ist (PSI-Theorie)

Tory Higgins (1987): Selbstdiskrepanzen

3 Selbstaspekte:

  1. Aktuelles Selbst
  2. Ideales Selbst
  3. Sollte-Selbst

Eigenschaftsorientierte Ansätze: Versuch, Persönlichkeit durch zentrale Grunddimensionen ("Eigenschaften") zu beschreiben.

Gordon Allport:

Eigenschaften sind genetisch vorgegeben und machen Verhalten konsistent.
Allport ist Vertreter des idiographischen Eigenschaftsansatzes und der humanistischen Eigenschaftstheorie. Er betont die Komplexität und Einzigartigkeit jedes individuellen Menschen.
Er erstellte 1937 eine Systematik von über 50 Definitionen der Persönlichkeit.
Nomothetisch: Traits haben bei jedem die gleiche Bedeutung
Idiographisch: Es gibt so viele Traits wie Menschen

Walter Mischel: Situationismus

Verhalten ist nicht konsistent. Es ist stärker von der Situation beeinflußt.

Klassische Untersuchung zur transsituationalen Konsistenz: Hartstone & May (1928):
Klassenzimmer, Zuhause, Sport usw. Persönlichkeitskoeffizient unter 0,3.
Mischels Fazit: Es gibt keine Eigenschaften. Gründe gegen Mischel: (transsituationale Verhaltensvariabilität heißt NICHT, dass es keine stabilen Eigenschaften gibt)

  • Verhalten ist abhängig von Situation UND Persönlichkeit (Interaktion)
  • Situationsspezifität (innerhalb personenspezifischer Äquivalenzklasse von Situationen sind best. Eigenschaft konstant) Eigenschaften wirken bei Personen in einer bestimmten Situation anders als bei anderen Personen
  • Motivationale Komplexität (oft werden mehrere Handlungstendenzen angeregt, obwohl nur eine gerade ausgelebt wird ⇒ es gibt die "nicht-dominierenden" auch)
  • Motivationsdynamik (Sättigung, wenn best. Handlungstendenz lange ausgeführt)
  • Eigenschaften beeinflussen Verhalten nur bei top-down-Verarbeitung. Bei Regression (bottom-up) können best. Eigenschaften nicht wirken. (Informationsverarbeitungsmodus)
  • Situationskoeffizient ist auch nicht höher als 0,3
  • Persönlichkeitskoeffizient von 0,3 ist eigentlich nicht schlecht
    (Ahadi & Diener (1989): Sobald ein Verhalten von mehr als einer Persönlichkeitseigenschaft beeinflusst, bzw. hervorgerufen wird, ist eine Grenze gegeben, wie hoch die Korrelation des Verhaltens mit einem einzigen "trait" sein kann.
    D.h. aus systemtheoretischer Sicht ist der Koeffizient von 0,3 nicht besonders gering, da das multi-kausale, nicht-lineare Geschehen berücksichtigt werden muss)

Epstein-Befunde (1979): Er war der Meinung, dass das Problem der Konsistenz von Eigenschaften in verschiedenen Situationen daran liegt, dass Mischel meist nur eine Gelegenheit geprüft hat. Er zeigte, dass die Reliabilität steigt, wenn man mehrere Messungen aggregiert.
Das Verhalten von Menschen mit hoher Selbstkontrolle sollte weniger konsistent sein als das von Menschen mit niedriger Selbstkontrolle.
Introvertierte müßten eine höhere Verhaltenskonsistenz aufweisen, da sie für neue Situationen nicht so offen sind und anpassungsfähig sind (sich eher schwer mit Veränderungen tun und auch eher keine hohe Selbstkontrolle besitzen). Meistens fordern sie neue Situationen schon so sehr, dass sie sich nicht auch noch selbst kontrollieren können
Diathese-Streß-Modell: Persönliche Eigenschaft = Empfänglichkeit für etwas bestimmtes. Verhaltensänderung durch Meidung bestimmter Situationen. Die Interaktion zwischen der "normalen" Verletzlichkeit und Stressfaktoren. Die Verletzlichkeit einer Person nimmt durch zusätzliche Probleme zu, sie wird verstärkt.

BIG 5

  1. Extraversion: gesellig/zurückgezogen, lustbetont/nüchtern, herzlich/zurückhaltend, Durchsetzungsfähigkeit, Offenheit für neue Impulse, manchmal auch Dominaz oder Fröhlichkeit (T+)
  2. Verträglichkeit: weich/rücksichtslos,vertrauend/mißtrauisch,hilfsbereit/egozentrisch, warmherzig, kann auch sehr stark ins Gegenteil umschlagen (feindlich) (A+)
  3. Gewissenhaftigkeit: ordentlich, sorgfältig, diszipliniert (Gewohnheiten, S-R), Qualitäten wie planen, Beharrlichkeit, Zielstrebigkeit
  4. Neurotizismus: besorgt/gelassen, unsicher, selbstmitleidig/zufrieden, Emotionale Disorganisation, (A-)
  5. Offenheit / Intellekt: phantasievoll/sachlich, abwechslungs-/beständigkeitsliebend, unabhängig/anpassend, Offenheit für Erlebnisse, ist jedoch ein strittiger Punkt, da er von dem sozialen Umfeld abhängt

Es besteht zwar Übereinstimmung über die Anzahl der Persönlichkeitsfaktoren, aber nicht über die Benennung und Operationalisierung, obwohl ähnliche Interpretationen vorhanden sind.
Psychotizismus nach Eysenck: Es ist eine Mischung aus Eigenschaften (z.B. feindselig, impulsiv etc.), was beim Faktorenmodell vermutlich zu Liebenswürdigkeit und Gewissenhaftigkeit gezählt werden würde - starkes Anzeichen für Psychotizismus sind Halluzinationen
Psychotizismus: Einzelgänger, der sich nichts aus Menschen macht. Kühl und egozentrisch, nicht anpassungsbereit. Gleichgültig Gefahren gegenüber, Mangel an Einfühlungsvermögen.
Sind die BIG 5 vererbbar?
Studien von Bergeman (1993) & Jang (1996) ergaben, daß es einen genetischen Einfluß gibt.

Das 5 Faktorenmodell ist lediglich implizite Persönlichkeitstheorie (wird mittels Faktorenanalyse erhoben), weil…
Implizite Persönlichkeitstheorie bedeutet, dass die Persönlichkeit eines Menschen lediglich durch verschiedene Erwartungen, die ein Mensch in Bezug auf einen anderen Menschen hat, dargestellt wird. So fügt ein Mensch immer mehr entsprechende Eigenschaften zu einem anderen hinzu, wenn er erst mal eine Eigenschaft gefunden hat. Diese können unter Umständen nichts miteinander zu tun haben und die Schlussfolgerung, die der Beurteilende liefert, wäre falsch.
Die Faktorenanalyse beruht ja auf implizit ausgesuchten Items, wenn diese nun aber von Beginn an aus reiner Subjektivität heraus aufgelistet wurden, spiegelt das Ergebnis auch lediglich diese Subjektivität wieder.

Beispiel für neue ("emergente" ) Phänomene, die aus der Interaktion zweier Eigenschaften entstehen. Durch zwei Eigenschaften, die miteinander interagieren, entsteht eine neue Verhaltensweise.
Warmherzigkeit + Großzügigkeit = sehr soziales Verhalten
Aggressivität + Impulsivität = antisoziales Verhalten

Motive:

  • ermöglichen, unsere Bedürfnisse situationsangemessen & selbstkongruent umzusetzen
  • Gruppierungen von Kognitionen mit affektivem Unterton, die in bevorzugte Erfahrungen und Ziele organisiert sind (McClelland). Motive sind Bündel von Kognitionen, die eher bewusst sind und aus der kognitiven Repräsentation des Bedürfnisses bestehen
  • uch an der Steuerung der Aufmerksamkeit beteiligt (damit man nicht abgelenkt wird)
  • Erlernte Verbindungen von Bedürfnissen mit kognitiv-affektiven Netzwerken (resultieren aus autobiografischen Episoden)
  • Bilden für viele verschiedene Situationen eine Vielfalt an Handlungsmöglichkeiten & ihre inneren & äußeren Folgen ab
  • Intelligent verarbeitete Bedürfnisse
  • Verbinden Bedürfnisse mit Affekten und untereinander
  • Verschiedene Motive konkurrieren. Das jeweils stärkste beeinflusst das Handeln.
  • Sättigung führt zu einem auf und ab.
  • Eigenschaften beeinflussen die Umsetzung von Motiven. Sie können auch kollidieren (Introvertierte mit hohem Anschlußmotiv)
  • Verhalten durch Motive ist flexibler als Verhalten aufgrund von S-R-Verbindungen
  • Wann wird ein Motiv in Verhalten umgesetzt?
    Je nachdem wie stark das Motiv zum Zeitpunkt ausgeprägt ist, wird es in Verhalten umgesetzt.
    Wenn das Motiv zum jeweiligen Zeitpunkt Erfolg verspricht, wird es in Verhalten umgesetzt
    Anreizwert entscheident
    Fähigkeit zur Handlungsausführung muss vorhanden sein

Bedürfnisse: signalisieren Bedarf (prä-affektiver, prä-kognitiver organismischer Defizitzustand, Soll-Zustand).
Verhalten spiegelt immer das gerade intensivste Bedürfnis wider. Affekte/Kognitionen sind nicht notwendig, um Motivation anzuregen. (Affekt zeigt, ob Bedarf gedeckt ist/werden kann, Kognitionen zeigen, wie & wann er gedeckt werden kann.)
Bedürfnisse sind subkognitiv, subaffektiv & eher unbewusst; sind eher physikalische Eigenschaften, die den Motivationszustand schaffen

Druck/ Press: Das gleiche, nur von außen. Zustände oder Einflüsse, die im Menschen Verlangen nach etwas auslösen. (Pizza als Beispiel) (Murray)
"Mangelzustände, die von außen kommen" ⇒ Anreiz/ Affekt
Anreiz: erworbene/angeborene Verknüpfung zwischen Affekt und Objekt. Gibt an, in welchem Maße ein Verhalten befriedigend ist. Vom Anreiz hängt es ab, ob ein Motiv in Verhalten umgesetzt wird. (Hinzu kommen Erwartungen und Talent)

TAT (Thematic apperception test von Murray):

Misst, wie stark ein Bedürfnis in eine Motivstruktur integriert ist.
Latente Bedürfnisse werden aufgedeckt.
Vorgehensweise: Zuerst schauen sich die Versuchspersonen Bilder an. Danach werden sie aufgefordert sich zu den Bildern Geschichten auszudenken, die auch die Gedanken und Gefühle etc. der Charaktere wiederspiegeln. Die Motive und Themen, über die die Vp geschrieben haben, spiegeln die eigene latente Motivation wieder
Validierung des TAT:

  • Studie zu Bedürfnis nach Nahrung (unterschiedlich Nahrungsdeprivierte VP): Je mehr Hunger die Vp hatte, desto mehr tauchte Thema "Essen" im TAT auf.
  • Leistungsmotiv (VP machten Erfahrungen entweder Erfolg oder Misserfolg): Nach Misserfolg kam es zu Anstieg des Leistungsmotiv, nach Erfolg zur Senkung.
  • TAT-Maß für inhibiertes Machtmotiv sagte Karriereerfolg voraus (so auch Leistungsmotiv)
  • Maß für Affiliationsmotiv sagt Zufriedenheit in der Partnerschaft voraus

Warum niedrige Reliabilität des TAT?
Zum einen liegt es daran, dass die Bilder, zu denen Geschichten erfunden werden, variieren und deshalb auch verschiedene Geschichte erfunden werden. Dies führt zu niedriger internaler Konsistenz.
Kreativität verhindert Reliabilität, führt aber beim TAT zu Validität
Die Versuchspersonen vermeiden, sich in ihren Geschichten zu wiederholen. Dies führt zu einer niedrigen Reliabilität und auch zu einer niedrigen internalen Konsistenz.
Frühkindliche Sollwertverstellung: Bedürfnisfrustration (regt ständige Bedürfniszustände an, ohne sie zu reduzieren) ⇒ Bedürfnisfixierung
Manifeste Bedürfnisse: durch Verhalten beobachtbar
Latente Bedürfnisse: nicht offen gezeigt.

Murray (1938): Persönlichkeit wird beschrieben durch die Bedürfnisse. Sie können fusionieren, sich gegenseitig unterstützen oder behindern.
22 Bedürfnisse sortiert nach Bereichen wie z.B. Ambitionen, Objekte, Affekte, Information.

Motiv vs. Eigenschaft: Motive repräsentieren fundamentale Absichten und Wünsche, wohingegen Eigenschaften entscheiden, ob und wie diese Wünsche ausgedrückt werden. Motive interagieren somit mit Eigenschaften um Verhalten zu produzieren.
Eigenschaften und Motive können sowohl positiv als auch negativ interagieren. So gibt es Schwierigkeiten bei introvertierten Menschen mit einem hohen Anschlussmotiv, bei extrovertierten Menschen ist dies jedoch von Vorteil.
Prä-affektiver Bedürfniskern der 3 Motive: (ohne Affekte oder Kognition durch Hypothalamus beeinflußt)

Machtmotiv:

aggressives Verhalten
Korrelate: weniger einflussreiche Freunde und Frauen, Machtsymbole, niedriger sozialer Status: eher Aggression den Frauen gegenüber; suchen sich Frauen, die abhängig von ihnen sind; Dominanz in Beziehungen
Machtmotiv und Alkohol: Alkohol vermittelt Machtgefühl. Therapie: Machtmotiv wird an anderer Stelle befriedigt.

Inhibiertes Machtmotiv: Menschen beeinflussen wollen ⇒ geringes Affiliationsmotiv (solche Menschen können gut Manager werden).

Anschlußmotiv:

mütterliches oder sexuelles Verhalten
Korrelate: Gruppenzwang, viele soziale Aktivitäten; eher konform mit der Gruppenmeinung, weil sie nicht unsympathisch erscheinen wollen; nervös, wenn sie glauben, daß andere Menschen ihre Attraktivität und ihre sozialen Fähigkeiten beurteilen oder kritisieren; initiieren gern Kontakte mit fremden Personen und festigen bestehende Freundschaften; häufiger als Anführer angesehen, sogar häufiger als solche mit einem hohen Leistungsmotiv und solche, mit einem hohen Machtmotiv

Unterscheidung Affiliationsmotiv und Intimitätsmotiv: Das Affiliationsmotiv bezieht sich auf (auch oberflächlichen) Anschluss an andere Menschen. Es ist geprägt durch ein Sicherheitsstreben und Streben nach Geborgenheit, ist also eher eine "negative" Vermeidungsmotivation.
Das Intimitätsmotiv beinhaltet einen intensiveren Austausch mit anderen Menschen als das Affiliationsmotiv und ist als eine Sonderform desselben zu sehen.
Wichtig ist hier die persönliche Begegnung!

Intimitätsmotiv: Verlangen nach nahem, bedeutungsvollen Austausch. Zweisamkeit. Eher passive, nicht kontrollierende Orientierung.
Ähnlichkeit mit Babys: starke Face-to-face Interaktion, langer Blickkontakt, emotionlaer Austausch; Verschmelzung des eigenen Selbst mit dem des anderen
Primärer Narzißmus: Neugeborene können nicht zwischen sich und der Mutter unterscheiden.
Serotonin: Antagonist der verhaltensbahnenden Adrenalin und Noradrenalin. Appetitbremse im Hypothalamus.

Leistungsmotiv (Atkinson):

instrumentelles Verhalten
Motiv, Versagen zu verhindern.
Weniger Erfolgsmotivierte wählen ganz einfache oder ganz schwierige Aufgaben. Menschen mit hohem Leistungsbedürfnis suchen sich Aufgaben mit angemessenem Schwierigkeitsgrad, um ein Feedback über ihre Leistung zu bekommen.
Verhalten = Motiv X Erwartung X Anreiz

Morris (1966): Personen mit hoher Leistungsmotivation bevorzugen mittelschwere Aufgaben. Die leichten sind zu einfach, bei den schweren ist die Gefahr des Mißerfolgs zu groß.
French (1955): Personen mit hoher Leistungsmotivation arbeiten härter, wenn die Aufgaben mittelschwer sind.
Trope (1975, 1980): Leistungsmotivierte bevorzugen "diagnostische items", d.h. items, die viel über ihre Leistungsfähigkeit aussagen.
Feather (1961): Leistungsmotivierte werden durch schwierige Aufgaben /Schwierigkeiten angespornt und geben ihre Bewältigung nicht so schnell auf.
Leistungsorientierung einer Gesellschaft: Studie von Bradburn & Berlew (1961): verglichen Literatur und ökonomische Geschichte Englands von 1500-1800. Fiel das Leistungsmotiv ab, so folgte die ökonomische Entwicklung 50 Jahre später. D.h. also, daß Änderungen in der Leistungsmotivation ökonomisch Konsequenzen haben.
Studie von McClelland (1961): Untersuchte die Leistungsmotivation in Schulbüchern und fand einen Zusammenhang zwischen der Vorstellung von Leistung 1925 und dem ökonomischen Wachstum von 1925-1950 in 23 Kulturen. Auch hier Leistungsmotiv vor ökonomischem Erfolg.

SIGMUND FREUD:

  • Energetisches Modell der Psyche
  • Motivationale Grundlagen der Selbststeuerung (neurobiolog. Basis von Trieben, Bedürfnissen, Verhaltensbahnung, IG,...)
  • Anreiztheoretischer Fokus (Anreiz = Objektrepräsentation + Affekte als zentraler Mechanismus der Verhaltensbahnung)
  • keine Differenzierung zw. ICH und SELBST

1. Angsttheorie: Angst = Folge ins Bewusstsein drängender traumatischer Erinnerungen, die seit früher Kindheit verdrängt. Angst ist die Reaktion eines Organismus. Angst fungiert als Warnmechanismus des Ichs: Traumata ⇒ Verdrängung ⇒ Angst (davor, dass Verdrängung irgendwann versagt)
2. Angsttheorie: Angst = Ich-Funktion zur Warnung vor Gefahren. Angst wird ausgelöst durch einen Triebkonflikt zwischen den 3 Instanzen Es, Ich und Über-Ich: Verbotener Impuls/Gefahr ⇒ Angst ⇒ Verdrängung (damit Angst wieder weggeht)

Unterschied zwischen moralischer und neurotischer Angst:
Neurotische Angst: Konflikt des Es. Angst, dass die Es-Impulse außer Kontrolle geraten und man dadurch einer Bestrafung ausgesetzt wird.
Moralische Angst: Konflikt des Über-Ich. Angst die entsteht, wenn man verinnerlichte Moralvorstellungen verletzt hat oder im Begriff ist sie zu verletzen

Therapie: Heilung nur möglich, wenn die wirkliche Ursache der Verletzung zugelassen wird: Erst dann können Patienten lernen, Wut & Schmerz ihrer Verletzungen auf andere oder auf sich selbst zu schieben.

Topographisches Modell (Eisberg): Bewußtes, Vorbewußtes, Unbewußtes
Heutige Sicht des Unbewußten: Automatismen

Strukturmodell: ICH, ES, ÜBER-ICH
Verbindung Struktur- und Topographisches Modell: Bewusstes = Ich; Vorbewusstes = Über Ich; Unbewusstes = Es
ICH: Dingen, die einem gerade bewusst sind
ES: Ererbte, instinktive, primitive Aspekte, unbewußt. Motor der Psyche, alle Energie kommt hierher; verborgene Triebe, denen man sich nicht bewusst ist, die aber Einfluss auf das Verhalten nehmen können
ÜBERICH: generellen Grundsätze, die man sich einfach in Erinnerung rufen kann
Ich-Ideal: so sollte ich sein
Gewissen: das darf ich nicht
Zu schwaches Ich: Zerissenheit durch die vielen Konflikte

Trieb: Biologischer Bedürfnisstatus, dessen psychologische Repräsentation.

ES,
Besetzung

ICH,
sekundärer Prozeß, um Objekte zu finden, die zu den Bedürfnissen des Es passen. Unterdrückung von Impulsen des Es.
ÜBERICH
Identifikation, braucht auch Energie. Elterliche Ideale werden zu Idealen des Ich.
konkurrieren um Energie.


Besonderheiten des ICH: Hält das Es und das Über-Ich unter Kontrolle und versucht es so gut zu machen, dass Angst nach Möglichkeit gar nicht erst entsteht Ich ist nicht perfekt: 2 Wege, wie das Ich auf Angst reagiert:

  • Erstens verstärkt das Ich den Effekt rational an ein Problem heranzugehen, damit man sich bewusst mit dem Ursprung der Gefahr auseinandersetzt.
  • Zweitens aktiviert das Ich einen Defensiv-Mechanismus. Es gibt verschiedene Defensiv-Mechanismen, die z.T. sogar verhindern können, dass Angst entsteht. Jeder Defensiv-Mechanismus ist von zwei Charakteristiken geprägt:
    Zum einen können sie im Unbewussten operieren.
    Zum anderen können sie die Realität anders erscheinen lassen.


Eros / Thanatos (hier nicht ausführlicher)
Sex + Aggression: Pornos machen Männer aggressiv.
Katharsis: Entladung aufgestauter Energie
Sublimierung: Verschiebung auf ein sozial akzeptiertes Objekt

Orale Phase (Geburt - 18 Monate): Optimismus vs. Pessimismus, Vertrauen vs. Mißtrauen, Abhängigkeit, Leichtgläubigkeit.
Fixierungsbedingter Charakter: Inckooperative, abhängige oder sadistische Persönlichkeit

Anale Phase (18 Monate - 3 Jahre): Kreativität, Produktivität, starr, besessen, geizig, eigensinnig, reinlich, ordentlich
Fixierungsbedingter Charakter: festhaltend, aber auch destruktive Persönlichkeit

Phallische Phase (3-5 Jahre): Ödipuskomplex
Fixierungsbedingter Charakter: Bei Männern machoartiges, exzessiv karrierestrebendes Verhalten. Bei Frauen flirtendes Verhalten

Genitale Phase (Pubertät)

Freuds Theorie ist nicht falsifizierbar. Er sagt ja, dass das, was jemand abstreitet, halt verdrängt ist. Kann keiner prüfen.

Lustprinzip: Bedürfnisse sollen sofort befriedigt werden. Das ES versucht, wenn ein Bedürfnis auftritt und somit eine gewisse Spannung vorherrscht, dieses Bedürfnis und diese Spannung zu lösen. Dieser vom Es ausgelöste Mechanismus wird Primärprozess genannt. Es erstellt eine Vorstellung vom Bedürfnis und einen Weg zu seiner Befriedigung.
Primärprozeß (Traumdeutung): holistisch, polylokal, Verschmelzung, atemporal, Kondensierung, a-logisch
Realitätsprinzip: zieht zusätzlich zu den inneren Bedürfnissen die äußere Welt hinzu. Dieses wird dem ICH zugeschrieben, was quasi eine gewisse Rationalität ins Verhalten einbindet. Das Ziel des ICH ist es das Verlangen des ES solange zu unterdrücken bis ein Objekt zur Verfügung steht, welches das Bedürfnis befriedigen und somit die Spannung lösen kann. Diesen Vorgang versteht man als Sekundärprozess.
Sekundärprozeß: analytisch, bewusst, logisch, episodisch, realitätsorientiert

Traumdeutung: In Träumen werden Triebwünsche so verdeckt, dass das ICH sie nicht bemerkt. (Basisthese: Im Traum werden verdrängte Triebe auf so entstellte Weise befriedigt, dass der Schläfer nicht geweckt wird.)
Befunde dagegen: Neugeborene haben 8 Std. REM. Auch Embryonen haben REM, und Tiere.
Zu Traumdeutung: Manifester vs. Latenter Inhalt Manifester Inhalt: eigentliches Traumgeschehen besteht aus bewussten sensorischen Eindrücken. Im manifesten Inhalt kommt der latente Wunsch zum Ausdruck
Latenter Inhalt: die unbewussten Gefühle, Wünsche usw., die im manifesten Inhalt erscheinen, d.h. er besteht aus unbewussten Eindrücken. Er beinhaltet 3 wichtigsten Quellen von Trauminhalten:

  1. sensorische Stimulation: reale Geräusche werden in den Traum miteinbezogen & stellen best. Situationen dar. Grund: um den Schläfer nicht zu wecken (Bsp. Vorbeifahrendes Auto)
  2. aktuelle Belange/Tagesreste: Gedanken, Ideen usw., die den Träumer in seinem normalen Alltag beschäftigen, tauchen im Traum wieder auf
  3. Es-Impulse: werden im Wachzustand vom Ich abgeblockt, erscheinen aber symbolisch verschlüsselt im Traum (Bsp. Konflikte aus Kindheit, primitive kindliche Gedanken)

Funktion des Traums heute:
Winston (1985): Integration der Tageseindrücke in ein Gesamtsystem von vorhandenen Eindrücken. Die Integration findet im REM-Schlaf statt. Konsolidierung von Gelerntem.
Kleitman (1963) - Entdecker des REM-Schlafes: Menschen, die während des REM-Schlafes geweckt wurden, gaben meistens an, dass sie geträumt hätten.
Funktion von Traumsymbolen und Traumarbeit:
Traumsymbole - Funktion das Ich und das Über-Ich zu blenden. Es kann Impulse weitergeben, ohne dass sie von den anderen Instanzen als bedrohlich empfunden werden. Symbolisation mögliches Gegenstück zur Sublimation
Traumarbeit - gleiche Funktion wie Traumsymbole. Ausführung ist aber anders. Latente Inhalte werden anders dargestellt & verzerrt dargeboten
2 Mechanismen:

  1. Kondensation: Einzelne Gedanken werden zusammengefasst und dann gebündelt. Aus vielen einzelnen Gedanken wird ein einzelner. Grund: ein einzelner Gedanke weniger Gefahr darstellt als viel kleine. Zudem kann man sich nicht sicher sein, welcher Gedanke nun welchen Teil des Gesamtgedanken ausmacht, was ebenfalls das Einschreiten des Ichs und des Über-Ichs verhindert.
  2. Mechanismus des Gegenteils: Ein nicht akzeptierbarer latenter Gedanke wird als manifester Gedanke dargeboten, also in seiner umgekehrten Form. Der geträumte Traum bedeutet demnach das Gegenteil à Entspricht der Reaktionsbildung


Ich-Stärke: Wenn das Ich effektiv ist. Ich-starke Menschen sind nicht immer ehrlich: Ich-starke handeln eher nach eigenen Bedürfnissen & weil nur Ich getriebene Menschen lediglich ihre Rationalität einbinden, nicht aber die Moral- und Wertevorstellungen des Über-Ichs
Freud: Das Ich kann als einziges Objektbesetzungen verlagern und Gefühle steuern. Das Ich ist aber bewusst und analytisch.
Unterschied zw. Ich und Es bzgl. Objektbesetzung: Die Es vermittelte Objektbesetzung wird durch den Primärprozess (zusätzlich kommt noch das Lustprinzip dazu) bestimmt, die Ich vermittelte Objektbesetzung durch den Sekundärprozess (zusätzlich kommt noch das Realitätsprinzip dazu.
Kuhl sagt, nur das Selbst kann Gefühle beeinflussen.

Kritik an Freud: Dichotomie zwischen Kognition und Affekten ist überholt.
Karen Horney (1945): Grundängste, Feminismus (Artikel gegen Freud: Da nur Frauen Kinder bekommen können, haben Männer Minderwertigkeitsgefühle, weil sie nie ein so wertvoller Bestandteil der Gesellschaft werden können wie Mütter. Männer versuchen diese Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren, indem sie Frauen herabsetzen und gering schätzen. Horney argumentiert, dass Frauen nicht wirklich einen Penis haben möchten, sondern einfach als vollständige Mitglieder der Gesellschaft gelten wollen)
Reaktion Freud: Er sagte, dass sie diesen Standpunkt nur vertreten würde, weil sie eigenen Penisneid empfand, den sie allerdings nicht zugeben wollte

Traumatheorie: Frühe Traumata sind bleibende emotionale Fixierungen (weil Hirnstrukturen, die Unterdrückung v. früher traumatischen, jetzt nicht mehr gefährlichen Signalen vermitteln, erst spät reifen.
Regression = zeitweilige oder anhaltende Abkopplung des modulatorischen Einflusses hochinferenter Funktionen auf elementare Mechanismen der Objekterkennung oder der intuitiven Verhaltenssteuerung (adaptiv in Welt mit unvorhersagbaren Gefahren hochinferente Funktionen nicht einzusetzen, da sie der Vorhersage/Kontrolle dienen.)

Gegenbesetzungen & "Verdrängung" Gegenbesetzung (anticarthexis): Sie verhindern bzw. unterdrücken einen bestimmten Impuls durch gezieltes Einsetzen von Energie (cathexis).
Verdrängungen sind die stärkste Form der Gegenbesetzung: So bleibt das Ideal oder das Symbol im Unbewussten

8 Abwehrmechanismen (siehe Studie aus dem Kazén-Seminar):

  1. Repression: manchmal bewusst (Suppression), bei Themen, die im Geist entstanden sind, aber auch unbewußt
  2. Abstreiten (oder auch Verleugnung): bei Dingen aus der Umwelt (Alkoholiker); Menschen, die von einer realen Situation überrascht wurden, glauben nicht daran, dass diese Situation so richtig oder überhaupt passiert ist
  3. Projektion: eigene Angst mit den dazugehörigen unakzeptierbaren Wünschen, etc. auf andere Personen übertragen
  4. Rationalisierung: Angstabbau durch Suchen einer rationalen Erklärung
  5. Intellektualisierung: analytisches, emotionsloses Nachdenken über etwas.
  6. Reaktionsbildung: Wenn man einen nicht akzeptierten Impuls empfindet, versucht man ihn in einen gegenteiligen Impuls umzuwandeln. Bsp: des homosexuellen Richters, der seine Homosexualität nicht akzeptiert und so Gesetze gegen Homosexualität erlässt.
  7. Regression: Um emotionalen und physischen Stress auszuhalten, halten manche Menschen an bestimmten Phasen ihrer Entwicklung fest ⇒ Fixation, z.B. anale Persönlichkeit
  8. Ersetzung / Sublimation: auf ein anderes Objekt. Der Impuls wird in akzeptable Form gebracht & Verschiebung

Adaptivität von Regression: Unvorhersagbare Situationen. Wer versucht, zu analysieren, vorherzusagen, lebt nicht lange.

Belohnungsaufschub: Mischel & Ebbesen (1970)

Kinder wurden vor eine Wahl gestellt: entweder sofort ein kleines Geschenk oder später ein großes. (erste Wahl ist vom ES gelenkt, zweite Wahl vom ICH) Wenn die Kinder das gewünschte Objekt sofort sahen, fiel es ihnen schwer noch länger zu warten. Demnach sind die experimentell untersuchte Determinanten zum einen der Ort, an dem die Belohnung zu finden ist, und zum anderen die Aufforderung sich vorzustellen, dass das Belohnungsobjekt überhaupt nicht hier ist.
Geht einher mit Interesse an Erfolg, sozialer Verantwortung.
Jungen: Impuls,- Emotionskontrolle ⇒ starke Konzentration und überlegtes Handeln.
Mädchen: Intelligenz, Findigkeit, Kompetenz.
Begründung des Geschlechtsunterschiedes lt. Funder: unterschiedliche Sozialisation

Verdrängung

Wie wirkt bewußt gesteuerte Verdrängung?
Wegner (1989): "Denke nicht an einen weißen Bären" Das klappt nicht. (Rebound-Effekt)
Nur, wenn ein anderes Thema zur Ablenkung gegeben wird.

Experimentelle Untersuchungen der Verdrängung: (Wahrnehmungsabwehr)
Ziele:
Experimenteller Nachweis der Verdrängung
(selektiver Unterdrückung von potentiell angstauslösenden Infos bereits in der Wahrnehmung?)
Systematische Untersuchung der situations- & personseitigen Bedingungen der Wahrnehmungsabwehr
(wie funktioniert Verdrängung? Wann und bei wem?)

"thought suppression" vollzieht sich in zwei Schritten:

  1. Entschluß fassen, den Gedanken zu unterdrücken.
  2. Jeden Hinweis auf den Gedanken unterdrücken, d.h. auch den Plan, ihn zu unterdrücken.

Fazit: Es ist besser, den Gedanken zuzulassen oder eine Ersatzbesetzung zu bilden, als ihn ganz zu unterdrücken.

McGinnies (1949): Hure vs. Tisch Tabu-Wörter haben höhere Identifikationsschwelle und stärkere PGR-Reaktionen (perzeptive Abwehr)
ABER: Wird Wahrnehmung oder Wiedergabe gehemmt? Schämt man sich, sie auszusprechen, nimmt sie aber genauso schnell wahr? (Reaktionsselektion) Man ist die Tabuwörter nicht so gewohnt, daher werden sie wohl eh langsamer wahrgenommen. (Worthäufigkeit) Wie kann man etwas abwehren, bevor man es wahrnimmt? (Wahrnehmungsparadox)

Lazarus & McLeary (1951): bap+Schock vs. tek
PGR war bei Schock-Silben höher. Perzeptive Abwehr.
ABER: Abwehr ist nicht bewiesen, vielleicht nur visuell?

Corteen & Wood (1972): Baum+Schock vs. Tisch
Auditive Darbietung. Beachten von neutralem Wort im rechten Ohr, während Schockwörter links dargeboten wurden. Semantische Verarbeitung (unbewußt) löst Affekt aus.
ABER: Aufmerksamkeitswechsel von rechts nach links? Vp sollte Taste drücken, wenn sie links etwas hörte. Herausgefilterte Durchgänge ⇒ keine PDR-Reaktion mehr.
ABER: PGR-Reaktion, wenn die Seiten vertauscht wurden.

Dawson & Schell (1982): Dog+Schock vs. Go



EDA-Reaktion
Die rechte Hemisphäre kann nicht sprechen, ist aber mit dem autonomen NS verbunden
Emotionales Wort (DOG) kommt nicht in linke Hemisphäre, weil da schon beachtetes Wort ist. DOG kann aber von der rechten Hemisphäre aus emotionale Reaktion auslösen, weil die rechte Hemisphäre mit dem autonomen NS vernetzt ist.
keine EDA-Reaktion
Das zu beachtende Wort "GO" ist bereits in der rechten Hemisphäre angekommen und wird in die linke Hemisphäre rüberkopiert (damit es bewusst identifizeiert und ausgesprochen werden kann). Daher kann emotionales Wort (dog) nicht in die rechte Hemisphäre (weil die schon besetzt)
⇒ keine EDA, weil die rechte Hemisphäre von dog nichts "weiß"
KEIN Nachweis für Abwehr, KANN aber so eingesetzt werden.

Rechte Hemisphäre: nonverbal, mit affektauslösenden Prozessen verbunden (viel enger als linke Hemisphäre). Deshalb funktioniert das analytische Praktizieren (Verarbeiten von Konflikten mit linker Hemisphäre) Freuds nicht. Nonverbales Verarbeiten (mit rechter Hemisphäre) ist wirksamer.
Freuds zentrale These: (das (bewusste) ICH kann Affektbesetzungen er Objekte installieren und wieder auflösen) ist also experimentell widerlegbar.

Aufmerksamkeit = intrapsychische Verstärkung von Signalen
Es gibt verschiedene Formen der Aufmerksamkeit. Wenn Verdrängung auf Aufmerksamkeitsverlagerung beruht, muss es auch verschiedene Formen der Aufmerksamkeit geben. Verknüpfung von verschiedenen Abwehr- mit unterschiedlichen Aufmerksamkeitsmechanismen:

  • Räumliche Aufmerksamkeit: parietales Aufmerksamkeitssystem (Hinterhaupt). Ablenken, Leugnen, Vermeiden: weniger Sponaneität beim Verhalten, das durch räumliche Aufmerksamkeit gebahnt wird.
  • Unstimmigkeitssensitive Aufmerksamkeit: Orientierungsreaktion mit Objektfokus (HC). Gegenteil von Verdrängung, Sensibilisierung.
  • Zielorientierte Aufmerksamkeit: Linker präfrontaler Cortex. Verdrängung: Intellektualisieren
  • Kongruenzorientierte Aufmerksamkeit: Rechter präfrontaler Kortex. Man sucht "etwas zum Schreiben". Durch Netzwerke repräsentiert. Wachsame, viele Erfahrungen berücksichtigende Beachtung des Angstreizes.

Repression vs. Sensitization:

Unterscheiden sich Menschen im Ausmaß ihrer Verdrängung?
Byrne (60er Jahre): Fragebogen, um das zu erfassen (R-S-Skala)
Represser neigen zur kognitiven Vermeidung angstauslösender Erlebnisse
Sensitizer neigen zur besonderen Beachtung ansgtauslösender Erlebnisse ("sorgevolles Grübeln") ⇒ hoher Wert auf R-S-Skala
Krohne (1974): untersuchte, welche Variablen mit hohen R-S-Kennwerten korrelieren.
Sensibilisierung: Hohe selbstbeurteilte Entscheidungsunsicherheit, mehr Adjektive werden benutzt für Fremd- und Selbstbeurteilung, Ängstlichkeitskennwerte, Leistungsminderung durch Angst, emotionale Labilität, Zugeben von Aggressionsakten, Dominanz, Selbstkritik
Wie beschreiben Sensibilisierer sich selbst?
Schüchtern, kein Selbstvertrauen, Sorge um den Verstand, müde, stimmungslabil, ruhelos, Fehler zugeben, abhängig, depressiv, negatives Selbstbild, zwanghaftes Denken.
Wie beschreiben Represser sich selbst?
Positive Selbstbeurteilung, reagieren nach sozialer Erwünschtheit, Leugnen von Schwächen, kontaktfreudig, gut gelaunt, ruhig, selbstbewußt, aktiv, Leistungsförderung durch Angst.
Marlowe & Crowne: Social Desirability Scale

Untersuchung von Schill & Althoff (1968):
AV: Wiedererkennen von "schlimmen" Sätzen.
Sensibilisierer: erkannten die meisten sexuellen Sätze. Aggressive Sätze erkannten sie genauso wie nichtdefensive Represser, neutrale etwas mehr.
Defensive Represser: überall am wenigsten, vor allem sexuell
Nichtdefensive Represser: sexuell so viele wie Sensibilisierer, aggressive und neutrale auch.
Represser geben ihre Angst nämlich nur nicht zu. Zu erkennen sind sie an der sozialen Erwünschtheit.

Untersuchung von Asendorpf, Walbott & Scherer (1983):
Registrierten außer Angstreport auch Herzrate und Gesichtsausdruck.
Represser: berichteten über die geringste Angst, hatten aber den stärksten Gesichtsausdruck und eine fast so hohe Herzrate wie Hochängstliche.
Niedrig-Ängstliche: überall niedrige Werte. (nicht-defensive Represser)

Katharsis:

Therapeutische Wirkung der Wiederbelebung früherer Verletzungen (Freud)
Seine Annahme: durch Catharsis steht die libidale Energie, die zur Unterdrückung der früheren Verletzungen benötigt wurde, frei wird und für andere Prozesse zur Verfügung steht.

Befunde zur Katharsishypothese:

Megargee, Cook & Mendelsohn (1967): Menschen mit starker Hemmung gegen Aggression stauen diese auf. Wenn man Aggression lange aufstaut und nicht auslebt, kommt es irgendwann bei der kleinsten Gelegenheit zu einer extrem brutalen Situation. ("overcontrolled aggressors").
Hokanson & Burgess (1962): Höherer Blutdruck, wenn Vl die Vp stört. Nachdem die Vpn ihren Ärger rauslassen konnten, war der Blutdruck wieder niedriger.
Versuchpersonen wurde eine Aufgabe gestellt, die sie lösen mussten. Während sie das taten wurden sie vom VL fortwährend provoziert. Währenddessen wurde den Versuchspersonen der Blutdruck gemessen. Anschließend wurden die Versuchspersonen in drei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe durfte danach körperlich aggressiv werden, die zweite verbal und die dritte in nur der Phantasie (TAT). Der Blutdruck wurde dabei ebenfalls gemessen und anschließend mit den vorhergehenden Messungen vergleichen. Die Versuchspersonen, die der ersten Gruppe angehörten, hatten beim "Austoben" einen niedrigeren Blutdruck, ebenso wie die zweite Gruppe. Die dritte Gruppe jedoch hatte keinen veränderten Blutdruck.
Hokanson & Edelman (1966): Werden Frauen provoziert, reduziert sich die Erregung eher, wenn sie freundlich reagieren, als wenn sie eine aggressive Reaktion zeigen.
Murray (1985): Aggression wird auch abgebaut, wenn ein anderer Vergeltung oder Rache übt.
Bramel, Taub & Blum (1968); Aggression reduziert späteres Aggression nur, wenn es eine Antwort auf eine bestimmte Provokation ist (und die Realisierung sich gegen den Provokateur und in gleicher Weise gegen die Provokation richtet.

Silverman (1976, 1983), Weinberger & Silverman (1987): Sie fanden eine Möglichkeit, Informationen nur in das Unbewusste zu schleusen, ohne dass das Bewusste davon berührt wurde (z.B. tachistoskopische Untersuchungen). D.h. Versuchspersonen bekamen Informationen (ins Unbewusste), konnten diese jedoch nicht bewusst nennen oder beschreiben.So wurde den Versuchspersonen Material präsentiert, welches unbewusste Konflikte auslösen würde. Die pathologischen Symptome stiegen an, was nicht der Fall war, wenn sie die gleichen Informationen im bewussten Zustand erhielten.
Silverman (1976) , Ross, Adler & Lustig (1978): Depressiven wurden "schlimme" Zeichnungen ganz kurz gezeigt. Danach war die Stimmung schlechter. Vpn nahmen an Dart-Wettbewerb teil, nachdem sie Sätze wie "Vater schlagen ist okay" gezeigt bekommen hatten. Danach spielten sie besser (Ödipus-Komplex).
Sie untersuchten den Ödipuskomplex bei Männern. So mussten die Vp erst etwas Dart spielen, dann bekamen sie (durch tachistoskopische Darbietung) unterschwellige Informationen dargeboten. Eine der Informationen besagte: "Beating Dad is wrong", während die andere das genaue Gegenteil sagte: "Beating Dad is OK". Bei einer dritten Bedingung erhielten sie neutrale Reize. Anschließend spielten die Vp wieder Dart. Die Erregung ödipaler Gefühle (Beating Dad is OK) führte zu einer Erhöhung der Trefferquote, genau umgekehrt waren die Erkenntnis zu der ersten Gruppe. So führte dort eine Senkung der ödipalen Gefühle (Beating Dad is wrong) zu einer niedrigeren Trefferquote, wobei die Eingabe neutraler Reize keine Veränderung zeigte.

Freudscher Versprecher: Angst vor Schock bzw. aufreizende VL. Vpn verlasen sich dann entweder mit Thema Angst oder Sex (sappy hex).
Experimenteller Nachweis der Wirkung von Ängsten auf die Entstehung von Versprechern: Mortley(1985): Vp mussten einen bestimmten Versprecher machen (flute fly statt fruit fly). Hierzu brauchte man spezielle (Wort-)Paare, die man leicht zu Versprechern umbilden konnte durch bestimmtes Übertönen. Beim Experiment sollten spezielle Ängste entwickelt werden und anschließend sollte geguckt werden, ob die Angst die Versprecher verstärkte. 2 Vp-gruppen: (1) männlichen Vp durch elektrische Schocks Angstzustände zugefügt (2) männlichen VP wurde eine provokant angezogene Frau gezeigt, die zu Angst über sexuelle Interessen führen sollte. Resultat: diejenigen, die an Sex dachten, machte mehr sexuelle Versprecher und die anderen mehr Schock bezogene Versprecher.
Rorschach-Test: Test-Retest-Reliabilität gering.

Untersuchung von Pennebaker (1993) zur therapeutischen Wirkung der Selbstöffnung: Unterdrückte Gefühle machen krank. Studenten erzählten über ihr schlimmstes, taumatisches Erlebnis. Sprache schneller, Schrift anders, Stimme gesenkt. In folgenden 6 Monaten besuchten sie seltener die Krankenstation.
Narrativer Stil bringt mehr Erleichterung (Gefühle ausdrücken).
Pennebaker (1989): Studie über Juden die Holocaust überlebten zeigte, dass diejenigen, die während ihrer "Enthüllung" stark beteiligt waren, in den nächsten Wochen geringeres Bedürfnis hatten ihren Psychiater aufzusuchen.
Pennebaker, Kiecolt-Glaser & Glaser (1988): Enthüllung / Öffnung hat Einfluss auf Funktionen des Immunsystems.

C.G.Jung:

Jungs typologischer Ansatz: Die Typen sind nicht angeboren.
Extravertiert: gesellig, optimistisch, impulsiv, liebt Abwechslung, geht Risiken ein. Objektbezogen.
Introvertiert: distanziert, ruhig, zuverlässig, ordentlich, ernst, kontrolliert, pessimistisch, schmerzempfindlich. Aufmerksamkeit ist auf das innere Seelenleben gerichtet.

Die Verteilung der Typendimensionen ähnelt einer Normalverteilung, so liegt die Mehrheit im mittleren Bereich. Alles, was zwischen den Typen liegt, ist eine Störung der Persönlichkeit. Entweder man gehört zu einem Typ oder nicht.

Psychopathologische Hypothese: Neurotische Überspitzung der Extraversion = Hysterie
Kompensationsannahme: Extravertierte = bewusste Einpasser, aber unbewusste Egozentriker
Relationaler Bewusstseinsbegriff: Bewusstsein ist durch die Beziehung zwischen Erlebnisinhalten und dem ICH definiert.
Erlebnisinhalte resultieren aus den 4 ektopsychischen Funktionen (Denken, Fühlen, Empfinden, Intuieren) und den 3 endopsychischen Funktionen (Gedächtnis, Emotionen, Affekte).

  Extraversion:
Nach außen gerichtetes psychisches Interesse auf das Objekt hin. Passen sich an, Hauptsache positiver Affekt (Hysterie)
Introversion:
Interesse vom Objekt weg zum Subjekt hin, dessen eigene psychologischen Vorgänge. Zögerndes, reflexives, zurückhaltendes Wesen.
DENKEN (rational) Praktisch, faktenzentriert, unpersönlich Selbstzentriert, eigene Ideen, eigenwillig, arrogant
FÜHLEN (rational) Konform, modebewußt, launisch tiefe emotionale Erfahrungen, verschlossen, nicht-konform
EMPFINDEN (irrational) Erfahrungszentriert, lustbetont, abenteuerlustig Nonverbaler Selbstausdruck, Fokus auf eigener Empfindung
INTUIEREN (irrational) Schnell überdrüssig, unstet, unzuverlässig Ideenlieferant, nicht norm-, planungsbewußt


1913: Freud-Jung-Kontroverse: Jung mochte Freuds "Dogmatismus" nicht, vermisste in Freuds Theorie wichtige Teile der Psyche und psychologischen Tiefgang. (Jung war philosophisch orientiert, Freud nicht.) Jung kritisiert Freuds übertriebene Anwendung biologischer Prozesse, die Überbewertung von Sex und dass er den Menschen zuwenig spirituell sieht.

Unterschiede zu Freuds Theorie:

  • Primärstatus des Unbewussten ⇒ Unterbewusstes nicht aus Bewusstem abgeleitet (Verdrängung), sondern Unterbewusstes ist das Primäre (auch in Entwicklung)
  • Kritik an der Übertragung (von Gefühlen den Eltern gegenüber auf den Therapeuten) ⇒ Übertragung nicht notw. für Therapie.
  • Dezentrierung von Inhalten ⇒ Ermittlung von Komplexen (= Zusammenballung hoch emotionaler Inhalte) weniger interessant als die Art der Verarbeitung im Unbewussten und im Bewussten.
  • Archetypen ⇒ Das Unbewusste enthält nicht nur Persönliches, sondern auch Überpersönliches (unorganisiertes "Chaos" von Strebungen, Hoffnungen, Symbolen)
  • Primärstatus von Träumen ⇒ Träume sind NICHT Entstellungen latenter Traumgedanken (bewusstseinspsychologische Täuschung Freuds), sondern eine eigenständige Sprache, die wir entschlüsseln müssen, z.B. durch Amplifikationen (in Träumen wird Primärsprache/Sprache des Unbewussten ausgedrückt)
  • Humanismus ⇒ Den "Widerstand" soll man in der Therapie nicht brechen (Menschlichkeit den Patienten gegenüber)
  • Persönlichkeit: Typen und Individuation
  • Psychologie und Religion: Was heißt Transzendenz? Psycholog. Bedeutung des Gottesbegriffs: Es gibt Kräfte "innerhalb" der Person, die den Ruf "Gottes" (zu sich selbst zu finden) unterstützen. Quelle dieser Kraft ist das SELBST (das "Ohren" nach innen und außen hat): Selbst = intuitives, ganzheitl. Wissen um die eigene Person und die Welt (integriert unzählige Lebenserfahrungen (eigene & fremde, gute & böse) & Eingebungen Integriert. Jung: "Gott ist außen" = nicht nur, außerhalb von Raum & Zeit, sondern auch etwas "im Selbst".


Intelligente Intuition: Jung unterscheidet 2 Formen inuitiver Intelligenz, von der nur das "Intuieren" in irrationalen Urmustern verankert war. Das Fühlen beschreibt er als "rationale Funktion"
"Der Empfindungsvorgang stellt fest, dass etwas ist, das Denken, was es bedeutet, das Gefühl, was es wert ist & die Intuition ist Vermuten & Ahnen über das Woher & Wohin."
Denken & Fühlen bei Jung = höhere kognitive Funktionen
Fühlen ist nicht identisch mit Emotionen oder Gefühlen, sondern eine Form der Verarbeitung kognitiver Leistungen stehen im Vordergrund, die eng mit Gefühlen verbunden sind
Jung betrachtet Denken und Fühlen als rational und hob sie von den irrationalen Funktionen (empfinden & intuieren) ab
Heute (PSI): wir sprechen in Bezug auf diese Formen von hochinferenten Funktionen, die der elementaren Ebene (empfinden/intuieren) gegenüberstehen. Die hochinferenten Verarbeitungsformen integrieren einfache Sinneseindrücke und Bewegungskomponenten zu immer höheren Repräsentationskomplexen.

Kollektives Unbewußtes: Artgedächtnis (Mutter, Held. Archetypen)
Prinzip der Gegensätze: Gegensätzliche Kräfte halten das Gleichgewicht. Jede bewußte Ebene hat ihren unbewußten Gegenpol.

Entwicklung: Immer mehr unbewußte Anteile (Archetypen) der Psyche werden bewußt gemacht. (Individuation: persönliche Einbindung der Urbilder)
Zu was lassen sich die Archetypen nun zuordnen? Fühlen ist als implizites Wissen dem bewussten Erleben nicht völlig zugänglich, jedoch ist es leichter in analytisches Denken umsetzbar als Intuieren
Antwort: Intuieren, wobei dieses trotz großer Dominanz eher als ein Ahnen zu charakterisieren ist, aufgrund dem inneren Zugriff auf sensumotorische Einheiten, von denen einige vielleicht sogar angeborene Kernschemata enthalten (i.S. von Jungs Archetypen)

Prinzip der Gegensätze: das menschliche (Er-) Leben besteht aus Polaritäten (Extraversion vs. Introversion; Denken vs. Fühlen; Empfinden vs. Intuieren) Jung nahm an, dass jeweils ein Pol im Bewusstsein vorhanden ist und gezeigt wird, der andere Pol jedoch im Unterbewusstsein ebenfalls präsent ist.
⇒ Prozeß der Individuation: die unbewußten Anteile treten immer stärker ins Bewusstsein, dadurch werden die Gegensätze (teilweise) aufgehoben. Ziel ist die Aufhebung aller Widersprüche zwischen Unbewußtem und Bewusstem.
⇒ Märchen "Der goldene Vogel" beschreibt eine solche Individuation...

Buss & Plomin: Temperament

Emotionalität: Ausmaß, physiologisch erregt zu werden (Streß, Ärger, Angst)
Aktivität: vigor (Intensität), tempo (Geschwindigkeit)
Soziabilität: Bedürfnis nach Gesellschaft

  • schon im 1. Lebensjahr beobachtbar, tief verwurzelt
  • stark genetisch bedingt (angeboren)
  • hohe langfristige Stabilität
  • weiter reichenden Einfluss auf Verhalten als Traits
  • im Laufe des Lebens konstant, kontinuierlich vorhanden
  • durch Erfahrung modifizierbar
  • beeinflussen Temperamente die Handlung der Menschen, nämlich was und wie sie etwas tun

Auch Intelligenz erfüllt diese Kriterien! (es gibt Temperamentsmerkmale, die erst später auftreten; empirisch ist nicht nachgewiesen, dass Temperament stärker genetisch geprägt ist als Bedürfnisse)

Der Test misst die Temperamente, indem sie die Häufigkeit messen, mit der sie auftreten.
Diese Temperamente betrafen die Häufigkeit der aufkommenden negativen Emotionen, obwohl Buss & Plomin glaubten, sie hätten die Intensität erhoben.
Larsen & Diener (1985): maßen die Intensität der Emotionen

Vererbbarkeit:
Buss & Plomin (1975): Zwillingsstudien.
Zwillingsforschung: Betrachtung von eineiigen und zweieiigen Zwillingen (Korrelation zwischen den beiden Zwillingstypen)
Loehlin (1985): Adoptionsstudien.
Betrachtung von eineiigen und zweieiigen Zwillingen, die getrennt voneinander aufwachsen (in ähnlichen Verhältnissen) ergab, dass sich eineiige Zwillinge stark im Verhalten etc. ähneln, zweieiige Zwillinge eher weniger
Kinder, die von ihren leiblichen Eltern getrennt aufgewachsen sind, wurden nun mit ihren biologischen Eltern verglichen (CPI). Korrelationen mit den leiblichen Eltern waren höher, als Korrelationen mit den Adoptiveltern. Ebenso sind die Kinder ihren leiblichen Geschwistern ähnlicher als ihren Adoptivgeschwistern
BIG 5 und Temperamente
Emotionalität: Neurotizismus, emotionale Instabilität
Extraversion: Soziabilität
Verträglichkeit: Soziabilität
Gewissenhaftigkeit: Fehlen/Gegenteil von Impulsivität
Offenheit/Intellekt: Intelligenz

Eysencks Persönlichkeitsdimensionen:

  Emotional stabil Emotional instabil
Leichter erregbar (impulsiv) in den emotionalen Zentren im Gehirn
(& vegetativen Nervensystems)
Introvertiert Phlegmatisch
(unentschlossen, apathisch)
Melancholisch
(traurig, pessimistisch)
Extravertiert Sanguistisch
(optimistisch, hoffnungsvoll)
Cholerisch
(holerisch, jähzornig)


Dritte Dimension: Psychotizismus (manipulativ, impulsiv, feindlich)

Extraversion lässt sich auf Globales Erregungsniveau (Formation Reticularis im Hirnstamm) zurückführen.
Extravertierte haben reduziertes Erregungsniveau, suchen immer nach Reizen (nicht leicht konditionierbar; emotional labile extravertierte ⇒ antisozial + impulsiv). Introvertierte haben höheres Grundlevel, sind schneller übererregt (größere Menge an Reizen, über die sie konditioniert werden; leichter konditionierbar; oft schneller neg. Gefühle/Eindrücke konditioniert, da Bestrafung/sanktion; emotional labile Introvertierte ⇒ anfälliger für Depressionen/ Angstzustände).
ARAS: ascending reticular activating system. Kontrolliert Aufmerksamkeit, Konzentration, Schlafzyklus.

Untersuchung von Geen: Effekt eines Geräusches auf Lernen.
UV: Extra-, Introvertierte
AV: gewählte Lautstärke, Leistung bei Lernaufgabe
Introvertierte: wählten Geräusch leiser, dann bessere Leistung
Extravertierte: wählten Geräusch lauter, allgemein schlechtere Leistung
- alle höhere Herzrate bei lauterem Geräusch.

Befund dagegen: Erfassung physiologischer Parameter ergab nicht, daß Extravertierte weniger erregt sind.
Untersuchung von Eysenck (1964): Langweilige Wiederholungsaufgabe. Extravertierte machten öfter Pause wegen nachlassender Aufmerksamkeit.

Claridge (1967): Introvertierte sind bei Vigilanzaufgaben besser. (Reiz beachten, der in andere eingebettet ist)
Sie brauchen weniger "Aufputschmittel", um konzentriert zu sein. Extravertierte vertragen dagegen nicht so viel Alkohol.

Jung vs. Eysenck bez. Extra-, Introversion: Jung: Typologischer Ansatz, es sind zwei Typen, die sich gegenseitig ausschließen. Die Mehrheit der Menschen liegt aber im mittleren Bereich.
Eysenck: Dimensionaler Ansatz. Zwei verschiedene Ausprägungen derselben Eigenschaft.

Larsen & Diener-Studie: starke positive Emotionen gehen mit starken negativen einher.
Eysenck (1967): Supertraits: Neurotizismus (emotionale Stabilität), Extra-/Introversion

Biologische Basis von Emotionalität: Leichtere Erregung in den emotionalen Zentren im Gehirn.
Konditionierung: Introvertierte sind ja cortikal stärker erregt. Wenn sie auch noch emotional reaktiv sind, gibt es häufiger die Gelegenheit zur Konditionierung (Frustration ⇒ Depression).
Formatio Reticularis soll neurobiologischer Ort der Erregungsunterschiede sein ⇒ von ihrem Aktivitätsniveau wird die Energetisierung vieler darüber liegender Strukturen gespeist.

Gray: Behavioral Activation/Approach System (BAS), Behavioral Inhibition System (BIS)

BAS: Aktiv bei Annäherung an Anreiz (Gaspedal), ruft positive Emotionen hervor (Vorfreude), linker Frontallappen, positive Konditionierung.
Dopamin: Neurotransmitter, der das Verhalten auf positive Anreize beeinflußt.

BIS: Aktiv bei Zurückweichen, Angst, Ekel, Aversion, rechter Frontallappen, negative Emotionen (Konditionierung)
Serotonin: Niedriges Serotoninlevel à Vermeidung von schlechten Erfahrungen (aber unabhängig von Ängstlichkeit)

Gray (1970 - 1987): Extraversion/ Introversion und emotionale Stabilität/Labilität sind keine eigenständigen Qualitäten, sondern entstehen aus Ängstlichkeit und Impulsivität (Basisdimensionen).
Ängstlichkeit - BIS (behavioral inhibition system),
Impulsivität - BAS (behavioral activation system).
Sind BIS u. BAS hoch: emotional labil.
Sind BIS u. BAS niedrig: emotional stabil.

BIS ist ein dopaminerges System...
Gray hielt individuelle Unterschiede im BAS und BIS für die wahre Grundlage der Introversion/Extraversion.

Extravertierte sind stärker aktivierbar (BAS) und weniger gehemmt (BIS). ⇒ daher sind sie geselliger etc.
Introvertierte sind auch weniger gehemmt, aber auch weniger aktivierbar.
Gehemmtheit: Bestrafungssensibilität (Kombination aus Neurotizismus und Introversion) Eysenck: Angst entsteht aus Introversion und emotionaler Labilität, d.h. Introvertierte, die emotional (labil) sind, reagieren eher ängstlich und depressiv
Befunde:
Gupta & Nagpal: Extravertierte lernen schneller bei Belohnung, Introvertierte bei Bestrafung.
Carver & White: Gehemmte sind nach Bestrafung nervöser, Aktivierte nach Belohnung freudiger.
Derryberry & Reed: Extravertierte brauchen länger, um Aufmerksamkeit von positivem Reiz zu lösen.
Wer hat Recht? ⇒ Schwer entscheidbar, weil:

  • BAS (A+) & Aktivierung (T+) können konfundiert sein
  • Fragebögen könne solch subtile Unterscheidungen (zw. (A+) &(T+)) nicht leisten
  • (T+) hat eh einen Einfluss auf (A+), weil (T+) per Def. "alles" energetisiert
  • bei FA völlig offen, wie man die Hauptdimensionen durch Punkteschwarm legt (Rotationsproblem)


Welche EEG-Befunde zeigen Unterschiede bei positiven versus negativen Stimmungen?
Davidson (1992): Höhere Aktivität in der rechten Hemisphäre zeigt positive Gefühle an, während in der linken Gehirnhälfte höhere Aktivität durch negative Gefühle entsteht.
Davidson, Ekman, Saron, Senulis & Friesen (1990): Das Annäherungssystem (BAS) ist in der rechten Hemisphäre veranlagt ⇒ positive Gefühle; das Ablehnungssystem (BIS) zeigt eine höhere Aktivität in der linken Hemisphäre ⇒ negative Gefühle.

Beachte: Nach Eysenck müssten positive/negative Gefühle eine Erregung im gesamten Cortex auslösen.


Gray: Rotation der Eysenck'schen Theorie um 45°.
Die beiden Basisdimensionen sind nicht Extra- und Introversion, sondern Belohnungs- und Bestrafungssensitivität. Extraversion wäre dann eine Kombination aus hoher Impulsivität und niedriger Ängstlichkeit. Neurotizismus eine Mischung aus hoher Impulsivität und hoher Ängstlichkeit.
Extraversion und Neurotizismus können nicht wie von Gray angenommen als reine Maße für pos. Und neg. Affekt betrachtet werden, da sie auch Aktivierungs- bzw. Erregungskomponenten enthalten.

Newman: Lösung der Eysenck-Gray Kontroverse: Newman kombinierte beide Theorien:

  • er stimmt mit Gray überein, dass Extraversion/Introversion durch das Zusammenspiel von BAS und BIS entsteht.
  • er sieht den Neurotizismus wie Eysenck, wobei Neurotizismus die Reaktivität des NAS (nonspecific arousal system) reflektiert.
  • NAS: greift ein, wenn entweder BAS oder BIS aktiv ist und verstärkt die Unterschiede zwischen BIS u. BAS. D.h. Newman sah BAS u. BIS (Gray) als Grundsysteme, die durch NAS (Neurotizismusbegriff nach Eysenck) verstärkt werden. Extravertierte (BAS) handeln verstärkt extravertiert, Introvertierte verstärkt introvertiert (BIS).

Sensation Seeking:

Menschen, die immer neue, abwechslungsreiche, aufregende Situationen suchen.
Zuckerman: Sensationssuche ist eine Suche nach neuen Situationen und Stimuli, die mit der Erwartung auf Belohnung verknüpft ist. Dicht an Eysencks Psychotizismus. Impulsives unsoziales Sensationssuchen (Gegenteil von Gewissenhaftigkeit)

Eigenschaften der "Sensation seekers"...
sind schnelle Autofahrer; probieren Drogen aus; mögen Extremsportarten; neigen in Beziehungen zur Unzufriedenheit; haben häufig wechselnde Sexualpartner.

Neurophysiologischen Befunde zu sensation Seeking:
Sensationssucher sind eher "augmenters" (Vergrößerer): Sie zeigen eine Erhöhung der Gehirnaktivität, wenn sie mit neuen Reizen konfrontiert werden und öffnen sich diesen Reizen auch.
Sensationsvermeider sind eher "reducers" (Verkleinerer): Sie zeigen bei der Konfrontation mit neuen Reizen eine Verringerung der Gehirnaktivität und schützen sich so vor Überreizung.

Kelley: Persönliche Konstrukte

Kognitive Konstrukte bestimmen das Verhalten.

Konstrukt "Geiz": Man achtet immer darauf, ob jemand geizig ist.
Messung: Rollen-Repertoire-Gitter. Vergleich von Gruppen. Je mehr unterschiedliche Konstrukte jemand generiert, desto größer ist seine kognitive Komplexität.
Selbstkomplexität (SC) = die Anzahl unterschiedlicher Konstrukte, die jemand zur Beschreibung der eigenen Person generiert und Maß für Entwicklungsstand des Selbst.
Persönliche Reife: Je mehr Unstimmigkeiten jemand beachtet und in die ganzheitliche Repräsentation persönlicher Erfahrungen integriert, desto reifer ist er.

Untersuchung von Patricia Linville (1987)

Welchen Einfluss hat die Differenziertheit des Selbst auf die Verhinderung von psych. & körperlichen Symptomen bei Stress?
Selbstkomplexität = Anzahl der Kategorien, die beim Sortieren von 33 selbstrelevanten Begriffen entstehen.
AV: Veränderung der körperlichen Symptome (Depression, Streßerleben)
Selbstkomplexität und Symptome müßten eigentlich negativ korrelieren, tun dies aber nur unter Streß.

Ulric Neisser (1988): Fünf Arten des Selbst

5 Ebenen der Selbstrepräsentation

  1. Ökologisches Selbst: unbewußt. Ich bin die Person, die das gerade macht. Ohne episodisches Gedächtnis, ohne verbale Repräsentation. Integriert alles, was mit Bewegungen des Beobachtungspunktes koordiniert ist und auf eigene Intentionen reagiert (agency). "Online-Selbst"
  2. Interpersonales Selbst: Ich bin die Person, die gerade sozial interagiert. Schon bei Babys
  3. Erweitertes Selbst: Ich bin die Person, die bestimmte Erfahrungen hatte und bestimmte Dinge tut. Ab 3 Jahren ist der Hippocampus entwickelt. Episodisches Gedächtnis, Integration (vieler Wahrnehmungen innerhalb einzelner Episoden). Zeitübergreifend: Historisches statt nur online-Selbst (im Gegensatz zu 1. und 2.) Es gibt Gedächtnis für Konfigurationen ⇒ speichert Relationen zwischen Objekten.
  4. Privates Selbst: Ich bin die einzige Person, die genau dies Gefühl jetzt hat. Abstraktionsleistung: Modell der eigenen Person. Identität, implizit (vorbewusst, nicht verbalisierbar)
  5. Konzeptuelles Selbst: Organisierte Netzwerk sprachnaher Repräsentationen über eigene Gewohnheiten etc.. Hypothesen, Interpretationen. Entspricht den Selbstkonstrukten Jungs und Rogers.

Persönliches Selbst (nach Kuhl):

Implizite Repräsentationen autobiographischer (episodischer) Erinnerungen. Netzwerk von simultan verfügbaren Elementen (EG). Unterschiedliche Beteiligung des Selbst bei der Streßbewältigung. Klassische Abwehrmechanismen gehen am Selbst vorbei. Bewältigung nur durch Selbstkonfrontation.
Ängstlichkeit: Wie schnell gerate ich in einen Affekt?
Lageorietierung: Wie schnell komme ich wieder raus?
Intrinsische Komponente bei Motiven (also Selbst-Beteiligung) kommt bei Menschen mit hoher Sensibilität (für A-) vor.

Selbstberuhigung: (Beteiligung des Selbst bei der Bewältigung einer Bedrohung [A(-)]) Umformung von Bedrohung in Herausforderung. Daraus resultieren kognitive und verhaltensenergetische Ressourcen. Beteiligung des Selbst beim Herabregulieren von A-.
Hohe Sensitivität für A- (zusammen mit Selbstbetiligung) ist Voraussetzung für intrinsische Motivation, wenn es um Bewältigung von Bedrohung geht. ABER: Depression ist näher.

Untersuchung von Robert Biebrich: Beteiligung des Selbst an der Kreativität
Höchste Kreativität: Neurotizismus hoch, Selbsmotivation hoch.
Wenigste Kreativität: Neurotizismus hoch, Selbsmotivation gering.

Selbstmotivierung (SM): relevant für Kreativität (kognitive Flexibilität). Selbst-basierte Rekrutierung von A+.
Flexibilität erfordert Sensibilität für unerwartetes (unerwartete Lösungen), Fähigkeit, paradoxe Optionen (die nicht auf bereits gemachte positive Erfahrungen beruhen, A+) zu energetisieren.
Selbstbestimmung: (Verfügbarkeit des Selbst), relevant für Bewältigung. Selbstwahrnehmung, Selbstkongruenz
Selbst = EG, Erfahrungsstruktur, vernetzte episodische Emotionen. Wichtig, um Emotionen (schmerzhafte) einzuordnen. Selbstwahrnehmung, Selbstkongruenz.
Selbstregulation: Selbststeuerung. Umfassende Koordinationsleistung auf höchster Ebene. Einfluß auf intrinsische Motivation, Affektregulation, Umsetzung von Leistungs-, Beziehungs- und Machtmotivation.

Extreme Einseitigkeiten im Persönlichkeitsstil (z.B. Borderline) können zu einer starken intrinsischen Motivation führen (beim jeweils charakteristischen Motiv), wenn die Selbststeuerung intakt ist. Starke Selbststeuerung ermöglicht es, immer wieder aus der motivtypischen affektiven Lage des einseitigen Stils herauszusteuern.
Das Selbst reguliert Streßkorrelate: Folgen für Hippocampus, Immunsystem. Streß-Teufelskreis (Artikel von M.Spitzer)

Untersuchung: Selbstkonfrontation und Patriotismus Bewußte Hilflosigkeit (nach Fremdkonfrontation): wenig Patriotismus
Unbewußte Hilflosigkeit (nach Selbstkonfrontation): viel Patriotismus
Wer sich mit sich selbst beschäftigt, zeigt mehr implizite Hilflosigkeit, fühlt sich dann mehr mit der Gruppe verbunden. Abwertung der deutschen Nation beruht auf der Ängstlichkeit des Ichs (Abwehr). Heidegger: Flucht in das "man".

Duval & Wicklund (1972): Selbstaufmerksamkeit

  • Fokus auf innere Wahrnehmungsprozesse
  • Fokus auf eigenes früheres oder gegenwärtiges Verhalten (autobiographisches/episodisches Gedächtnis)
  • Wahrnehmung der eigenen Identität ("what one is like")
  • Wahrnehmung von Selbstaspekten (z.B. Einstellungen)
  • Autobiographisches Gedächtnis (früher erlebte, selbstrelevante Ereignisse)

Befunde:

  • Induzierte Selbstaufmerksamkeit intensiviert positiven und negativen Affekt
  • Alkoholkonsum reduziert die Anzahl selbstbezogener Feststellungen in einer Rede
  • Private Selbstaufmerksamkeit = Wahrnehmung eigener Gefühle. Öffentliche Selbstaufmerksamkeit = man sieht sich mit den Augen anderer.
  • Depressive bevorzugen nach Mißerfolg Aufgaben mit Selbstwahrnehmung
  • Nicht-Depressive lieferten nach induzierter Selbstaufmerksamkeit realistische Schätzung ihrer Kontrollmöglichkeiten
  • Verhalten ist nach Induktion von Selbstaufmerksamkeit (Spiegel) mehr an Einstellungen orientiert.


Oettingen (1997): Positve Korrelation zwischen Umsetzung von Absichten und Erfolg. Negative Korrelation zwischen positivem Phantasieren und Erfolg. Wechsel zwischen beidem bringt den meisten Erfolg.

Festinger (1957): Kognitive Dissonanz: Erwartungsverletzung: Erster kognitiver Inhalt paßt nicht zum späteren. ("Erwartungsverletzung") à widersprüchliche kogn. Inhalte lösen neg. Affekt aus & Tendenz, kogn. Dissonanz zu reduzieren, um den aversiven Affekt zu beseitigen.
Festinger & Carlsmith (klassisches Experiment): Langweiliger Versuch sollte gegen Bezahlung als interessant dargestellt werden. Bei geringer Bezahlung gaben Vpn sich mehr Mühe als bei hoher Bezahlung. ⇒ "Aufwertung des Experiments" durch lügen, weil man keinen Grund hatte, beim Exp. mitzumachen.
Befunde zur Rolle des Selbst, das aktiviert wird durch...

  • Freie Wahl: selbst ausgesuchtes Los wird teurer verkauft als zugeteiltes
  • Vertrautheit: vertrautere Objekte lösen positive Reaktion aus
  • Eigeninitiative: Selbst vorgetragene Argumente wirken besser
  • Selbstbezug: Bevorzugung des Initials des eigenen namens
  • Ähnlichkeit mit mir selbst: z.B. eigenes Geburtsdatum wird bevorzugt.


Aktivierung des Selbstsystems beim Kind: Selbstäußerung / Kummer (CS) ⇒ Trost / Ermutigung (UCS) ⇒ Beruhigung / Motivation (CR)
Frühe Funktion des Selbstsystems: Affektausdruck. Durch Trost von außen lernt das Kind sich selbst zu trösten.
Siehe: Manfred Spitzer und die gestreichelten Ratten mit dem besser entwickelten Hippocampus.

Untersuchung von Keller & Gauda: Affektregulation. Blickkontakt reduziert: Entwicklungsverzögerungen, emotionale Störungen
Blickkontaktdauer korreliert mit: Akzeptanz der Mutter, Responsivität

Scheffer: Motiventwicklung
Je stärker ein Bedürfnis beim Kind frustriert wird, umso stärker wird das Motiv.

Intrinsische Form des Anschlußmotivs entwickelt sich, wenn Mangel an Nähe mit einem selbstsicheren Kind zusammenkommt. Die Selbstsicherheit ermöglicht aktives Befriedigen des Bedürfnisses.
Befund: UV: selbstsicher/selbstkritisch, Familienaufstellung (weit auseinander / nah zusammen)
AV: Beziehungsmotiv.
Selbstkritisch: Keinen unterschied bez. Beziehungsmotiv bei hohem oder niedrigem Abstand der Figuren.
Selbstsicher: Figuren stehen weit auseinander: hohes Beziehungsmotiv.

Intrinsische Form des Leistungsmotivs entwickelt sich, wenn Mangel an Selbstständigkeit mit einem antriebsstarken Kind zusammenkommt. Selbständigkeit: Ermöglicht das Aushalten von Schwierigkeiten und A(+)
Antriebsstärke: überwinden der Handlungshemmung durch Generieren von A+.
Befund: UV: Einfluß der Mtter, antriebsstark / passiv-depressiv
AV: Intrinsisches Leistungsmotiv
Passiv-depressiv: Bei niedrigem Einfluß der Mutter wenig Leistungsmotiv, bei viel Einfluß der Mutter ein bißchen mehr.
Antriebsstark: Bei niedrigem Einfluß der Mutter hohes Leistungsmotiv, bei viel Einfluß der Mutter niedriges.

Intrinsische Form des Machtmotivs entwickelt sich, wenn Mangel an Hierarchie (väterlicher Einfluß) mit einem antriebsstarken Kind zusammenkommt. Befund: UV: antriebsstark / passiv-depressiv, Einfluß des Vaters AV: Intrinsisches Machtmotiv
Großer Unterschied bei antriebsstarken Kindern (bei niedrigem väterlichen Einfluß hohes Motiv)
Geringer Unterschied in entgegengesetzte Richtung bei passiv-depressiven Kindern

Das Selbst hilft bei der Streßbewältigung (Linville)
Intrinsische Motivation hilft bei Bedrohung (des Selbstwertes).


Untersuchung von Biebrich: Individuelle Unterschiede bei der Beteiligung des Selbst bei der Angstbewältigung.
Angst korreliert negativ mit Initiative und Selbstbestimmung. Die beiden korrelieren negativ mit Depression (AV).
Angst korreliert positiv mit Depression, negativ mit Selbstberuhigung.
Intrinsische Motive eher bei sensiblen Menschen (für A-)
Intrinsische Motive beruhen auf Beteilung des Selbst

Neurotizismus vs. Hoffnung beim Problemlösen: Individuelle Unterschiede der Selbstbeteiligung bei Kreativität
UV: Neurotizismus hoch/niedrig, Selbstmotivation hoch/niedrig
Bei hoher Selbstmotivation und viel Neurotizismus: hohe Kreativität
Bei niedriger Selbstmotivation: kein Unterschied.

Kapitel 4: Typen, Traits, Interaktion

Hippocrates (400 v.Chr.): 4 Gruppen : cholerisch, melancholisch, sanguistisch, phlegmatisch (4 Körperflüssigkeiten)
Typen: entweder zur einen oder zur anderen Gruppe gehörend (klare sich nicht überschneidende Kategorien, in die Menschen eingeteilt werden. Menschen können demnach entweder der einen oder der anderen Kategorie angehören, jedoch gibt es nichts dazwischen. (siehe Jung) Traits: alle haben die gleichen Eigenschaften, aber in unterschiedlicher Stärke (bezeichnen gerade dieses "dazwischen". So besitzt jede Person zu einem gewissen Anteil diese Eigenschaften. Dies wird auch als "dimensional approach" bezeichnet. (siehe Eysenck) Cattell: lexikalische Methode Diese Methode beruft sich auf die Informationskraft der Sprache. Jede Eigenschaft ist durch Sprache beschrieben. Die Eigenschaften, denen mehrer Wörter als Beschreibung dienen, sind wichtiger als die, die mit wenigen Wörtern beschrieben werden] : 16 Personality Factor Inventory

Stabil in der Persönlichkeit:
Situationistisch: nicht die Persönlichkeit, sondern die jeweilige Situation bestimmt das Verhalten
Interaktionistisch: Zusammenwirken von Persönlichkeit und Situation bestimmt das Verhalten

Wenn man die Eigenschaften, die stabil sind, anerkennt, kann man von da aus auf Situation etc. schließen, die diese Eigenschaften positiv fördern. Man kann Situationen herbeiführen, die zu einem passen und die meiden, die einem nicht zusprechen. So lernt man sich im Endeffekt besser kennen und lernt sich zu akzeptieren. ⇒ Freiheit & Selbstbestimmung

Wiggins' Interpersoneller Kreis

Kapitel 6: Vererbbarkeit, Evolution, Persönlichkeit

  • Kretschmers Körpertyp: dünn:
    Sheldons Somatotyp: Ectomorph (eher dünn, Betonung des Haut- und Nervensystems, Körper linear und zerbrechlich, nicht gut für harte Körperarbeit)
    Sheldons Temperament: Cerebrotonia (ängstlich, zurückhaltendes Auftreten -> Privatsphäre liebend, schüchtern, nachdenklich, sehr schmerzempfindlich)
  • Kretschmers Körpertyp: muskulös:
    Sheldons Somatotyp: Mesomorph (muskulös, Überbetonung von Knochen, Muskeln und Bindegewebe, Körper eher hart und eckig, stark
    Sheldons Temperament: Somatotonia (mutig, abenteuerlustig, unterschwellig aggressiv, energiegeladen, nicht schmerzempfindlich)
  • Kretschmers Körpertyp: fettleibig:
    Sheldons Somatotyp: Endomorph (dick, Überbetonung des Verdauungssystems, Körper eher weich und rundlich, nicht für harte körperliche Arbeit nützlich)
    Sheldons Temperament: Viscerotonia (Entspannt, tolerant, sozial, liebt Komfort, usw)

Kretschmers Körpertypen waren jeweils für verschiedene Dinge anfällig. Sheldon vertiefte Kretschmers Idee und sagte, dass diese Formen eher nur Extremformen wären und nicht als diskrete Typen gesehen werden könnten. So definierte er Somatotypen, die das normale Erscheinungsbild einer Person definieren, die sich vermutlich zwischen diesen Extremen finden lässt.
Diese verschiedenen Somatotypen wurden noch weiter unterteilt. So gibt es eine Skalierung von 1-7. Die meisten Menschen bestehen aus diesen drei Dimensionen, nur jede ist verschieden ausgeprägt.

Genetische Ähnlichkeit und Attraktivität:

Gleich und gleich gesellt sich gern:
Rushdon (1984): Paare teilen sich 50% der Gene, irgendwelche Personen dagegen nur 43%. Paare mit Kindern 52%, Paare ohne Kinder 44%. (das auch bei Freundschaften)
Man sucht sich einen Partner, der ähnliche Gene hat. Dadurch vergrößert sich die Wahrscheinlichkeit, dass gleiche Gene, die wie die eigenen sind, vererbt werden.
Befunde die für dieses Phänomen sprechen sind in Untersuchungen unter Partnern zu finden, wobei die Gleichheit der Gene bei wirklichen Paaren signifikant höher ist als bei zufällig zusammengewürfelten Paaren. Bei Paaren mit Kindern verstärkt sich dieser Effekt, den man auf ähnliche Weise auch bei Untersuchungen zwischen engen (gleichgeschlechtlichen) Freunden gefunden hat.
Sexuell aktive Paare haben 50% der genetischen Marker gleich, werden sie dagegen zufällig zu Paaren gebildet, haben sie nur eine Übereinstimmung von 43% (Rushton, 1988).
Bei nichtsexuellen Freundschaften zeigte sich eine Ähnlichkeit der Gen-Marker von 54%. Bei zufälliger Paarbildung betrug die Ähnlichkeit 48% (Rushton, 1989)

Unterschiedliche Paarungsstrategien der Geschlechter:
Trivers (1972): Unterschiede zw. den Geschlechtern basieren auf ihren Differenzen in der Reproduktion: Frauen investieren viel mehr in den Nachwuchs da sie ihre Kinder 9 Monate austragen und für ihr Überleben nach der Geburt sorgen. Männer hingegen müssen nicht so viele Verantwortung für das Kind übernehmen.
Buss (1994): Frauen suchen eher einen "qualitativ hochwertigeren" Partner, der bei der Aufzucht des Nachwuchses möglicherweise unterstützen kann, und der genetisch auch gut dafür geeignet ist Kinder zu zeugen. à Mann als Erfolgsobjekt. Männer hingegen maximieren ihre sexuellen Möglichkeiten und wollen so oft wie möglich kopulieren ⇒ Frau als Sexobjekt
In Studien mit Studenten wurde festgestellt, dass dies anscheinend zutrifft, denn Männer suchen sich eher junge, hübsche Frauen -> gebärfähig und Frauen eher Männer die durch ihren Status und ihre Dominanz ausstrahlen, dass sie fähig sind gute Kinder zeugen zu können

Daly & Wilson (1985): young male syndrom
Schizophrenie: vererbbar (Zwillingsstudien). Zuviel Dopamin, zuviele Informationen strömen auf das Gehirn ein.
Manische Depression: vererbbar (Zwillingsstudien). Evtl. zu wenig aktives BAS, kein Antrieb, sich einem Anreiz zu nähern.
Antisoziale Persönlichkeit: Evtl. zu aktives Bas. Nähern sich jedem Anreiz. BIS-Defizit: kein Lernen aus schlechten Erfahrungen.
Genom: vollständiger Gensatz
Gerichtete Selektion: Wenn ein neues Merkmal (spezifisches Allel) adaptiv ist und sich deshalb vermehrt. Kaum Individualität, einstellen auf Umweltgegebenheiten
Stabilisierende Selektion: Wenn ein Merkmal adaptiv ist, wenn es nicht in Extremform auftritt. So wird die Erhaltung der Kombination der Alleleln gesichert. Ermöglicht Überleben in einer sich verändernden Umwelt
Allele: Verschiedene Ausbildungsformen des gleichen Gens, die zu unterschiedlichen Merkmalsausprägungen führen

Wie erklärt die Soziobiologie antisoziales Verhalten?
Evolution fördert antisoziales Verhalten. Denn der Mensch hat sich ursprünglich an die Umweltbedingungen angepasst, als die Entwicklung schließlich schneller voranschritt, blieb der Mensch quasi auf der Strecke. Er konnte sich nicht mehr den neuen Verhältnissen entsprechend anpassen und somit kann er sich nicht gut in der heutigen Umgebung zurechtfinden

Kapitel 7: Biologische Prozesse

Hormone und Persönlichkeit:
Während der Schwangerschaft: Kinder werden aggressiver (eher Jungen).
Östrogen führt zu Schüchternheit, Testosteron zu Kühnheit.

Beeinflusst häufiger Geschlechtsverkehr während der Schwangerschaft Persönlichkeit des Kindes?
Dabbs & Mohammed (1992): Testosteronspiegel erhöht sich nach dem GV.
Reinisch (1981): Kinder, die im Mutterleib einem erhöhten Testosteronspiegel ausgesetzt waren, sind aggressiver in Konflikten als andere Kinder
Also kann häufiger GV während der Schwangerschaft die Persönlichkeit des Kindes beeinflussen.

Hoher Testosteronspiegel bei Gefängnisinsassen:
Größere Dominanz, Widersetzen gegen Regeln, häufiger Gewalt. (Frauen UND Männer)

  • auch: geringere Bereitschaft zur Heirat, höhere zur Scheidung
  • mehr Fremdgehen, häufiger Mißbrauch
  • unfreundlicheres Lächeln
  • Steroide erhöhen männlichen Testosteronspiegel (Bodybuilding)
  • Hormonspiegel steigt auch nach Wettkampf-Sieg und nach dem Sex

… bei anderen:

  • Soldaten mit hohem Testosteronspiegel entfernen sich öfter unerlaubt vom Dienst als andere.
  • Männer mit hohem Testosteronspiegel haben mehr Sexualpartner.
  • …zeigen einen stärkeren Alkohol- und Drogenmissbrauch.
  • …in hoher sozialer Stellung rauchen mehr Marihuana als andere.
  • Schauspieler und NFL-Football-Spieler haben einen hohen Testosteronspiegel.

Anabolika & Persönlichkeit: Anabolika bewirkt, dass der Testosteronspiegel steigt. Es wirkt sich insofern auf die Persönlichkeit aus, als dass es verstärkt zu aggressivem und dominanten Verhalten und Wutausbrüchen kommt.

EEG: Elektrocephalogramm elektronische Aktivität der Kopfhaut wird gemessen.
Alphawellen: Ruhezustand
Betawellen: Aufmerksamkeit
Deltawellen: Tiefschlaf

EEG & Soziopathen: Soziopathen sind Menschen, die sich nicht an gesellschaftliche Regeln halten. Bei Kindern und der Hälfte der diagnostizierten Soziopathen tauchen Theta-Wellen auf. Die Theta-Wellen tauchen auf, weil Soziopathen eine unausgereifte Regulation der Gehirnfunktionen haben.
PET: Positron-Emission-Tomographie: Metabolische Aktivität wird gemessen (Radioaktivität)
MRI: Magnetic Resonance Imaging: Magnetische Felder durch Nervenaktivität

Kapitel 10: Neoanalytische Perspektive

Unterschied der Ich-Psychologie (eher Jung) von der energetischen Grundannahme Freuds:
Wolberg (1967): Die Ich-Psychologie nimmt an, dass das Ich schon ab der Geburt vorhanden und individualistisch ist, d.h. es entsteht nicht erst aus dem Es. Zudem verfügt das Ich über eine eigene Energie. Hauptaufgabe des Ich ist die Anpassung an die Umwelt durch bewusste Prozesse. à Die Ich-Psychologie sieht das Ich zur Funktion der Selbststeuerung (innere Diktatur) und Selbstregulation (innere Demokratie).
Freud: Ich entsteht erst aus dem Es und bezieht auch seine Energie auch aus dem Es.

Heinz Hartmann (1958/1939, 1964):2 Formen der Ich-Aktivität

  1. Konfliktsphäre: in ihr arbeitet das Ich, wenn es Konflikte zwischen Es und Über-Ich und Es und äußerer Realität reduziert. Z. B. vor einer Entscheidung. Rechtshemisphärisch, weil gefühlsbezogen.
  2. Konfliktfreie Sphäre: in ihr arbeitet das Ich, wenn es der Anpassung an die Umwelt dient. Dies geschieht durch kognitive Prozesse. Z. B. die Umsetzung einer Entscheidung. Linkshemisphärisch, weil kognitive Funktion.

Hartmann schrieb dem Ich zusätzlich noch zwei selbständige Aktivitäten zu:

  1. Ich existiert alleine, von Geburt an und kann unabhängig vom Es agieren (primary ego autonomy) - Bedürfnisbefriedigung direkt von der Benutzung der Ich-Prozesse.
  2. Eine IchFunktion, die ursprünglich für einen bestimmten Zweck gedacht war, kann noch lange andauern, auch wenn der Zweck schon erfüllt ist. (Bsp.: Person, die Gewicht verlieren möchte, beginnt zu Joggen. Später, wenn genug abgenommen, joggt sie weiter, weil sie es nun als Entspannend ansieht. Ein anderes Bedürfnis wird so befriedigt)

Ich und Es haben dieselbe biologische Quelle, daher steht ein Teil des Ich lebenslang in Verbindung
Oberstes Ziel allen Verhaltens: Anpassung an die Umwelt.

Spaß am Denken (Bedürfnis nach Kognition)
Bedürfnis zu denken und eine Regelmäßigkeit u/o Bedeutung hinter einem Verhalten zu vermuten (Cohen, 1957):

Solche Leute organisieren spontan, erheben und werten Informationen aus, sind nicht schnell gelangweilt, nehmen mehr Details auf, achten mehr auf Verhalten anderer Menschen & denken über dessen Bedeutung nach, sind weniger dogmatisch, neigen dazu Ereignisse auf komplexe Weise zu beschreiben, sind nicht schlauer - denken nur mehr nach.
Cacioppo (1996): Untersuchung, wie Menschen überzeugt werden.
Andere Menschen nehmen einfach hin, was gesagt wird. Text sollte Meinung von Vpn ändern. Schwache Argumente vs. Starke. "Denker" dchten mehr über den Text nach, merkten sich mehr Argumente. Bei starken Argumenten überzeugt es, bei schwachen nicht.
White: Kompetenzmotiv: Andere durch Interaktion beeinflussen.
Einflußmotiv: Man hat einen Effekt auf seine Umwelt.

Unterschied zw. White & Adler: Kompetenzstreben
White: Bedürfnis nach Kompetenzsteigerung ist so groß, dass beim Menschen das Streben nach Effektivität ausgelöst wird. Der Grund für das Streben nach größerer Kompetenz liegt darin, dass Menschen ständig versuchen ihre Umwelt zu beeinflussen. ⇒ Kompetenzstreben ist ein natürlicher Teil der Ich-Aktivität
Adler: Streben nach Kompetenz, weil Mensch versucht seine "organ inferiority" auszugleichen.(nicht nur körperliche sondern auch psychische Zustände) ⇒ Kompetenzstreben ist eine Reaktion auf Minderwertigkeitsgefühle und der Versuch, diese zu kompensieren.

Alfred Adler (1927): Organminderwertigkeit

Definition: Bei jedem Menschen gibt es Körperbereiche, die besonders anfällig für Krankheiten sind. Man versucht, diese Organminderwertigkeit zu kompensieren, indem man den betreffenden Bereich besonders trainiert (Streben nach Überlegenheit).

  • gute Taucher hatten oft schwere Krankheit in der Kindheit
  • großer Aufwärtstrieb (Streben nach mehr Kompetenz): man strebt dem Persönlichkeitsideal entgegen.
  • Geburtsrang: (1) Erstgeborene werden entthront, sensibel für Macht. (2) Einzelkinder nehmen sich zu wichtig, werden aber im Kindergarten entthront. (3) Zweitgeborene wollen immer einholen, der Rivale ist bei der Geburt schon da. (4) "Sandwichkinder" wie 2. Geborene + da der Erstgeborenen ihnen immer ein Stücken voraus ist haben sie ständig Minderwertigkeitsgefühle, die sie durch das Streben nach Überlegenheit versuchen zu kompensieren. Das kann viele Vorteile haben, aber auch den Nachteil, dass sie sich gegenüber den älteren Geschwistern immer minderwertiger fühlen werden.à Konstantes Überlegenheitsstreben. (5) Letztgeborene haben die schlechteste Position, sind verwöhnt und nicht ehrgeizig. (alles nicht empirisch bestätigt)
  • Konfrontationstherapie

Jack Block (1980):

Ich-Kontrolle: Zurückhaltung von Impulsen - Ich-Kontrolle ist das Ausmaß, mit dem eine Person typischerweise Impulse umwandelt oder hemmt. Die Dimension ist also die Impulsivität.
Unterkontrollierte Menschen: Belohnungen schlecht aufschieben; Gefühle und Wünsche direkt ausleben, bzw. befriedigen; viele aber oberflächliche Interessen; sind nonkonformistisch, unkonventionell, sprunghaft usw.
PSI-Theorie: A+
Überkontrollierte Menschen: Belohnungen endlos aufschieben, hemmen ihre Aktionen und Gefühle; isolieren sich von äußeren Ablenkungen; sind organisiert, planend, sehr konsistent, haben wenige, nicht wechselnde Interessen usw.
PSI-Theorie: A(+)
Menschen die sich zwischen diesen Extremen aufhalten, sind am besten an die Umwelt angepasst
Ego-resiliency - Ich-Anpassung: Möglichkeit, den eigenen typischen Level der Ich-Kontrolle in beide Richtungen zu verändern, um sich an die Umwelt anzupassen.
Hohe Ego-resiliency bedeutet also eine gute Anpassung an die Umwelt, d.h. einen mittleren Grad von Ich-Kontrolle.
Ich-Flexibilität: Vermögen, die Ich-Kontrolle anzupassen
Untersuchung von Funder & Block (1989): Belohnungsaufschub

Jane Loevinger (1976): Stufentheorie der Ich-Entwicklung

Der Mensch durchschreitet in seinem Leben viele dieser Phasen und je nach deren Höhe entwickeln sich auch seine Kognitiven Fähigkeiten.

1. Frühe Ich-Entwicklung:
Symbiotische Phase: Bindung an Mutter so groß, dass es dem Kind schwer fällt die Mutter von anderen (auch sich selbst) zu unterscheiden. Dass dieses irgendwann anders ist wird durch die Sprachentwicklung begünstigt.
Impulsive Stufe: Ausleben von Impulsen, um Unabhängigkeit von anderen zu zeigen. Und um generell die eigene Existenz zu zeigen. Andere werden danach beurteilt, was sie dem Kind geben können. Das Kind ist zu diesem Zeitpunkt an der Gegenwart interessiert und achtet nicht auf die Auswirkungen seines Verhaltens in der Zukunft.

2. Mittlere Stufen der Ich-Entwicklung: Kontrolle von Impulsen:
Selbstschützende Stufe: erster Schritt zur Selbstkontrolle. Verstehen, dass es Regeln gibt, deren Brechen mit Bestrafung geahndet wird. Aber noch kein wirkliches Moralverständnis.
Konformistische Phase: Regel werden akzeptiert, da das Kind erkennt, dass das Umfeld diese auch akzeptiert und das eigene Wohlergehen auch von diesem Umfeld abhängt. Anwendung von Stereotypen und Klischees.
Gewissenhaft-konformistische Phase: Realisieren, dass Regeln auch Ausnahmen besitzen. Introspektion kann erstmals angewendet werden, das Kind stellt so fest, dass das eigene Verhalten nicht perfekt ist.
Gewissenhafte Stufe: Entwickeln eigener Werte, die nicht unbedingt der gesellschaftlichen Norm entsprechen. Zudem erkennen, dass Ereignisse und Situationen viele unterschiedliche Bedeutungen haben. Bei Versagen entsteht das Gefühl der Schuld (Versagen für sich selbst), nicht das der Scham (Versagen vor der Gruppe).

3. Fortgeschrittene Stufen der Ich-Entwicklung:
Individualistische Stufe: Erhöhter Sinn für Individualität, größere Toleranz für Unterschiede zwischen den Menschen.
Autonome Stufe: Realisieren von Abhängigkeit und Unabhängigkeit zwischen Menschen. Das Kind ist sich bewusst, dass es innere Bedürfniskonflikte gibt. Es beginnt das Bedürfnisses nach Autonomie von anderen Personen zu verstehen.
Integrierte Stufe: Möglichkeit der Befriedigung in Konflikt stehender Bedürfnisse. Das Kind hat ein Gefühl für Realität und gibt seine unrealistischen Ziele auf. Zudem entwickelt sich eine Toleranz für die Sichtweise des anderen.
Große Komplexität des Ich und die Möglichkeit der vollständigen Adaption zur Umwelt.

Vergleich zw. Deci & Ryan und Loevinger

Loevinger Deci & Ryan
Frühe Ich-Entwicklung:
Vorsoziale Phase
Symbiotische Stufe
Impulsive Stufe
Externale Regulation
Mittlere Stufen:
Selbstschützende Stufe
Konformistische Phase
Gewissenhaft-konformistische Phase
Gewissenhafte Stufe
Introjektion
Fortgeschrittene Stufen:
Individualistische Stufe
Autonome Stufe
Integrierte Stufe
Identifikation
Selbstintegration


Kapitel 11: Psychosoziale Theorien

Objektbeziehungstheorie:
Die Theorien der Objektbeziehung beschäftigen sich mit den zwischenmenschlichen Beziehungen, wobei hier Personen als "Objekte" gesehen werden.
Es gibt Parallelen zu Freuds Objektbesetzung, nach der eine Verbindung zwischen dem Ich und einem externalen Objekt besteht.
Objektbeziehungstheorien beschäftigen sich auch mit solchen Verbindungen, allerdings mit dem Unterschied, dass hier Personen anstelle der Objekte stehen.
Eagle (1984) entwickelte Freuds Objektbeziehungstheorie, in der Freud die Beziehung vom Ichn zu einem außenstehenden Objekt beschrieb, weiter, indem er sagte, dass das Objekt nur ein anderer Mensch sei. Zudem war die Beziehung bzw. Verbindung zu anderen Menschen die fundamentale Funktion des Ichs.
Fairbairn (1954) machte noch einen weiteren Strich zwischen diese Theorie und der Freuds. So sagte er, dass die Objektbeziehungstheorie in dieser Version sich mehr auf das Ich bezieht als auf das Es.
Die Verbindung zu einer anderen Person ist nach dieser Theorie eine "fundamentale Ich-Funktion"
Zudem glauben alle Objektbeziehungstheorien, dass das Verhaltensmuster einer Person für die Interaktion mit anderen schon im frühen Kindesalter gegeben ist und dass diese Verhaltensmuster immer und immer wieder während des gesamten Lebens auftauchen.

Margaret Mahler (1968):

Entwicklung = Prozeß der zunehmenden Individualisierung Symbiosis: Neugeborene Kinder unterscheiden nicht zwischen dem eigenen und dem fremden Selbst, sind also "verschmolzen" mit der Mutter. Kein Selbstgefühl entwickelt à z.B. können sie nicht zwischen der eigenen Daumen und der Brust der Mutter unterscheiden.
Separation-Individuation: Mit ca. 6 Monaten beginnt löst sich diese Verschmelzung auf; Persönlichkeitsentwicklung beginnt. Kind bemerkt jetzt seine eigenständige Existenz. - Ein Zeichen dafür ist die graduelle Exploration der Umwelt die von der sog. Separations-Angst begleitet wird.
Separations-Angst: Kind befindet sich in einem Konflikt zw. Wunsch nach Eigenständigkeit und Wunsch nach der Verschmelzung mit der Mutter à Autonomie vs. Anschluss. [großer Einfluss der Mutter]
Wenn die Mutter das Kind zu sehr verwöhnt und immer präsent ist, kann das Kind keine eigene Persönlichkeit entwickeln, da ihm die nötigen Erfahrungen fehlen. Wenn die Mutter das Kind aber zu sehr auf Eigenständigkeit hin drängt, wird sich das Kind abgelehnt und verloren vorkommen.
Die Mutter sollte das Kind in dieser Phase zur Unabhängigkeit ermutigen dabei aber immer signalisieren, dass sie für das Kind (emotional) verfügbar ist. Nur so kann das Kind mit ca. 3 Jahren eine Objektbeziehung zur Mutter bilden.
Diese Objektbeziehung ermöglicht eine mentale Repräsentation der Mutter und wird auch auf andere Menschen/Beziehungen übertragen.

Heinz Kohut (1977):

Beziehungen kreieren die Struktur des Selbst
Menschen haben narzisstische (also selbstzentrierte) Bedürfnisse, die nur durch andere Menschen befriedigt werden können.
Jemand der diese Bedürfnisse befriedigen kann wird zum Selbstobjekt.
Das Kind erwirbt sein Selbst durch die Interaktion mit seinen Eltern.

Die Eltern haben hierbei die Aufgabe, auf das Kind auf eine positive und empathische Art einzugehen. Dieses Mirroring (Eltern befriedigen die narzisstischen Bedürfnisse des Kindes à Selbstachtung) erfüllt die narzisstischen Bedürfnisse des Kindes.
Wichtig ist, dass von den Eltern (wie auch bei Mahlers Theorie) sowohl der Wunsch des Kindes nach Affiliation als auch nach Autonomie berücksichtigt wird. Wenn die Eltern beim Mirroring etwas falsch machen, wird das Kind kein richtiges Selbstgefühl entwickeln sondern einen noch stärkeren Drang sein narzisstisches Bedürfnis zu befriedigen. So wird dieses Kind auch weiterhin Selbstobjekte suchen.
Mirroring bleibt während des ganzen Lebens ein wichtiger Punkt in Beziehungen, da es nach der Kindheit von den Eltern auf andere Bezugspersonen übertragen wird. Kohut eine Liebesbeziehung als eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die beide Selbstobjekt für den anderen sind. Demnach führen beide aufeinander ein mirroring aus, welches die Selbstachtung des jeweils anderen stärkt.
Zusammenfassend: Selbstobjekte sind Personen, die "mirroring" betreiben.

John Bowlby (1969): Bindungsfunktionen
Die körperliche Nähe des Kindes zur Mutter erhöht die Überlebenschancen des Kindes, hat also eine biologische Quelle. Es ist wichtig, dass das Kind merkt, dass es sich auf die wichtigste Person in seinem Leben wirklich verlassen kann. Die Mutter wird somit zu einer sicheren Basis, von der aus Kind die Welt erforschen kann. à Die Explorationsbereitschaft eines Kindes sagt viel über die Qualität der Bindung zu seiner Bezugsperson aus.

Bindungstheorie von Ainsworth (1978): "Fremde-Situations-Test":

Folge von 8minütigen Sequenzen mit einer fremden Umgebung und einer fremden Person konfrontiert sowie zwei Trennungen von seiner Bezugsperson ausgesetzt. Wichtig sind besonders die Zeiten, wenn das Kind mit dem Fremden alleine ist und wenn die Mutter zurückkommt.
Es kristallisierten sich bei dem Test vier Arten von Kindern heraus

  • sichere Bindung (TYP B)
  • unsicher - ambivalente Bindung (TYP C)
  • unsicher - vermeidendes Kind (TYP A)
  • desorganisiertes Kind

Das Verhalten der TYP C-Kinder wird erklärt als ein Pendeln zwischen aggressivem und supplikativem Coping.
Für das Verhalten der TYP A-Kinder gibt es mehrere Interpretationsansätze. Eine Erklärung besagt, dass das Kind sich eigentlich die Nähe zur Mutter wünscht, andererseits aber auch Angst vor ihr hat und deshalb einfach bei seiner derzeitigen Beschäftigung bleibt.
Bowlby deutet das Verhalten als Versuch, ein Geborgenheitsgefühl gar nicht aufkommen zu lassen.
Interessanterweise kann auch bei den TYP B-Kindern eine Akklimatisation des Sicherheitsbedürfnisses eintreten, sie bildet sich aber wieder zurück, während sie bei den TYP A-Kindern chronisch bleibt.

Bei Erwachsenen (siehe Bartholomew & Horowitz, 1991 und Hazan & Shaver, 1987): Liebesbeziehung beschreiben
"Sichere" Erwachsene beschrieben die Beziehung im Vergleich zu den anderen Gruppen als sehr vertrauensvoll, glücklich und fröhlich.
"Vermeidende" Erwachsene: Waren weniger bereit als die anderen Gruppen, die Fehler/Unzulänglichkeiten ihrer Partner zu akzeptieren.
"Ambivalente" Erwachsene beschrieben, dass sie eine Liebesbeziehung als eine obsessive Vereinnahmung erleben. Sie erleben extreme Höhen und Tiefen sowohl bei der sexuellen Anziehung als auch bei Eifersucht.
Ambivalent gebundene Erwachsene: mit der Arbeit immer unzufrieden. Arbeit dient als Kompensation des Fehlens von Beziehungen.

Hazan & Shaver untersuchten auch die mentalen Modelle, die Erwachsene von Beziehungen haben:
"Sichere" Erwachsene: Liebe ist echt und beständig.
"Vermeidende" Erwachsene: Es gibt keine ewige Liebe.
"Ambivalente" Erwachsene: Man verliebt sich schnell und oft, aber die Liebe hält nicht für immer.

Erikson (1950-1968): Psychosoziale Entwicklungsstufen

Er betrachtet die soziale Entwicklung während des gesamten Lebens (life-span-development).
Er betrachtete zwei wichtige Aspekte, zum einen die Ich-Identität und zum anderen die persönliche Angepasstheit. Auch sagte er, dass in jeder Lebensphase ein kritischer Punkt zu finden ist (psychosozial crisis or conflict). Diese Krise ist der Wendepunkt zwischen zwei Phasen und in dieser Zeit kann die Person sehr verletzlich sein. So teilte Erikson acht Phasen ein, wobei die ersten vier identisch mit den ersten vier Stufen von Freuds psychosexuellem Entwicklungsmodel sind.

Urvertrauen vs. Mißtrauen
Autonomie vs. Selbstzweifel
Initiative vs. Schuld
Fleiß vs. Minderwertigkeit
Identität vs. Rollendiffusion
Intimität vs. Isolierung
Generativität (Fortpflanzungs-, Zeugungskraft) vs. Stagnation
Ich-Integrität vs. Verzweiflung

Ich-Identität = bewußte Erfahrung des Selbst, welches aus den Veränderungen in der sozialen Umwelt stammt. Bei Erfolg in den Stufen erreicht man Ich-Stärke.

Kapitel 13: kognitive Lerntheorien

Die Klassische Lerntheorie berücksichtigt nicht:

  • wie Menschen voneinander lernen
  • wie Leute selbst entscheiden, was sie tun
  • wie Babys plötzlich etwas komplexes tun, was sie vorher noch nie gemacht haben
  • wie leute über komplizierte Zusammenhänge nachdenken und entscheiden
  • mentale Prozesse
  • soziale Einflüsse

Diese Aspekte sollen von der sozialen Lerntheorie aufgegriffen werden.

Untersuchung von Kanfer & Marston (1963): Vpn hörten, wie andere verstärkt wurden, wenn sie "human nouns" sagten. Später sagten die Vpn auch mehr "human nouns".
Rotter (1966): Internal / External -> Ort der Kontrolle
Untersuchung von Phares (1957): Vpn wurde erzählt, daß Ergebnis entweder internal oder external zurückzuführen sei. Vpn, die glaubten, sie seien begabt, nutzten diese Info auch bei weiteren Ergebnissen.
Bandura (1977): Erwartung der eigenen Wirksamkeit

Wirksamkeit sozialer Verstärker:
Hall, Lund, Jackson (1968): Kinder, die im Unterricht nicht gut mitmachten wurden verstärkt (mehr Aufmerksamkeit und Lob). Leistung besserte sich (investierten mehr als doppelt so viel Zeit in Lernen).

Vicarious emotional arousal (stellvertretende emotionale Erregung = Empathie):
Wenn man eine andere Person beobachtet, die gerade intensive Gefühle empfindet. Man selbst beginnt dann die gleichen Gefühle allerdings in geringerer Intensität zu empfinden.
Da man ähnlich empfindet wie die andere Person, kann es dazu kommen, dass man der anderen Person aus ihrem Gefühlszustand heraus helfen möchte. Denn man selbst will nicht unbedingt schlechte Emotionen erleben und wenn die andere Person glücklich ist, ist man es dementsprechend auch.

Ermöglicht Lernen: man erfährt Situationen, die man lieber nicht selbst durchlaufen möchte. Indirektes Lernen. Man selbst stellt sich zudem auch mögliche Konsequenzen vor, die es geben würde, wenn man selbst in der Situation wäre.
Berger, 1962: VP beobachteten wie Personen während eines Tones elektrischen Schock erhielten und dementsprechend das Gesicht verzogen. Nach einigen Durchgängen zeigten auch Beobachter emotionale Regungen, auch wenn nur Ton und kein Schock gegeben wurde. Dies passierte, obwohl die VP nie direkt mit Schockschmerz konfrontiert wurden. Man spricht hier von einer stellvertretenden klassische Konditionierung (vicarious classical conditioning).
Untersuchung: Bobo-doll (Bandura): Die Kinder ahmten das aggressive Verhalten nach, nachdem sie dafür Belohnung versprochen bekamen.

Drei Arten von Erwartungen:

1. Erfolgserwartungen (expectancies concering outcomes) (Rotter)
Verbindung zw. Erwartungen + Motivationen ⇒ Erwartungs - Anreiz - Theorie
Erwartung = implizites Urteil über Erreichen eines best. Ziels durch best. Verhalten
Anreiz = Werte der Ziele
Beide Aspekte wichtig, um Verhalten vorauszusagen
Erwartungen haben kausalen Einfluss auf Verhalten (Unterschied zu Konditionierungstheorien), Bestärkung hat direkten Einfluss auf Wahrscheinlichkeit des Verhaltens) ⇒ nachdenken über Erfahrungen + gegenwärtige Situation + Chancen - Bewertung

2. Erwartung der Orte der Kontrolle (Local of Control Expectancies): (Rotter)
Frage: Warum lernen verschiedene Personen bei identischen Situationen verschiedene Dinge?
Antwort: (1) manche Menschen reagieren auf Veränderungen, andere nicht (2) Ursache-Effekt-Lernen -Link muss erkannt werden, um sich selbst als Ursache zu erkennen
2 Personengruppen:
Internals: Verstärkung durch eigene Aktionen (bei Misserfolg/Erfolg in Abhängigkeit zu wahrgenommenem Ort der Kontrolle - Reaktion: Sie setzen ihre Erwartungen nach einem Erfolg höher an während sie bei Misserfolg ihre Erwartungen runterschrauben)
Externals: Verstärkung durch externe Einflüsse (bei Misserfolg/Erfolg in Abhängigkeit zu wahrgenommenem Ort der Kontrolle - Reaktion: Sie verändern ihre Erwartungen in die gegenteilige Richtung des vorausgegangenen Resultats)
Phares Experiment:
VP sollen Aufgabe lösen - 2 Gruppen 1. Vorgabe: Lösung der Aufgabe hängt von Fähigkeit ab (internal)
2. Vorgabe: Lösung der Aufgabe hängt von Glück ab (external)
bei (1) kann das Ergebnis als Hilfe für kommende Ereignisse genutzt werden

3. Erwartung über die eigene Wirksamkeit (Efficacy Expectancies) (Bandura)
Menschen gewinnen Vertrauen in Selbst und verwirklichen eigene Ziele ⇒ entwickeln sich im Laufe der Zeit und prägen Erwartungen
Personen mit internalem locus of control à geringere Selbsterwartung
Personen mit hoher Selbsterwartung sind hartnäckiger beim Problemlösen
Erwartungshaltungen und deren Wirksamkeit ⇒ pos. Einfluss auf Immunsystem
Rotters Konstrukt hat zwei Dimensionen: (1) locus of control und (2) stability
Stabilität beeinflusst Erwartungsänderungen.

Dissoziierbarkeit von internaler Kontrolle und Selbstwirksamkeit:
Personen mit internaler Kontrolle glauben, dass sowohl positive als auch negative Resultate die Konsequenz ihrer eigenen Handlungen sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie sich auch die notwendige Kompetenz bzw. Fähigkeit zuschreiben, die zum erfolgreichen Ausführen einer Handlung notwendig ist (Selbstwirksamkeit).
Bsp: Joe hat einen internalen Ort der Kontrolle. Er ist sich sicher, dass man durch gute Prüfungsvorbereitung gute Noten bekommt. Er weiß jedoch nicht, wie man sich gut auf eine Prüfung vorbereitet.

Geschlechterrollen werden durch Beobachtungslernen erworben.

Weiner:

  Stabil Instabil
Internal Fähigkeit Anstrengung
External Schwierigkeit der Aufgabe Zufall, Glück


Die Erwartung, ob ich zukünftig Erfolg haben werde, fällt schneller, wenn...

  • ... ich die Fähigkeit nicht habe, kann ich es eben nicht
  • ... die Aufgabe gleich schwierig wird

(stabil)

Die Erwartung sinkt nicht so schnell, wenn ...

  • ...man sich das nächste Mal mehr anstrengt
  • ...man nächstes Mal mehr Glück hat

(instabil)

Stabile Ursachen sind also wichtiger.
Menschen mit internem Ort der Kontrolle erhöhen Ihre Erwartungen, nachdem sie Erfolg gehbt haben und senken sie, wenn sie Mißerfolg hatten. Externale richten ihre Erwartungen oft gegenteilig aus.

Untersuchung von Bandura (1965): Unterschied zw. Beobachtungslernen und stellvertretendem instrumentellen Lernen
3 Gruppen Kinder: sahen einen Film, indem eine erwachsene Person eine Puppe gewaltsam zurichtet. (1. Version) ein zweiter Erwachsener lobt den anderen, der so gewalttätig ist, und belohnt ihn. (2. Version) beinhaltet nur Gewaltszenen (3. Version) zeigt einen zweiten Erwachsenen, der den gewalttätigen Erwachsenen bestraft.

Nach dem Film 10 Minuten spielen mit Spielzeug (u.a. Puppen).
Beobachtung: wie oft führen Kinder die im Film gezeigten Aggressionen selbst aus?
Anbieten einer Belohnung, wenn Kind so viele Gewalttaten wiederholen konnte wie möglich.
Ergebnis: die Verstärkung der gewalttätigen Person oder deren Bestrafung hatte keine Auswirkung auf Anzahl der wiederholten Gewalttaten (Beobachtungslernen). Aber Kinder, die (3. Version) gesehen hatten, wiederholten weniger spontane Gewalttaten (stellvertretendes instrumentelles Lernen).

Untersuchung von Bandura & Mischel (1965): 2 Gruppen Kinder: Mit Belohnungsaufschub und ohne. . Anschließend wurden die Gruppen in drei weitere unterteilt:

  1. Kinder sahen einen Erwachsenen (Modell), der das Gegenteil von dem machte, was die Kinder im Vortest getan hatten
  2. Kinder lasen über die Wahl eines Erwachsenen (Modell), die gegenteilig zu ihrer Wahl war
  3. Kontrollgruppe

Anschließend wurden die Kinder vor die Wahl gestellt, ob sie sofort oder später belohnt werden wollten. Es kam heraus, dass die Kinder eine Änderung zum Vortest zeigten, denn sie machten die gleiche Wahl des gesehenen Erwachsenen.
AV: Verhaltensänderung entsprechend Modell.
Siehe auch: Aggression und Fernsehen.

Untersuchung Thomas (1977): Zuerst Film (2 Gruppen: Volleyballspiel, Gewaltfilm), dann Film mit Streit und Gewalt (angeblich wahre Szene). Die Vpn, die vorher den Gewaltfilm sahen, hatten nun geringere Hautleitfähigkeit, waren also abgestumpft.

Seligman (1967): Erlernte Hilflosigkeit
Wie erklären soziale Lerntheorien Verhaltensstörungen und Depression?
Wortman & Brehm (1975): erlernte Hilflosigkeit zeichnet sich durch die Erwartung aus, Ergebnisse einer Handlung nicht kontrollieren zu können.
Frankel & Snyder (1978): Hilflosigkeit entsteht, wenn man einen Fehler macht und dann aus Angst, man könnte sich noch mehr blamieren, nicht noch einmal probiert.
Verhaltensstörungen entstehen durch ein falsches Modell oder das nicht Vorhandensein eines Modells
Wirksamkeit verschiedener Formen des Lernens am Modell in der Therapie: Fähigkeitsdefizite können durch Modelle (Therapeut) behandelt werden.
Mastery-Modell: Patient beobachtet Modell, wie es ohne Angst die Situation löst. Kein großer Therapieerfolg
Coping-Modell: Modell zeigt anfangs Angst, überwindet diese und kann mit der Situation umgehen. Größerer Erfolg als beim Mastery Modell
Participant-Modelling: Modell macht das angstauslösende Verhalten vor und der Patient wiederholt seine Handlungen. Erfolgreichste Therapie, benötigt allerdings viel Zeit und Instruktionen
Verhalten und Erfolgserwartung lassen sich durch teilnehmendes Beobachten verändern. Teilnehmende Beobachtung hat einen größeren Einfluss auf Verhalten und Wirksamkeitsveränderung als reines Beobachten. Reines Beobachten hat wiederum mehr Einfluss gezeigt als keine Behandlung, sowohl in Verhalten als auch in Wirksamkeitserwartung à stellvertretende Erfahrungen.
Bandura: Wirksamkeitserwartung bringt Verhaltensveränderung hervor, weil eine Veränderung in Erwartungshaltung (und zwar am meisten bei der Teilnehmenden Gruppe)

Kapitel 14: Phänomenologische Perspektive

Carl Rogers (1959): Jedes Lebewesen hat das Potential für positives, gesundes Wachstum und Weiterentwicklung. Jeder Mensch hat ein angeborenes Streben nach Selbsterfüllung und Realisierung des eigenen Potentials.
Selbstverwirklichung: Wenn der Geist wächst und stärker wird (voll funktionsfähige Person - Selbstwachstum)

  • unbedingte Wertschätzung
  • unbedingte Wertschätzung
  • bedingte Wertschätzung (nur, wenn man etwas bestimmtes macht)
  • Wert-Bedingungen

Körperliche Verwirklichung: Alles, was den Organismus stärkt und leistungsfähiger macht.
Rogers: organismischer Wertungsprozess
Bezeichnung für die Tendenz zur Selbstverwirklichung: Der menschliche Organismus untersucht automatisch jede Erfahrung und Handlung auf ihre Fähigkeit zur (Selbst-)Verwirklichung. Dient etwas nicht der Verwirklichung entsteht das "nagende" Gefühl, etwas sei nicht in Ordnung

Maslows (1962, 1970) Bedürfnishierarchie: betrachtete die unterschiedlichen menschlichen Bedürfnisse mit Hilfe einer pyramidisch angeordneten Bedürfnishierarchie. Die Bedeutung und Intensität der Ebenen nimmt von unten nach oben ab:

  1. Basisbedürfnisse - physiologische Bedürfnisse (essen, trinken usw.)
  2. Bedürfnis nach Sicherheit (Ruhe, Freiheit von Angst, Affiliationsmotiv usw.)
  3. Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit (Bindung)
  4. Bedürfnis nach Achtung/Selbstwert (Rogers: positive Wertschätzung, Akzeptanz, Higgins: Diskrepanz zwischen aktuellem und Sollte-Selbst) (Vertrauen, Gefühl etwas wert und kompetent zu sein)
  5. Bedürfnis nach Selbstverwirklichung (Rogers: Tendenz zur Selbstverwirklichung, Higgins: Diskrepanz zwischen aktuellem und idealem Selbst)

Je höhere Ebenen man erreicht, desto menschlicher und weniger tierisch werden die Bedürfnisse.
Um auf die Ebene der Selbstverwirklichung zu gelangen, müssen erst die unteren Schichten befriedigt sein.
Die Bedürfnisse in der Basis der Pyramide sind eher Defizit-motiviert, die Bedürfnisse in der Spitze der Pyramide hingegen sind eher Wachstums-motiviert.
Rogers: Bedürfnis nach positiver Beachtung ist ein Grundbedürfnis, von anderen akzeptiert, geliebt und gemocht zu werden.
Er unterteilte die positive Wertschätzung in

  • unbedingte positive Wertschätzung: Anerkennung wird ohne bestimmte Voraussetzungen gegeben.
  • bedingte positive Wertschätzung: Wertschätzung, die an bestimmte Bedingungen geknüpft ist.

Z.B.: Man wird nur gemocht, wenn man auf eine bestimmte Weise handelt.
Bedingte Selbstbeachtung: Wenn man lange den Werten anderer folgt, verinnerlicht man diese Werte als seine eigenen, und mag sich selbst daher nur, wenn man sich diesen (externalen) Werten entsprechend verhält.
Bedingte positive Beachtung zu erlangen kann stark mit der eigenen Selbstverwirklichung kollidieren, letztere sollte aber immer der Vorrang gegeben werden.

Vollfunktionsfähige Personen (Rogers): nicht Menschentyp sondern eher Lebensart

  • Jemand, der sich selbst verwirklicht hat.
  • sind offen für ihre Gefühle, vertrauen ihren Gefühlen.
  • sind offen für neue Erfahrungen.
  • leben erfüllteres Leben und können ihm einen tieferen Sinn geben à integrierende Funktion des Selbst
  • akzeptieren, dass das Leben auch die Erfahrung von Schmerz beinhaltet.
  • Die parallele Verarbeitungsform des Selbst fördert die Fähigkeit zur Integration.

Das Gefühl des "Sinn-machens" entsteht, wenn möglichst viele Bezüge zwischen den Selbst-Aspekten hergestellt werden, was sowohl kognitive als auch emotionale Bezüge mit einschließt.
Befund von Dawson & Schell zeigt, Emotionen und Selbst in der rechten Hemisphäre anzusiedeln sind...
Neurobiologische Erklärung für die Bedürfnishierarchie:
Die Gehirnbestandteile sind in der phylogenetischen Reihenfolge der evolutionären Entwicklung angeordnet.
Hirnstamm: grundlegende, lebensnotwendige, animalische Bedürfnisse (Atmung, Reflexe)
In höheren Ebenen liegen die differenzierteren, meist menschlichen Bedürfnisse wie Denken, Wille o.ä.
Niedere Bedürfnisse werden durch niederinferente Systeme befriedigt. Je höher das Bedürfnis, desto höhere kognitive Systeme müssen an der Befriedigung beteiligt sein.

Sich selbst verwirklichenden Personen (Maslow):

  • sind effizient in der Wahrnehmung der Realität.
  • akzeptieren sowohl sich als auch andere. Sie erkennen ihre eigene Unzulänglichkeit, akzeptieren sie aber als einen Teil ihrer selbst.
  • sind spontan in ihren Gedanken und Emotionen. Amabile (1985): Kreativität ist stärker mit Selbstverwirklichung assoziiert als andere Motive.
  • sind problemzentriert (beschäftigen sich mit grundsätzlichen philosophischen und ethischen Fragen à gewisse Unabhängigkeit von ihrer unmittelbaren Umgebung; Selbstverwirklicher fühlen sich als Teil des Universums)
  • machen häufiger die Erfahrung von "ozeanischen Gefühlen". Fühlen sich als eins mit der Natur und Erfahrungen machen, losgelöst von Raum und Zeit zu sein.
  • haben tiefgehende Beziehungen zu anderen Menschen, allerdings nur zu wenigen.

Relation zwischen existentiellen und Selbstverwirklichungsansätzen?
Gemeinsamkeiten: Betonung des freien Willens und der Verantwortung.
Unterschiede in bezug auf die Verantwortung:
Existentialismus: Verantwortung für das eigene Handeln muss übernommen werden, das Handeln ist aber immer mit Schuld behaftet, egal wie ich mich entscheide. Es gibt zwei Möglichkeiten: Mut zum Dasein oder Rückfall ins Nichts.
Selbstverwirklichungsansatz: Übernehmen der Verantwortung ist ein notwendiger, positiver Schritt in der Therapie. Nicht schuldbeladen!
Csikszentmihalyi: Flow-Erlebnis

Methoden zur Messung von Selbstverwirklichungs-Prozessen

Shostrom (1964, 1974): POI - Personal Orientation Inventory. Besteht aus 150 Aussagepaaren und 2 Skalen. Eine Skala misst die Zeitkompetenz (lebt die VP in der Gegenwart oder gedanklich in der Zukunft oder Vergangenheit?), die andere die Tendenz des nach Innen gerichtet seins, d.h., wie weit sie der eigenen Intuition traut und Sinn und Bedeutung im Leben sieht. Die VP sucht sich die Aussagenpaare aus, mit denen sie am meisten übereinstimmt.
Beachte: Selbstverwirklicher zeichnen sich durch einen hohen Grad an "nach-innen-gerichtet-sein" aus, ein normales Leben ist aber nur möglich, wenn man auch einen Bezug zur Außenwelt hat. Extrembeispiel: Encounter.
Q-Sort: Items auf Karten (Eigenschaften, Dinge) sollen vom Klienten auf mehrere Stapel sortiert werden. (trifft zu / nicht zu). So beschäftigt er sich im Gegensatz zu einem Fragebogen länger mit den Items. Aufzeigen von Differenzen zw. idealem und aktuellem Selbst möglich
Jones & Crandall (1986): Je eine 15-Item-Skala zu 4 Faktoren. Die vier Faktoren sind:

  1. Selbstbestimmung
  2. Selbstakzeptanz
  3. Akzeptanz von Emotionen
  4. Vertrauen und Verantwortung in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Interviews: Vorteil: Größere Flexibilität aufgrund der Möglichkeit zur Gesprächsführung

Klientenzentrierte Therapie Rogers (1951, 1961):
Klient folgt nur seiner natürlichen Selbstverwirklichungstendenz, der Therapeut wertschätzt und begleitet ihn. Jeder Klient ist selbst verantwortlich für seinen Fortschritt/ Weiterentwicklung in der Therapie.
Therapeut zeigt unbedingte positive Beachtung und Empathie. à Klient angstfrei Aspekte von Erfahrungen betrachten, die inkongruent mit seinem Selbst-Konzept waren u/o sind.
Therapeut hilft Klienten, klaren Blick für eigene Gefühle, Wünsche und Erfahrungen zu bekommen. Meist geschieht das durch die Reflektion der Gefühle in leicht veränderter Form zurück auf den Klienten:
Bewusst machen der wahren Gefühle: Gefühle vergehen sehr schnell oder werden gar nicht erst wahrgenommen. Der Therapeut versucht, die Gefühle dem Klienten bewusst zu machen und so eine Sensibilität für sie zu entwickeln.
Inhaltswiedergabe: Ebenso wie das Bewusst machen der Gefühle, ausgedrückt wird aber der kognitive Inhalt der Aussage des Klienten.

Selbsterfahrungsgruppen: De-Individualisierung!
Perls (1969), Rogers (1970): Gruppentherapie soll zu einer Integration des Selbst führen, indem man den Wachstumsprozess mit anderen teilt.
Sensorische und Verhaltensübungen, um das Erleben des eigenen Körpers in best. Situationen zu verdeutlichen.
Ermutigung der Teilnehmer, ihrer Phantasie und Gefühlen freien Lauf zu lassen in einer vertrauensvollen Atmosphäre. Wichtig ist hierbei das Ablegen des Bedürfnisses nach Wertschätzung durch andere.
Mögliche Gefahren des Ansatzes: Mögliche Deindividuation, zeigen von kindlichen Verhaltensweisen, Teilnehmer nehmen ein aggressives und abnormales Verhalten anà Wegfall der Wertbedingungen ist oft auch ein Wegfall der allg. akzeptierten Verhaltensnormen. ⇒ Deindividuierte benutzten häufiger Obszönitäten, waren aggressiver und zeigten nicht-altersgerechtes Verhalten (regressiv)

Selbstdiskrepanztheorie vs. Rogers Ansatz? Roger postulierte, dass jede Inkongruenz im Selbst in Ängstlichkeit resultiert.
Tory Higgins (1987): Es gibt drei Selbstaspekte die beachtet werden müssen:

  1. Das aktuelle Selbst
  2. Das ideale Selbst: Das Selbst, dass man sein und erreichen möchte.
  3. Das Soll-Selbst/geforderte Selbst: Das Selbst dass man sein soll. Wird definiert durch Schuld, Pflicht und Verpflichtung.

Ideales Selbst und gefordertes Selbst sind Selbst-"Führer", weil sie als Vergleich für das aktuelle Selbst dienen und das Verhalten leiten.
Higgins postuliert, dass eine Diskrepanz zwischen aktuellem Selbst und idealen Selbst Gefühle von Depression und Niedergeschlagenheit hervorrufen, während Diskrepanzen zwischen aktuellem und "Soll"-Selbst Gefühle der Ängstlichkeit fördern.

Wie mißt man Selbstdiskrepanzen?
Man listet jeweils 10 Aspekte zum Idealen, aktuellen und Sollte-Selbst auf und vergleicht die Listen. Zudem werden die VP zu ihren Stimmungen und Gefühlen befragt (mit Augenmerk auf Gefühle von Niedergeschlagenheit und Ängstlichkeit).

Kapitel 15: Persönliche Konstrukte

Die uns umgebende Welt ist physikalisch gesehen für jeden gleich. Trotzdem ist die persönliche Wahrnehmung sehr unterschiedlich
Unser Verhalten ist immer durch die unbewusste Vorstellung geleitet, dass unser Handeln Auswirkungen auf die Umwelt hat

Persönliche Konstrukte (Kelley): Um Vorhersagen über die Umwelt machen zu können. Sie sind bipolar (freundlich vs. Unfreundlich) - Verhalten, Gedanken und Gefühle sind bestimmt durch die Konstrukte, die man benutzt, um Geschehnisse vorherzusagen und zu antizipieren - Ein Konstrukt ist immer dichotom, d.h. es wird immer "Entweder-Oder" angewendet. Es gibt aber feine Abstufungen zwischen den einzelnen Polen, so dass das Konstrukt bei praktischer Anwendung eher einer Dimension entspricht.

Bipolarität:

  • "emergente Pol": Die Bedeutung des Konstrukts, die auf das Ereignis angewandt wird.
  • "implizite Pol": Die Bedeutung, die gerade nicht angewandt wird.

Beispiel: Jemand wird als freundlich angesehen (erscheinender Pol des Konstrukts "Freundlichkeit").
Um ihn als freundlich zu erkennen, muss man aber auch wissen, dass jemand auch unfreundlich sein kann (impliziter Pol).

Kellys erkenntnistheoretische Position. George Kelly (1955): Persönlichkeit besteht aus der Organisation von mentalen Strukturen, durch die man die Realität sieht.
Konstruktiver Alternitavismus: Jeder Menschen entscheidet für sich, welche Konstrukte er anwendet um ein Ereignis zu interpretieren
Unterschied zwischen der Anwendungsbreite und dem Anwendungsfokus eines Konstruktes:

  • "Range of Convenience": Die Anzahl der Ereignisse, auf die die Anwendung des Konstrukts passt. Werden Konstrukte angewandt, die außerhalb dieses Bereiches liegen, ist ihre Vorhersageeffizienz eher gering.
  • "Focus of Convenience": Die Spannbreite der Ereignisse, für die das Konstrukt die beste Vorhersagekraft hat.

Definition: Die Anwendung des Konstrukts auf gewohnte Weise, was die Präzisierung und Verfeinerung des Konstrukts ermöglicht. Sichere Anwendung
Extension: Konstrukt wird angewandt, um ein Ereignis vorherzusagen, für das es vorher noch nicht benutzt wurde (neue Situation). Dadurch wird die Anwendungsbreite vergrößert. Informative Anwendung
Ob Definition oder Extension angewandt wird hängt ab von Faktoren wie persönlicher Vorliebe oder temporären situationalen Gegebenheiten.
Kranke Version von Extension: histrionisch (sofort zu freundlich), schizotypisch (Ahnungen)

Menschen sind sich ähnlich, wenn ihre Konstrukte ähnlich sind.

Ähnlichkeiten zwischen den Theorien von Kelly und Lazarus:
Richard Lazarus (1966): Vertritt eine kognitive Sichtweise auf das Konzept "Stress". Demnach besteht das Erleben von Stress aus drei unabhängigen Prozessen:

  1. Primäre Bewertung: Wahrnehmen einer bevorstehenden Bedrohung.
  2. Sekundäre Bewertung: Beschließen, was zu tun ist, um mit der Bedrohung fertig zu werden.
  3. Coping: Einsatz, mit dem der Beschluss umgesetzt wird.

Gemeinsamkeiten: Die Bewertung der Bedrohung verläuft nach ähnlichen Gesichtspunkten wie das "konstruieren" bei Kelly. Bei Lazarus hängen die beiden Bewertungsprozesse (primäre und sekundäre Bewertung) stark von der internalen Repräsentation der Realität der Person ab, die nach Kelly durch die Wahl, Hierarchie und Menge der verfügbaren Konstrukte bestimmt ist.

Entwicklung von Konstrukten ("Lernen"):
Persönliche Konstrukte basieren auf sich wiederholenden Themen und Erlebnissen. D.h. man muss bestimmte Erfahrungen wiederholt gemacht, Situationen wiederholt erlebt haben, damit sich ein Konstrukt entwickeln kann. Prozesse der Definition und Extension

Organisiert und Reorganisation (Beispiel): Konstrukte sind in einer Hierarchie organisiert, mit vielen Konstrukten auf den untergeordneten Ebenen und einigen auf den höher gelegenen Ebenen.
Reorganisation: Diese Hierarchien sind veränderlich: wenn sie ihre Vorhersagekraft nicht erfüllen, können sie sich zwischen zwei Zeitpunkten ändern. In diesem Fall können Konstrukte ihren Platz in der Hierarchie oder zwischen den Hierarchien tauschen. Zudem sind unterschiedlich von Person zu Person.
Wesentliche Voraussetzung für das Entstehen von Sympathie: Prozess des Kennenlernens von fremden Menschen ist Vergleich des eigenen Konstruktesystems mit dem des Fremden.
Menschen mit ähnlichen Konstruktesystemen sind sich sympathisch, da sie dieselbe Sichtweise/Wellenlänge haben.

Experimentellen Beleg für Wirksamkeit persönlicher Konstrukte:
Higgings, King & Mavin (1982): VP sollten die Eigenschaften von best. Freunden aufschreiben (Studie 1), oder die Eigenschaften von best. Menschen"typen" (Studie 2).
Eigenschaften, die am häufigsten (Studie 1) oder als erstes (Studie 2) benannt wurden, wurden von den VL als repräsentativ für die wichtigsten Konstrukte der jeweiligen Person angesehen. Einige Tage später bekamen die VP eine Beschreibung einer Person zu lesen, welche die für die VP wichtigen und unwichtigen Konstrukte enthielt. Nach einer anderen Aufgabe (um das Gedächtnis zu beeinflussen) sollten sie diese Person beschreiben und sich erinnern, an welche Einzelheiten aus dem Text sie sich erinnerten.
Ergebnis: Es zeigte sich, dass die VP sehr von den Konstrukten beeinflusst wurden, die für sie selbst wichtig waren, während sie die anderen eher vernachlässigten. Zudem zeigt es, dass wichtige Konstrukte leicht abrufbar sind.

Kellys Theorie vs. symbolischen Interaktionismus (Das Selbst entsteht durch die/aus den sozialen Interaktionen):
Menschen entwickeln Konstrukte der sozialen Realität nicht intrinsisch aus dem Selbst (wie Kelly es sagt), sondern die Konstrukte werden für sie von ihren sozialen Beziehungen gebildet. Das Selbst entsteht aus der Gesellschaft
Entstehung von Schuldgefühlen:
"Role taking": Prozess des Konstruierens, wie eine andere Person mich selbst konstruiert. Dadurch wird es möglich, zu verstehen, wie eine andere Person die Welt sieht und versteht.
Kern-Rollen: Rollen, die zentral im Leben eines Menschen sind und seine Identität bestimmen.
Schuld entsteht, wenn man nicht so handelt, wie man glaubt zu müssen, um dem Rollenverständnis anderer von einem gerecht zu werden, also der "Core role" nicht genügt.

Transsituationale Konsistenz des Verhaltens (Befunde):
Persönliche Konstrukte und Verhaltenskonsistenz: Um das Verhalten eines anderen vorhersagen zu können, müssen wir wissen, wie er eine best. Situation "konstruiert". Ein Verhalten wird sich in unterschiedlichen Situationen ähneln, wenn die Situationen von der Person ähnlich konstruiert werden.
Lord (1982): VP sollten 6 gewöhnliche Situationen mit Begriffen die "Gewissenhaftigkeit" betreffen beschreiben. Zur Beschreibung wurde eine Variation des "Q-Sort"- Tests verwendet. Die aktuelle Gewissenhaftigkeit der VP wurde überprüft, indem in 6 Situationen, die den beschriebenen sehr ähnelten, unangemeldet ein Beobachter eintrat, der das tatsächliche Verhalten bewertete. Ergebnis: Level der Gewissenhaftigkeit am meisten konsistent in Situationen, die von den VP in ähnlicher Weise konstruiert (aufgefasst) wurden

Wie unterscheiden sich zwei Personen von einer dritten?
Kelly's Rollen-Konstrukt-Repertoire-Test: Der Test wird eingesetzt, um die Konstrukte zu ermitteln, die von einer Person am häufigsten verwandt werden.
Vorgehensweise: Im Rep-Test ("Role Construct Repertory Test" oder auch "Rollen-Repertoire-Gitter") sind für die VP wichtige vertraute Personen in einem Gitter aufgelistet, die bestimmte Rollen einnehmen. Die VP betrachtet dann eine Serie von Dreier-Gruppen und soll entscheiden: In welcher Hinsicht sind sich zwei der Personen in der Gruppe ähnlich (Messung des emergenten Pols) und in welcher Hinsicht unterscheiden sie sich von der dritten Person in der Gruppe (Messung des impliziten Pols)? Die Konstrukte, durch die die Ähnlichkeiten umschrieben werden sind die wesentlichen Konstrukte der VP.
Der Rep-Test wird eingesetzt um Konstrukte anderer Ereignisse zu messen, z.B. best. Situationen, soziale Fragen o.ä.

Angst: Wenn eine Situation auftritt, die nicht durch vorhandene Konstrukte vorhersagbar ist.
Kelly: Verhaltensprobleme entstehen, wenn Menschen keine adäquaten Konstrukte haben um Ereignisse vorherzusagen und zu interpretieren. Sie fühlen sich dann hilflos und unsicher, also ängstlich.
Viele Dinge, die man zum ersten mal tut oder erlebt sind traumatisch, weil man für sie noch keine Konstrukte entwickelt hat und sich dem Ereignis hilflos ausgeliefert fühlt.
Leitner & Cado (1982): Noch schlimmer sind Ereignisse, die zeigen, dass wichtige Aspekte eines bestehenden Konstruktes nicht funktionieren und dass weit reichende Veränderungen im Konstruktesystem notwendig sind. Dies wird dann als Bedrohung erlebt.
Um Bedrohung oder Angst zu lindern, werden neue Konstrukte gebildet, bewährte Konstrukte umgeformt (indem man ihren Anwendungsbereich vergrößert) oder die Konstruktehierarchie verändert.
Prozess der Therapie ist, Konstruktesystem zu verändern und neu anzupassen um seine Vorhersagekraft zu stärken.

Kapitel 16: Selbst-Regulation

Schemata: Wissensstrukturen
Selbstschema: ähnlich dem Selbstkonzept. Schemata sind hierarchisch organisiert
Semantisches Gedächtnis: erlebte Episoden
Scripts: Anleitungen für soziale Abläufe
Deklaratives Wissen: alles, was wörtlich abgerufen werden kann.
Prozedurales Wissen: Handlungsabläufe
Priming: Reaktionszeitersparnis durch Voraktivierung des Gehirns

Verbindungen zwischen Systemen:
Fasciculus unicatus: Vom temporalen Cortex zum Präfrontalen Cortex. Sprachsteuerung des Willens ? (Introjektion)
Fasciculus arcunatus: Vom parietalen Cortex zum Präfrontalen Cortex. Wille, intuitive Verhaltenssteuerung, Lokomotion) Intentionen werden mit räumlichen Parametern verbunden, dadurch kann man den Willen ausüben
Fasciculus occipitalis verticalis: Vom okzipitalen Cortex zum parietalen Cortex. Dorsales Wahrnehmungssystem, sensumotorische Verhaltenssteuerung
Fasciculus longitudinalis superior: Vom okzipitalen Cortex zum Präfrontalen Cortex. Wille und Wahrnehmung

Systemebene 1: IVS und OES

Zwei visuelle Systeme:

Dorsal: räumliche Einordnung von Objekten und amodale Handlungssteuerung (WO, WIE) [okzipital zu zentral] IVS
Belege:

  • Goodale & Milner (1992): Patientin mit Läsion im okzipital-temporalen System. (ventral). Hatte visuelle Objektagnosie ("Blindsight").
  • Piaget: frühe multimodale Bewegungssteuerung (Kinder greifen auch im Dunkeln richtig)
  • "Neo-natale Imitation": visuelle Info werden amodal kodiert und direkt auf Muskeln übertagen


Ventral: Objekterkennung (WAS), nicht an die Motorik gekoppelt, Wiedererkennen [okzipital zu inferotemporal] OES

Intuitive Verhaltenssteuerung (IVS): Rechte Hemisphäre, rechter parietaler Cortex (Basalganglien)

Ich setze mich als Zentrum der Umwelt mit dieser auseinander.
Neurobiologie der Gewohnheiten: Basalganglien.
Afferenzen (Stimulus, OES) von bestimmten Sinnesmodalitäten führen in die Basalganglien, Efferenzen in den prämotorischen Cortex und die supplementäre motorische Rinde.

Läsionen des Neostriatums (Nucleus Caudatus, Putamen, Globus Pallidus) in den Basalganglien führen zu Defiziten bei der Bildung von S-R-Verbindungen.
Substantia Nigra: Dopamin wird hier ausgeschüttet und geht u.a. zu den Basalganglien (anreizunabhängige Verhaltensbahnung)

  • parallele Verarbeitung: schnell und viel (kann wie "Fühlen" durch neuronales NW modelliert werden, Verschmelzungscharakteristik)
  • Robustheit (bei lückenhafter Verarbeitung, Netzwerk, "graceful degredation"), Ähnlichkeitsmetrik (Prototypen- versch. A`s)
  • Kontextbasiertheit (räumliche Aufmerksamkeit, Säuglinge merken, ob Kopf gestützt wird oder nicht)
  • Multimodale Verschmelzung (außerhalb bewußt erlebbarer Wahrnehmung) (ungleich Piaget, Bsp.: neonatale Imitation - "Farben hören" / "Töne sehen")
  • Zukunftsfokus (Antizipation, z.B. "object tracking" bei Säuglingen) und Gegenwartsfokus (Online-Kontrolle, Objekt mit Augen verfolgen, auch hinter Gegenstand)
  • Egozentrische Wahrnehmung (Selbst als Subjekt, "andere ticken wie ich", ungleich egoistisch, eher altruistisch)
  • Sensumotorische Reziprozität (Tiefenwahrnehmung erst mit Motorik - Krabbeln, 1. Monate ungebremst auf Treppe zu)
  • Intuitive Verhaltensprogramme (Eltern-Kind-Interaktion und soziale Interaktion, nicht nur S-R-Verknüpfungen, Säuglinge imitieren, auch 24 Stunden später noch ⇒ genetische Vorbereitung) ⇒ besonders soziale Interaktion
  • Pertinenzsensitive Aufmerksamkeit: Aufmerksamkeit für Orte im Raum mit Bezug zur eigenen Handlung, also für Stimuli, die Möglichkeit zum Umsetzen eigener Absichten signalisieren

Pathologie der IVS: Zwangsstörungen (limbisches System schickt zu viele Infos an präfrontalen Cortex, Zugang zum Selbst gestört, top-down Verarbeitung beeinträchtigt)
Überfunktion der IVS: Regulierungswut, Übergenauigkeit, Entweder-Oder-Denken, Prinzipienreiterei, Fundamentalismus, Wissenswahn, Formal Gleichheitsideologie (Anzahl der Kleidungsstücke im Schrank)

Bsp.: Bei Tennisspielern ist das IVS sehr ausgebildet, weil Bewegungsabläufe automatisch / intuitiv ablaufen.

Objekterkennungssystem (OES): Linke Hemisphäre, endet im inferotemporalen Cortex.

Ich setze mich mit mir selbst auseinander ⇒ Reflexion ⇒ egoistisch

  • Modalitätsspezifisch, allozentrische Wahrnehmung (Verlagern eines Obj. Relativ zur stabilen Umwelt) (Probleme, die noch gar nicht da sind, löst man schon)
  • vergangenheitsorientiert (Vergleiche, Wiedererkennen, alte Gebäude und Geschichten spannend finden)
  • Kontextabstraktion (Wiedererkennen von Objekten in unterschiedlichen Kontexten, Kontextabstraktion)
  • Entkopplung der Motorik (wichtige Voraussetzung für Problem lösendes Denken), Orientierungsreaktion
  • Explizites Erkennen, Kategorisierung (ja/nein, unter/über), explizites Ich als Objekt ("Ich bin Studentin")


Woher weiß man nun genau, dass es diese beiden Systeme gibt?
Empirische Evidenz:
Goodale & Milner (1992): Patientin mit Läsion im okzipital-temporalen System. (ventral), hatte visuelle Objektagnosie. Sie konnte die Finger nicht nach der Größe spreizen, aber das Objekt bei Aufforderung ergreifen.
IVS-Dominanz = Bei Bewegung hohe Intelligenz - beste Einfälle
OES-Dominanz = "Couchpotato" hat beste Einfälle bei niedriger Anstrengung
Jüngere Kinder sind eher von OES dominiert, ältere Kinder eher von IVS (Exploration)
Pathologie: Dominanz automatische Steuerungsebene führt zu Zwangsstörungen (Regulierungswut, Übergenauigkeit, Entweder-Oder-Denken, Prinzipienreiterei, Fundamentalismus)
Kommt negative Emotionalität hinzu ⇒ empfindsamer Typ (Lageorientierung)
Kommt positive Emotionalität hinzu ⇒ intuitiver Typ (Verschmelzung, projektiver Eozentrismus)

Systemebene 2: Temperament

Verschiedenste Temperamentsbegriffe: z.B. bei PLOMIN Aktivität und Geselligkeit (= Extraversion bei EYSENK) sowie Emotionaltät (= Neurotizismus bei EYSENK).
PSI: Temperament: subaffektiv, globale Aktivierung motorischer und sensorischer Systeme, inhalts-unspezifisch, keine feste Anreizbindung an Objekte, unspezifische Bahnung, keine feste Anreizbindung an Objekte also ungleich Affekte.
Affekt: Hund toll = immer toll = feste Anreizbildung vs. Temperament: Blumen von Mann X toll, aber von Y nicht!
Formatio reticularis: Stromzentrale für alles ⇒ alle verschiedenen Verhaltensprogramme werden hochgefahren

T+: Motorische Aktivierung, bahnt IVS (motorischer Cortex im Frontalhirn)
T-: Sensorische Erregung (Nervosität), bahnt OES


Neurobiologische Trennung von T+ und T-:
Messung lateraler Bereitschaftspotentiale (LRP). Diese Potentiale werden über Elektroden an den motorischen Arealen des Frontalhirns kurz vor der Initiierung der Bewegung abgeleitet. Die motorische Bereitschaft wird nicht durch Prozesse beeinflußt, die sensorische Erregung steigern. Z.B. vor Klausur: T-, T(+); oder nach dem Sport: T(-),T+
Broadbent & Gregory (1965): Weißes Rauschen verbessert die Objekterkennung (durch T-). Wirkung der Erregung auf OES. Jedoch nur, wenn automatischer Prozeß ("alle Ziffern erinnern" statt bewußtes und konzentriertes "nur bestimmte Ziffern erinnern").
Beziehung von IVS und T+:
T+ stimuliert die IVS, nicht das OES. T+ aktiviert global alle verfügbaren Routinen der IVS, so wird das Verhalten oberflächlicher, impressionistischer. Personen mit erhöhtem Temperament (T+) spulen solche intuitiven Verhaltensprogramme häufiger, aber auch oberflächlicher ab (Geselligkeit). Extravertierte sollten also besonders gute Leistungen bei automatisierten Aufgaben (wie auch sozialer Interaktion) zeigen.

Anreizbildung und Temperament - Anreizbildungshypothese:

Feste, objektloyale Anreizbildung: Affekte entstehen ohne Beteiligung des Temperaments; das Objekt löst bei zukünftigen Gelegenheiten den Affekt automatisch aus (KK: S-R-Veknüpfung, dauerhafte Affektbesetzung, Amygdala).
Opportunistische Anreizbildung: Affekt entsteht nur durch Vermittlung des Temperaments, dabei wird das Objekt zukünftig nicht automatisch den Affekt auslösen, sonder nur wenn globale Aktivierung vorherrscht.

Konzentration = Inhibition der automatischen lateralen Hemmung in IVS und OES. (z.B. sich auf mehrere Möglichkeiten konzentrieren müssen). ⇒ übergeordnetes oder kontrollierendes System muss eingreifen
Handlungswechsel: Aufhebung der lateralen Hemmung, die verhindert, daß eine Handlung zu früh abgebrochen wird. Auch "Beweglichkeit des Temperaments" (Fähigkeit, das Verhalten veränderten Bedingungen anzupassen; Umkonditionierung).

4-Faktorenmodell von Thayer (1978):

  1. globale Aktivierung (lebendig, spritzig, aktiv) ⇒ T+
  2. De-Aktivierung/Schlaf ⇒ T (+)
  3. Hohe Aktivierung / Erregung (zappelig, nervös, ängstlich) ⇒ T-
  4. Globale De-Aktivierung / Entspannung ⇒ T(-)

Spazierengehen (motorisch) erhöht globales Maß an Aktivierung
1&2 Verhalten sich orthogonal zu 3&4, d.h. 0-Korrelation! 2 Paare gehören immer zusammen!
Bsp.: 1&2 korrelieren miteinander, denn Selbstüberschätzung und Selbstunsicherheit können zusammen auftreten.

Eysenck: Beziehung zwischen Extraversion und Temperament:
Eysenck faßte die beiden Temperamentstypen zusammen, weil er annahm, daß eine erhöhte motorische Aktivierbarkeit (Impulsivität, T+) aus einer niedrigen sensorischen Erregbarkeit (T-) folgt (= Extraversion) D.h. Extravertierte wollen niedrige sensorische Erregbarkeit durch motorische Aktivierung steigern und umgekehrt. Menschliches Verhalten von Eysenck wurde nur bis zur 2. Systemebene erklärt - zu wenig!

Korrelation zwischen Extraversion und Erregung (Mattewhs, Davies, Lees, 1990):
Experimentelle Überprüfung von Eysencks Erregungshypothese.
Erwartung: E und sensorische Erregung korrelieren negativ, ABER der Befund zeigt eher positive Korrelation!
Vpn gaben selbst an wie sie sich fühlten ⇒ subjektives Erregungsniveau!
Aufgabe: target detection (auf EIN Ziel achten)
UV: hohe / niedrige Aktivierung
AV: Erkennungsleistung

  • Extravertierte morgens besser als abends (Extravertierte brauchen morgens Kaffee, dann gute Leistung)
  • Introvertierte abends besser als morgens (Introvertierte sind morgens fit, Kaffee übererregt ⇒ schlechtere Leistung)
  • Hohe Aktivierung: Extravertierte und Introvertierte gleich, Introvertierte aber abends besser
  • Niedrige Aktivierung: Extravertierte morgens besser, abends Extravertierte und Introvertierte gleich

ABER:
Diese Effekte treten nicht auf, wenn die Aufgabe komplizierter wird, also wenn höhere Funktionen eingeschaltet werden. Daher ist Esencks Theorie nicht bestätigt.
Ergebnisse waren nur signifikant, wenn die Targets unscharf dargeboten wurden. Nur hier verbesserte motorische Aktivierung die Leistung. Also ist die Tageszeit egal, weil keine sign. Ergebnisse!

Bei Aufgaben, in denen Reaktionsbereitschaft oder Aufmerksamkeit für mehrere Stimuli über längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden muß ("Voraktivierung" aller Reaktionsmöglichkeiten, kontrollierte Prozesse des Arbeitsgedächtn.)
⇒ laterale Inhibition außer Kraft setzen ⇒ dazu zentrale Exekutive nötig ⇒ braucht nötige Aktivierung ⇒ fehlt bei Extravertierten morgens ("Morgenmuffel") und bei Introvertierten abends, um gute Leistung zu bringen
Externe Stimulation schadet (d.h. kommt i.d.F. der IVS zugute), wenn Person gar nicht müde: E-abends, I-morgens)
Abends: Wechselwirkung! Also: Erregung und I vs. E sind tageszeitspezifisch.

Motorische Aktivierung bahnt die IVS: unscharfe Darbietung bei der Aufgabe
Sensorische Erregung bahnt das OES.
ABER: Hier sind durch die motorische Reaktion bei der Aufgabe OES und IVS konfundiert (nicht "rein"). Man müßte sich während der Aufgabe die Targets nur merken statt Taste zu drücken.
UND: 1. Exp. spricht durch Selbstbeurteilung höhere Systeme an, 2. Exp. spricht durch einfache Endeckungsaufgaben niedere Systeme an ⇒ hier Wechselwirkung!
Wechselwirkung gilt nur für "Konzentrationsaufgaben, die eine aktive Beseitigung lateraler Hemmung erfordern: Müdigkeit erschwert diese volitionale Tätigkeit bei Extravertierten morgens, bei Introvertierten abends

Systemebene 3: Motivation und Bedürfnisse

Bedürfnis = subkognitiver und subaffektiver Melder für Ist-Soll-Wert-Diskrepanzen; auf Objekte mit Befriedigungspotential ausgerichtet; Indikator für erfolgreiche Aktivitäten (z.B. Fell befriedigt keinen Hunger, auch wenn OES das Fell als "Fleisch" erkannt hat).
Anreizmotivation = Objekte, die Befriedigung hervorgerufen haben, erzeugen positiven Affekt und bahnen aufsuchendes Verhalten (Konditionierung); AM ermöglicht schnelles Reagieren auf bedürfnisbefriedigende Objekte
⇒ Handlungssteuerung nicht mehr unmittelbar von Reizeigenschaften (z.B. Geruch von Fleisch beim Fell) abhängig

Bedürfnis versus Temperament: Haben beide Einfluß auf IVS, aber ...

  • Bedürfnisse sind zielgerichteter (energetisieren nicht alle Verhaltensroutinen der IVS)
  • Bedürfnisse haben andere Zeitdynamik (kurzzeitiges Sinken nach Befriedigung)
  • Bedürfnisse lösen je nach Befriedigungsschicksal positiven oder negativen Affekt aus, der wiederum Einfluß hochinferenter Ebenen auf Verhaltensroutinen modulieren.

 

Der Verlust von Anreizen senkt A+ -> A(+)
Die Beseitigung von aversiven (Ist unter Soll) Reizen senkt A- -> A(-)

Vom OES zur IVS: Zielvorgabe
Von der IVS zum OES: Rückmeldung

Positive Ist-Soll-Wert-Diskrepanzen aktivieren das Belohnungssystem (Anreizmotivation), negative Diskrepanzen das Bestrafungssystem.
Positiver Affekt bahnt die IVS, negativer Affekt das OES.

Verhaltensbahnenende Systeme - 4 Formen der Verhaltensenergetisierung:

Bahnen des Neurotransmitters Dopamin, der mit verhaltensbahnendem System in Verbindung gebracht wird, ziehen sich vom Ursprungsort im Hirnstamm (substantia nigra, mediales Vorderhirnbündel) zu Teilen des Gehirns, die an verschiedenen Formen der Verhaltensbahnung beteiligt sind:

  • Nigrostriatales Dopamin-System: endet in den Basalganglien. GEWOHNHEIT / S-R-Verknüpfungen, keine Assoziation mit positiven Anreizen oder Selbtrepräsentationen.("man macht")
  • Mesolimbisches Dopamin-System: A+ / endet in der Amygdala. Anreizbasierte Verhaltensenergetisierung. Verschaltung von objektrepräsentierenden Systemen und affektgenerierenden Systemen: Anreizbildung, auch Angst. ("Lust auf ...")
  • Mesocortikales Dopamin-System (prämotorisch): endet im motorischen Cortex im Frontalhirn. Allgemeine motorische Aktivierung. Keine Programmierung von Bewegungen, willkürliches Handeln. Keine Berücksichtigung von Werten und Zielen aus dem Präfrontalen Cortex. ("Ich mache...")
  • Mesocortikales Dopamin-System (präfrontal): endet im präfrontalen Cortex. Kann unabhängig von Anreizmotivation gesteuert werden. Rechts: Selbstwahrnehmung, freier Wille. Zentrale Steuerungsfunktion, selbstkongruentes Handeln. ("Ich will ..."). Handlungswechsler

RH = Selbstbild (unbewusst/ vorbewusst)
LH = Selbstkonzepte (bewusst)

Hedonistisches (lustbetontes) und willentliches Handeln haben eine gemeinsame energetische Basis (A+), wenn A+ nicht da ist, stehen nur noch Gewohnheiten zur Verfügung (Flucht von "ich" in "man" - Durchschnittliche Alltäglichkeit) ⇒ Zwangspatienten! Bei Depressionen kann auch A+ verloren gehen!

Intrusive Gedanken: Konzentration nicht möglich, aus verschiedenen Richtungen, auf viele Objekte/Sachverhalte gerichtet (A- hemmt EG)
Grübeln: Man bleibt auf einem Objekt hängen (A- und T- wirken) Das hochinferente System hindert das elementare daran Prozesse weiter zu führen!
Intrusive Gedanken korrelieren mit A- (traurig, hilflos) und Grübeln korreliert höher mit A- und mit T- (aufgeregt)

Sucht: Positive Affekte und Anreizmotivation müssen nicht verbunden sein. Sucht: Extreme Übersteigerung der Anreizmotivation, ist nicht immer mit positivem Affekt verbunden. Entsteht wenn Anreizbindung ohne Bedürfnis aktiviert ist.

Motivationales System braucht neben Lateraler Hemmung auch Handlungswechsler.

Unterscheidung von latenter Hemmung und lateraler Hemmung:
Latente Hemmung = Begriff aus dem Lernen, Reizpaarung wird nicht möglich, weil gehemmt;
Laterale Hemmung = Begriff aus Neurobiologie, um Wahrnehmungsphänomene zu erklären (Würfel trotz 1 Perspektive)

Funktionsmerkmale des Belohnungssystems A+ und neurobiologische Befunde:

  • Bahnung instrumentellen Verhaltens: Ratten drücken vermehrt Hebel für Futter, wenn Dopaminagonist verabreicht wird, z.B. Kokain
  • Flexibilität: Dopaminagonisten beseitigen Hemmung irrelevanter Informationen
  • Neugiermotivation: Einzelneuronableitung /Injektion dopaminerhöhender Substanzen -Y Rolle des Nucleus Accumbens bei neuen Reizen
  • Lernbereitschaft: Mißerfolgsrückmeldungen -> Aktivität des Nucleus Accumbens
  • Selektive Aufmerksamkeit

Nikotin verstärkt dieses System, also auch extravertierte Haltung und kurzfristige Belohnungssensitivität.

Fox & Davidson (1987): Neurophysiologische Trennung von A+ und A-:
Freude bei Annäherung der Mutter korreliert mit linksfrontaler Aktivierung im EEG (Reduzierung der Alphawellen).
Kummer, wenn die Mutter weggeht, korreliert mit rechtsfrontaler Aktivierung.

Gray: Extraversion liegt Belohnungssensitivität zugrunde. Belege:

  • Korrelation 0,88 zwischen Extraversion und Geschwindigkeit der Penisreaktion
  • Belohnung: Extravertierte erhöhten Leistung
  • Bestrafung: Introvertierte erhöhten Leistung
  • Nach Bestrafung hatten Extravertierte höhere Hoffnung auf Erfolg


Gupta & Nagpal (1978): Belohnung / Bestrafung
Extravertierte sind belohnungssensitiv und Introvertierte sind bestrafungssensitiv
Belohnungs- und Bestrafungssensibilität sind nicht antagonistisch (befinden sich nicht auf einer Ebene), sondern sie sind orthogonal, also unabhängig voneinander.
Jedoch besteht eine Wechselwirkung, aber nur, wenn Vpn auch Neurotizisten waren.
(Neurotizismus: besorgt, unsicher, selbstmitleidig)

Basisaffekte - Belohnungs- und Bestrafungssensitivität
Gray: Statt bipolarer besser 2 orthogonale Dimensionen für positiven und negativen Affekt: aversive Stabilität (empfindsam vs. robust) und Belohnungsreagibilität (freudig vs. nüchtern) plus eigener Systeme.
Belege: 2 Depressionstypen
Angstvolle Depression: Überfunktion des Bestrafungssystems
Unipolare Depression: Unterfunktion des Belohungssystems (Antriebsschwäche, Handlungslähmung)

Neurophysiologische Separierung:
Belohnungszentren: Nucleus accumbens, mediales Vorderhirnbündel; Dopaminagonisten (stärken verhaltensbahnende Belohnungseffekte) vs. Dopaminantagonisten (schwächen)
Vgl. Olds & Millner
Bestrafungszentrum: Cholinerge, GABAerge Substanzen: Bestrafung. Nach Unterbrechung der Verbindung zwischen Hippocampus und medialem Septum ist die Bestrafungssensitivität herabgesetzt

Die affektiven und temperamentsbedingten Dispositionen beschreiben nicht die Grundstimmung, sondern Formen der Streß- und belastungsbewältigung.

Funktionsmerkmale des Bestrafungssystems A-

  • Passive Vermeidung: Steigerung aktiver Meidungsreaktionen oder Unterdrückung bestrafter Reaktionen
  • Löschung: zusätzliche Bahnung unter entspannten Bedingungen
  • Sensorische Sensibilisierung: verhaltenshemmende Wirkung, die Organismus vor riskanten Aktionen schützt


Dissoziation von Belohnungs- und Bestrafungsaffekten
A(+) wird von Frustration und dem Verlust positiver Reize ausgelöst und bewirkt eine Hemmung der Umsetzung schwieriger Absichten.
A- wird durch Bedrohung ausgelöst und hat eine Beeinträchtigung des Einflusses impliziter Wissensnetzwerke auf die Verdrängung unstimmigkeitsmeldender Empfindungen zur Folge.

Systemebene 4: Top-down vs. Bottom-up

Die 4.Systemebene liegt zwischen den drei elementaren und den drei hochinferenten Ebenen. Je nach kumuliertem Einfluß der jeweiligen Ebenen entscheidet sie über ein progressives oder regressives Vorgehen

Top-down-Verarbeitung: hochinferente Informationen, um Elementares zu lösen.
Progression: (top-down) Dominanz hochinferenter über elementare Prozesse
Stärkere Ausprägung des Bedürfnisses nach Autonomie und Selbstbehauptung als des Bedürfnisses nach Sicherheit. Überwiegen des ganzheitlichen über den analytischen Verarbeitungsstil. Relativ starke Bahnung von Selbststeuerungsfunktionen (Emotionskontrolle) gegenüber Volitionshemmung (LOM), sodaß Verdrängung aversiver Inhalte von oben nicht unterstützt wird. Die 3 oberen Systemebenen sind beteiligt ⇒ niederinferente Systeme sind abgeschwächt.

Bottom-up-Verarbeitung: elementare Informationen, um Hochinferentes zu lösen.
Regression: (bottom-up) Dominanz elementarer über hochinferenter Prozesse
Starke Aktivierung des OES wegen der Konfrontation mit einem auffälligen und unbekannten Objekt.
Hohe Erregbarkeit T-. Hohe Sensibilität des Bestrafungssystems A-. Die unteren 3 Systemebenen sind beteiligt ⇒ hochinferente Systeme sind abgeschwächt.

Stark aktiviertes IG: Antagonistisch zu IVS. Handlung ist abgekoppelt, hohe Aktivierung des OES.
Pathologisch: Man kann vor lauter Grübeln nicht handeln. A+ hemmt die Hemmung des IGs auf die IVS.

Funktionsanalytische (PSI) versus psychoanalytische Sichtweise
Funktionsanalytisch ist Regression nicht immer gleichbedeutend mit unreifem Verhalten - sie ist also wertneutral. Regression kann je nach Situation angemessen und adaptiv sein (vor Gefahr schützen) oder nicht.

Repression versus Sensitization (Byrnes)
Individuelle Unterschiede zwischen der Tendenz zur Unterdrückung von oder Sensibilisierung auf bedrohliches Material (Gleichgewicht hoch- vs. niedriginferenter Prozesse). Beseitigung negativen Affekts nicht selbstgesteuert, sondern automatisch (z.B. durch Flucht in A+).

Funktionaler Ort der Lageorientierung /Handlungsorientierung:

Verbindungsstrecke zwischen IG und IVS: Belastung führt zu A(+). A(+) aktiviert das IG und hemmt die Verbindung zur IVS. Solange A(+) nicht herauf reguliert [HOP, Selbstmotivierung] werden kann, bleibt diese Hemmung bestehen [LOP].
Verbindungsstrecke zwischen EG und OES: Bedrohung führt zu A-. A- aktiviert OES, kein Zugang zum Selbst. Hemmung bleibt bestehen [LOM], solange A- nicht herunter reguliert wird [HOM, Selbstberuhigung].

Determinanten der Regression:
Extraversion: Sensibilität für A+
Neurotizismus: Sensibilität für A-

LOP (5-7): starke Ausführungshemmung, sobald IG belastet wird. (schwache Selbstmotivierung unter Belastung)
LOM (1-3): mißerfolgsbezogen, schwache selbstgesteuerte Verdrängung, (EG hemmt Wahrnehmung -> Verdrängung)
Repression / Sensitization: starke automatische Verdrängung. Direkte Verbindung von A- zu A+: Flucht in A+, sobald Angst da ist.
vs. Introvertierte: Sensibilität für A(+), smoit elementare Verarbeitung hier gehemmt, keine Regression!

Unterschied zwischen Sensibilisierung und Lageorientierung

Obwohl beides dynamische Parameter sind, zeichnet sich Sensibilisierung durch eine allgemeine Reakionshemmung aus, während bei der Lageorientierung nur selbstgesteuerte Handlungswechsel betroffen sind (siehe Hemmung der IVS).
Versuch von Susanne Dibbelt: Dissoziation von Repression/Sensitization und Handlungsorientierung
Cursor immer zum nächstgelegenen Ziel bewegen, das plötzlich auftaucht. IG ist belastet. (in Kontrollgruppe ohne Belastung)
Selbstgesteuerter Wechsel: Neues Ziel ist gleich weit wie altes -> trotzdem Wechsler? ⇒ für Lageorientierung-Erkennung? Reizgesteuerter Wechsel: neues Ziel ist näher oder weiter.
LOP erschwert Handlungswechsel nur, wenn er aus dem Selbst initiiert werden muß.
Dispositionelle Verdrängungsneigung wirkt unabhängig davon, ob das Selbst involviert ist. Sensibilisierer hatten eine allgemeine Reaktionshemmung.

Sozialisationsabhängigkeit dynamischer Parameter:

Extra-/Introversion & Neurotizismus: Genetische Einflüsse. Strukturelle Parameter Handlungs-/Lageorientierung, Repression: Sozialisationseinflüsse. Dynamische Parameter, Verbindungsstrecken zwischen hochinferenten und affektgenerierenden Systemen. Gleichzeitige Aktivierung zweier Systeme (Kontinguitäts-Prinzip).

  • Lageorientierung: Aversive Reize wurden auch nach Selbstäußerung nicht herab reguliert.
  • Handlungsorientierung: Aversive Reize wurden sofort nach Selbstäußerung herab reguliert.
  • Represser: Aversive Reize wurden auch ohne vorherige Selbstäußerung sofort herab reguliert (automatisiert).

Nach der PSI Theorie müssen nicht alle Formen der Verdrängung selbst- oder ich-gesteuert sein, sie kann auch ungewollt, durch nicht hochinferente Prozesse vermittelt sein.

Korrelationen zwischen Regression und Persönlichkeit:
Positive Korrelationen zwischen Repressern und verschiedenen Verdrängungen: Aktivierung (SE 3), Extraversion (SE 3), Gewissenhaftigkeit (SE 1) ⇒ Regression durch die Dominanz = "Selbstvermeidung" (nur bei emotionaler, nicht aber bei physischer Bedrohung. ALSO: mein Selbst wird vermieden, wenn ich emotional bedroht bin = Represser
Negative Korrelationen: Represser mit Neurotizismus

Selbstregulierte Verdrängung und Handlungsorientierung

Messen ereigniskorrelierter Potentiale. ERP Komponente (P600) als Korrelat selbstregulierter Verdrängung. Nur bei Handlungsorientierung. Streß wird durch aversive Worte induziert, dann Aufgabe bearbeiten. Handlungsorientierte zeigen Erkennen des Wortes plus prompte Unterdrückung für die Dauer des Experiments (außer sie sollen explizit Wort beachten) ⇒ Leistung auch bei Streß!

Funktionen des Hippocampus:

  • räumliche Orientierung, kognitive Landkarten: Vögel, die ihr Futter verstecken haben größeren HC. Ratten mit HC-Läsion finden sich im Wasserirrgarten nicht zurecht.
  • Episodisches Gedächtnis: Speichen erlebter Episoden: HM mit HC-Läsion: Konnte sich nicht an bereits erlebtes Spiegelzeichnen erinnern, machte jedoch trotzdem Fortschritte.
  • Vergleichsoperator: vergleicht Wahrnehmungen des OES mit Erwartungen aus dem EG. HC könnte neurobiologische Grundlage der 4. Systemebene sein. Quelle der Verbindung zwischen Sensitivität für Diskrepanzen und OE. Bei hohem Streß und negativen Affekten ist HC gehemmt, Einfluß hochinferenter Systeme nimmt ab. Diskrepanzen zwischen hochinferenten Systemen und elementarenProzessen werden verstärkt.
  • Rolle beim Konditionieren emot./motor. Reaktionen auf zusammengesetzte Stimuli: komplexe Stimuli und Verhindern konditionierter Emotionen. Daß man vor dem Löwen im Zoo keine Angst hat, liegt am Hippocampus. Er ist für die Hemmung der S-R-Verbindung zuständig (bei komplizierten Reizen wie Löwe und Gitter, positive oder negative patterning). Vermeiden von emotionalen Generalisierungen.
  • Schnelles Lernen durch Veränderung bestehender Schemata (Akkomodation). Vorhandene Schemata qualitativ umstrukturieren, neues Wissen integrieren. Rasches Lernen. Neuigkeitsabhängig. EG und andere neocorticale Systeme werden unterschiedsensitiver, weniger rigide und übergeneralisierend!
  • Cortisolhemmung (Streßbewältigung)
  • Integierte Selbstrepräsentationen (Folge: frühkindlicher Stress beeinflusst Selbstentwicklung)


Langzeitpotenzierung: (aus: J.Ledoux - Das Netz der Gefühle)
Lernen besteht in der Verstärkung synaptischer Verbindungen zwischen Neuronen.
Wenn elektrische Impulse entlang des Axons eines Neurons zu den Endknöpfchen fließen, schüttet der Endknopf den Neurotransmitter aus, der sich an die Rezeptormoleküle bindet, die auf dem Dendriten des empfangenden Neurons sitzen.
Hat sich an die Rezeptoren des empfangenden Neurons genügend Transmitter gebunden, feuert dieses über sein Axon elektrische Impulse, die zum Feuern des nächsten Neurons beitragen, usw.
Nun stellt man sich zwei Neurone vor, die anatomisch miteinander verbunden sind, aber eine schwache synaptische Beziehung zueinander haben.
Das bedeutet: Wenn X feuert, könnte Y auch feuern, tut es aber nicht. Falls Y dann doch irgendwann feuert, wenn die Impulse von X bei Y ankommen, geschieht etwas zwischen diesen beiden Zellen:
Es entsteht eine funktionelle Bindung. Dadurch steugt die Wahrscheinlichkeit, daß beim nächstenmal, wenn X feuert, auch Y feuern wird.

Die elektrische Reizung der Bahn, die die Übergangsgebiete mit dem Hippocampus verbindet, löst im Hippocampus ein s.g. Feldpotential aus.
Das ist eine zusammengefaßte synaptische Reaktion jener Hippocampuszellen, die durch den Reiz aktiviert werden.
Durch einen Reiz mit besonders hoher Frequenz (Tetanus) wird die synaptische Verbindung zwischen Übergangsregion und Hippocampus verstärkt, und dies nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft.
LTP erfolgt nur, wenn durch eine Reizung einer Reihe von Inputs zu einer Zelle genügend viele Synapsen aktiviert werden. Die Inputs müssen kooperieren, um eine LTP hervorzurufen (Assoziativität).

Vergleichsoperator Hippocampus in der PSI-Theorie:
Fügt Informationen aus verschiedenen Systemen zu einem Ganzen zusammen. Entscheidet, was in das Gesamtbild aufgenommen wird und was nicht.

Zusammenhang zwischen Streß und Hippocampus:

Studie Flinn & England (1995): Kinder auf Dominikanische Republik ⇒ Ursachen der Regression:
Cortisol gilt als Korrelat für die Stressbelastung, somit sind Familienstrukturen, die eine hohe Cortisolkonzentration verursachen auch gleichzeitig Ursachen für schlechte Stressbewältigung im späteren Leben und Regression. Entfernte Verwandte als Bezugspersonen, Stiefvater & Stiefgeschwister sowie eine allein erziehende Mutter verursachen hohe Cortisolkonzentrationen. Dies führt zu einer Funktionsstörung des HC, der Emotionen und Gefühle beeinflusst.
Studie Manfred Spitzer: gestreichelte Ratten im Wasserlabyrinth. Selbst wenn man eine Gruppe von Ratten nur die ersten 2 Wochen ihres Lebens streichelt und danach alle gleich behandelt, macht HC-Aufgabe keine Schwierigkeiten, im Gegensatz zu den nicht gestreichelten Ratten, welche wachsende Probleme haben!

Welche Erlebnisse erhöhen die Cortisolkonzentration bei Kindern?
Schwere Bestrafung, Familienstreit, Erkältung mit Fieber, großer Streit mit Gleichaltrigen, Wohnungswechsel, mittlere Verletzung, Alkohol in der Familie

Daß man vor dem Löwen im Zoo keine Angst hat, liegt am Hippocampus. Er ist für die Hemmung der S-R-Verbindung zuständig (bei komplizierten Reizen wie Löwe und Gitter)
Bei Läsionen am Hippocampus kann man folgendes nicht mehr lernen:

  • positive Patterning (S1 + S2 werden belohnt, einzeln nicht)
  • negativ Patterning (S1 und S2 werden nur einzeln belohnt, zusammen nicht)
  • Umkehrungslernen (verlangen hochinferente Funktionen)
  • Aufheben einer Generalisierung (HC-Beeinträchtigung führt zu Generalisierung)

Extra-/Introversion & Neurotizismus: Genetische Einflüsse. Strukturelle Parameter
Handlungs-/Lageorientierung: Umwelteinflüsse. Verbindungsstrecken zwischen affektgenerierenden Systemen, die werden eher von der Umwelt beeinflußt.

Kann man ohne Systemebene 4 leben? Nein!
Um Verarbeitung aufrecht zu erhalten (sei sie progressiv oder regressiv) braucht man SE 4. Sie ist ein eigenständiger Mechanismus, der das Aufsummieren von SE1-3 und SE 5-7 leistet. SE 4 fungiert als "Kollektor", der die Summierungsbeträge sammelt und dann in die Richtung der Beträge verstärkt.

Neuigkeitsgrad eines Reizes: Neuigkeit unterstützt das Lernen willkürlicher Assoziationen (durch HC vermittelt). Neue Schemata müssen gebildet werden.

Bei Streß steigt Cortisolkonzentration. Mäßiger Streß aktiviert HC, dieser hilft bei der Cortisolreduktion durch sein Einwirken auf den Hypothalamus. Bei starkem, chronischen Streß und sehr hohem Cortisollevel reagieren auch wenig affine Typ II Rezeptoren im HC (geht schneller, je mehr Zellen bereits beschädigt, d.h. je langsamer Cortisol bereits herab reguliert werden kann). Typ II hemmt HC. Kognitive, emoti. Funktionen können nicht mehr erfüllt werden ⇒= Regression.
- siehe auch: Kazen-Seminar, "Streß und Kognition" -

Emotionale Dialektik: Ausgewogenes Wechselspiel zwischen positiven und negativen Affektlagen und ihrer Herabregulierung.

Systemebene 5: Motive

Motive = Bedürfniskern + Energie (T+/T-) + Anreiz + kognitive Repräsentation
lenken Verhalten und zeigen Handlungsmöglichkeiten auf.

Prototypikalitätsannahme / Prototypenannahme: Motive beeinflussen nicht nur durch ihre Bedürfniskerne, die mit angeborenen /gelernten Operationen verknüpft sind - sie vermitteln Systemkonfigurationen, um Befriedigungschancen für das jeweilige Motiv zu erhöhen. Motive als "Meta-Modulatoren", vermitteln Konfigurationen der Neuromodulatoren (Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Acetylcholin), deren relative Konzentration die Systemkonfiguration bestimmt.

Motive und prototypische Systemkonfigurationen

Anschlußmotiv: Bilden, Beibehalten, Wiederherstellen von positiven affektiven Beziehungen. Elementarer Kern: Bedürfnis nach Sicherheit. Horizontale Beziehungsgestaltung!
Klassisches Anschlußmotiv: geht mit Konfliktvermeidung einher. Nur Kontaktaufnahme, wenn Umgebung sicher und freundlich. Korreliert nicht mit Intimacy-Skala. Bedürfnis nach Schutz: Kontakt zu statushöheren Personen.
Es gibt eine positiv und eine negativ motivierte Variante des aufsuchenden Anschlußmotivs (negativ: Bedürfnisebene).
Meidende Form: (3 Formen sozialer Angst)

  1. Schüchternheit bei unvertrauten Personen (entspricht dem Sensibilisierer mit niedriger Aktivierbarkeit und hoher Erregbarkeit. Verstärktes OES, schwache IVS)
  2. Bewertungsangst bei vertrauten Personen
  3. soziales Desinteresse: geringes Bedürfnis nach sozialem Kontakt? Nach PSI ist die Hemmung subaffektiver Natur, d.h. das Bedürfnis nach Anschluß ist da, aber die Verbindung zwischen Bedürfnissen und affektgenerierenden Systemen gehemmt. Beim Leistungs- und Machtmotiv kommt dies nicht vor, da die vom Affektwechsel leben.

Borderline-Stil paßt hierher, da hohe Aktivierbarkeit und hohe Sensibilität für A+ und A-

Wodurch entsteht soziales Desinteresse?
Hemmung zwischen dem subaffektiven, bedürfnisgenerierenden System und dem aktievierungs- und affektgenerierenden Systemen vor. Dadurch ist das Bedürfnis durch pos. Anreize nicht erlebbar und umsetzbar. Trotzdem ist Anschlussmotiv vorhanden und sucht sich dann andere Wege zur Befriedigung (Manipulation anderer oder Leistung)
Borderline-Stil paßt hierher, da hohe Aktivierbarkeit und hohe Sensibilität für A+.

Machtmotiv: (begründet in Aggression) Disposition, das eigene Verhalten auf Befriedigungen hin auszurichten, die von der Kontrolle abhängen, mit der man andere beeinflussen kann. Hoher Selbstzugang und Herabregulierung von A-. EG und A+ ergeben prosoziale Form des Machtmotivs. Vertikale Beziehungsgestaltung!
Besteht aus Selbstbehauptung und sozialer Einflussnahmen. Auch Mutter Theresa war machtmotiviert!
Mißtrauisch-paranoider Stil paßt hierher, da rasche Herabregulierung von A- und Zugang zur Selbstrepräsentation (eigener Wille)
Leistungsmotiv: (begründet in Neugier) Bestreben, die eigene Tätigkeit in Auseinandersetzung mit einem Gütemaßstab auszuführen. Schwierige Aufgabe gelöst: Aufhebung der Hemmung von A+. Affektwechsel nur, wenn die Aufgabe bewältigt werden kann.
Erfolgsrückmeldung ins EG: Falls das Ergebnis nicht so toll ist, kann das EG Grübeln verhindern. Man kann Leistung von Arbeit unterscheiden, indem man den Gütemaßstab vs. Fließband vergleicht.
Schizoider Stil passt hierher, da Hemmung von A+, die analytisches Denken und explizite Intentionen bahnt.

Motive bestehen aus:

  1. Bedürfniskern
  2. Energie (T+ und T-)
  3. Anreiz
  4. kognitive Repräsentationen

Weiterentwicklung des TAT: der OMT
Ökonomischer (nur 15-20 Min.), Info über alle relevanten Ausprägungen der 3 Basismotive mit den 4 Hauptformen der Motivation (IG, EG, OES, IVS), Info über individuelle Verankerung jedes Motivs in der durch pos./neg. Emotionalität modulierten Systemkonfigurationen.

OMT Anschluß (Beziehung) Leistung (Kompetenz) Macht (Durchsetzung)
Selbstregulierter positiver Affekt
Wärme, keine affektive Fixierung, tätigkeitszentriert, intrinsisch
A1: Begegnung (Interaktion, freudiger Austausch) L1: Flow (intrinsisches Lernmotiv) M1: Führung (prosoziale Macht)
Anreizgesteuerter positiver Affekt, extrinsisch, anreizbasierte IVS
Leugnen: A(-) durch A+
A2: Geselligkeit (extravertiert, gute Stimmung) L2: Innerer Gütemaßstab (erkenntnisorientiert, Aufgaben lösen führt zu Stolz) M2: Status (opportunistisch, im Mittelpunkt stehen, Anerkennung)
Selbstgesteuerte Bewältigung von negativem Affekt
intrinsisch, implizite Ziele: EG
A(-): durcharbeiten von A-
A3: Umgang mit Zurückweisung (Verständnis für Schwächen) L3: Mißerfolgsbewältigung (Lernmotivation, pos. Sicht von Mißerfolgen, Probleme erkennen) M3: Selbstbehauptung (Gefühle äußern, Einfluß ausüben, entscheiden)
Bewältigung von negativem Affekt durch instrumentelles Handeln (Aktionismus), extrinsisch, explizite Ziele: IG A4: Vertrautheit (geliebt werden, Sicherheit, Nähe) L4: Druck (egebnisorientiert, soziale Bezugsnormen, nichts falsch machen) M4: Direktion (Pflichtgefühl, Angst vor Machtanwendung, Aktionismus)
Passive Bewältigung von negativem Affekt, Grübeln, Umgang mit Furcht, diskrepanzsensitives OES A5: Abhängigkeit (einsam, abgelehnt sein, nicht verstanden werden) L5: Mißerfolgsfurcht (Selbstkritik, gestreßt, ratlos, Hilfe bekommen) M5: Ohnmacht (Unterordnung, gehorsam, schuldig, krank, Bittsteller sein)

Ebene 1-2: Motiv mit positivem Affekt verknüpft
Ebene 3-5: Motiv mit mit negativem Affekt verknüpft

TAT und OMT besitzen laut Klassischer Testheorie keine Gültigkeit, weil sie nicht reliabel sind.
ABER Anwendung beweist, dass der Test Gültigkeit besitzt! (Korrelation zw. Motiv und entsprechender Verhaltensweise)

Systemkonditionierungsannahme & Reziprozität:
Reziprozität: ausgeglichenes Geben und Nehmen. Hatten Personen einen hohen Kennwert für Reziprozität, dann zeigten sie hohe intrinsische Motivation. Reziprozität stützt Systemkonditionierungsannahme: Folgt in der Kindheit auf Selbstausdruck (positiv oder negativ) prompt eine angemessene Reaktion seitens der Eltern, dann ergibt sich eine Stärkung der Verbindung des Selbst zu affektregulierenden Systemen (Selbstmotivierung, Selbstberuhigung).

Beseitigung der Stroop-Interferenz:
Doppelte Stroop-Aufgabe spricht das IG an. Automatische Reaktion muss unterdrückt werden. Positiver Prime (aber nur leistungsthematisch ⇒ prototypisch absichtsgedächtnis & Leistung) hemmt die Hemmung zwischen IG und IVS.

Baumann, Kaschel, Kuhl (2004):
Diskrepanz zwischen impliziten Motiven und bewussten Zielen. Oder: Können Ziele krank machen?
Affektregulationsschwäche (LOM + Streß) -> psychische Symptome
LOM: Hohe Diskrepanzen bei Streß. Mehr Symptome (psychosomatisch)bei falscher Zielsetzung & Abweichung
Ja, Ziele können krank machen, wenn sie von dem Leistungsmotiv abweichen und Alltagsstress mitwirkt.

Systemebene 6: Denken und Fühlen

Denken und Fühlen bei Jung
Rationale Prozesse (im Gegensatz zum irrationalen "Intuieren" und "Empfinden"). Die PSI Theorie schlägt die weniger wertenden Begriffe "hochinferent" vs. "elementar", je nach Ausmaß der Integration zu komplexen Repräsentationen, vor.

Denken (IG):

Hochinferente, symbolische Repräsentationen

  • sprachabhängig, hierarchjisch, sequentiell, präzise
  • keine Lückenresistenz (wenn etwas nicht stimmt ist alles komisch), schnelles Lernen, langsame Anwendung
  • linkstemporale, sequentielle Mikromodule
  • Baustein binär: Vergleich von 2 Inhalten, daraus werden Hierarchien gebildet, bei mehr als 2 geht das nicht mehr

Emotionsentkopplung

  • bei Inhibition des rechten PFC (durch hohe Bestrafungsaktivierung)

Somatosensorische Entkopplung

  • Körperwahrnehmung reduziert
  • Inhibition postzentralen Transfers in präfrontalen Systemen

Dawson & Schell: Linke Hemisphäre ist nicht mit autonomen Nervensystem verbunden. Bei Inhibition des rechten Präfrontalen Cortex: Emotionsentkopplung. Somatosensorische Entkopplung bei Hemmung der Impulse.

Fühlen (EG):

Holistische, subsymbolische Repräsentationen

  • langsames Lernen, rasche Anwendung, erfahrungsabhängig
  • impressionistisch, Prototypen (Wissen auch angewendet, wenn Angaben vom erlernten Prototypen abweichen), robust (graceful degradation)
  • rechtstemporale, rechtsfrontale Netzwerke

Unabhängigkeit vom Arbeitsgedächtnis
Enge Verflechtungen mit Emotionen und mit somatosensorischen Markern
Intuition

  • Basalganglien

Partielle Explizierbakeit

  • rechtsfrontal

Weit gestreute Aufmerksamkeit (kongruenzorientiert)

  • rechtsfrontal

Rekombinierbarkeit (einzelne Bestandteile hineinzoombar)
BSP: Fühlen erlaubt Integration auch widersprüchlicher Aspekte in eine Wissenslandschaft (trotzdem hinterher wieder dekomponierbar, einzeln abtastbar) ⇒ emotionale Dialektik.
Hingegen: Phanömen der "Spaltung" (Borderline); Dominanz des Intuierens statt Fühlens; keine Integration; abruptes Wechseln zwischen Gefühlen

Mastery Orientation: Meistern von Herausforderungen; paßt zum Fühlen, da unscharfes und implizites Lernen; dabei rational aber nicht analytisch, ganzheitlich aber nicht algorithmisch, schwere Aufgaben als Herausforderung

Unterschied zwischen EG und Fühlen Das Fühlen sind Strukturen, die bei der Interaktion des EG mit diskrepanter Objektwahrnehmung entstehen; hochinferente Wissensrepräsentation.
Das EG kann aber auch unabhängig vom Ausmaß der Interaktion mit diskrepanter Wahrnehmung beschrieben werden (so wäre es bei wenig Integration/Kommunikation eben "flach"). Es steht für die kognitive Komponente des Fühlens. Seine ausgedehnte Vernetzung ermöglicht eine Vielzahl potentieller Selbstbezüge und somit Kreativität, Flexibilität, intrinsische Motivation.

EG: Meßbar durch Erkennen von Zusammenhängen ab 3 Dingen
3 Worte -> Zusammenhang erkennen.

Deeman: Operationalisierung des EG: Summationspriming
1.Primetyp: nur alle drei Wörter zusammen haben starke Beziehung zum Target (foot, cry, glas - cut)
2.Primetyp: nur ein Wort hat Beziehung zum Target (none, scissor, wheather - cut)
3.Primetyp: unzusammenhängend
Target wurde entweder rechts oder links vom Fixationspunkt dargeboten

  • Rechtes Gesichtsfeld ⇒ LH: 2. Primetyp mehr Effekt, monosemantisch d.h. nur eine Bedeutung
  • Linkes Gesichtsfeld ⇒ RH: 1. Primetyp (Summantionspriming) mehr Effekt, polysemantisch
  • rechts: LH: 2. Primetyp wirkte am besten (weil nur 1 Wort ⇒ IG). Konfigurationsüberlegenheitseffekt
  • links: RH: 1. Primetyp wirkte am besten (weil 3 Wörter ⇒ EG). Konfigurationsüberlegenheitseffekt


Bolte (1999): Traurige / Fröhliche Stimmung Target rechts ⇒ LH: bei trauriger Stimmung 2. Primetyp am wirksamsten (IG aktiviert durch A(+))
Target links ⇒ RH: bei fröhlicher Stimmung 1. Primetyp am wirksamsten (EG aktiviert durch A+ bzw. A(-))
⇒ Beleg für 2. Modulationsannahme!

Sperry: Split-Brain-Patienten - "RH stützt im wahrsten Sinne das Fühlen"
Objekte im linken Gesichtsfeld konnten nicht identifiziert werden, wohl aber im rechten.
Fühlen der Objekte mit links: Patientin konnte so das Objekt wählen, das mit dem in der linken Gesichtsfeld identisch war. Es konnte also nur nicht benannt werden ⇒ Sprache in LH, räuml.Wahrnehmung in RH.
Also: linke Gesichtshälfte = Objekt, linke Hand = greifen
Fühlen in der rechten Hemisphäre: In der linken Hälfte wurde nackte Frau gezeigt: Patient kicherte, wußte aber nicht, warum ⇒ kein Benennen, nicht bewußt zugänglich, da Sprache LH.

  • Bessere Leistung der RH bei unscharfen (gerasterten) Bildern
  • Stärkere Aktivierung der RH bei Betrachtung unbekannter Gesichter
  • Kategorisieren vertrauter Objekte: LH (Objekterkennung, Präferenz vertrauter Personen)

 

LH RH
Sprachzentren räumliche Wahrnehmung
Präferenz vertrauter Personen stärkere Aktivierung bei unbekannten Gesichtern
eher analytisch eher ganzheitlich, holistisch


Levy & Trevarthen (1976): "Wähle den Reiz, der dem ersten ähnlich ist"
Rechtes Gesichtsfeld/LH: Objekte werden der Funktionen nach geordnet
Linkes Gesichtsfeld/RH: nach dem Aussehen ähnlcihe Objekte werden zueinander geordnet

Infoaustausch zwischen Hemisphären
Ist am besten, wenn positive und negative Affekte sich abwechseln und gleich stark sind. Durch Wechseln von A- zu A(-) oder von A+ zu A(+) entsteht ein Hemisphärenwechsel.
Beispiel:
Zwanghafte ⇒ A(+) ⇒ starke LH
Histrioniker ⇒ A+ ⇒ schwache LH

Unterschied Intuieren - Fühlen = 2 Formen der Intuition Gemeinsamkeiten: Modellierbar durch neuronale Netzwerke, begrenzt explizierbar (Fühlen "vorbewußt"), Verschränkung mit Gefühlen, bildhaft und Sitz in der RH.
Unterschiede:
Intuieren: naiv, esoterisch, Assimilation, Verschmelzung, Vermeiden von A-, geringer Zeitbedarf
Fühlen: rational, Akkomodation, Dekomponierbarkeit (Wechseln zwischen positiven und negativen Aspekten einer Sache), kontrolliertes Regulieren von A-

Archetypen (Jung): passen am besten zum Intuieren, da lediglich ahnen, kein bewußter Zugang
Chronifizierte Form der Phantasie: Ebenfalls dem Ahnen ähnlich; gleichzeitig positiver Anreiz (A+ bahnt IVS) und Unerreichbarkeit des Ziels (A- hemmt jegliche reale Ausführung).

Systemebene 7: Wille

Wille: Selbstwahrnehmung und Zielumsetzung
Zentrale Exekutive (Baddeley):

  • Koordination zwischen zwei gleichzeitig zu bearbeitenden Aufgaben ("Doppelaufgabentechnik")
  • Setzen von Filtern für die Gedächtnissuche (bei Herstellung von Zufallsfolge von Buchstaben)
  • Selektive Aufmerksamkeit (Bsp.: Erschrecken - automatisch - Signalverstärkung)
  • Kontrolle darüber, welche Informationen aus dem Langzeitgedächtnis in Bereitschaft gesetzt werden.

Wille: Führungszentrale Wille / Selbststeuerung hat Beziehungen zu allen Teilen des Systems.

Gegliedert in zwei Systeme:

  1. Selbstregulation (mit EG verknüpft, implizit, demokratisch (das Selbst reguliert))à Demokratie: integrative, ganzheitliche Eingliederung aller Systeme
  2. Selbstkontrolle (mit IG verknüpft, bewußte Absichten, autokratisch/fremgesteuert) (klassischer Willensbegriff)à Diktatur: innerer Führungsstil


Handlungskontrollstrategien: aus heutiger Sicht: nicht bewußtseinspflichtige Mechanismen der Selbststeuerung (Selbstaktivierung, Selbstmotivierung, Aufmerksamkeits- und Emotionsregulation, Selbstberuhigung).

Willenshemmung: Lageorientierung
Verhaltenshemmung: LOP. Chronische Dämpfung des Belohnungssystems, Stärkung des IG/analytischen Denkens, Selbstkontrolle (reduzierte Umsetzung von schwierigen selbstgewollten Zielen, Introjektion, Anspannung, Energie-defizit, Entfremdung).
Fühl-/Selbsthemmung: LOM. Überaktivierung des Bestrafungssystems, verminderter Zugang zum Selbst (Grübeln, Selbsthemmung, Druck, Rigidität).

Warum sind Lageorientierte fremdbestimmter?
Sie bleiben bei A- in der LH, so können sie fremde Erwartungen nicht bez. der Selbstkompatibilität prüfen. So auch Personen mit hoher Selbstkontrolle.

Wirkung von Mißerfolgserwartung auf das Grübeln von Lageorientierten
Aktivierung des Selbst durch Vorhersagbarkeit (Ereignisse vorhersagen wesentliche Funktion der Selbststeuerung), Vergleich früherer und jetziger Erfahrungen; durch "künstliches" Aktivieren des Selbst kann A- runterreguliert werden.



Unter Stress mischen sich die Karten neu: Fragebogenwerte für Selbstkontrolle und -regulation weichen von Verhalten ab!

Showers & Kling (1996): Wie kann man den Entwicklungsstand des Selbst ("Reife") messen?

Fragmentierte Organisation (Trennung neg. und pos. Aspekte) vs. Integrierte Organisation (pos. und neg. Aspekte sind integriert)
Pendeln zwischen positiven und negativen Aspekten beim Beschreiben selbstrelevanter Objekte.

Nach induzierter negativer Stimmung: Verbesserung der Stimmung war abhängig von:
UV: Aufgabe: Aktivierung des Selbst ("wer bin ich") vs. Ablenkung (rückwärts zählen)
Gewichtung positiver im Vergleich zu negativen Selbstaspekten
Selbstkomplexität (siehe Linville) (Differenziertheit des Selbst - viele Kategorien)
AV: Stimmungsverbesserung - Vergleich trotzdem genannter positiver zu negativer Selbstaspekten; Selbstkomplexität (siehe Linville)
⇒ auch positive Selbstaspekte ⇒ Integriertes Selbst; nur negative Selbstaspekte ⇒ fragmentiertes Selbst
Am besten: positive Selbstaspekte / Integriertes Selbst (Bsp.: + & - von Humanwissenschaften; + fürs Selbst)
Am schlechtesten: negative Selbstaspekte / fragmentiertes Selbst (Bsp.: Prüfungskandidat)

Optimisten (Rhapsodiker) können rasch den A+ generieren, denn A+ ist auf A- konditioniert. Aber: Sie verlieren dieser Fähigkeit mit der Konfrontation des schwachen Selbsts.
Optimisten können nicht so gut das Selbst reparieren, weil sie nie lange im A- bleiben.

Linville : Pufferhypothese

Selbstkomplexität "puffert" Streß, Energie verteilt sich auf größeres Netzwerk und "schwappt nicht über" (Spill-Over Hypothese).
PSI: komplexes Selbstsystem Zeichen für gute Entwicklung zugrunde liegender Strukturen (HC, rechts-präfronales System).

Personen mit "Selbstkontrollstil": wenig Selbstregulation
Selbstregulation = Selbstbestimmung (bilden selbstkongruenter Ziele), Selbstmotivierung (A+ herauf regulieren), Selbstberuhigung (A- Reduzierung), Selbstaktivierung (hochfahren globaler Energieversorgung), ... etc.

Höhere Umsetzungsrate von Absichten bei der Vorstellung negativer Folgen (Vermeidungsziel)
Seltener Selbstkompatibilitätsprüfung, weil die RH unter A- nicht aktiviert werden kann. Man weiß nicht, ob die selbstgesetzen Ziele auch selbstgewollt sind. Mangelnde Selbstberuhigung. Ziele werden nicht ins Selbst integriert (Druck von anderen Leuten)

PSI und Liebe:

System Merkmale Risiken
Empfinden (OES) Rücksicht, Selbstlosigkeit, Offenheit für Unstimmigkeiten, Schwäche, Leidenschaft Abhängigkeit, Fremdsteuerung
Fühlen (EG) Umsicht, Selbstbewußtsein, Stärke, Gelassenheit Unfähigkeit zur Selbstkritik, Sucht nach Anerkennung
Denken (IG) Einsicht, Problembewältigung Manipulation, Ausnutzen, Verlust der Lebendigkeit
Intuieren (IVS) Ansicht, Fantasie, Schwärmen, Begeisterungsfähigkeit Verschmelzung, Ich-Verlust, Unbeständigkeit


Selbststeuerungskompetenz:
Selbstregulation

  • Selbstbestimmung
  • Entscheidungssteuerung
  • Aufmerksamkeitssteuerung
  • Selbstmotivierung
  • Stimmungsmanagement
  • Aktivierungssteuerung
  • (Selbstaktivierung, Selbstberuhigung)

Selbstkontrolle

  • Zielverfolgung
  • Absichtskontrolle
  • Planen
  • Impulskontrolle
  • Initiieren


Faktoren der Volitionshemmung sind orthogonal zu den Faktoren der Selbststeuerung.
Selbstmotivierung: EG reguliert A + hoch, indirekt A(-) und besserer Zugang zum Selbst

Aktivierung des Selbst durch freie Wahl (Kontrollillusion - Lose)
Untersuchung von Festinger (1964): Dissonanz
Vpn beurteilten Objekte bez. Attraktivität. Danach konnten sie sich eins aussuchen. Dann wurde nochmal beurteilt, und das gewählte Objekt wurde als attraktiver eingestuft als vorher.
Selbstberuhigung: Aktivierung des Selbst durch Herabregulierung von A-

Festinger: Overjustification-Effect (1959):
Vpn im langweiligen Versuch sollten die Aufgabe anpreisen gegen Bezahlung.
Weniger Geld -> positivere Beschreibung. PSI-Erklärung: Vpn fühlten sich bei wenig Geld unwohler: A-
Aktivierung des Selbst -> Herabregulierung von A- bzw. raufregulieren von A+:: Selbstmotivierung -> Aufwertung des Versuches

Warum sind Lageorientierte fremdbestimmter?
Sie bleiben bei A- in der LH, so können sie fremde Erwartungen nicht bez. der Selbstkompatibilität prüfen. So auch Personen mit hoher Selbstkontrolle. (Druck von außen) selbstgewollte Ziele?

Selbstkongruenz: Aktivierung von Selbstattributen löst A+ und Akzeptanz aus; Aktivierung z.B. durch Spiegel, Anfangsbuchstabe des Namens etc.
Selbstberuhigung: Selbstgesteuerte Emotionsbewältigung. Aktivierung des Selbst durch Herabregulierung von A-; Integrieren schematadiskrepanter Erfahrungen; entwickeln eines koheränten Selbstsystems.

Selbststeuerungsinventar (SSI)
Entwickelt um festzustellen, ob Fragebogenkennwerte valide Werte für Selbststeuerungsfunktionen liefern können.

  1. Faktor: Selbstregulation lädt hoch, -Kontrolle mäßig
  2. Faktor: LOM. Form der Volitionshemmung
  3. Faktor: LOP. Form der Volitionshemmung
  4. Faktor: Volitionsvermeidung (Neigung ohne Selbststeuerung auszukommen)

Formen der Aufmerksamkeit

  • räumliche (IVS)
  • unstimmigkeitssensitive (OES)
  • kongruenzsensitive (EG)
  • absichtsorientierte (IG). Auch "kongruenzsensistiv", spiegelt konkreteres und nicht wie bei Vigilanzaufgaben schwammiges Ziel wieder

STAR-Modell:

Die meisten Störungen sind auf Extremkonfigurationen der Anreizdimensionen (A), der Temperamentsdimensionen (T) oder des anreizunabhängigen Systems (V) zurückzuführen.

 

Von Persönlichkeitsstil zur Störung:

Aggressive Persönlichkeitsstörung: A{+} & A(-)
Fixierung auf A(-) ⇒ kaum Bestrafungssensibel; mittlere Sensibilität für A+ (bei hoher Sensibilität: kaum Frustration, und Kontaktorientierung würde Aggressionen verhindern; bei niedriger Sensibilität: Handlungshemmung).

Paranoide Persönlichkeitsstörung: A(+) & A(-)
A+ ist niedrig wegen Frustrationserfahrung; analytisch. A(+) ⇒ Verhaltenshemmung, verhaltene Aggressivität. A(-) starkes Selbstbewußtsein, kaum inkongruente Erfahrungen (kein OES).

Schizoide Persönlichkeitsstörung: A(+) & A{-}
Selten Freude oder Ärger, wenig Interesse an anderen
A(+): Analytisch; wenig Interesse an anderen, Gleichgültigkeit; Willenshemmung.
Solange hochinferente und elementare Systeme gut zusammenarbeiten, besondere Akzentuierung auf der Erlebnisseite.

Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung: A(+) & A-
Bewußtes Angsterleben [A(-)] und kein Zugang zum Selbst bei gleichzeitigem analytischem Denken [A(+)] und Handlunghemmung. Grübeln.

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung: A{+} & A-
Überfunktion des Empfindens durch A-. Handlungsergebnisse werden nie als Erfolg anerkannt, weil das OES zu spezielle Ziele vorgibt.A{+} ist ideale Voraussetzung für Aktivierung der IVS und volitionale Absichtsunterstüzung ⇒ Unsensibilität für Anreizsystem, anreizunabhängige Verhaltensbahnung ⇒ Diktatur konkreter Ziele. Rigidität. Geiz als Zeichen extremer Zielfixierung (alles, was nicht konkretem Ziel dient ist überflüssig).

Schizotypische Persönlichkeitsstörung: A+ & A-
Sozialer Rückzug, telepatische Überzeugungen
Übersteigerte Anreizbindungssysteme: A+ ⇒ abkoppeln des planenden Denkens von der IVS, Zuschreibungsfehler führen zu übertriebener Fremdverursachung; A- ⇒ Intensiviertes Empfinden, kaum Selbstzugang.
Sogar neutrale Objekte werden als Bedeutsam erlebt (zuviel A+ und A-)

Rhapsodisch-histrionische Persönlichkeitsstörung: A+ & A{-}
Immer Verlangen nach Bestätigung, impressionistische Sprache
Ideale Kombination für Anschlußmotiv. Extreme Fixierung auf A+: Verhaltensaktivierung, Defizite beim Denken und Planen. Kann zu A(-) führen ⇒ Beeinträchtigung des dialektische Austausch.

Narzißtische Persönlichkeitsstörung: A+ & A(-)
Extremaktivierung des Selbst [A(-) ⇒ unkritisch] und impulsive Handlungsbereitschaft sowie Affiliationbedürfnis (A+).
A(-) : Selbstinkongruente Erlebnisse werden als von außen verursacht betrachtet ⇒ Wut, kaum Bestrafungssensibilität.

A(+): eigenwillig, zurückhaltend, selbstkritisch -> weniger Gefühlsansteckung durch den Partner
A(-): Fähigkeit zur positiven Umbewertung von negativen Eigenschaften. Eigenwillig, selbstbestimmt, ehrgeizig.
A-: selbstkritisch, sorgfältig, ahnungsvoll

Bestrafungsstile zeigen weniger Kenntnis des Partners, weil A- den Zugang zum EG reduziert (Repräsentation von Personen - selbst oder fremd - erfordert dieses System).
Egal, welchen Persönlichkeitsstil man hat und wie stark er ausgeprägt ist: Bei starker Selbststeuerung kann man immer aus der motivtypischen affektiven Lage des einseitigen Stils hinaussteuern (Emotionale Dialektik). Dadurch wächst das Selbstsystem (bei BL und PN) oder das ICH-System (bei SZ).
Das führt zu extremen Einseitigkeiten in den Persönlichkeitsstilenmit einer besonders starken intrinsischen (selbstbestimmten) Motivation, wenn die Selbststeuerung intakt ist! Wichtig ist nur die Erstreaktion, die entsprechend des Stils ausfällt. Bei schwacher Selbststeuerung kann man sich selbst nicht so gut beruhigen usw.

Die 4 kognitiven Systeme:

  Reizaufnahme (Erleben)
(afferent)
Reaktion (Verhalten)
(efferent)
komplex Holistisches Fühlen
(EG, implizites Selbst)
Analytisches Denken
(IG, explizites Ich)
elementar Diskrepanzsensitive Objekterkennung
(internal und external)
Intuitive Verhaltenssteuerung
(genetisch und erworben)


Die Interaktion der vier Systeme wird durch positiven und negativen Affekt vermittelt.
Die 4 Systeme, die durch Affekt aktiviert werden, bilden die Architektur, in der Motivation operiert (Haus und Bewohner).

Modulationsannahmen

  1. Heraufregulation von reduziertem A+ stellt die Verbindung zwischen IG und IVS her. (z.B. durch Selbstmotivierung bei Schwierigkeiten)
  2. Herabregulation von A- stellt die Verbindung zwischen EG und OES wieder her. (z.B. Selbstberuhigung, Integrieren von Widersprüchen)
  3. Ausführungshemmung durch IG
  4. Selbstberuhigung durch Selbst -> A(-)
  5. Selbstmotivierung durch Selbst -> A+
  6. Selbstverwirklichung durch emotionale Dialektik
  7. Je stärker und länger ein Affekt, desto komplexere Ebene wird aktiviert

Bedürfnisse und Motive generieren Affekt
A+ steigt bei Bedürfnisbefriedigung, A- steigt bei Nichtbefriedigung
Bedürfnisse und Motive aktivieren passende Systemkonfigurationen
Das Leistungsmotiv vermittelt A(+) (Frustrationstoleranz), das das Planen aktiviert, und es vermittelt A+, das das Handeln bahnt.
Motive sind integrierte Selbst-Repräsentationen von Bedürfnissen und relevanten autobiografischen Erinnerungen.
Das EG repräsentiert ausgedehnte Netzwerke von motivrelevanten Wissenstrukturen. (Handlungsalternativen, mögliche Handlungsfolgen). Dieses Netzwerk entspricht McClellands ursprünglicher Motivdefinition.

Übergreifend:

Wenn eine Person angibt, sie sei oft verletzt, grübele häufig, beobachtet gefährliche Situationen genau, dann fallen ihr auch ähnliche Situationen ein:

  1. starke Aktivierung des OES
  2. hohe Sensibilität des Bestrafungssystems
  3. hohe Erregbarkeit (Verstärkung der Sensibilisierung für A-)
  4. Die Sensibilisierung für bedrohliche Inhalte kann gesenkt werden durch...
  5. das Bedürfnis nach Selbstbehauptung, das stärker ausgeprägt ist als das nach Sicherheit
  6. der ganzheitlichen analytischen Verarbeitung, die überwiegt
  7. die Volitionshemmung (LOM), die Selbststeuerung schwächt, so daß eine Verdrängung aversiver Inhalte nicht unterstützt wird.

Kapitel 17: Selbstregulations-Ansätze

Experimentelle Evidenz für Verhaltenspriming:
Priming: Prozess, in dessen Verlauf ein System durch äußere oder innere Anlässe in erhöhte Funktionsbereitschaft versetzt wird.
Carver, Ganellen, Froming & Chambers (1983): VP sollten Sätze aus vorgegebenen, durcheinandergewürfelten Wörtern bilden. Eine Gruppe bekam Wörter mit feindseligem Inhalt, die andere Gruppe Wörter mit weniger feindseligem Inhalt.Danach sollten die VP einer anderen Person Schocks als Bestrafung in einer Lernaufgabe geben. Ergebnis: Die VP mit den feindseligen Wörtern gab stärkere Bestrafungen.
Bargh, Chen & Burrow (1996): Ähnlicher Versuchsaufbau wie oben: Eine Gruppe bekam Stereotype von älteren, andere Gruppe Stereotype von jüngeren Personen vorgelegt. Diejenigen, die mit Stereotypen von älteren Personen "geprimed" wurden gingen nach dem Experiment langsamer zum Fahrstuhl.
Interpretation: Um die Sätze formen zu können müssen die VP bestimmte Informationsknoten im Gedächtnis aktivieren. Diese Aktivität überträgt sich auch auf ähnliche Schemas, die sich auf die Qualität des Verhaltens beziehen. Daher beeinflusst die erhaltene Information das Verhalten, wenn die Person in eine relevante Situation kommt.

Ansätze zur verhaltenssteuernden Wirkung von Zielen:
Menschliches Verhalten ist auf Zielerreichung bezogen.
Die Ziele von Personen ...aktivieren ihre Energien;bestimmen die Richtungen ihres Verhaltens; geben dem Leben einen Sinn. à Das Selbst bildet die Ziele zum Teil mit und formt die Organisation der Zielerreichung.

Verschiedene Theoretiker verwenden unterschiedliche Namen:

  • Lebensaufgaben - life tasks. Cantor & Kihlstrom (1987).
  • Persönliches Streben - personal striving. Emmons (1986)
  • Alltägliche Belange - current concerns. Klinger (1987)
  • Persönliche Projekte - personal projects. Little (1989)

Ziele im Leistungsbereich:

  • Das Stecken von hohen Zielen führt zu einer besseren Leistung; im Vergleich zu leichten Zielen und dem Ziel sein Bestes zu geben.
  • Gründe für die verbesserte Leistung:

Ein höheres Ziel führt zu

  • mehr Einsatz und Anstrengung. (Man treibt sich selbst an)
  • größerer Hartnäckigkeit. (Man treibt sich die ganze Zeit über an)
  • Besserer/erhöhter Konzentration. (Man lässt sich nicht so leicht ablenken)

"Rückmeldungsschleife" (feedback loop): sich selbst regulierendes System, das Konformität zwischen zu vergleichenden Werten herstellt.

Vollzieht sich in vier Stufen:

  1. Ziel, Referenzwert, Vergleichsstandard des Verhaltens: Können Absichten, Verhalten, motorische Schemata oder das "mögliche Selbst", das man sich in der Zukunft vorstellt sein. Beachte: Der Zielwert ist nur ein Richtwert, muss aber nicht den höchsten Standard oder das Beste implizieren. Bsp.: Eine 3 in einer Prüfung ist nicht das beste zu erreichende Ergebnis, kann aber mein Ziel sein.
  2. Wahrnehmung des gegenwärtigen Verhaltens und dessen Effekten: Kann durch ein kurzes Aufflackern der Aufmerksamkeit, durch langzeitiges Nachdenken oder Beobachten der eigenen Person im wörtlichen Sinne (Spiegel o.ä.) geschehen.
  3. "Komparator" - "Vergleicher": Vergleich der Wahrnehmung mit dem Ziel/Referenzwert.
    Tut man das, was man zu tun beabsichtigt zeigt dieser Vergleich keine Diskrepanz auf und das Verhalten wird wie zuvor weiter ausgeführt.
    Wenn zwischen Verhalten und Ziel eine Diskrepanz besteht tritt ein neuer (und letzter) Prozess auf, der das Verhalten verändert und es in Übereinstimmung mit der Absicht bringt, also die Diskrepanz verringert.
  4. Wird das Verhalten verändert, wird es wiederum mit dem Ziel verglichen und der Prozess beginnt von neuem.

Implikationen:
Verhalten ist nie grundlos.
Der Prozess der Selbstregulierung ist kontinuierlich und endlos.

Experiment, das zeigt, dass Menschen Rückmeldung brauchen.
Meyer, Leventhal & Gutmann (1985): Bluthochdruck hat keine Symptome die zuverlässig sein Auftreten anzeigen. 90% der Patienten denken aber nach einer 3monatigen Behandlung, sie könnten Symptome für das Auftreten isolieren. Stimmt aber nicht!
Baumann & Leventhal (1985): Menschen mit Bluthochdruck nehmen ihre wahrgenommenen "Symptome" als Anzeiger dafür, wann sie ihre Medikamente nehmen müssen und wann nicht. Da die Symptome nicht verlässlich sind nehmen sie die Medikamente manchmal, obwohl es nicht nötig wäre und umgekehrt.

Verwertung von Rückmeldungen innerhalb des Selbstsystems: Zwei Methoden der Messung der "auf sich selbst gerichteten" - Aufmerksamkeit:
(1) VPn werden Manipulationen ausgesetzt, die sie an sich selbst erinnern (Spiegel, Kameras, Zuhörer)
(2) Messen der dispositionellen Neigung, selbst-reflexiv zu sein über eine Selbst-Bewusstheits-Skala.
Auf sich selbst gerichtete Aufmerksamkeit "engagiert" den Komparator der Rückmeldungsschleife.

Daraus entstehen zwei Vorhersagen:
Der Selbst-Fokus erhöht den Vergleich zwischen Verhalten und salientem Referenzwert/Ziel.
Der Selbst-Fokus führt zu einer besseren Regulation des Verhaltens zum Referenzwert hin.
Befund - Carver (1975): VP sollten den "Lernprozess" einer Person, die hinter einem Einwegspiegel saß durch leichte Elektroschocks optimieren. Hypothese: Aufstellen eines Spiegels regt den Zugang zum Selbst an, in welchem sich die persönlichen Einstellungen befinden. Dadurch entspricht das gezeigte Verhalten mehr den eigenen Einstellungen gegenüber Bestrafung als ohne den Spiegel. Ergebnis: Leute, die für Bestrafungen waren, bestraften in der "Spiegel"-Bedingung signifikant mehr als in der Bedingung ohne Spiegel.

Verwertung von Rückmeldungen hat Verstärkungscharakter:
"Normale" Argumentation: Wissen über Ergebnisse eines Handelns ist ein informationelles Feedback und wird daher als Information zur Anpassung des Verhaltens verwendet.
Gegenargumentation: Informationelles Feedback wirkt als Verstärker:
Mitteilung, dass man gute Leistungen erbracht hat dient als Verstärker.
Mitteilung, dass man schlechte Leistungen erbracht dient als Bestrafung.

Bandura (1986): Ein entscheidender Aspekt der selbstregulatorischen Aktivität ist die Selbst-Belohnung (Selbstlob) nachdem ein angestrebtes Ziel erreicht wurde, bzw. die Selbstbestrafung (Selbsttadel), wenn nach Misserfolg.
Carver & Scheier: NEIN: Nicht die Selbst-Verstärkung ist das entscheidende Element, sondern die Wahrnehmung des Weges zum Ziel und Zielerreichung an sich.
Tolman (1932): Es ist nicht der Verstärker an sic, der zum Lernen führt, sondern der Informationsgehalt des Verstärkers.

"Rückmeldungsmodell" der Emotionen: Emotionen nehmen Einfluss auf die Zielsetzung. Wenn ein Prozess gut abläuft, also der Zielsetzung entspricht, empfindet man positive Gefühle. Wenn der Prozess negativ abläuft, also nicht auf die Zielsetzung hingearbeitet wird, kommen negative Emotionen auf. Emotionen werden durch viele unterschiedliche Dinge beeinflusst und geben daher wichtige Informationen, warum ein Mensch eine bestimmte Zielsetzung wählt und dabei eine bestimmte Emotion empfindet.

Inhaltsfreie Handlungstheorie:
Personen mit hohem Selbst-Fokus sind bessere Selbststeuerer, da sie es schnell bemerken und ändern, wenn Absicht/Ziel und Verhalten nicht übereinstimmen.
Die Unterschiede im Selbst-Fokus sind relativ inhaltsfrei. D.h. der selbstregulatorische Effekt der Selbst-Bewusstheit ist weitgehend unabhängig vom Ziel des Verhaltens.

Änderung der bewussten Wahrnehmung der Zielhierarchie bei Schwierigkeiten:
Tauchen Schwierigkeiten in bezug auf Ziele auf, die hoch in der Hierarchie stehen (tief in die Hierarchie eingebettet sind), zeigt sich ein vorhersagbares Muster:
Periodisches/sporadisches Aufgeben des Zieles, wobei man aber immer wieder darauf zurückkommt. Infolge der Lebensstruktur wird man immer wieder mit diesem Ziel konfrontiert.
Kreislauf: Sporadisches Anstrengung ⇒ Zweifel ⇒ Verzweiflung ⇒ Aufgeben des Zieles ⇒ erneute Konfrontation mit dem Ziel.

Einfluss von Misserfolg auf die Selbstaufmerksamkeit
Gibbons & Wicklund (1976); Greenberg & Musham (1981): Nach einem Misserfolg vermeiden Menschen die Selbstaufmerksamkeit, während sie nach einem Erfolg die Selbstaufmerksamkeit suchen. Das Vermeiden der Selbstaufmerksamkeit nach Misserfolg meint hier, dass man das Nachdenken über den Fehler vermeidet. Größere Selbstaufmerksamkeit nach Erfolg meint, dass man vermehrt über das Erreichen des Erfolgs nachdenkt.

"Rückmeldungsschleife" bei der Neigung zu übermäßiger Perfektion:
Die Rückmeldungsschleife endet nie, da bei der Neigung zu übermäßiger Perfektion nach jedem Verhalten immer noch eine Verbesserung möglich ist. Es besteht also immer eine Diskrepanz zwischen Gegenwärtigem und Ziel, da das Ziel nicht zu erreichen ist.