Buchtipps:

LeDoux, Joseph E.: Das Netz der Persönlichkeit - Wie unser Selbst entsteht
Das Buch schildert auf lebendige und überzeugende Weise die Kernmechanismen der Emotionen. An der Emotion der Angst, dem häufigsten Element psychischer Störungen, macht LeDoux die direkte Anwendbarkeit seiner Überlegungen deutlich. Dies ist ein phantastisch gutes Buch." (Keith Oatley, New Scientist)

Martynkewicz, Wolfgang: Sabina Spielrein und Carl Gustav Jung
Sabina Spielrein, die Wegbereiterin der Psychoanalyse in der Sowjetunion, war einige Jahre Patientin von C. G. Jung, der an der jungen russischen Medizinstudentin das Freudsche Verfahren erstmals praktisch ausprobierte. Analytiker und Analysandin, hielten die unerläßliche sexuelle Abstinenz nicht lange ein. Was Jung zum Schulfall machen wollte, ... Leider gibt es das Buch nicht mehr neu zu kaufen.

Laurens van der Post: C. G. Jung, der Mensch und seine Geschichte.
Schöne kleine Biografie, hat man schnell durch. Und sie ist sehr nett geschrieben.

 

Mögliche Prüfungsfragen: Vordiplom Differentielle Psychologie

Wie entsteht intrinsische Motivation?

Theorie der Selbstbestimmung von Deci & Ryan:
Intrinsische Motivation entsteht, wenn Entscheidung für Tätigkeit selbstkongruent ist (also wenn sie mit wichtigen persönlichen Werten und Bedürfnissen übereinstimmt).
Motivationen, die sich im Ausmaß der erfahrenen Selbstbestimmung unterscheiden:

  • Intrinsische Motivation (selbst bestimmt) = Motivation erwächst aus Tätigkeit selbst; Spaß an der Sache, ohne "Arbeit". Beachte: Diese Stufe ist keine Steigerung der Selbstintegration, sondern eher das Gegenteil.
  • Amotivation (selbst bestimmt) "weiß nicht" = keine Motivation, weder intrinsisch, noch extrinsisch motiviert
  • externale Regulation (Fremdregulation): "alle sollen stolz auf mich sein"
  • Introjektion (nicht selbst bestimmt): "meine Verpflichtung"; Innere Verpflichtung enthalten, äußere Vorgaben sind schon internalisiert. Gewissen/Über-Ich ist beteiligt.
  • Identifikation: (selbst bestimmt, notwendig für ein persönlich wichtiges Ziel) "wertvoll / Spaß an Neuem"; eigengesteuert, aber immer noch auch fremdreguliert. Vom Selbst getrennt.
  • Selbst-Integration: (selbstbestimmt, gleichzeitig vorhandene Identifikationen, wie der Wunsch, sich beruflich selbst zu verwirklichen und das Anliegen für die Familie da zu sein, sind so organisiert, daß sie konfliktfrei koexistieren können)

Selbstbestimmte Handlung: Wenn intrinsisches Interesse vorliegt (dauert länger als kontrolliertes)
Belohnung: Kann intrinsische Motivation in kontrollierte umwandeln. Externe Anreize schwächen intrinsische Motivation
Alle haben das Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Autonomie.
Ideales Selbst: Wie man gern sein möchte
Aktuelles Selbst: Wie man glaubt zu sein
Zwischen den beiden oder der Umwelt und dem Selbst können Kongruenzen bestehen.
Drei Grundbedürfnisse:

  1. Anschluß und Beziehung
  2. Kompetenzerweiterung
  3. Selbstverwirklichung

Wie dachte Allport über Eigenschaften?
Wer war dagegen?

Eigenschaften sind genetisch vorgegeben und machen Verhalten konsistent.
Allport ist Vertreter des idiographischen Eigenschaftsansatzes und der humanistischen Eigenschaftstheorie. Er betont die Komplexität und Einzigartigkeit jedes individuellen Menschen. Er erstellte 1937 eine Systematik von über 50 Definitionen der Persönlichkeit.
Nomothetisch: Traits haben bei jedem die gleiche Bedeutung
Idiographisch: Es gibt so viele Traits wie Menschen

Walter Mischel: Situationismus. Verhalten ist nicht konsistent. Es ist stärker von der Situation beeinflußt.
Klassische Untersuchung zur transsituationalen Konsistenz: Hartstone & May (1928):
Klassenzimmer, Zuhause, Sport usw. Persönlichkeitskoeffizient unter 0,3.
Mischels Fazit: Es gibt keine Eigenschaften.
Moderne Form des Behaviorismus.

Verhalten ist abhängig von Situation UND Persönlichkeit (Interaktion)

Was verstanden Jung versus Eysenck unter Extraversion / Introversion?

Jungs typologischer Ansatz: Die Typen sind nicht angeboren.
Extravertiert: gesellig, optimistisch, impulsiv, liebt Abwechslung, geht Risiken ein. Objektbezogen.
Introvertiert: distanziert, ruhig, zuverlässig, ordentlich, ernst, kontrolliert, pessimistisch, schmerzempfindlich. Aufmerksamkeit ist auf das innere Seelenleben gerichtet.

Die Verteilung der Typendimensionen ähnelt einer Normalverteilung, so liegt die Mehrheit im mittleren Bereich. Alles, was zwischen den Typen liegt, ist eine Störung der Persönlichkeit. Entweder man gehört zu einem Typ oder nicht.

  Extraversion:
Nach außen gerichtetes psychisches Interesse auf das Objekt hin. Passen sich an, Hauptsache positiver Affekt (Hysterie)
Introversion:
Interesse vom Objekt weg zum Subjekt hin, dessen eigene psychologischen Vorgänge. Zögerndes, reflexives, zurückhaltendes Wesen.
DENKEN (rational) Praktisch, faktenzentriert, unpersönlich Selbstzentriert, eigene Ideen, eigenwillig, arrogant
FÜHLEN (rational) Konform, modebewußt, launisch tiefe emotionale Erfahrungen, verschlossen, nicht-konform
EMPFINDEN (irrational) Erfahrungszentriert, lustbetont, abenteuerlustig Nonverbaler Selbstausdruck, Fokus auf eigener Empfindung
INTUIEREN (irrational) Schnell überdrüssig, unstet, unzuverlässig Ideenlieferant, nicht norm-, planungsbewußt



Eysencks dimensionaler Ansatz: Die Eigenschaften sind angeboren.
Unterscheidet zwischen den verschiedenen Ausprägungen derselben Eigenschaft. Es gibt fließende Übergänge.
Erregungshypothese: Introvertierte haben eine niedrigere Schwelle für Erregung als Extravertierte.
Extravertierte suchen Reize, um das niedrige Erregungslevel zu erhöhen. Introvertierte meiden Reize, um das hohe Erregungslevel nicht noch weiter zu erhäöhen.

Erkläre die Logik der Faktorenanalyse!

Datenerhebung: Empirische Grundlage für eine Faktorenanalyse kann beispielsweise eine Fragebogen sein.
Personen x Variablen-Matrix. Matrix, in welcher alle Variablen für alle Personen festgehalten werden.
Matrix der Ausgangsdaten: Jedes Item des Fragebogens stellt eine Variable mit verschiedenen Ausprägungen dar. Jede Vp stellt mit ihren Antworten ein spezifisches Muster an Ausprägungen oder Eigenschaften auf den jeweiligen Variablen dar.
Überprüfen der Items auf Korrelationen: Variablen x Variablen-Matrix'' (über alle Vpn). Die Matrix der Ausgangsdaten wird vollständig in z-Werte transformiert das erleichtert das weitere Rechnen. Nun werden alle Variablen (mit ihren Eigenschaftsmustern) miteinander korreliert. Alle Einzelkorrelationen werden in einer Interkorrelationsmatrix zusammengestellt. Zwischen welchen Variablen bestehen Gemeinsamkeiten?
Faktoren bilden: starke Korrelationen zwischen zwei odermehr items bilden einen Faktor
Faktor laden: Messen der Korrelation zwischen items und Faktor. Wie stark reflektiert jedes item die zugrundeliegende Dimension (den Faktor)?
Faktor(en) benennen

Zeichne Wiggins interpersonellen Kreis!

Wie lässt sich Psychotizismus im 5-Faktorenmodell abbilden?

Psychotizist: Einzelgänger, der sich nichts aus Menschen macht. Oft unangenehm, kühl, egozentrisch, nicht anpassungsbereit, gleichgültig Gefahren gegenüber, hat eine Schwäche für ungewöhnliche Dinge, liebt es, andere zum Narren zu halten, aus der Fassung zu bringen. Er kann feindselig und unmenschlich sein, aggressiv, Mangel an Gefühl und Einfühlungsvermögen.
Zusammenhang mit Verträglichkeit (nachsichtig-barsch, versöhnlich-rachsüchtig, rücksichtslos-weichherzig, reizbar-gutmütig) und Gewissenhaftigkeit (nachlässig-gewissenhaft, strebsam-ziellos, verantwortungsbewußt-verantwortungslos, faul-fleißig, zuverlässig-unzuverlässig).

Wieso soll das 5-Faktorenmodell lediglich eine implizite Persönlichkeitstheorie wiederspiegeln?

Bei einem Versuch, bei dem Vpn andere bezüglich ihrer Eigenschaften einschätzen sollten, war das Ergebnis der Faktorenanalyse identisch mit dem der Selbstbeurteilung. Gibt Faktorenanalyse nicht eher wieder, welche kognitiven Prozesse in den Beurteilern ablaufen?
Beispiel: Man verbindet zwei Eigenschaften miteinander, ohne zu prüfen, ob beide wirklich vorliegen: Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft.
Implizite Persönlichkeitstheorie bedeutet, dass die Persönlichkeit eines Menschen lediglich durch verschiedene Erwartungen, die ein Mensch in Bezug auf einen anderen Menschen hat, dargestellt wird. So fügt ein Mensch immer mehr entsprechende Eigenschaften zu einer anderen hinzu, wenn er erst mal eine Eigenschaft gefunden hat. Diese können unter Umständen nichts miteinander zu tun haben und die Schlussfolgerung, die der Beurteilende liefert, wäre falsch (Halo-Effekt).
Die Faktorenanalyse beruht ja auf implizit ausgesuchten Items, wenn diese nun aber von Beginn an aus reiner Subjektivität heraus aufgelistet wurden, spiegelt das Ergebnis auch lediglich diese Subjektivität wieder.

Welche Form von Interaktionismus ist mit dem varianzanalytischen Modell nicht abbildbar?

Wie ist die Höhe von Persönlichkeitskoeffizienten (0,3) aus systemtheoretischer Sicht zu beurteilen?

Zu welchem Fehlschluss kommt man aufgrund der unterschiedlichen Statistiken, die zur Schätzung situativer versus personseitiger Einflüsse auf das Verhalten verwendet werden?

  • Menschen suchen sich ihre Einflüsse selbst aus. So beeinflussen sie die Einflüsse, die auf sie ausgeübt werden. (Interaktion zwischen Person und Situation)
  • Menschen beeinflussen sich gegenseitig. Jede Person wird bei einer anderen unterschiedliche Reaktionen auslösen, so findet sogar eine aktive Manipulation statt.
  • Verhalten ist abhängig von Situation UND Persönlichkeit (Interaktion)
  • Situationsspezifität (innerhalb personenspezifischer Äquivalenzklasse von Situationen best. Eigenschaft konstant) Eigenschaften wirken bei Personen in einer bestimmten Situation anders als bei anderen Personen
  • Motivationale Komplexität (oft mehrere Handlungstendenzen angeregt, obwohl nur eine gerade ausgelebt wird ⇒ es gibt die "nicht-dominierenden" auch)
  • Motivationsdynamik (Sättigung, wenn best. Handlungstendenz lange ausgeführt)
  • Eigenschaften beeinflussen Verhalten nur bei top-down-Verarbeitung. Bei Regression (bottom-up) können best. Eigenschaften nicht wirken. (Informationsverarbeitungsmodus)
  • Situationskoeffizient ist auch nicht höher als 0,3
  • Persönlichkeitskoeffizient von 0,3 ist eigentlich nicht schlecht (Ahadi & Diener (1989): Sobald ein Verhalten von mehr als einer Persönlichkeitseigenschaft beeinflusst, bzw. hervorgerufen wird, ist eine Grenze gegeben, wie hoch die Korrelation des Verhaltens mit einem einzigen "trait" sein kann. D.h. aus systemtheoretischer Sicht ist der Koeffizient von 0,3 nicht besonders gering, da das multi-kausale, nicht-lineare Geschehen berücksichtigt werden muss)

Welcher Persönlichkeitstyp ist generell durch eine hohe Konsistenz charakterisiert?

Das Verhalten von Menschen mit hoher Selbstkontrolle sollte weniger konsistent sein als das von Menschen mit niedriger Selbstkontrolle.
Introvertierte müßten eine hohe Konsistenz haben, da sie für neue Situationen nicht so offen und anpassungsfähig sind und keine hohe Selbstkontrolle besitzen (sich eher schwer mit Veränderungen tun und auch eher keine hohe Selbstkontrolle besitzen). Meistens fordern sie neue Situationen schon so sehr, dass sie sich nicht auch noch selbst kontrollieren können

Was versteht man unter einem Diathese-Stress-Modell?

Eine Eigenschaft kann auch als Verwundbarkeit oder Empfänglichkeit für ein bestimmtes Problem angesehen werden. Wenn nun eine Situation eintritt, die auf eine bestimmte Empfänglichkeit zuspricht und mit Streß gepaart ist, tritt das Problem auf. (Diathese: Prädisposition oder Empfänglichkeit)

Was ist eigentlich Persönlichkeit?

Persönlichkeit ist... (Begriff der Eigenschaft hängt davon ab, was man unter Persönlichkeit versteht)

  • Hull, Skinner, Bandura: Lernen assoziativ, prozedural (klassisches & operantes Konditionieren)
  • Eysenck, Pawlow: Temperament (Erregung, Impulsivität, Aktivierung) (Intro-/Extraversion)
  • Freud, Lewin: Anreizmotivation Lustorientierung (Anreize mit pos. UND neg. Affekten)
  • Freud: Pro-/Regression Unreife vs. reife Persönlichkeit (Über-Ich, Ich, Es)
  • Lewin, Murray, McClelland, Atkinson: Emotion, Motive, Selbst (Anschluß, Macht, Leistung) "Befriedigung"
  • Jung: Kognition (Denken, Fühlen, Empfinden, Intuieren)
  • Maslow, Rogers: Volition (Zielverfolgung, Selbstwahrnehmung, Selbstverwirklichung) (Selbststeuerung)

Daraus leitet man dann ja die 7 PSI-Ebenen ab.

Was bedeuten die Begriffe "ideographisch" und "nomothetisch"?

Nomothetisch: Eigenschaften haben in jeder Person dieselbe Bedeutung. So sind Menschen hinsichtlich ihrer Traits vergleichbar. Sie unterscheiden sich nur darin, wieviel sie von der Eigenschaft haben. (Die Sicht wird seit den letzten 40 Jahren vertreten)

Idiographisch: Eigenschaften sind individuell und nicht mit denen anderer Personen vergleichbar, dasie sich auf verschiedenen Skalen befinden. Es gibt also genauso viele Eigenschaften wie Menschen.

Erläutere den Unterschied zwischen Eigenschaften und Typen!

Typen: Mitgliedschaft entweder zur einen oder zur anderen Gruppe. Verschiedene Typen schließen sich gegenseitig aus. Gehört man zum einen Typ, kann man nicht zum gegenteiligen gehören. (Beispiel: Geschlecht: qualitativer Unterschied)
Typologischer Ansatz von Jung: diskontinuierlich. Alles was zwischen den "Typen" steht ist eine Verzerrung/Störung der Persönlichkeit

Die Ansicht über Eigenschaften (Eisenck, 1967) war, daß Menschen sich durch eine variierende Ausgeprägtheit der gleichen Eigenschaften unterscheiden. Jeder hat die gleichen Eigenschaften, aber in unterschiedlicher Ausprägung. Eisenck prägte aber auch den Begriff "supertrait", ein sehr deutlich ausgeprägter Charakterzug.
Dimensionaler Ansatz: Die Quantität der Ausprägung ist entscheidend, es gibt eine fließenden Übergang zwischen Ausprägungen.

Was sind Motive?

McClelland: Gruppierungen von Kognitionen mit affektivem Unterton, die um bevorzugte Erfahrungen und Ziele organisiert sind. Motive bestehen aus der kognitiven Repräsentation von Bedürfnissen und sind daher eher bewusst.

  • Erlernte Verbindungen von Bedürfnissen mit kognitiv-affektiven Netzwerken (die aus autobiografischen Episoden resultieren)
  • Verbinden Bedürfnisse mit Affakten und auch untereinander
  • Sättigung führt zu einem Auf und Ab
  • Sie sind auch an der Steuerung von Aufmerksamkeit beteiligt (damit man nicht abgelenkt wird)

Und was sind Bedürfnisse?

Bedürfnisse sind innere direkte Kräfte, die verursachen, daß Menschen sich Objekten oder Situationen zu- oder abwenden und sind immer da.
Ein Bedürfnis ist laut McClelland nicht direkt spürbar und kann ein wahrnehmbares Motiv hervorrufen, ist sogar Voraussetzung für ein Motiv.
Verhalten spiegelt immer das gerade stärkste Bedürfnis wieder.
Bedürfnisse sind subaffektiv, subkognitiv und unbewußt. Soll-Zustände. Werden vom Hypothalamus gesteuert.

Und was sind Anreize?

Erworbene/angeborene Verknüpfung zwischen Affekt und Objekt.
Gibt an, in welchem Maße ein Verhalten befriedigend ist. Vom Anreiz hängt es ab, ob ein Motiv in Verhalten umgesetzt wird. (Hinzu kommen Erwartungen und Talent)

Wie sind Bedürfnisse, Affekte und Motive miteinander verbunden?

Bedürfnisse signalisieren den Bedarf, Affekte zeigenan, ob der Bedarf gedeckt ist oder gedeckt werden kann, und Kognitionen (Motive) zeigen an, wie und wann er gedeckt werden kann.

Was versteht Murray unter "press"?

Druck: unterscheidet sich vom Bedürfnis insofern, daßer von außen kommt und nicht von innen. Druck kann wie ein Bedürfnis auch Motive auslösen.

Nenne zwei Befunde zur Validierung des TAT!

TAT (Thematic apperception test): (Murray): misst, wie stark ein Bedürfnis in eine Motivstruktur integriert ist. Latente Bedürfnisse werden aufgedeckt.
Vorgehensweise: Zuerst schauen sich die Versuchspersonen Bilder an. Danach werden sie aufgefordert sich zu den Bildern Geschichten auszudenken, die auch die Gedanken und Gefühle etc. der Charaktere wiederspiegeln. Die Motive und Themen, über die die Vp geschrieben haben, spiegeln die eigene latente Motivation wieder

Studie zu biologischen Bedürfnissen: Bedürfnis nach Nahrung.Die Vpn bekamen für unterschiedliche Zeit keine Nahrung, so daß sie unterschiedlich starken Hunger hatten. Sie unterschieden sich dann auch in ihren Nahrungsphantasien im TAT.

Studie über das Bedürfnis nach Erfolg (Leistungsmotiv): Verschiedene Vpn hatten Erfolg bzw. des Mißerfolg. Bei den Vpn, die Mißerfolg erlebten, kam es zum Anstieg und bei den erfolgreichen Personen zur Senkung des Leistungsmotivs.

Wie lautete Atkinsons formales Modell der Leistungsmotivation?

Leistungsorientiertes Verhalten = Ergebnis eines Konflikts zwischen Annäherung und Vermeidung.

Hoffnung auf Erfolg: Tendenz, Erfolg anzustreben = Leistungsmotivation X Erfolgswahrscheinlichkeit X Erfolgsanreiz

Furcht vor Mißerfolg: Tendenz, Mißerfolg zu vermeiden = Motiv, Mißerfolg zu vermeiden X Mißerfolgswahrscheinlichkeit X Mißerfolgsanreiz

Die Motive werden mit dem TAQ erfragt.Resultierende Tendenz = T/e + T/m

Nenne 3 Validierungskorrelate des TAT-Leistungsmotiv.
Welche Befunde zeigen, daß die Leistungsorientierung einer Gesellschaft ihre wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst?

Niedriges Leistungsmotiv: wählen einfache oder schwierige Aufgaben. Versagen fällt nicht so auf, nicht auf mangelnde Fähigkeit zurück. Leistungsdruck nicht so hoch.

Erfolgsorientierte: moderate Aufgaben, um Rückmeldung über Fähigkeiten zu erhalten, da sie sehen können, wo Grenzen liegen.

Bradburn und Berlew (1961): Sie verglichen die Literatur und die ökonomische Geschichte Englands von 1500-1800. Die Beschreibung von Leistung (wie TAT) in der Literatur war 100 Jahre lang stabil, fiel dann ab und stieg wieder. Die ökonomische Situation folgte genau dem Verlauf, aber immer genau 50 Jahre später.
McClelland (1961): Er beobachtete von 1925-1950, berücksichtigte dabei 23 verschiedene Kulturen. Kam auch zum Ergebnis, daß die Abbildung von Erfolg dem ökonomischen Aufschwung vorausging.Man kann daraus schließen, daß gesellschaftliche Motivation ökonomischen Erfolg verursacht.

Nenne 5 Verhaltenskorrelate des TAT-Maßes für das Machtmotiv.

  1. Freunde, die nicht so einflußreich sind, um Konkurrenz zu vermeiden.
  2. Männer werden im Streit mit ihren Frauen eher gewalttätig.
  3. Machtsymbole.
  4. Schüler beteiligen sich aktiv am Unterricht (andere sollen von ihren Meinungen überzeugt werden).
  5. Bedürfnis, sich stark zu fühlen.

Worin unterscheiden sich Motive und Eigenschaften?

Motive repräsentieren fundamentale Absichten und Wünsche, Eigenschaften dagegen entscheiden, ob und wie diese Wünsche ausgedrückt werden. Motive interagieren somit mit Eigenschaften um Verhalten zu produzieren.
Eigenschaften und Motive können sowohl positiv als auch negativ interagieren. So gibt es Schwierigkeiten bei introvertierte Menschen mit einem hohen Anschlussmotiv, bei extrovertierten Menschen ist dies jedoch von Vorteil.

Für welche Karriere ist das inhibierte Machtmotiv günstig?

Manager: es fällt ihnen leicht, andere Personen zu organisieren. In technischen Berufen (Ingenieur) spielt das Persönlichkeitsmerkmal keine Rolle, hier ist das technische Verständnis ausschlaggebend.
Allerdings begünstigt diese Konstellation, Krieg zu beginnen. (hohes Bedürfnis, andere Menschen zu beeinflussen, geringes Bedürfnis für Affiliation)

Nenne 5 Verhaltenskorrelate des Affiliationsmotivs.

  1. möchten von anderen akzeptiert werden
  2. unterliegen eher einem Gruppenzwang
  3. werden nervös, wenn sie denken, daß andere über ihre sozialen Fähigkeiten urteilen
  4. verbringen viel Zeit mit sozialen Aktivitäten, möchten viel Zeit mit anderen verbringen
  5. werden häufiger als Anführer angesehen, sogar häufiger als solche mit einem hohen Leistungsmotiv und solche mit einem hohen Machtmotiv

Wovon hängt es ab, wie ein Motiv konkret in Verhalten umgesetzt wird?
Woran sieht man im Alltag, ob Motive oder elementare Assoziationen von Reizen und Reaktionen das Verhalten einer Person bestimmen?
Kann eine Person mal von Motiven geleitet sein und mal nicht?

Anreiz gibt an, in welchem Maße ein Verhalten für ein bestimmtes Bedürfnis befriedigend ist und ist entscheidend für die Umsetzung von Motiven, er bestimmt, wie ein Motiv in Verhalten ausgedrückt wird.
Zwei Einflüsse auf das Verhalten: Erwartungen und Begabung.
Bestimmen Motive das Verhalten einer Person, ist es von größerer Flexibilität gekennzeichnet, da Motive mehr Handlungsspielraum lassen als Reiz-Reaktion-Verknüpfungen.
Affekthandlungen: Es würde zu lange dauern, erst über Motive nachzudenken
Gewohnheiten (Reiz-Reaktion-Verknüpfungen)
Selbstkontrolle

Erläutere Kretschmars und Sheldons "Körper- und Temperamentstypen"

  • Kretschmers Körpertyp: dünn:
    Sheldons Somatotyp: Ectomorph (eher dünn, Betonung des Haut- und Nervensystems, Körper linear und zerbrechlich, nicht gut für harte Körperarbeit)
    Sheldons Temperament: Cerebrotonia (ängstlich, zurückhaltendes Auftreten -> Privatsphäre liebend, schüchtern, nachdenklich, sehr schmerzempfindlich)
  • Kretschmers Körpertyp: muskulös:
    Sheldons Somatotyp: Mesomorph (muskulös, Überbetonung von Knochen, Muskeln und Bindegewebe, Körper eher hart und eckig, stark
    Sheldons Temperament: Somatotonia (mutig, abenteuerlustig, unterschwellig aggressiv, energiegeladen, nicht schmerzempfindlich)
  • Kretschmers Körpertyp: fettleibig:
    Sheldons Somatotyp: Endomorph (dick, Überbetonung des Verdauungssystems, Körper eher weich und rundlich, nicht für harte körperliche Arbeit nützlich)
    Sheldons Temperament: Viscerotonia (Entspannt, tolerant, sozial, liebt Komfort, usw)

Kretschmers Körpertypen waren jeweils für verschiedene Dinge anfällig. Sheldon vertiefte Kretschmers Idee und sagte, dass diese Formen eher nur Extremformen wären und nicht als diskrete Typen gesehen werden könnten. So definierte er Somatotypen, die das normale Erscheinungsbild einer Person definieren, die sich vermutlich zwischen diesen Extremen finden lässt.
Diese verschiedenen Somatotypen wurden noch weiter unterteilt. So gibt es eine Skalierung von 1-7. Die meisten Menschen bestehen aus diesen drei Dimensionen, nur jede ist verschieden ausgeprägt.

Was verstehen Buss & Plomin unter "Temperament" und was mißt ihr Test?

Temperament: vererbbar, tiefer verwurzelt, haben weiter reichenden Einfluß auf Verhalten als Traits. Sind im Laufe des Lebens konstant, können aber durch Erfahrungen modifiziert werden.

Aktivitätsniveau: Gesamtoutput von Energie, Verhalten.vigor (Intensität der Aktivitäten), tempo.
Soziabilität: Bedürfnis nach Gesellschaft. Abgegrenzt vom Bedürfnis nach Sympathie, Anerkennung, Respekt, die allen gemeinsam sind.
Emotionalität: Ausmaß, physiologisch erregt zu werden bei Streß. 3 Emotionen: Streß, Ärger, Angst.

Das Modell der Temperamente maß edie Häufigkeit der aufkommenden negativen Emotionen, während Buss & Plomin davon überzeugt waren, daß die Intensität negativer Emotionen ihr Forschungsgegenstand war.

Welche Befunde weisen auf genetische Einflüsse auf das Temperament hin?

Wenn eineiige Zwillinge sich mehr ähneln als zweieiige, muß Persönlichkeit zum Teil vererbbar sein.
Buss & Plomin: Zwillingsstudien: Eltern beurteilten ihre Zwillinge. Bei eineiigen Zwillingen ähneten sich die Temperamente sehr, während sie bei zweieiigen Zwillingen fast gar nicht korrelierten.
Kritik: Eltern behandeln eineiige Zwillinge anders als zweieiige. Bei eineiignen Zwillingen wird Ähnlichkeit betont, bei zweieiigen Unterschiede.
Untersuchung hierzu: Zweieiige Zwillinge, die dachten, sie wären eineiig, waren sich ähnlicher als andere zweieiige.
Loehlin: Adoptionsstudien: ergaben, daß es genetischen Einfluß auf die Temperamente Aktivität und Soziabilität gibt.Vergleich, wie sehr adoptierte Kinder ihren biologischen und ihren Adoptiveltern ähneln.
Kritik: Kinder werden ihren Adoptiveltern niemals zufällig zugeordnet, sondern hier spielt schon Ähnlichkeit eine Rolle.

Welche Befunde sprechen für eine Intensitätskomponente des Temperaments?

Larsen & Diener (1985) führten Studie durch, in der sie sich auf die Intensität von Emotionen konzentrierten. Sie fanden heraus, daß Menschen, die über starke positive Gefühle berichten, auch zu intensiven negativen Gefühlen neigen, das Gleiche mit Menschen, die eher schwache positive und negative Emotionen haben. Mit der Methode der Gefühlsintensität kann man alltägliches menschliches Verhalten besser interpretieren und vorhersagen.

Welche Befunde sollen Intelligenz als Temperamentsfaktor ausweisen?

Intelligenz wird nicht als Persönlichkeitseigenschaft angesehen, obwohl sie alle Eigenschaften vereint, die Buss & Plomin für ein Temperament voraussetzen (genetisch beeinflußt, weiten Einfluß auf Verhalten, im frühen Leben manifestiert, über die ganze Lebensspanne andauernd)

Für welche der Big-Five Faktoren werden genetische Einflüsse berichtet?

Studien von Bergeman (1993) und Jang (1996) ergaben, daß es einen genetischen Einfluß auf Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit, Extraversion und Neurotizismus gibt.
Zählt man Intelligenz zu den Traits hinzu, besteht auch hier ein genetischer Einfluß.

Wie erklärt man "nicht gemeinsame" Umwelteinflüsse bei Geschwistern?

Eltern behandeln ihre Kinder unterschiedlich, eineiige Zwillinge anders als zweieiige.
Geschwister haben oft ganz unterschiedliche Freundekreise, und dieser kann unter Umständen mehr Einfluß haben als die Eltern.
Außerdem beeinflussen sich Geschwister gegenseitig, indem sie im Laufe der Zeit in unterschiedliche "Rollen wachsen" und interagieren.

Welche Befunde weisen auf Vererbung von Homosexualität hin?

Bei eineiigen Zwillingen war der andere Zwilling mehr als doppelt so häufig auch homosexuell wie bei zweieiigen Zwillingen. (Eysenck, 1964).
In den Familien wurden bei den Verwandten mütterlicherseits mehr Homosexuelle gefunden als bei den Verwandten väterlicherseits (daher eventuell Vererbung auf dem X-Chromosom der Mutter).
Homosexualität könnte dann nicht aussterben, weil das Gen ja auf dem X-Chromosom auch bei Frauen vorkommt (weil Homosexuelle sich ja nicht so fortpflanzen).

Wie erklären Soziobiologen das Phänomen "gleich zu gleich gesellt sich gern" und welche Befunde sprechen für die Theorie Rushtons?

Rushdon (1984): Gene von Paaren ähneln sich zu 50%. Willkürliche Personen teilen sich nur 43% der Gene.
Man wählt jemanden zur Vermehrung aus, der einem genetisch ähnelt, um mehr "eigene" Gene zu übertragen.
Paare mit Kindern teilten 52% der Gene, während Paare ohne Kinder nur 44% teilten.
Genetische Ähnlichkeit spielt bei heterosexuellen gleichgeschlechtlichen Freundschaften eine Rolle. Man hilft Freunden eher, sichert deren Überleben und damit die Vermehrung der "eigenen" Gene. Außerdem könnte es sein, daß man mit einem Geschwister des Freundes Sex hat.

Welche psychischen Erkrankungen sind genetisch beeinflußt?

Schizophrenie: vererbbar (Zwillingsstudien). Zuviel Dopamin, zuviele Informationen strömen auf das Gehirn ein.
50% des Zwillings haben auch die Krankheit bei eineiigen Zwillingen, während es bei zweieiigen Zwillingen nur 9% waren. Man kann also von einer Vererbung ausgehen.

Manische Depression: vererbbar (Zwillingsstudien). Evtl. zu wenig aktives BAS, kein Antrieb, sich einem Anreiz zu nähern. Auch hier wurde festgestellt, daß Vererbung eine Rolle spielt.

In anderen Studien wurde herausgefunden, daß es genetischen Einfluß auf Alkoholismus und antisoziale Charaktereigenschaften geben muß (Verhaltensprobleme während der Kindheit und Kriminalität als Erwachsener).

Wie erklärt Eysenck die Geselligkeit Extravertierter?
Welche Belege gibt es für die These, dass Introvertierte Erregung meiden?

ARAS: "ascending reticular activating system" (Formatio reticularis)

Das ARAS aktiviert und deaktiviert den Cerebralen Kortex und kontrolliert Aufmerksamkeit, Konzentration und Schlafzyklus. Funktioniert das ARAS auf einem hohen Level, fühlt man sich aufmerksam und wach, sonst müde und unkonzentriert.

Grundlevel des ARAS ist bei Introvertierten höher als bei Extravertierten. So sind sie aufmerksamer, wenn gerade nichts passiert. Sie sind schneller übererregt (größere Menge an Reizen, über die sie konditioniert werden; leichter konditionierbar; oft werden schneller negative Gefühle/Eindrücke konditioniert, da Bestrafung; emotional labile Introvertierte sind anfälliger für Depressionen/ Angstzustände). Extravertierte haben ein reduziertes Erregungsniveau, suchen immer nach Reizen (nicht leicht konditionierbar; emotional labile Extravertierte sind antisozial + impulsiv).

  emotional stabil emotional instabil
(leicht erregbar)
Introvertiert phlegmatisch
(unentschlossen, aphatisch)
melancholisch
(traurig, pessimistisch)
Extravertiert sanguistisch
(optimistisch)
cholerisch


Dritte Dimension: Psychotizismus (manipulativ, impulsiv, feindlich)





Welche Belege gibt es für die These, dass Introvertierte Erregung meiden?

Untersuchung von Geen: Effekt eines Geräusches auf Lernen.
UV: Extra-, Introvertierte
AV: gewählte Lautstärke, Leistung bei Lernaufgabe
Introvertierte: wählten Geräusch leiser, dann bessere Leistung
Extravertierte: wählten Geräusch lauter, allgemein schlechtere Leistung
Alle hatte eine höhere Herzrate bei lauterem Geräusch.
Befund dagegen: Erfassung physiologischer Parameter ergab nicht, daß Extravertierte weniger erregt sind.

Welcher Typus macht mehr Pausen beim "Tapping" und warum?

Untersuchung von Eysenck (1964): Langweilige Wiederholungsaufgabe. Extravertierte machten öfter Pause wegen nachlassender Aufmerksamkeit.

Welcher Typus schneidet bei Vigilanzaufgaben besser ab und warum?

Claridge (1967): Introvertierte sind bei Vigilanzaufgaben besser. (Reiz beachten, der in andere eingebettet ist)
Sie brauchen weniger "Aufputschmittel", um konzentriert zu sein. Extravertierte vertragen dagegen nicht so viel Alkohol.

Wie erklärt sich Eysenck individuelle Unterschiede in der Emotionalität?

Menschen, die emotional instabil sind, werden leichter in den emotionalen Zentren im Gehirn erregt. Emotionale Erregung verstärkt Verhalten, "people become more what they are".
Auf Emotionale Reaktionen kann auch Konditionierung folgen.
Introvertierte, die ohnehin kortikal erregt sind, sind leichter zu konditionieren. Wenn sie auch noch emotional reaktiv sind (häufiger Emotionen haben), gibt's häufiger Möglichkeit, konditioniert zu werden.
Extravertierte mit hoher Emotionalität werden nicht so leicht konditioniert. Sie lernen nicht so schnell aus schlechten Erfahrungen.

Was suchen nach Eysenck Menschen in zwischenmenschlichen Beziehungen und was nicht?

Die Folge der unterschiedlichen Erregungsvorgänge bei Extra- und Introvertierten ergibt sich daraus, daß man immer nach optimalem Erregungsniveau des ARAS strebt, das bei Introvertierten anders ist als bei Extravertierten.
Deshalb suchen Extravertierte ständig Situationen mit hoher Stimulation, wie Partys, während Introvertierte ihr optimales Erregungsniveau viel schneller erreichen und darum eher zu Hause sitzen und lesen. Da sie bei zu hoher Stimulation überstimuliert sind, meiden sie soziale Kontakte und sind reizscheu.

Was versteht man unter einer disordinalen Wechselwirkung und wo tritt sie bei Extravertierten und Introvertierten auf?

Beispiel für eine disordinale Interaktion: Nur die besten Schüler profitierten vom Simulationsprogramm im Vergleich zum Schulbuch, die übrigen Schüler verschlechterten ihre Leistungen sogar.

Unterschied zwischen ordinaler und disordinaler Interaktion:
Ordinale Interaktion: Ordnungsrelation der Faktorstufen bleibt erhalten
Disordinale Interaktion:Ordnungsrelation der Faktorstufen ändert sich.

Extravertierte finden niedriges Level an Stimulation unangenehm, während Introvertierte dies als angenehm empfinden (und umgekehrt).

Welche EEG-Befunde zeigen Unterschiede bei positiven vs. negativen Stimmungen?

Gray: Behavioral Activation/Approach System (BAS), Behavioral Inhibition System (BIS)

BAS: Aktiv bei Annäherung an Anreiz (Gaspedal), ruft positive Emotionen hervor (Vorfreude), linker Frontallappen, positive Konditionierung.
Dopamin: Neurotransmitter, der das Verhalten auf positive Anreize beeinflußt.

BIS: Aktiv bei Zurückweichen, Angst, Ekel, Aversion, rechter Frontallappen, negative Emotionen (Konditionierung)
Serotonin: Niedriges Serotoninlevel ⇒ Vermeidung von schlechten Erfahrungen (aber unabhängig von Ängstlichkeit)

Davidson (1992): Höhere Aktivität in der rechten Hemisphäre zeigt positive Gefühle an, während in der linken Gehirnhälfte höhere Aktivität durch negative Gefühle entsteht.
Davidson, Ekman, Saron, Senulis & Friesen (1990):
Das Annäherungssystem (BAS) ist in der rechten Hemisphäre veranlagt ⇒ positive Gefühle;
Das Ablehnungssystem (BIS) zeigt eine höhere Aktivität in der linken Hemisphäre ⇒ negative Gefühle.

Nach Eysenck müssten positive/negative Gefühle eine Erregung im gesamten Cortex auslösen!

Niedriges Serotoninlevel verursacht größere Sensibilität für Vermeiden von schlechten Erfahrungen. Obwohl Ängstlichkeit und hohe Neigung zur Gefahrenvermeidung unabhängig voneinander zu sein scheinen.

Bei welchem Typus kann positive Stimmung leichter induziert werden?

Bei Menschen mit einem ausgeprägten BAS-System, weil sie eher auf positive Reize reagieren als auf negative. Sie sind empfänglicher für positive Anreize als Menschen mit einem weniger ausgeprägtem BAS-System. Der Neurotransmitter Dopamin steuert die Empfänglichkeit für positive Anreize (Zuckerman, 1994)

Beschreibe die Eysenck-Gray-Kontroverse!
Wie löst Newman diese?

Die beiden Ansätze postulieren unterschiedliche physiologische Grundlagen für Extra- und Introversion.
Eysenck sah die Unterschiede zwischen Extra- und Introvertierten im ARAS begründet, das seine neuronale Grundlage in der Formatio Reticularis im Hirnstamm hat. Das ARAS ist zuständig für eine globale Energetisierung (deshalb wird Eysencks Ansatz auf Ebene 2. angesiedelt). Folglich sah er die Unterschiede zwischen Extra- und Introvertierten im kortikalen Erregungsniveau. Da Introvertierte grundsätzlich höher erregt seien, sei ihr Verhalten darauf ausgerichtet, diese Erregung herabzuregulieren. Extravertierte haben ein grundsätzlich niedrigeres Erregungsniveau, deshalb ist ihr Verhalten darauf ausgerichtet, die kortikale Erregung zu heben.
Beide streben nach dem optimalen mittleren Erregungsniveau.

Persönlichkeitsdimensionen bei Eysenck:

  1. Extraversion (Endpunkte: Extraversion und Introversion)
  2. Neurotizismus/Emotionalität (Endpunkte: emotionale Stabilität und emotionale Labilität)
  3. Psychotizismus (spielt eine untergeordnete Rolle)

Extravertierte sind niedrig kortikal erregt und hoch motorisch gehemmt, Introvertierte hoch kortikal erregt und niedrig motorisch gehemmt.
Eysenck erklärt individuelle Unterschiede in der Emotionalität (stabil vs. labil) durch die Interaktion von Emotionalität mit Extraversion. Bei Introvertierten, die durch die erhöhte kortikale Erregung sensibler und somit empfänglich für Konditionierung sind, wird diese Konditionierbarkeit durch emotionale Erregung noch erhöht.

Im Gegensatz zu Eysenck hielt Gray Unterschiede im BAS und BIS für die Grundlage der Extra- und Introversion.
Extravertierte sind geselliger und aktiver, weil sie stärker aktivierbar (BAS) und weniger gehemmt sind (BIS). Introvertierte seien zwar auch wenig gehemmt (BIS) aber auch wenig aktivierbar (BAS). Gehemmtheit sollte demnach mit Bestrafungssensibilität einhergehen und eine Kombination aus Emotionalität (Instabilität) und Introversion sein.
Grays Ansatz bezieht sich auf die Ebene der Anreizmotivation (Ebene 3).

Persönlichkeitsdimensionen bei Gray:

  1. Impulsivität = Verhaltensbahnung durch Belohnungssensibilität (BAS)
  2. Ängstlichkeit = Verhaltenshemmung durch Bestrafungssensibilität (BIS)

Eysenck-Gray-Kontroverse
Wer hatte Recht? Um das zu beantworten, wurde eine Faktorenanalyse mit den Eigenschaften, die kennzeichnend für Extra- bzw. Introversion sind, durchgeführt. Ziel war es, die zentralen Dimensionen, die den Eigenschaften zugrunde liegen, herauszufinden. Nach Eysenck sollte es sich bei den Dimensionen um Extraversion und Emotionalität / Neurotizismus handeln; nach Gray um die Dimensionen Impulsivität (BAS) und Ängstlichkeit (BIS).



Fazit: Grays Faktoren stellen eine Rotation von Eysencks Faktoren um 45 Grad dar. Beide Ansätze, bestehend aus jeweils zwei orthogonalen Dimensionen, sind berechtigt.

Kritik an der faktorenanalytischen Aggregation:

  • Durch faktorenanalytische Aggregation können BAS (A+) und Aktivierung (T+) konfundiert sein, weil Fragebögen, mit denen die Daten gesammelt werden, solche Unterscheidungen nicht leisten können.
  • Selbst wenn man Methoden hätte, die A+ und T+ sauber trennen würden, wäre eine separate Messung nicht möglich, da T+ alles energetisiert und somit immer auch Einfluss auf A+ hat.
  • Bei der Faktorenanalyse ist immer völlig offen, wie man die Faktoren durch den Punkteschwarm legt.
  • Nur beobachtbares Verhalten wird gemessen.

Lösung der Eysenck-Gray-Kontroverse: Newman kombiniert beide Theorien. Er definiert Extraversion durch die relative Stärke des BIS und BAS. Diese Systeme werden durch das NAS beeinflusst. Somit zeigen sich Unterschiede zwischen BIS und BAS. Neurotizismus ist somit bedingt durch Reaktivität eines nicht spezifischen Erregungssystems (NAS).
Extraversion ist vom BAS beeinflusst, das Verhalten ist extravertiert.
Introversion ist vom BIS beeinflusst, das Verhalten ist introvertiert.
Newman stimmt mit Gray überein, dass Introversion und Extraversion durch BIS und BAS entstehen. Und er sieht auch den Neurotizismus wie Eysenck, er verursacht das NAS. Somit greift das NAS, wenn BIS oder BAS aktiv ist und verstärkt so die Unterschiede.

Nenne 5 Verhaltenskorrelate des Konstrukts "sensation seeking".
Welche neurophysiologischen Befunde sprechen für dieses Konstrukt?

  • neigen eher dazu, Drogen zu nehmen oder Alkohol
  • mögen riskante Sportarten, fahren häufiger zu schnell
  • antisoziale Formen von riskanten Verhalten
  • In der Armee bewerben sie sich für Kampftruppen
  • mehr sexuelle Erfahrung, höheres sexuelles Interesse
  • sind in Beziehungen öfter unzufrieden

Neurophysiologischen Befunde zu sensation Seeking:

  • Sensationssucher sind eher "augmenters" (Vergrößerer): Sie zeigen eine Erhöhung der Gehirnaktivität, wenn sie mit neuen Reizen konfrontiert werden und öffnen sich diesen Reizen auch.
  • Sensationsvermeider sind eher "reducers" (Verkleinerer): Sie zeigen bei der Konfrontation mit neuen Reizen eine Verringerung der Gehirnaktivität und schützen sich so vor Überreizung.

Nennen Sie 5 Verhaltenskorrelate von erhöhten Testosteronwerten.

  • größere Dominanz, mehr Streß mit Lehrern
  • Eltern und Klassenkameraden
  • größere Anzahl an Sexualpartnern
  • Alkoholmißbrauch, Drogenmißbrauch
  • geringere Bereitschaft zur Heirat, höhere Bereitschaft zur Scheidung, mehr außerehelicher Sex, häufiger Mißbrauch innerhalb der Ehe
  • unfreundlicheres Lächeln

Wie wirken sich Anabolika auf die Persönlichkeit aus?

Anabolika bewirken, dass der Testosteronspiegel steigt. Es wirkt sich insofern auf die Persönlichkeit aus, als dass es verstärkt zu aggressivem und dominanten Verhalten und Wutausbrüchen kommt.

Was bedeutet ein reduzierter Anteil von Alpha-Wellen im EEG und in welchen Untersuchungen wird er für die Persönlichkeitspsychologie interessant?

  • Delta Wellen: 0,5 - 4 Hz - Tiefschlaf
  • Theta-Wellen: 5 - 7 Hz - tiefe Entspannung, einschlafen
  • Alpha-Wellen: 8 -13 Hz - entspannter Wachzustand, synchronisiert, spindelförmig
  • Beta-Wellen: 14 - 30 Hz - bei mentaler und körperlicher Aktivität desynchronisiert
  • Gamma-Wellen: 30-50 HZ - sehr starke aktiviertheit

Liegen keine Alphawellen vor, ist die Person entweder gerade aufmerksam (Betawellen) oder befindet sich im Tiefschlaf (Deltawellen).
Eine höhere Frequenz bedeutet eine größere Aufmerksamkeit und mehr Hirnaktivität.
Dieses kann mit dem Elektroencephalogramms (EEG) aufgezeichnet werden. Das EEG wird in der Persönlichkeitspsychologie verwendet um herauszufinden, welche Hirnregionen mit welchen mentalen Prozessen zu tun hat: z.B. linke versus rechte Hemisphäre in Zusammenhang mit antreibender versus meidender Motivation.

Was haben nach Newman Extravertierte mit Psychopathen gemeinsam?

Psychopathen (später: antisoziale Persönlichkeit) mißachten gesellschaftliche Normen, weil sie intensive Erfahrungen erleben wollen.
Extravertierte haben eine ähnliche Tendenz. Beide sind impulsiv, denken nich an die Konsequenzen ihres Handelns.
< Eysenck glaubte, daß beide schlecht konditionierbar sind.

Welche Auswirkungen haben SSRls auf die Persönlichkeit?

SSRI: selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer,zB Prozac.

Sie beeinflussen die Stimmung und werden deswegen gegen Depressionen eingesetzt. Allerdings wirken sie sich auch auf die Persönlickeit aus: Menschen werden selbstsicherer, stabiler und bestimmter.

Beschreiben Sie Freuds topographisches Modell der Psyche.
Wie unterscheidet sich das kognitive Unbewusste von Freuds Unbewusstem?

Das Bewußte: Teil des Geistes, dessen man sich bewußt ist. Darüber kann man denken und sprechen.
Das Vorbewußte enthält Dinge, die nicht ständig bewußt sind, die man aber leicht hervorholen kann (man erinnert sich).
Das Unbewußte: Bereich, der nicht zugänglich ist. Bedürfnisse, Gefühle und Ideen, die mit Ängsten, Konflikten und Schmerz zu tun haben, und die das Verhalten beeinflussen. (Eisberg)
Kognitives Unbewußte: Wenn Prozesse routiniert werden (Automatismus), rutschen sie unter Umständen aus dem Bewußten ins Unbewußte (Autofahren). Man reflektiert dann nicht mehr jeden Teil der Handlung, führt sie automatisiert aus.
Freuds Unbewußtes: Triebregungen, verdrängte Gefühle von Angst, Konflikt und Schmerz, und Wünsche.

Erkläre den Zusammenhang zwischen Lustprinzip und Primärprozess, den Zusammenhang zwischen Realitätsprinzip und Sekundärprozess.

Lustprinzip: Bedürfnisse müssen sofort befriedigt werden. Wenn ein Bedürfnis aufkommt, drängt das "Es", dies sofort zu befriedigen. Der Mechanismus hierfür wird Primärprozeß genannt. Es wird ein geistiges Bild vom Objekt erstellt, das kurz Befriedigung geben kann, aber nicht für länger. Der Primärprozeß unterscheidet nicht zwischen geistigen Bildern und realen Dingen.
Realitätsprinzip: Ist Risiko zu hoch, wird anderes Mittel gewählt, um Bedürfnis zu befriedigen. Scheint es gerade keine Möglichkeit zu geben, wird auf später verschoben. Hier werden schon intelligente Prozesse benutzt (planen). Das "Ich" handelt nicht moralisch, nur pragmatisch und auf Bedürfnisse ausgerichtet. Das "Ich" benutzt den Sekundären Prozeß, um Objekte in der Umgebung zu finden, die zu den Bedürfnissen des "Es" passen.

Nenne experimentell untersuchte Determinanten des Belohnungsaufschubs.
Wie kommt Belohnungsaufschub bei Jungen und Mädchen zustande?

Mischel & Ebbesen (1970): Kinder wurden vor eine Wahl gestellt: entweder sofort ein kleines Geschenk oder später ein großes. (erste Wahl ist vom "Es" gelenkt, zweite Wahl vom "Ich") Wenn die Kinder das gewünschte Objekt sofort sahen, fiel es ihnen schwer, noch länger zu warten. Demnach sind die experimentell untersuchten Determinanten zum einen der Ort, an dem die Belohnung zu finden ist, und zum anderen die Aufforderung sich vorzustellen, dass das Belohnungsobjekt überhaupt nicht hier ist.

Kinder lernen Belohnungsaufschub, wenn sie sich bewußt werden, daß Objekte nicht verschwinden, nur weil sie sie nicht mehr sehen. Oder sie lenken ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes, um das Warten zu erleichtern.
Die Fähigkeit, auf Belohnung zu warten, korrespondiert mit bestimmten Aspekten von Intelligenz. Kinder, die eher auf Belohnung warten konnten, zeigten auch mehr Interesse an Erfolg und sozialer Verantwortung, was nach Mischel am gesunden Ego liegt.
Jungen: Impuls,- Emotionskontrolle ⇒ starke Konzentration und überlegtes Handeln.
Mädchen: Intelligenz, Findigkeit, Kompetenz.
Begründung des Geschlechtsunterschiedes lt. Funder: unterschiedliche Sozialisation

Worin unterscheiden sich es- versus ich-vermittelte Objektbesetzungen?

Es, Ich, Überich konkurrieren um Energie. Zunächst liegt die Energie beim Es. Wenn es Energie in ein Objekt investiert, wird dies Besetzung genannt.
Das Ich benutzt den Sekundären Prozeß, um Objekte zu finden, die zu den Bedürfnissen des Es passen. Da das Es ohnehin schon Energie in reale Objekte investiert, bekommt das Ich immer mehr Energie zur Verfügung, bis es mit Jahren von Erfahrungen genug hat, um sie auf andere intellektuelle Dinge (Bücher) zu lenken. (Ich-Besetzung)
Das Überich benutzt auch Energie für die Identifikation. Konflikt zwischen Bedürfnissen des Kindes und Regeln der Eltern. So werden elterliche Ideale zu Idealen des Ich. (durch Belohnung und Bestrafung)

Nenne 5 empirische Befunde zur Katharsishypothese.

  • Megargee: Menschen mit starker Hemmung gegen Aggressionen stauen solche Gefühle solange auf, bis die Energie zu groß wird und ausbricht, was grobe Gewalt zur Folge haben kann.
  • Hokanson & Burgess: Höherer Blutdruck, weil VL die Vpn bei der Aufgaben störte. Die Vpn, die die Möglichkeit hatten, den Ärger verbal oder physikalisch zu vergelten, hatten danach wieder einen niedrigeren Blutdruck.
  • Vergeltung in der Fantasie (TAT) brachte kaum einen Unterschied.Vergeltung muß sich gegen Anstifter wenden oder dorthinführen, um zu beruhigen, kann aber auch von einer anderen Person ausgeführt werden.
  • Frauen beruhigen sich eher, wenn Sie auf Provokation gelassener statt aggressiv reagieren.

Beschreiben Sie zu jeder Entwicklungsphase die fixierungsbedingte Charaktere.

Orale Phase (Geburt - 18 Monate): Optimismus vs. Pessimismus, Vertrauen vs. Mißtrauen, Abhängigkeit von anderen, Leichtgläubigkeit.
Anale Phase (18 Mon - 3 Jahre): überschwängliche Belohnung zur Reinlichkeitserziehung: kreativ und produktiv.
Wenn das Kind durch Bestrafung und Beschämung erzogen wurde: grausam, destruktiv, offenkundig feindselig. starr, besessen. Geizig, eigensinnig, ordentlich, reinlich.
Phallische Phase (3-5 Jahre): Männer demonstrieren, daß sie ihren Penis noch haben (häufiger Geschlechtsverkehr), zeigen ihre Männlichkeit (Karriere). Wegen der Schuldgefühle sexuelles Versagen. Frauen flirten viel, zeigen sich Männern gegenüber sehr offen, obwohl sie nicht an Sex interessiert sind.

Erläutere die beiden Angsttheorien Freuds.
Was ist der Unterschied zwischen moralischer und neurotischer Angst?

1. Angsttheorie: Angst ist die Folge von ins Bewußtsein drängender traumatischer Erinnerungen, die seit der frühen Kindheit verdrängt sind. Nach dem Träumen folgt die Verdrängung, und darauf die Angst. Die traumatischen Erfahrungen sollten Kindesmißbrauch sein. So hätte Freud (als Jude in Deutschland) behauptet, daß sehr viele Kinder mißbraucht würden Das hätte die Bevölkerung nicht auf sich sitzen lassen.

2. Angsttheorie: Er revidierte daraufhin seine Theorie: Funktion des Ich zur Wahrnung vor Gefahren. Diese Gefahren bestehen auch darin, daß die Forderungen des Überichs nicht erfüllt werden könnten. Also sollen eigene "schlimme" Wünsche des Es Auslöser sein.

Wie wirkt bewußt gesteuerte Verdrängung?
Was versteht man unter Rebound-Effekt?

Wegner: Einer Gruppe wurde gesagt, sie soll nicht an einen weißen Bären denken. Einer anderen wurde gesagt, sie soll daran denken. Immer, wenn sie daran dachten, sollten sie an einer Glocke klingeln. Beide Gruppen teilten ihre Gedanken mit, so wie sie kamen. Solange die VPs an etwas anderes dachten, konnten sie den weißen Bären vergessen. Und später dachte die Nicht-Denk-Gruppe viel öfter an weiße Bären.
Am besten ist, Gedanken zuzulassen, dann holen sie einen nicht später wieder ein.

Erläutere 7 Abwehrmechanismen mit je einem Beispiel!

Repression: Man hat sich schlecht benommen und verdrängt es hinterher.
Morokoff, 1985: Frauen mit Sex-Schuld berichten von wenig Erregung, wenn sie erotische Stimuli sahen. Physiologische Messungen zeigten aber höhere sexuelle Erregung als bei anderen.
Reaktionsbildung ist ein Mechanismus, der das Selbst vor Bedrohung schützen kann.

Projektion: Man ist feindlich gegenüber einer Person, projeziert dies in sie hinein und behauptet, sie sei feindlich
Bramel, 1962: Männer, denen gesagt wurde, sie hätten homosexuelle Tendenzen, sahen andere so, als hätten sie sie.
Projektion ist eher ein Nebenprodukt einer Abwehrreaktion als ein Abwehrmechanismus an sich.

Abstreiten: Alkoholiker, Drogenabhängige
Newman, 1988: Arbeitslose denken darüber nach, wie sie gefeuert wurden, was sie gerne noch gesagt oder anders gemacht hätten.
Keine Befunde für Ungeschehenmachen als Abwehrmechanismus.
Ungeschehenmachen ist eine Copingstrategie, die helfen kann, sich besser zu fühlen.

Intellektualisierung: Frau erfährt, daß ihr Mann Krebs hat und geht das Thema nun ganz wissenschaftlich an Rationalisierung: Man wird an einer Schule nicht angenommen und behauptet, man hätte es auch nicht wirklich gewollt
Isolierung: Mentale Barriere wird zwischen bedrohender Kognition und anderen Gefühlen errichtet
Hansen &Hansen, 1988: schlechte Erinnerungen rufen bei Verdrängern keine anderen schlechten Erinnerungen wach. Verdränger haben zwar genauso viele negative Erfahrungen, verbinden diese aber nicht mit anderen negativen Ereignissen und fühlen sich deshalb nicht so beunruhigt.
Gute Belege, daß Menschen ihr Selbst gegen Bedrohung verteidigen, indem sie Bedrohung mental isolieren.

Verkehrung ins Gegenteil: Ein Kind, das sich über seinen neuen Bruder ärgert und ihn mit seiner Liebe erdrückt

Regression: anale Persönlichkeit

Ersetzung: Freund schreit Kumpel an, obwohl ihn der Lehrer geärgert hat
Hokanson, Burgess & Cohen, 1963: Vpn wurden frustriert, dann wurde die Gelegenheit gegeben, Aggression am VL, Assistenten, Studenten auszulassen. Machten keinen Unterschied, an wem sie ihre Aggressionen ausließen.
Befunde unterstützen Abwehrmechanismus nicht. Alternative Erklärung: Allgemeine Tendenz für Erregung oder schlechte Stimmung, die in Aggression ausgedrückt wird

Sublimation: Man schreibt einen konstruktiv kritischen Leserbrief.

Wie entstehen Erinnerungstäuschungen?

Loftus (1997): Vpn wurden Kindheitserlebnisse vorgelegt, die man vorher von Verwandten erfahren hatte. Darunter waren aber auch "falsche" ausgedachte gemischt. 20-30% der VPs meinten sich an die falschen Gegebenheiten zu erinnern.Bei einer anderen Patientin wurden "falsche" Erinnerungen durch Hypnose und Psychoanalyse hervorgeholt.

Beschreibe experimentelle Belege für die Wirkung unbewußter Konflikte.

Silverman: Menschen mit depressiven Neigungen wurden Zeichen gezeigt, die so kurz erschienen, daß sie nur unbewußt aufgenommen wurden (Cannibale ißt Mensch). Das geschah vor dem Hintergrund, daß man glaubte, Depressive haben unbewußte selbstzerstörerische Wünsche. Diese Menschen hatten hinterher noch stärkere depressive Gefühle.
Silverman & Ross: Ähnlicher Versuch zum Ödipalen Komplex. Die Vpn nahmen an einem Dart-Wettbewerb teil. Nachdem ihnen unbewußt Zeichen wie "Vater schlagen ist okay" gezeigt wurden, hatten sie beim Dart bessere Ergebnisse. Dies schien also das Wettbewerbsverhalten anzustacheln.

Wie erklärt Freud die therapeutische Wirkung der Wiederbelebung früherer Verletzungen?

Katharsis: Freud fand zuerst heraus, daß Symptome durch Hypnose gelindert werden können. In Hypnose erlebt die Person stark emotionale Erlebnisse, was Energie wieder freisetzt. Er glaubte, daß dadurch die libidinöse Energie, die zur Unterdrückung der früheren Verletzungen benötigt wurde, frei wird und für andere Prozesse zur Verfügung steht.

Wie wurde die therapeutische Wirkung der Selbstöffnung nachgewiesen?

Pennebaker (1993): Gefühle, Wünsche und Erinnerungen zurückzuhalten kann physisch krank machen. Im Versuch erzählten Vpn über ihr schlimmstes Erlebnis. Wenn die Sprache auf die tiefen Gefühle kamen, sprachen sie schneller und senkten ihre Stimme. Die Handschrift änderte sich bei denen, die ihr Erlebnis aufschrieben (letting go). Sie besuchten dann die Krankenstation in den folgenden Monaten seltener als andere Vpn. Er fand heraus, daß Menschen, die mehr negative Gefühle zur Sprache brachten und die, die im narrativen Stil berichten, mehr Erleichterung hatten. Es kommt darauf an, die Gefühle auszudrücken.

Welches Prinzip kennzeichnet Jungs persönlichkeitstheoretischen Ansatz?

Prinzip der Gegensätze: Gegensätzliche Kräfte halten das Gleichgewicht. Jede bewußte Ebene hat ihren unbewußten Gegenpol.

4 Funktionen auf zwei Ebenen

  1. Extravertiert: Nach außen gerichtetes Interesse auf Objekt hin. Passen sich an, reagieren auf momentane Reize. Hauptsache, ein positiver Affekt ist vorhanden. Entschlüsse und Handlungen sind nicht durch subjektive Ansichten, sondern durch Personen und Objekte in der näheren Umwelt bedingt (Erziehung, Tradition). Überspitzung: Hysterie
  2. Introvertiert: Interesse weg vom Objekt hin zum Subjekt und dessen eigenen psychologischen Vorgängen, "damit das Objekt nicht zu mächtig wird.". Zögernd, reflexiv, zurückgezogen.

4 Grundfunktionen:

  1. Denken: Rational. Denktypus: Man erbringt seine Lebensleistung hauptsächlich unter der Führung denkender Überlegung, alls wichtigen Handlungen gehen aus intellektuell gedachten Motiven hervor.
  2. Fühlen: Rational. Fühltypus: vorwiegend Frauen. Man lebt nach der Richtschnur des Gefühls. Das Denken stört das Fühlen.
  3. Empfinden: Irrational. Sinnesempfindung durch physische Reize
  4. Intuieren: Irrational. Ahnendes Wahrnehmen; an dem vor allem das Unbewußte beteiligt ist.

Rational bedeutet, daß die Typen charakterisiert sind durch vernünftig urteilende Funktionen.
Irrational bedeutet, daß man sein Tun nicht auf Vernunfturteile gründet, sondern auf die Wahrnehmung.

Welche beiden Formen der Ich-Aktivität unterscheidet Heinz Hartmann?

Hartman wollte sich nicht ganz von Freud abwenden, die Theorie aber auch nicht komplett übernehmen und schlug vor, daß das Ich zwei Rollen gleichzeitig spielt.
Einerseits reduziert es Konflikt zwischen Es, Überich und Realität. Andererseits paßt es durch kognitive Prozesse den Menschen an seine Umwelt an. Wenn es Konflikte reduziert, operiert es in dem Konfliktbereich der Persönlichkeit. Wenn es mit Anpassung beschäftigt ist, agiert es im konfliktfreien Bereich.
Das Es und das Ich haben gleiche Energiequelle. So bleibt das Ich ein Leben lang mit dem Es in Kontakt. Dieser Teil des Ichs agiert im Konfliktbereich und versucht, die Bedürfnisse des Es zu befriedigen. Der Rest des Ichs operiert unabhängiger im konfliktfreien Bereich.

Welche Befunde gibt es zur "Freude am Denken"?

Bedürfnis für Kognition.
Menschen mit hohem Bedürfnis organisieren spontan, erheben Informationen, werten sie aus, sind schneller gelangweilt, nehmen mehr Details am Verhalten anderer wahr. Sie sind nicht dogmatisch und erklären Zusammenhänge komplizierter.

Untersuchung, wie andere Menschen überzeugt werden (Cacioppo, 1996): Einige werten aus, was gesagt wird, andere nehmen es hin. Im Versuch wurde mehreren Gruppen ein Text gegeben, der Meinung ändern sollte. Eine erhielt Text mit schwachen Argumenten, eine andere mit starken. Menschen mit hohem Kognitionsbedürfnis dachten mehr darüber nach als andere, merkten sich mehr Argumente. Wenn man aber über starke Argumente nachdenkt, wird man überzeugt. Denkt man über schwache Argumente nach, passiert das Gegenteil. So ließen die mit hohem Kognitionsbedürfnis sich von starken Argumenten überzeugen, blieben bei den schwachen Argumenten eher resistent.

Welche beiden Formen der ICH-Funktionen unterscheidet Jack Block?

Ich-Kontrolle: Betrifft Impulsivität. Zuwenig kontrollierte Personen können nicht auf Belohnung warten, drücken Gefühle, Wünsche unmittelbar aus, haben viele kurzweilige Interessen, leicht ablenkbar, unkonventionell, kommen gut mit Abwechslung zurecht. Überkontrollierte können gut auf Belohnung warten, halten Gefühle, Wünsche zurück, sind organisiert, haben Interessen, die sich kaum ändern und können sich schlecht an neue Situationen gewöhnen.
Ich-Flexibilität: Vermögen, die Ich-Kontrolle in beide Richtungen an die Situation anzupassen. Eine hohe Ich-Fexibilität ermöglicht gute Anpassung an die Umwelt, unabhängig vom Grad der Ich-Kontrolle.

Nenne Verhaltenskorrelate des anpassungsfähigen Ichs (egoresilience).

Funder & Block (1989): Belohnungsaufschub. 14 Jahre alte Vpn durften sich aussuchen, ob in 6 Versuchsdurchgängen nach jedem Durchgang 4$ Belohnung bekamen oder nach allen Durchgängen, was Ihnen einen "Interessensbonus" einbrachte. Gemessen wurde, wie oft die VPs entschieden, die Belohnung auf später zu verschieben.

Worin besteht nach Adler die Entwicklung der Persönlichkeit?

Großer Aufwärtstrieb: Menschen kämpfen für größere Kompetenz und Integration, um ein wichtiger Teil der Gesellschaft zu werden. Auch hier kann ein Kreislauf entstehen, der den Menschen diesem Status immer näher bringt.
Nach Adler liegt ein Minderwertigkeitsgefühl in unserer Natur, weil uns keine natürlichen Waffen und Hilfsmittel mehr zur Verfügung stehen. Durch die ewige körperliche Unzulänglichkeit hat der Mensch die herausragende technische Entwicklung angetreten. Die sinngemäßeste Kompensation des Unsicherheitsgefühls liegt im Bestreben, Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erwerben und so dem Persönlichkeitsideal entgegenzustreben.

Welche Auswirkungen hat der zweite Geburtsrang nach Adler auf die Persönlichkeitsentwicklung?

Sie kommen in eine Familie, die schon existiert. Der Rivale ist schon da. So werden sie weniger sensitiv für Macht, weil sie in der Familie nie Machtposition einnehmen mußten. Sie gewöhnen sich an ein gleichbleibendes Einholenwollen des Erstgeborenen. So entsteht ein konstantes Streben nach Überlegenheit, aber auch Minderwertigkeitsgefühl, was dazu führt, daß man sein Leben lang Eifersucht und Wettbewerb spürt.
Adler selbst war ein Zweitgeborener, er fühlte sich sein Leben lang von seinem älteren Bruder übertrumpft, der ein erfolgreicher Geschäftsmann war.

Wie werden die Bindungstypen operationalisiert?
Erläutern Sie empirische Korrelate erwachsener Bindungstypen (Beruf, Partnerschaft, Stress)

Bindungstheorie von Ainsworth (1978): "Fremde-Situations-Test" (FST):
Folge von 8minütigen Sequenzen mit einer fremden Umgebung und einer fremden Person konfrontiert sowie zwei Trennungen von seiner Bezugsperson ausgesetzt. Wichtig sind besonders die Zeiten, wenn das Kind mit dem Fremden alleine ist und wenn die Mutter zurückkommt.
Es kristallisierten sich bei dem Test vier Arten von Kindern heraus

  • sichere Bindung (TYP B)
  • unsicher - ambivalente Bindung (TYP C)
  • unsicher - vermeidendes Kind (TYP A)
  • desorganisiertes Kind

Das Verhalten der TYP C-Kinder wird erklärt als ein Pendeln zwischen aggressivem und supplikativem Coping.
Für das Verhalten der TYP A-Kinder gibt es mehrere Interpretationsansätze. Eine Erklärung besagt, dass das Kind sich eigentlich die Nähe zur Mutter wünscht, andererseits aber auch Angst vor ihr hat und deshalb einfach bei seiner derzeitigen Beschäftigung bleibt.
Bowlby deutet das Verhalten als Versuch, ein Geborgenheitsgefühl gar nicht aufkommen zu lassen.
Interessanterweise kann auch bei den TYP B-Kindern eine Akklimatisation des Sicherheitsbedürfnisses eintreten, sie bildet sich aber wieder zurück, während sie bei den TYP A-Kindern chronisch bleibt.
Bei Erwachsenen (siehe Bartholomew & Horowitz, 1991 und Hazan & Shaver, 1987): Liebesbeziehung beschreiben

  • "Sichere" Erwachsene beschrieben die Beziehung im Vergleich zu den anderen Gruppen als sehr vertrauensvoll, glücklich und fröhlich.
  • "Vermeidende" Erwachsene: Waren weniger bereit als die anderen Gruppen, die Fehler/Unzulänglichkeiten ihrer Partner zu akzeptieren.
  • "Ambivalente" Erwachsene beschrieben, dass sie eine Liebesbeziehung als eine obsessive Vereinnahmung erleben. Sie erleben extreme Höhen und Tiefen sowohl bei der sexuellen Anziehung als auch bei Eifersucht.
    Ambivalent gebundene Erwachsene: mit der Arbeit immer unzufrieden. Arbeit dient als Kompensation des Fehlens von Beziehungen.

Hazan & Shaver untersuchten auch die mentalen Modelle, die Erwachsene von Beziehungen haben:

  • "Sichere" Erwachsene: Liebe ist echt und beständig.
  • "Vermeidende" Erwachsene: Es gibt keine ewige Liebe.
  • "Ambivalente" Erwachsene: Man verliebt sich schnell und oft, aber die Liebe hält nicht für immer.

Erläutere die 8 Stufen der Persönlichkeitsentwicklung nach Erikson.

Psychosoziale Phasen: Autoerotische Lust des Kleinkindes am Sprechen, jede Gesellschaft hat Normen entwickelt, um den Bedürfnissen des Kindes entgegenzukommen.
"Alles, was wächst, hat einen Grundplan, um ein funktionales Ganzes zu bilden." Die erste Orientierung am Anfang einer Krise wird durch die Bewältigung aller früheren Krisen bestimmt. Wenn man die erste Krise gut bewältigt hat legt man Grundsteine für die Bewältigung der folgenden Krisen. Krisen sind nie ganz bewältigt und vergessen.
Identität: das unbewußte Streben nach einer Kontinuität des persönlichen Charakters.

  1. Urvertrauen vs. Mißtrauen (0-1 Jahr): Auch Entwicklung von Selbstvertrauen.
  2. Autonomie vs. Scham und Zweifel (2-3 Jahre): Das Kind lernt sprechen, seinen Stuhlgang zu kontrollieren und zu gehen. Daraus entsteht Angst, und es braucht eine unterstützende Atmosphäre, in der es Selbstkontrolle entwickeln kann, ohne Selbstachtung zu verlieren. Festhalten vs. Loslassen.
  3. Initiative vs. Schuldgefühl (4-5 Jahre): Identifikation mit den Eltern. Das Kind nimmt seine position irgendwo entlang der Dimension "Initiative" und "Schuldgefühle" ein.
  4. Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl (6 Jahre - Pubertät): Schuleintritt.
  5. Identität und Ablehnung vs. Identitätsdiffusion (Adoleszenz): Vertrauen, Autonomie, Initiative und Unternehmergeist tragen zur Identitätsbildung bei. Sozialer Druck, sich für einen Beruf zu entscheiden.
  6. Intimität und Solidarität vs. Isolierung (Beginn des Erwachsenenalters): Intimität ist nur möglich, wenn eine Identität ausgebildet wurde.
  7. Generativität vs. Stagnation (mittleres Erwachsenenalter): Selbstabsorption = Selbstverwöhnung.
  8. Integrität vs. Verzweiflung (hohes Alter): Man muß damit leben, was man in seinem Leben geleistet hat. Trauer um das, was man in seinem Leben getan oder nicht getan hat.

Welche Befunde belegen den Zusammenhang zwischen Eriksons ersten beiden Stufen?

Hazen & Durrett: Kinder mit Urvertrauen wurden beobachtet, während sie mit Mutter ein Zimmer mit vielen Spielzeugen geführt wurden. Gezählt wurde, wie oft sie selbständig neue Bereiche erforschten (Autonomie, Initiative) oder wie oft sie sich von der Mutter führen ließen. Sichere Kinder erforschten mehr Spielzeuge, zeigten mehr Initiative.

Welche Befunde belegen den Zusammenhang zwischen Eriksons erster und dritter Stufe?

Lütkenhaus: Kinder wurden mit 1 Jahr bez. des Vertrauens beobachtet, mit 3 Jahren bez. ihrer Initiative. Sichere Kinder zeigten mehr Initiative mit Fremden. Beim Spiel zeigten sichere Kinder nach Versagen mehr Anstrengung.

Welche Befunde belegen den Zusammenhang zwischen Eriksons fünfter und sechster Stufe?

Csikszentmihalyi: Schüler füllten Fragebogen aus, der sich auf Identität bezog, 18 Jahre später Fragebogen, der sich auf Intimität bezog. Hohe Intimität = Eheschließung und Anhalten der Ehe. Männer mit starker Identität haben eher geheiratet. Bei Frauen war die Identität nicht ausschlaggebend für Heirat, doch verringerten sich die Scheidungen mit zunehmender Stärke der Identität.

Erläutere das Prinzip der Epigenese.

Prozeß, bei dem eine undifferenzierte Einheit (eine einzelne Zelle / Embryo) sich differenziert und in ein komplexes System (Organismus) einfügt.
Für die psychosoziale Entwicklung bedeutet dies, daß bei der Geburt schon ein Bauplan für jede Entwicklungsphase besteht. Die erste Orientierung am Anfang einer Krise wird durch die Bewältigung aller früheren Krisen bestimmt. Wenn man die erste Krise gut bewältigt hat legt man Grundsteine für die Bewältigung der folgenden Krisen. Krisen sind nie ganz bewältigt und vergessen.

Welche Defizite klassischer Lerntheorien sollen in den sozialen Lerntheorien überwunden werden?

Dinge, die von klassischen Lerntheorien nicht erfaßt werden:

  • Wie Menschen voneinander lernen
  • Wie Leute selbst entscheiden, etwas zu tun oder auch nicht, indem sie darüber nachdenken
  • Wie Babys z.B. plötzlich etwas komplexes tun, was sie vorher noch nicht gemacht haben
  • Wie Leute bei der Arbeit über komplizierte Zusammenhänge nachdenken und entscheiden

Beschreibe ein Experiment, das stellvertretende Verstärkung demonstriert.

Wenn man jemanden beobachtet, der für etwas Verstärkung bekommt, neigt man dazu, diese Handlung auch auszuführen. Sieht man jemanden, der für etwas bestraft wird, wird man diese Handlung meiden.
Man lernt jedoch zu unterscheiden und sich an unterschiedliche Situationen anzupassen. So entsteht geistiges Modell der Verbindungen zwischen Handlungen und Verstärkung, die abhängig von der Situation variiert.
Kanfer & Marston (1963): Vpn sagten irgendwelche Worte in ein Mikrofon. Sie hörten, wie eine andere Vpn (Eingeweihter) immer durch einen positiven Kommentar vom VL verstärkt wurde, wenn er ein human noun sagte. Die Vp steigerte die Anzahl an human nouns, auch ohne daß sie selbst eine Belohnung dafür bekam.

Beschreibe drei verschiedene Arten von Erwartungen.

  1. Erfolgserwartungen (Rotter): Verbindung zwischen Erwartungen und Motivationen ⇒ Erwartungs-Anreiz-Theorie
    Erwartung = implizites Urteil über Erreichen eines bestimmtes Ziels durch bestimmtes Verhalten.
    Anreiz = Werte der Ziele
    ⇒ beide Aspekte sind wichtig, um Verhalten vorauszusagen.
    Erwartungen haben einen kausalen Einfluss auf das Verhalten (Unterschied zu Konditionierungstheorien), Bestärkung hat einen direkten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit des Verhaltens
    ⇒ nachdenken über Erfahrungen + gegenwärtige Situation + Chancen - Bewertung
  2. Erwartung des Ortes der Kontrolle (Rotter): Warum lernen verschiedene Personen bei identischen Situationen verschiedene Dinge?
    Antwort: Manche Menschen reagieren auf Veränderungen, andere nicht. Ursache-Effekt-Lernen-Link muss erkannt werden, um sich selbst als Ursache zu erkennen.
    Es gibt 2 Personengruppen: Internale: Verstärkung durch eigene Aktionen (bei Misserfolg/Erfolg in Abhängigkeit zu wahrgenommenem Ort der Kontrolle - Reaktion: Sie setzen ihre Erwartungen nach einem Erfolg höher an, während sie bei Misserfolg ihre Erwartungen runterschrauben)
    Externale: Verstärkung durch externe Einflüsse (bei Misserfolg/Erfolg in Abhängigkeit zu wahrgenommenem Ort der Kontrolle - Reaktion: Sie verändern ihre Erwartungen in die gegenteilige Richtung des vorausgegangenen Resultats)
    Phares Experiment: VP sollen Aufgabe lösen - 2 Gruppen
    Vorgabe: Lösung der Aufgabe hängt von Fähigkeit ab (internal)
    Vorgabe: Lösung der Aufgabe hängt von Glück ab (external)
    Bei der ersten Vorgabe kann das Ergebnis als Hilfe für kommende Ereignisse genutzt werden
  3. Erwartung über die eigene Wirksamkeit (Bandura): Menschen gewinnen Vertrauen in sich Selbst und verwirklichen eigene Ziele. Sie entwickeln sich im Laufe der Zeit und prägen Erwartungen.
    Personen mit internalem Ort der Kontrolle haben geringere Selbsterwartung
    Personen mit hoher Selbsterwartung sind hartnäckiger beim Problemlösen
    Erwartungshaltungen und deren Wirksamkeit haben positiven Einfluss auf Immunsystem

Wie verändert sich die Erfolgserwartung nach Erfolg bzw. Mißerfolg in Abhängigkeit von dem wahrgenommenen Ort der Kontrolle?

Menschen mit internem Ort der Kontrolle erhöhen Erwartungen, nachdem sie Erfolg erlebt haben und senken sie, wenn sie Mißerfolg erlebten. Externale richten ihre Erwartungen oft gegenteilig aus. So passiert es auch oft in Situationen, die vom Glück abhängen. Diese Unterschiede haben große Bedeutung für kompliziertere Situationen, z.B. akademischer Erfolg.
Weiner:

  Stabil Instabil
Internal Fähigkeit Anstrengung
External Schwierigkeit Zufall

Erfolgserwartung fällt schnell, wenn...

  • ... ich die Fähigkeit nicht habe
  • ...die Aufgabe gleich schwierig bleibt

Erfolgserwartung sinkt nicht so schnell, wenn...

  • ... man sich nächstes Mal mehr anstrengen kann
  • ... man nächstes Mal mehr Glück haben kann

Stabile Ursachen sind also wichtiger.

Welche Dimensionen sind in Rotters I-E Konstrukt konfundiert und welche beeinflusst Erwartungsänderungen?

Diese Skala mißt nur generalisierte Erwartungen, nicht spezielle.
Sie mischt Wahrnehmung der Kontrolle über persönliche Ergebnisse mit Wahrnehmung der Kontrolle über z.B. juristische Gegebenheiten. Außerdem gibt es bei den Externalen mehr Variationen als bei den Internalen, weil es viele verschiedene äußere Umstände gibt, denen man eine Situation zuschreiben kann.Verknüpfung zwischen eigener Handlung und Ergebnis, welche für das Lernen notwendig ist, kann nach Rotter nur bei internem Ort der Kontrolle zustandekommen.
Begabung kann als stabiler Grund für Ergebnis angesehen werden, während Glück eher variabel ist. Nun ist nicht klar, was Erwartung beeinflußt: stabile Begabung oder variables Glück? Versuche ergaben, daß eher Stabilität bevorzugt wird.

Gib ein Beispiel für die Dissoziierbarkeit von internaler Kontrolle und Selbstwirksamkeit.

Selbstwirksamkeit: Um ein Problem zu lösen, muß man sich über seine Fähigkeiten, das notwendige Verhalten zu zeigen, bewußt sein. (Bandura).
Unterschiede zum internalen Ort der Kontrolle: Menschen mit internalem Ort der Kontrolle sehen gute und schlechte Ergebnisse als Folge ihrer eigenen Handlungen an. Sie fühlen sich nicht unbedingt immer kompetent genug, effektiv zu handeln. (Beispiel: Überzeugung, daß viel Lernen zu guten Noten führt. Man selbst weiß aber, daß man nicht gut lernen kann.)

Beschreibe ein Experiment, das zeigt, wie Belohnungsaufschub ge- und verlernt werden kann.

Ob durch Beobachtung Gelerntes in Verhalten umgesetzt wird, hängt von Motiven einer Person ab. (Bandura).
Kinder schauten einen Film, in dem man der Puppe Bobo Gewalt zufügte. Bei einer Gruppe wurde das Modell im Film gelobt, bei anderer Gruppe bestraft, bei Kontrollgruppe gar nicht reagiert.
Hinterher wurden die Kinder in einen Raum geführt, in dem sich Spielzeuge befanden, u.a. Bobo. Wie häufig ahmten Kinder das Verhalten aus dem Film nach?
Die, die Film gesehen haben, in dem belohnt wurde, ahmten häufiger Gewalt nach als die, die Film mit Bestrafung gesehen hatten.
Danach wurden die Kinder gebeten, gegen Belohnung aufzuzeigen, an welche Einzelheiten sie sich erinnerten. Kinder aus beiden Gruppen erinnerten sich an gleichviele Ereignisse aus beiden Filmen. Das Gewaltverhalten wurde allerdings erst wiedergegeben, als eine Belohnung dafür in Aussicht stand.

Wie wirkt sich Androgynität auf die Lebenszufriedenheit aus?

Kinder merken sich mehr Verhaltensweisen von gleichgeschlechtlichen Erwachsenen, man kann sich auch besser mit denen identifizieren. Dazu kommt ein subtiles Netz der sozialen Verstärkern. Ein Junge wird mehr verstärkt, wenn er sich für das Rasieren des Vaters interessiert als wenn er der Mutter beim Schminken zusehen würde.
Symbolische Modelle: Figuren im Fernsehen, in Zeitungen, Büchern.
Hat man von beiden Geschlechtern Qualitäten, wird dies androgyn genannt. Androgyne Menschen scheinen anpassungsfähiger und flexibler zu sein und haben gut ausgeprägte Interessen. Solche Menschen sollten sich einer größeren Lebenszufriedenheit erfreuen. Die Annahme konnte jedoch nicht immer bestätigt werden.

Beschreibe ein Experiment zur Wirkung von Gewaltszenen im Fernsehen.

1992 wurde angegeben, bis zum Alter von 16 Jahren hätten Jugendliche 33000 Morde gesehen. Dies kann auf drei Wegen Einfluß ausüben:

  1. Leute, die aggressive Techniken beobachten, erwerben diese als Verhaltenspotentiale durch Beobachtungslernen
  2. Wenn Gewalt erlaubt, verziehen, belohnt werden, trägt es dazu bei, daß Zuschauer meint, Aggression sei ein Weg, um mit Konflikten umzugehen. Wenn der Bösewicht nicht verstärkt wird, wendet der Gute meist auch Gewalt an, und dieser wird belohnt
  3. Wiederholtes Ansehen von Gewalt desensibilisiert für Leid.

Thomas (1977): Vpn sahen Film, der entweder von einem Volleyballspiel oder von Gewalt handelte, Hautleitfähigkeit wurde gemessen. Später sahen beide Gruppen Film, bei dem sie dachten, daß es um einen echten Streit mit körperlicher Gewalt ging.Volleyballgruppe war bei dem zweiten Film erregter als die Gewaltfilm-Gruppe. Diese war also "abgestumpft", desensibilisiert.

Vergleiche körperliche Verwirklichungsprozesse mit Selbstverwirklichung (Rogers).

Rogers, 1959: Jedes Lebewesen hat das Potential für positives, gesundes Wachstum, wenn nicht starke gegenteilige Einflüsse da sind. So werden Fähigkeiten entwickelt, die den Organismus erhalten und erweitern.
Der Körper verwirklicht sich, indem das Immunsystem arbeitet, um Krankheiten zu vermeiden oder indem er wächst und stärker wird.Wenn der Geist wächst und stärker wird, nennt Rogers dies Selbstverwirklichung. Man strebt eine größere Ganzheit, Kongruenz oder Integration an und minimiert Disorganisation und Inkongruenz.

Wie passen Rogers drei Basisbedürfnisse in Maslows Bedürfnishierarchie?

Maslows Bedürfnishierarchie Rogers
physiologisches Bedürfnis  
Bedürfnis nach Sicherheit und Unversehrtheit  
Bedürfnis nach Liebe und Zugehörigkeit  
Bedürfnis nach Achtung positive Wertschätzung / Akzeptanz
Bedürfnis nach Selbstverwirklichung Tendenz zur Selbstverwirklichung

Rogers: Bedürfnis nach positiver Wertschätzung ist stärker als die Tendenz zur Selbstverwirklichung und verleitet dazu, sie zu ignorieren.
Nach Maslow ist das Bedürfnis nach Achtung auch stärker als das nach Selbstverwirklichung. Rogers wandte sich nur sozialen Bedürfnissen zu.
Bedürfnis nach Achtung kann mit positiver Wertschätzung von Rogers verglichen werden. Der beurteilte als schlecht, sich Wünschen anderer zu beugen, während Maslow es als natürlich betrachtete.

Beschreibe fünf Merkmale der "voll funktionsfähigen Person".

Die voll funktionsfähige Person ist auf die Selbstverwirklichung abgestimmt, sie erfährt einen Zusammenhang und eine Kohärenz im Selbst und zwischen dem Selbst und gegenwärtigen Erfahrungen.

  • offen dafür, die eigenen Gefühle zu erfahren und zuzulassen
  • Vertrauen auf die eigenen Gefühle statt sie infrage zu stellen
  • offen für die Welt, in die man eintaucht statt sich vor ihr zu verstecken
  • das Leben ist erfüllt von Herausforderungen, Bedeutungen
  • Wille, auch mal Schmerz zu riskieren

Wann korrumpiert Belohnung die intrinsische Motivation?

Deci & Ryan: Selbstbestimmte Handlungen erfolgen, weil intrinsisches Interesse vorliegt. Kontrolliertes Verhalten ist von äußerem Druck oder Wünschen bestimmt.
Intrinsisch motivierte Interessen dauern länger. (Kinder, die für Spielen Belohnung erhielten: "turning play into work", sie verloren das Interesse)
Belohnung hat zwei Aspekte: Wirkt sie kontrollierend, meint die Person, ihr Verhalten sei nicht selbstbestimmt und verliert das Interesse. Schließt man aber von der Belohnung auf seine Fähigkeiten, erhöht dies die Motivation.Internale Regulation: Identifikation, Selbstintegration, intrinsische Motivation. Handlungen sind wertvoll, haben persönliche Bedeutung.
Externale Regulation: Amotivation, Introjektion. Schuld oder Angst vermeiden, "ich sollte". Kontrolliert.

Wo können Higgins' Selbstdiskrepanzen in Maslows Modell eingeordnet werden?

Maslows Bedürfnishierarchie Higgins
physiologisches Bedürfnis  
Bedürfnis nach Sicherheit und Unversehrtheit  
Bedürfnis nach Liebe und Zugehörigkeit  
Bedürfnis nach Achtung Diskrepanz zwischen aktuellem und Sollte-Selbst -> Angst
Bedürfnis nach Selbstverwirklichung Diskrepanz zw. aktuellem und dem idealem Selbst -> Depression

Wie misst man Selbstdiskrepanzen?

Zuerst listen Vps 10 Attribute auf, von denen sie glauben, daß sie zum aktuellen Selbst passen.
Dann 10 Attribute zum idealen und 10 zum Sollte-Selbst. Anschließend wird erfaßt, inwiefern und wie stark sich diese Listen unterscheiden.

Welche Hirnareale sind an der Steuerung automatischer und willkürlicher Bewegungsaggregate beteiligt?

Willentliche Steuerung von Bewegung: Präfrontaler Cortex, v.a. links.
Automatische Bewegung: Nucleus Caudatus im Neostriatum: Das Objekterkennungssystem sitzt in der linken Hemisphäre, im inferotemporalen Cortex, während die Intuitive Verhaltenssteuerung seinen Sitz in der rechten Hemisphäre hat, im rechten parietalen Cortex (Basalganglien).

Wie viele unabhängige visuelle Wahrnehmungssysteme gibt es?

Zwei visuelle Systeme, die auch neuronal voneinander unterscheidbar sind.

Dorsal: räumliche Einordnung von Objekten und amodale Handlungssteuerung (WO, WIE). Verläuft vom Okzipitallappen zum Gebiet an der Zentralfurche (motorisches Rindenfeld).
Das dorsale System gehört zur Intuitiven Verhaltenssteuerung und spielt bei der reizsensitiven Orientierung eine Rolle.
Belege:

  • Goodale & Milner (1992): Patientin mit Läsion im okzipital-temporalen System. (ventral). Hatte visuelle Objektagnosie ("Blindsight").
  • Piaget: frühe multimodale Bewegungssteuerung (Kinder greifen auch im Dunkeln richtig)
  • Neo-natale Imitation: visuelle Info werden amodal kodiert und direkt auf Muskeln übertagen


Ventral: Objekterkennung (WAS), nicht an die Motorik gekoppelt, Wiedererkennen. Verläuft vom Okzipitallappen zum inferotemporalen Lappen.
Die Frage, ob der ventrale und der dorsale Strang wirklich eine Rolle bei der Funktionsdifferenzierung zwischen sensorischer Bahnung und speziell der motorischen Bahnung spielt, fand bis jetzt leider keine Bestätigung.

Was versteht man unter diskrepanzsensitivem Aufmerksamkeitssystem?

Bevorzugte, vertiefte Verarbeitung von erwartungswidrigen Wahrnehmungen aus der Innen- und Außenwelt. Dieses schließt Emotionen mit ein, denn viele Emotionen melden ja typischerweise Inkongruenzen (Unerwartetes, Unerwünschtes).
Wenn der hochinferente Arbeitsmodus auf das OES gehemmt wird, werden die Inputs intensiver wahrgenommen.

Verfügt die Handlungssteuerung über ein eigenes Wahrnehmungssystem?
Welche empirische Evidenz gibt es dazu?

Die Handlungssteuerung verfügt über ein eigenes Wahrnehmungssystem:

  1. Frühe multimodale Bewegunssteuerung: Das erste Greifen wird spontan und treffsicher im Dunkeln in Richtung auf akustische Objekte ausgeführt
  2. Blindsehen: Patienten mit Verletzungen des visuellen OES können Handlungen auf Objekte ausrichten, obwohl sie sie bewußt nicht wahrnehmen. Goodale & Milner: Objektagnosie.
  3. Neonatale Imitation: Neugeborene können den mimischen Ausdruck von Erwachsenen imitieren ⇒ die visuelle Information über das Gesicht des Erwachsenen wird in ein amodales Format kodiert, das direkt auf die entsprechenden Muskelbewegungen übertragen werden kann.

Was sind die Eigenschaften der Intuitiven Verhaltenssteuerung?

  • parallele Verarbeitung: schnell und viel (kann wie "Fühlen" durch neuronales Netzwerk modelliert werden, Verschmelzungscharakteristik)
  • Robustheit (bei lückenhafter Verarbeitung, Netzwerk, "graceful degredation"), Ähnlichkeitsmetrik (Prototypen)
  • Kontextbasiertheit (räumliche Aufmerksamkeit, Säuglinge merken, ob der Kopf gestützt wird oder nicht)
  • Multimodale Verschmelzung (außerhalb bewußt erlebbarer Wahrnehmung) (nicht wie bei Piaget, Bsp.: neonatale Imitation)
  • Zukunftsfokus (Antizipation, z.B. "object tracking" bei Säuglingen) und Gegenwartsfokus (Online-Kontrolle, Objekt mit Augen verfolgen, auch hinter einem anderen Gegenstand)
  • Egozentrische Wahrnehmung (Selbst als Subjekt, "andere ticken wie ich", nicht egoistisch, eher altruistisch)
  • Sensumotorische Reziprozität (Tiefenwahrnehmung erst mit Motorik - Krabbeln. Siehe Gibson und ihre Versuche mit der weichen Matte)
  • Intuitive Verhaltensprogramme (Eltern-Kind-Interaktion und soziale Interaktion, nicht nur S-R-Verknüpfungen, Säuglinge imitieren, auch 24 Stunden später noch)
  • Pertinenzsensitive Aufmerksamkeit: Aufmerksamkeit für Orte im Raum mit Bezug zur eigenen Handlung, also für Stimuli, die Möglichkeit zum Umsetzen eigener Absichten signalisieren

Pathologie der IVS: Zwangsstörungen (limbisches System schickt zu viele Infos an präfrontalen Cortex, Zugang zum Selbst gestört, top-down Verarbeitung beeinträchtigt)
Überfunktion der IVS: Regulierungswut, Übergenauigkeit, Entweder-Oder-Denken, Prinzipienreiterei, Fundamentalismus, Wissenswahn, Formal Gleichheitsideologie (Anzahl der Kleidungsstücke im Schrank)
Bsp.: Bei Tennisspielern ist das IVS sehr ausgebildet, weil Bewegungsabläufe automatisch / intuitiv ablaufen.

IVS-Dominanz = Wenn man sich bewegt (spazierengeht), hat man die besten Einfälle.

Was sind die Eigenschaften des Objekterkennungssystems?

  • Modalitätsspezifisch, allozentrische Wahrnehmung (Verlagern eines Objektes Relativ zur stabilen Umwelt) (Probleme, die noch gar nicht da sind, löst man schon)
  • vergangenheitsorientiert (Vergleiche, Wiedererkennen, alte Gebäude und Geschichten spannend finden)
  • Kontextabstraktion (Wiedererkennen von Objekten in unterschiedlichen Kontexten, Kontextabstraktion)
  • Entkopplung der Motorik (wichtige Voraussetzung für Problem lösendes Denken), Orientierungsreaktion
  • Explizites Erkennen, Kategorisierung (ja/nein, unter/über), explizites Ich als Objekt ("Ich bin Studentin")

Pathologie:
Dominanz automatische Steuerungsebene führt zu Zwangsstörungen (Regulierungswut, Übergenauigkeit, Entweder-Oder-Denken, Prinzipienreiterei, Fundamentalismus)
Kommt negative Emotionalität hinzu ⇒ empfindsamer Typ (Lageorientierung)
Kommt positive Emotionalität hinzu ⇒ intuitiver Typ (Verschmelzung, projektiver Eozentrismus)

OES-Dominanz = "Couchpotato" hat beste Einfälle bei niedriger Anstrengung

Welche der vier Makrosysteme der PSI-Theorie eignen sich dafür, durch neuronale Netzwerkmodelle modelliert zu werden? Warum?

Die intuitiven kognitiven Funktionen IVS und Fühlen eignen sich dafür, da sie in der Lage sein müssen, riesige Mengen von Gesichtspunkten gleichzeitig (ohne Bewusstheit) zu berücksichtigen, egal ob es sich um Abspulen intuitiver Programme während einer sozialen Interaktion handelt oder um eine hochkomplexe Entscheidung, die mit vielen eigenen Bedürfnissen, Werten, Überzeugungen und anderen Selbstaspekten in Einklang stehen soll.

Wie funktioniert ein neuronales Netzwerk?

Die linke Hemisphäre ist durch eine Differenzierung in viele selbstständige Mikromodule charakterisiert, die rechte Hemisphäre durch eine geringe Zahl umfassender, in sich weniger stark verzweigter Netzwerke. Diese Netzwerke repräsentieren ihr Wissen durch Verknüpfungsgewichte an den Synapsen.

Funktion und Reaktion neuronaler Netzwerke hängt von der Ausbreitung der Aktivierung von den Inputeinheiten bis zu den Outputeinheiten ab. Die Ausbreitung, d.h. ob irgendeine Einheit feuert, läßt sich aus der Summe der Inputstärken aller auf dieser Einheit konvergierenden Inputs abschätzen. Durch Justieren der Verknüpfungsgewichte kann das Netzwerk lernen, Fehler zu meiden und immer treffsicherer auch lückenhafte Informationen zu erkennen.

Beispiel: Verknüpfung von visuellen Informationen eines Objekts mit seinem Geruch.

Welche zwei Hauptunterschiede gibt es zwischen körpernahen (Temperament und Affekt) und geistigen Prozessen?

Geistige Prozesse: Repräsentation, Bedeutungshaltigkeit, Intentionalität.Temperament, Affekt und mechanische Verhaltenssteuerung bezeichnen nicht das Erkennen von Bedeutung, das als Merkmal geistiger Prozesse betrachtet wird.

Wie wird der Begriff Temperament in der PSI-Theorie betrachtet?

Temperament: subaffektiv, globale Aktivierung motorischer und sensorischer Systeme, inhalts-unspezifisch, keine feste Anreizbindung an Objekte, unspezifische Bahnung, keine feste Anreizbindung an Objekte also ungleich Affekte!
Formatio reticularis: Stromzentrale für alles à alle verschiedenen Verhaltensprogramme werden hochgefahren
T+: Motorische Aktivierung, bahnt IVS (motorischer Cortex im Frontalhirn)
T-: Sensorische Erregung (Nervosität), bahnt OES

Was ist feste bzw. opportunistische Anreizbildung?

Opportunistische Anreizbildung: Starke Affekte, die durch intensivierende Wirkung des Temperaments entstehen, bewirken anderes Verhalten gegenüber Objekten als Affekte, die ohne Temperament zustandekommen, selbst wenn sie von gleicher Intensität sind.
Klassisches Konditionieren: Objekt löst bei zukünftigen Gelegenheiten den Affekt automatisch aus (Feste, objektloyale Anreizbildung). Entsteht ein Affekt durch Vermittlung des Temperaments, findet keine dauerhafte Affektbesetzung statt. Objekt löst nur während der Dauer der Temperaments-aktivierung verhaltensbahnende- oder hemmende Prozesse aus.

Welche Beziehung besteht in Eysencks Theorie der Extraversion zwischen motorischer Aktiverbarkeit und sensorischer Erregung?

Eysenck fasste die beiden Temperamentskomponenten zusammen, weil er annahm, das eine erhöhte motorische Aktivierbarkeit (Impulsivität) aus einer niedrigen sensorischen Erregbarkeit folgt (= Extraversion)

Wie kann man die beiden Temperamentskomponenten (sensorische Erregung und motorische Aktivierung) neurobiologisch separieren?

Messung lateraler Bereitschaftspotentiale (LRP).
Die Potentiale werden an rechts- und linksseitigen Elektroden über motorischen Arealen des Frontalhirns kurz vor der Initiierung links- bzw. rechtsseitiger motorischer Reaktionen (Krümmung der Finger der linken oder rechten Hand) abgeleitet und indizieren ein relativ spätes Signal für die Bewegungssteuerung. Die motorische Bereitschaft wird nicht durch Prozesse beeinflusst, die sensorische Erregung steigern.

Gibt es empirische Evidenz über die Wirkung der Erregung auf die Objekterkennung?

Broadbent & Gregory (1965): Weißes Rauschen beeinträchtigte die Leistung, wenn Vpn von einer Reihe roter und weißer Ziffern nur die roten erinnern sollten. (nicht OES-Aufgabe, sondern kontrollierter Prozeß). Das Erkennen jeder Ziffer unabhängig von der Farbe wurde mit den weißen Rauschen besser (OES-Prozeß).
Annahme: Erregung bahnt das Objekterkennungssystem.

Unter welcher Systemkonfiguration könnte das Verhalten impressionistisch werden?

Wenn aufgrund eines starken Temperaments, speziell einer starken motorischen Aktivierung der relative Einfluss des OES auf die Verhaltenssteuerung abnimmt, wird das Verhalten impressionistischer, Handlungsresultate werden weniger nachhaltig durch die kategorial repräsentierten Zielrepräsentationen, wie sie das OES liefert, auf Übereinstimmung mit dem angestrebten geprüft, sondern mehr durch die in den parallelen Netzwerken der IVS Antizipationen.

Welche Kombination von Aktivierungs- und Erregungsniveau fördert die speziefische Neugier, welche die divergente Neugier?

Spezifische Neugier, die gezielt auf die genaue Erkennung eines Objekts ausgerichtet ist: Mittlere bis hohe Aktivierbarkeit und hohe Erregbarkeit. Dann würde sich wegen der erregungsbedingten Intensivierung des OES und des diskrepanzsensitiven Empfindens das explorative Verhalten auf ein konkretes Objekt beziehen. (Suche nach Diskrepanzen zum bisherigen Wissen)
Diversive (oberflächliche, impulsive) Neugier: Hohe Aktivierbarkeit und niedrige oder mittlere Erregbarkeit. Dadurch wird das System von allzu intensiven, diskrepanzsensitiven Wahrnehmungen und den durch sie ständig wieder aktivierten präzisionsverbessernden Verhaltensroutinen befreit.

Wie lässt sich die Wechselwirkung zwischen Tageszeit, Extraversion/Introversion und Aktivierungsstärke durch die PSI-Theorie erklären?

Korrelation zwischen Extraversion und Erregung (Mattewhs, Davies, Lees, 1990):
Experimentelle Überprüfung von Eysencks Erregungshypothese.
Erwartetes Ergebnis:
Extraversion und sensitive Erregung korrelieren negativ, ABER der Befund zeigt tatsächlich eher eine positive Korrelation. Vpn gaben selbst an wie sie sich fühlten ⇒ subjektives Erregungsniveau!
Aufgabe: target detection (auf EIN Ziel achten)
UV: hohe / niedrige Aktivierung
AV: Erkennungsleistung

  • Extravertierte zeigten morgens bessere Leistungen als abends
  • Introvertierte zeigten abends bessere Leistungen als morgens
  • Hohe Aktivierung: Extravertierte und Introvertierte waren morgens gleich, Introvertierte aber abends besser
  • Niedrige Aktivierung: Extravertierte morgens besser, abends Extravertierte und Introvertierte gleich

ABER: Diese Effekte treten nicht auf, wenn die Aufgabe komplizierter wird, wenn also höhere Funktionen eingeschaltet werden müssen. Daher ist Eysencks Theorie nicht bestätigt.
Ergebnisse waren nur signifikant, wenn die Targets unscharf dargeboten wurden. Nur hier verbesserte die motorische Aktivierung die Leistung. Also ist die Tageszeit egal, weil es keine signifikanten Ergebnisse gab.

Erregung, Intro-/Extraversion, Tageszeit und Leistung
Manipuliertes Erregungsniveau durch Kaffeinduktion (Matthews, 1990)
Extravertierte brauchen morgens Kaffee, dann gute Leistung.
Introvertierte sind morgens fit, Kaffee übererregt sie, daher schlechtere Leistung.
Bei Aufgaben, in denen Reaktionsbereitschaft oder Aufmerksamkeit für mehrere Stimuli über längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden muß ("Voraktivierung" aller Reaktionsmöglichkeiten, kontrollierte Prozesse des Arbeitsgedächtnis)
⇒ laterale Inhibition außer Kraft setzen => dazu zentrale Exekutive nötig ⇒ braucht nötige Aktivierung ⇒ fehlt bei Extravertierten morgens ("Morgenmuffel") und bei Introvertierten abends, um gute Leistung zu bringen
Externe Stimulation schadet, wenn die Person gar nicht müde ist: Bei Extravertierten abends, bei Introvertierten morgens)
Abends: Wechselwirkung! Also: Erregung und Introversion vs. Extraversion sind tageszeitspezifisch!!

Motorische Aktivierung bahnt die IVS: unscharfe Darbietung bei der Aufgabe
Sensorische Erregung bahnt das OES.
ABER: Hier sind durch die motorische Reaktion bei der Aufgabe OES und IVS konfundiert. Man müßte sich während der Aufgabe die Targets nur merken statt Taste zu drücken. Durch das Drücken der Taste kommt ohnehin die IVS ins Spiel.

Welche drei Hauptunterschiede gibt es zwischen den Systemkonfigurationen auf den Temperaments- und auf den Bedürfnisebenen?

Bedürfnisse...

  • ...aktivieren nicht blindlings alles, was im Repertoire des IVS vorhanden ist, sondern selektiv Verhalten, das auf die Erlangung bedürfnisbefriedigender Anreize ausgerichtet ist.
  • ...haben eine andere Zeitdynamik: Die aktivierende Energie wird heruntergefahren, wenn durch Aktivierung geeigneter intuitiver Verhaltensprogramme die durch ein Bedürfnis definierten Sollwerte wieder hergestellt wurden.
  • ...lösen je nach ihrem Befriedigungsschickdsal positive und negative Affekte aus, die ihrerseits den Einfluß hochinferenter Systeme (explizites Planen, implizite Selbstrepräsentation) auf geeignete Verhaltensroutinen modulieren.

Wie funktioniert laut Modell die Anreizmotivation (A+ und A-)?


Bedürfnis: subkognitiver und subaffektiver Melder für Ist-Soll-Wert-Diskrepanzen; auf Objekte mit Befriedigungspotential ausgerichtet; Indikator für erfolgreiche Aktivitäten (z.B. Fell befriedigt keinen Hunger, auch wenn OES das Fell als "Fleisch" erkannt hat).
Anreizmotivation : Objekte die Befriedigung hervorgerufen haben, erzeugen positiven Affekt und bahnen aufsuchendes Verhalten (Konditionierung); AM ermöglicht schnelles Reagieren auf bedürfnisbefriedigende Objekte
Handlungssteuerung nicht mehr unmittelbar von Reizeigenschaften (z.B. Geruch von Fleisch beim Fell) abhängig.
Der Verlust von Anreizen senkt A+ ⇒ A(+)
Die Beseitigung von aversiven (Ist unter Soll) Reizen senkt A- ⇒ A(-)
Vom OES zur IVS: Zielvorgabe
Von der IVS zum OES: Rückmeldung
Positive Ist-Soll-Wert-Diskrepanzen aktivieren das Belohnungssystem (Anreizmotivation), negative Diskrepanzen das Bestrafungssystem.
< Positiver Affekt bahnt die IVS, negativer Affekt das OES.
Der Organismus braucht nicht immer wieder zu prüfen, ob der Konsum eines Objekts das jeweilige Bedürfnis befriedigt: Objekte, deren befriedigende Wirkung einige Male erfahren wurde, lösen positiven Affekt aus, werden so zu Anreizen.
Beispiel Fressen: Bedürfnismelder: "Fressen des Felles einstellen!" Das Verhaltenssystem weiß nun nicht, was es stattdessen tun soll.
Temperament T+: Durchspielen aller möglichen Verhaltensroutinen, dabei könnte man aber nahrhafte Happen verpassen. Die nahrhaften Happen sind aber mit A+ verbunden, sind ein Anreiz, der aufgesucht wird. Je größer der positive Unterschied zwischen Ist- und Sollwert ist, desto größer ist der Anreiz. Je stärker der Ist-Wert unter dem Sollwert liegt, desto stärker ist der neg. Affekt A-.

Welche Beziehung gibt es laut PSI-Theorie zwischen Sucht und Lust?

Lust: Erleben positiver Affekte
Sucht: Extreme Übersteigerung der Anreizmotivation, ist nicht immer mit positivem Erleben verbunden. Sucht ist nach einer ersten Phase, die intensive Lust enthält, durch einen Beschaffungsdrang charakterisiert, der auch dann funktioniert, wenn mit dem Konsum der Droge keine Lustaffekte verknüpft sind.
Das Motivationssystem ist nicht in erster Linie ein Lustmaximierungssystem, sondern ein Lokomotionsvermittler.

Welche 4 Formen der Verhaltensenergetisierung gibt es? Welche neurobiologischen Grundlagen haben sie?

Bahnen des Neurotransmitters Dopamin, der mit verhaltensbahnendem System in Verbindung gebracht wird, ziehen sich vom Ursprungsort im Hirnstamm (substantia nigra, mediales Vorderhirnbündel) zu Teilen des Gehirns, die an verschiedenen Formen der Verhaltensbahnung beteiligt sind:

  • GEWOHNHEIT / nigrostriatales Dopamin-System: endet in den Basalganglien. S-R-Verknüpfungen, keine Assoziation mit positiven Anreizen oder Selbtrepräsentationen. ("man macht")
  • A+ / mesolimbisches Dopamin-System: endet in der Amygdala. Anreizbasierte Verhaltensenergetisierung. Verschaltung von objektrepräsentierenden Systemen und affektgenerierenden Systemen: Anreizbildung, auch Angst. ("Lust auf ...")
  • T+ / Mesocortikales Dopamin-System (prämotorisch): endet im motorischen Cortex im Frontalhirn. Allgemeine motorische Aktivierung. Keine Programmierung von Bewegungen, willkürliches Handeln. Keine Berücksichtigung von Werten und Zielen aus dem Präfrontalen Cortex. ("Ich mache...")
  • Handlungswechsler / Mesocortikales Dopamin-System (präfrontal): endet im präfrontalen Cortex. Kann unabhängig von Anreizmotivation gesteuert werden. Rechts: Selbstwahrnehmung, freier Wille. Zentrale Steuerungsfunktion, selbstkongruentes Handeln. ("Ich will ...").

Was ist der Unterschied zwischen intrusiven Gedanken und Grübeln? Was hat das mit Affekt und Temperament zu tun?

Intrusive Gedanken: Konzentration nicht möglich, aus verschiedenen Richtungen, auf viele Objekte/Sachverhalte gerichtet (A- hemmt EG)
Grübeln: Man bleibt auf einem Objekt hängen (A- und T- wirken) Das hochinferente System hindert das elementare daran, Prozesse weiter zu führen.
Intrusive Gedanken korrelieren mit A- (traurig, hilflos) und Grübeln korreliert höher mit A- und mit T- (aufgeregt)

Welche Persönlichkeitsdimensionen spielen eine Rolle in Grays Theorie?

Separierung von positivem und negativem Affekt im Selbsterleben:
Es gibt Befunde, nach denen Selbstbeschreibungen von Persönlichkeitsmerkmalen, die sich auf neg. oder pos. Affekte beziehen, auf getrennte Faktoren laden.
Allerdings können Extraversion und Neurotzismus nicht wie von Gray angenommen als reine Maße für A+ und A- betrachtet werden, da sie auch Aktivierungs- bzw. Erregungskomponenten enthalten. Theorie von Gray ist ein Ansatz, der aufgrund neurobiologischer Argumente, die Separierung von A+ und A- und den ihn generierenden Systemen postuliert (Eysenckschen Faktoren ähnlich).
Extraversion: Impulsivität (Verhaltensbahnung durch Belohnungssensibilität). Kombination von hoher Impulsivität und niedriger Ängstlichkeit.
Neurotizismus: Ängstlichkeit (Verhaltenshemmung durch Bestrafungssensibilität). Kombination von hoher Impulsivität und hoher Ängstlichkeit.

Wirken Belohnungs- und Bestrafungseffekte auf die gleichen Gehirnzentren?

Olds & Milner: Ratten, die sich Reizung von Regionen des limbischen Systems verabreichen konnten, wurden süchtig, einige verhungerten trotz Nahrung, weil sie von der Selbstreizung nicht lassen konnten.

Verhaltensbahnende Belohnungseffekte werden von natürlichen Anreizen und künstlicher Stimulation verschiedener Belohnungszentren durch spezielle Transmittersubstanzen verstärkt (Dopaminagonisten) oder reduziert (Dopaminantagonisten).
Bestrafungen werden dagegen an anderen Wirkorten durch andere Wirkstoffe beeinflußt (cholinerge bzw. GABAerge Substanzen). Nach Unterbrechung der beteiligten Strukturen (Verbindung zwischen medialem Septum und Hippocampus) sind Symptome einer Aktivität des Bestrafungssystems deutlich reduziert.

Welche Funktionsmerkmale hat das Belohnungssystem A+?

  • Bahnung instrumentellen Verhaltens: Ratten drücken vermehrt Hebel für Futter, wenn Dopaminagonist verabreicht wird, z.B. Kokain
  • Flexibilität: Dopaminagonisten beseitigen Hemmung irrelevanter Informationen
  • Neugiermotivation: Einzelneuronableitung /Injektion dopaminerhöhender Substanzen -Y Rolle des Nucleus Accumbens bei neuen Reizen
  • Lernbereitschaft: Mißerfolgsrückmeldungen -> Aktivität des Nucleus Accumbens
  • Selektive Aufmerksamkeit

Nikotin verstärkt dieses System, also auch extravertierte Haltung und kurzfristige Belohnungssensitivität.

Repräsentieren positive und negative Affekte entgegengesetzte Pole einer einzigen affektiven Dimension?

Pos. und neg. Affekte bestehen aus zwei getrennten Dimensionen:
Aversive Sensibilität: empfindsam [A-] vs. robust [A(-)]
Belohnungsreagibilität: freudig [A+] vs. nüchtern [A(+)]

Fox & Davidson (1987): Neurophysiologische Trennung von A+ und A-:
Freude bei Annäherung der Mutter korreliert mit linksfrontaler Aktivierung im EEG (Reduzierung der Alphawellen).
Kummer, wenn die Mutter weggeht, korreliert mit rechtsfrontaler Aktivierung.

Gupta & Nagpal (1978): Belohnung / Bestrafung
E sind belohnungssensitiv und I sind bestrafungssensitiv Belohnungs- und Bestrafungssensibilität sind nicht antagonistisch (befinden sich nicht auf einer Ebene), sondern sie sind orthogonal, also unabhängig voneinander. Jedoch besteht eine Wechselwirkung.
Wechselwirkung nur, wenn Vpn auch Neurotizisten waren. (Neurotizismus: besorgt, unsicher, selbstmitleidig)

Basisaffekte - Belohnungs- und Bestrafungssensitivität
Gray: Statt bipolarer besser 2 orthogonale Dimensionen für positiven und negativen Affekt: aversive Stabilität (empfindsam vs. robust) und Belohnungsreagibilität (freudig vs. nüchtern) plus eigener Systeme.
Belege: 2 Depressionstypen

  • Angstvolle Depression ⇒ Überfunktion des Bestrafungssystems
  • Unipolare Depression ⇒ Unterfunktion des Belohungssystems (Antriebsschwäche, Handlungslähmung)

Neurophysiologische Separierung:

  • Belohnungszentren: Nucleus accumbens, mediales Vorderhirnbündel; Dopaminagonisten (stärken verhaltensbahnende Belohnungseffekte) vs. Dopaminantagonisten (schwächen)
  • Vgl. Olds & Millner: Bestrafungszentrum: Cholinerge, GABAerge Substanzen: Bestrafung. Nach Unterbrechung der Verbindung zwischen Hippocampus und medialem Septum ist die Bestrafungssensitivität herabgesetzt

Die affektiven und temperamentsbedingten Dispositionen beschreiben nicht die Grundstimmung, sondern Formen der Streß- und belastungsbewältigung.

Welche sind Haupfunktionsmerkmale des Belohnungssystem?

Belohnungssensitivität: Nucleus accumbens: Relaisstation, die objektpräsentierende Systeme mit affektgenerierenden und motorischen verschaltet. Dopaminantagonist hemmt vorbereitendes Verhalten, während Dämpfung des dopaminergen Systems keine Auswirkung hat.
Flexibilität: Dopaminantagonisten beseitigen Hemmung irrelevanter Informationen, die zu frühen Wechsel zu neuem Verhalten eigentlich verhindert.
Neugier: Injektionen von Dopaminerhöhern haben Rolle des nucleus accumbens bei Vermittlung des Zugehens auf Reize bewiesen
Lernbereitschaft: Misserfolgsrückmeldungen, die Lernen im weitesten Sinne stimulieren, können auch zur Erhöhung der Aktivität des Handlungsinitiierungssystems führen
Selektive Aufmerksamkeit und Abwertung: Unterdrücken irrelevanter, aber auch Abwertung potentiell interessanter Informationen

Welche Belege für die Hypothese gibt es, dass Extraversion mit einer erhöhten Belohnungssensitivität assoziiert ist?

Kantorowitz: Korrelation von 0,8 zwischen Extraversion und Geschwindigkeit konditionierter Penisreaktion auf Dias von nackten Frauen.
Nichols & Newman: untersuchten eine extravertierte und eine introvertierte Personengruppe in einer Bedingung, in der falsche Reaktionen bestraft wurden. In der Belohnungsbedingung zeigten Extravertierte kürzere Reaktionszeiten als Introvertierte. Extravertierte lernten in der Belohnungsbedingung rascher als Introvertierte. Einschränkend ist anzumerken, daß selbst die Befunde, die für den Zusammenhang zwischen Extraversion und Belohnungssensibilität sprechen, nicht ausschließen, daß der Zusammenhang durch die Aktivierungskomponente des Temperaments vermittelt wird.

Was versteht Eysenck unter Neurotizismus?

Neurotizismus = (Über-) Erregbarkeit des Teil des limbischen Systems, der an der Aktivierung des sympathischen Nervensystems beteiligt ist, also periphere Anpassungen an besondere Belastungen (Erhöhung der Herzrate, Blutgefäßverengung, Ausschüttungen von Stresshormonen).

Was untersuchte die New-Look Bewegung in der Psychologie?
Was ist Wahrnehmungsabwehr?

Wahrnehmung kann auch von Motivation beeinflußt sein.
Vpn brauchen bei taschistokopisch gezeigten Tabu-Wörtern (Hure) längere Darbietungszeit als bei neutralen Wörtern. (McGinnies)
Nachweis der Hemisphärenasymmetrien: EDA auf nichtbeachtete Schock- Silben traten beim dichotischen Hören nur auf, wenn die bedrohlichen Silben im nichtbeachteten linken Ohr eingespielt wurden (Dawson & Schell, 1982).
Interpretation, die unbewußte emotionale Information könne nur über die RH vermittelt werden, paßt zu größerer Vernetzung der RH mit Emotionen.Forschung zur Wahrnehmungsabwehr berücksichtigte allerdings weder individuelle Unterschiede noch Bedingungen, unter denen das System intraindividuell eher in einen verdrängungsorientierten oder in einen sensibilisierungsorientierten Modus umschaltet.

Welche vier Hauptformen der Verdrängung gibt es laut PSI-Theorie?

Selbstregulierte Verdrängung A{+}/A-: Auseinandersetzung: aktive Bewältigung mit belastender Situation
Positive Ablenkung A{-}/A+: Beschönigung: Positive Umdeutung; Ignorieren; Einstellung, die Probleme werden sich schon von selbst lösen; automatische Flucht in den positiven Affekt
Zurückhaltende Ablenkung A(+)/A{-}: Intellektualisieren: durch Stress wenig beeinträchtigt, da A- auf einer frühen Verarbeitungsstufe durch Hemmung von A+ verhindert wird; (wenn die Situation nichts Positives hat, gibt es nichts zu verlieren); starke Aktivierung des IG
Selbstkontrollierte Unterdrückung A{+}/A-: Aktionismus; gewissenhafte Form der Verdrängung, anreizunabhängig; nicht Verdrängung ist selbstkontrolliert, sondern Verhalten.

Welche empirische Evidenz gibt es zur selbstgesteuerten Verdrängung?

Handlungsorientierung: selbstgesteuerte Kombination von Sensibilisierung und Verdrängung. Eine nur bei HOMs nach aversiven Wörtern auftretende ERP-Komponente scheint ein Korrelat der selbstgesteuerten Verdrängung zu sein: Sie fehlte bei den LOMs, die mit Leistungsdefiziten bei anschließender Aufgabe einherging. Sie verschwand auch bei HOMs, wenn ihnen gesagt wurde, daß sie die Wörter bis zum Erscheinen der Aufgabe beachten sollen.
HOMs können Leistung bei Streß aufrechterhalten, indem sie bewußte Verarbeitung irrelevanter Inhalte unterbinden können.Sie haben erhöhte Anfangssensibilität, was ermöglicht, schnell zu entscheiden, ob bedrohliche Information weiter beachtet wird oder nicht.

Welche der in der PSI-Theorie vorgesehene Art der Verdrängung wird nicht durch das Konstrukt Repression-Sensitisation abgebildet?

Folgende 4 ungewollte Verdrängungsformen werden nicht unterschieden:

  • Dissoziation (Erlebnisse nicht abrufbar, weil sie von vornherein als isolierte Einzelerfahrungen gespeichert werden)
  • Ausweichen in den pos. Affekt (automatisches, nicht selbstgesteuertes Beschönigen)
  • Ausweichen in die Hemmung pos. Affekts (Bagatellisieren)
  • Ausweichen in Aktion (automatische Auslösung von Handlungsroutinen, sobald neg. Affekt aufkommt)

Sensibilisierung kann auch selbstgewollt erfolgen. Das ist beim Sensitisation-Repression-Konstrukt nich separiert. Beim S-R-Konstrukt sind Verdrängung und Sensibilisierung Gegenpole. Selbstgesteuerte Verdrängung setzt aber Sensibilisierung voraus, es muß also ein Zusammenspiel vorliegen.Im S-R-Kontrukt scheint also eine eher automatische Form der Verdrängung bezeichnet zu sein.

Wo befindet sich der funktionale Ort von Lageorientierung?

Lageorientierung: Stark antagonistische Verbindung zwischen Absichtsgedächtnis und seinem Ausführungssystem. Diese Verbindung wird unmittelbar durch Konfrontation mit einer Schwierigkeit (Aktivierung des Absichtsgedächtnis) intensiviert (LOP vs. HOP) oder indirekt durch Konfrontation mit einem aversiven Ereignis (LOM vs. HOM).
Funktionaler Ort HOM vs. LOM: Verbindungsstrecke zw. Selbstsystem und Hemmung von neg. Affekt, die bei lageorientierten gehemmt ist, so daß neg. Affekt nicht gegenreguliert werden kann (A-) ⇒ Hemmung des pos. Affekts ⇒ Willenslähmung.

Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen den Konstrukten Sensibilisierung und Lageorientierung?

LOM und Sensibilisierung: Systemverbindungen (dynamisch).
Introversion und Neurotizismus: Ansprechbarkeit affektiver Systeme (strukturell).
Unterschied: Beseitigung neg. Affekts ist bei HOM selbstgesteuert. Bei Repression kommt sie durch automatisierte Prozesse zustande.
Dibbelt: Hemmung des selbstgewollten Handlungswechsel nur bei LOMs. Sensibilisierer hatten eine allg. Hemmung des Handlungswechsel, also auch in fremdgesteuerter Bedingung.
Repression ist mit automatischer Aktivierung von A+ bei Konfrontation mit Angstauslöser verbunden. Wenn Repression auf allg. Verhaltensbahnung beruht, bedeutet das für Sensibilisierung eine Verhaltenshemmung. Die Bahnung bzw. Hemmung taucht auf, wenn Situation Angst auslöst, während sie bei LOMs nur auftritt, wenn Verhaltensbahnung aus dem Selbstsystem heraus (selbständig statt fremdgesteuert) erfolgen muß.

Warum sind bei den Konstrukten Extra-Introversion & Neurotizismus genetische Einflüsse nachgewiesen, während für Handlungs- bzw, Lageorientierung und Repression-Sensitization Sozialisationseinflüsse nachgewiesen sind?

Während Extraversion-Introversion und Neurotizismus strukturelle Parameter beschreiben, hängen HOM, LOM und Repression-Sensitization davon ab, wie stark die Verbindungen zwischen aktivierenden bzw. affektgenerierenden Systemen und den an der Steuerung des Erlebens und Handelns beteiligten kognitiv-emotionalen Systemen ausgebildet sind.
Die Stärkung oder Schwächung von Verbindungen zwischen den Systemen (dynamische Parameter) hängen mehr von Sozialisationsbedingungen ab.

Welche Systemkonfiguration kennzeichnet den klassischen Verdrängertypus "Unterdrückung durch Aktionismus"?

Selbstrepräsentationen und Bahnung expliziter Absichten und intuitiver Verhaltensprogramme (Wünsche anderer).
Gewissenhaftigkeit, Interessen (Selbst) werden unterdrückt. Affektabhängiges Verhaltensbahnungssystem nicht beteiligt.
Rebound-Effekt bleibt aus. Ohne die Beteiligung von A+ ist die Aktivierung der RH reduziert ⇒ Erlebnisseitige Verarbeitung wird durch einseitige Bearbeitung durch LH ausgetrocknet.
Präferenz für schwierige Aufgaben, hohes Leistungsmotiv, hohe Aggressionsbereitschaft bei Frustration.Unterbindung des Zugangs zu pos. Gefühlen wie Liebe, Zärtlichkeit, Wärme.

Welche Merkmale findet man beim Verdrängertyp "Zurückhaltende Ablenkung"?

Systemkonfiguration: A(+)/A{-}: Ablenkung durch frühe Hemmung von A+ bzw. Aktivierung. (Enttäuschung tut nicht so weh, wenn man die Vorfreude dämpft).
Self-handicapping - 1.MA: Abwehr durch Intellektualisierung: Hemmung von A+ führt zu starker Aktivierung des IG. (Bagatellisieren, Leugnen, Ausweichen, Ablenken).Bei Versagen der hohen Anfangsstabilität (Intellektisierungs-komponente geht verloren) entstehen undifferenzierte Gefühle (Irritation, Ärger), da Verdrängung nicht auf aktiver Auseinandersetzung beruht, sonder auf rascher Flucht in Bagatellisierung.

Welche Befunde gehören zum klassischen Verdrängungstyp (R-S Literatur)?

  • Erhöhte Wahrnehmungsschwelle für Mißerfolgsthemen
  • Konfliktmeidung, da die mit neg. Gefühlen verbunden wären
  • Vermeidung neg. Gefühle durch Senkung des Anspruchniveaus nach Misserfolg
  • Schauen gewählten Gegenstand länger an als abgelehnten (Bsp: Herunterspielen der Wichtigkeit eines Leistungstest)
  • Herunterspielen eines Misserfolgs kann verhindert werden: Represser waren in ihrer Leistung beeinträchtigt, wenn man durch die Art der Instruktion ihre Ausweichmanöver durchkreuzte (z.B. daß Leistung stark von individueller Fähigkeit abhänge).
  • Anfangsstabilität: Befunde: Represser geben höhere subjektive Sicherheit an (Fokussieren auf Bedeutung mehrdeutiger Informationen).

Welche Hauptfunktion haben Forscher dem Hippocampus zugeschrieben?

Wird durch moderate Emotionen aktiviert und durch Streß gehemmt; dann greift heißes System: Reduzierung auf einzelne Objekte und Notfallrepertoire von Handlungen.
Der HC fügt Informationen aus allen Sinnes- und Gedächtnissystemen zu kognitiven Landkarten zusammen, er ist für alle konfigurativen Repräsentationen wichtig:

  • Räumliche Orientierung: Vögel, die ihr Futter verstecken, haben einen größeren Hippocampus. Ratten mit Hippocampus-Läsion finden sich im Wasserirrgarten nicht zurecht.
  • Vergleicht Wahrnehmungen des OES mit Erwartungen aus EG: Der Hippocampus könnte neurobiologische Grundlage der 4. Systemebene sein. Quelle der Verbindung zwischen Sensitivität für Diskrepanzen und Objekterkennung. Bei hohem Streß und negativen Affekten ist der Hippocampus gehemmt, Einfluß hochinferenter Systeme nimmt ab. Diskrepanzen zwischen hochinferenten Systemen und elementaren Prozessen werden verstärkt.
  • Pläne: organisierte Handlungssequenzen
  • Soziale Netzwerke
  • Episodisches Gedächtnis: Einspeichern und Erinnern: Patient H.M. konnte sich nicht an bereits erlebtes Spiegelzeichnen erinnern, machte jedoch trotzdem Fortschritte.
  • Integrierte Selbstrepräsentationen
  • Akkomodation: Lernen durch rasche Veränderung bestehender Schemata. Vorhandene Schemata qualitativ umstrukturieren, neues Wissen integrieren. Rasches Lernen. Neuigkeitsabhängig. ⇒ EG und andere neocorticale Systeme werden unterschiedsensitiver, weniger rigide und übergeneralisierend!
  • Cortisolhemmung (Streßbewältigung)
  • Rolle beim Konditionieren emotionalen und motorischen Reaktionen auf zusammengesetzte Stimuli: Daß man vor dem Löwen im Zoo keine Angst hat, liegt am Hippocampus. Er ist für die Hemmung der S-R-Verbindung zuständig (bei komplizierten Reizen wie Löwe und Gitter, positive oder negative patterning). Vermeiden von emotionalen Generalisierungen.

Welche Verbindung gibt es zwischen dem Lernen von Assoziationen oder von Relationen des Hippocampus und der Langzeitpotenzierung?

Langzeitpotenzierung (LTP): Aktivierung einer Synapse löst in Kombination mit Depolarisierung eines postsynaptischen Neurons ein exzitatorisches postsynaptisches Potential aus, das lange Zeit anhalten kann. Diese Langzeitverfügbarkeit ist Voraussetzung dafür, daß ein komplexes Ereignis lange gespeichert werden kann (damit viele Assoziationen gebildet werden können), bis es endgültig ins Langzeitgedächtnis eingespeichert ist.
Koinzidenz von Aktivierung eines synaptischen Endknopfes und gleichzeitige Depolarisierung des Dendriten des postsynaptischen Neurons: ⇒ Voraussetzung für die LTP ⇒ Lernen von Assoziationen oder Relationen.

Wie interpretiert die PSI-Theorie die Vergleichsoperatorfunktion des Hippocampus?

Mechanismus, der Infos aus unterschiedlichen Subsystemen zum integrierten Ganzen zusammenfügt.
Funktion, die entscheidet, was in das Gesamtbild aufgenommen wird und was nicht. Inkongruente Infos werden dabei besonders berücksichtigt.
Vebindung zwischen OES und Sensitivität für Diskrepanzen
Nicht herabregulierbarer A- aktiviert unstimmigkeitssensitive Objekterkennung.
Hippocampus vergleicht hochinferente Erwartungen (Motive, Selbstrepräsentationen) und Objektwahrnehmungen, verstärkt Einfluß hochinferenter Anteile solange, bis er durch A- eingeschränkt wird.
Cortisol hemmt Hippocampus. Hochinferente Prozesse büßen ihren Einfluß auf elemtare Prozesse ein.
Nur Diskrepanzen zwischen hochinferenten und elementaren Prozessen werden verstärkt, nich Diskrepanzen, die innerhalb eines elementaren oder hochinferenten Systems auftreten.

Wie funktionieren "negative Patterning" und "positive Patterning"?

Positive Patterning: S1 und S2 werden belohnt, einzeln nicht
Negative Patterning: S1 und S2 werden einzeln belohnt, zusammen nicht

Tiere und Menschen mit intaktem Hippocampus lernen beim Patterning, mit defektem Hippocampus nicht mehr.

Welche Beziehung gibt es zwischen der Cortisolkonzentration im Blut und der Aktivität des Hippocampus?
Welche Evidenz gibt es, dass hohe Konzentrationen von Cortisol die Funktionen des Hippocampus beeinträchtigen?

Hemmung des HC unterbricht die Dämpfung der Cortisolkonzentration. Niedrige Cortisolkonzentration aktiviert HC, hohe Konzentration führt zur Hemmung. Mit der Abhängigkeit der Aktivierung des HC von Streßintensität läßt sich die unterschiedliche Affinität zweier Rezeptortypen erklären:

  1. Minerolokortikoidrezeptoren: Steroidrezeptoren Typ I. Hohe Affinität zu Cortisol (bei geringem Streß stark besetzt)
  2. Glukokortikoitrezeptoren: Typ II Niedrige Affinität zu Cortisol (erst bei höheren Cortiosolkonzentration besetzt)

In moderater Konzentration fördern Glukokoide die Glukoseversorgung, die für Langzeitpotenzierung wichtig ist, die der Assoziationsbildung im HC zugrunde liegt. Dauerhaft erhöhtes Cortisolniveau beeinträchtigt Funktion des HC. Gabe eines cortisolhaltigen Präparats führte zur selektiven Verschlechterung von Leistungen des episodischen Gedächtnisses und der räumlichen Orientierung, während implizite Gedächtnisaufgaben unbeeinflusst bleiben.

Flinn & England (1995): Kinder auf Dominika und die Ursachen der Regression: Cortisol gilt als Korrelat für die Stressbelastung, somit sind Familienstrukturen, die eine hohe Cortisolkonzentration verursachen auch gleichzeitig Ursachen für schlechte Stressbewältigung im späteren Leben und Regression. Entfernte Verwandte als Bezugspersonen, Stiefvater & Stiefgeschwister sowie eine allein erziehende Mutter verursachen hohe Cortisolkonzentrationen. Dies führt zu einer Funktionsstörung des Hippocampus, der Emotionen und Gefühle beeinflusst.
Manfred Spitzer: gestreichelte Ratten im Wasserlabyrinth. Selbst wenn man eine Gruppe von Ratten nur die ersten 2 Wochen ihres Lebens streichelt und danach alle gleich behandelt, macht Hippocampus-Aufgabe keine Schwierigkeiten, im Gegensatz zu den nicht gestreichelten Ratten, welche dabei Probleme haben.
Welche Erlebnisse erhöhen die Cortisolkonzentration bei Kindern? Schwere Bestrafung, Familienstreit, Erkältung mit Fieber, großer Streit mit Gleichaltrigen, Wohnungswechsel, mittlere Verletzung, Alkohol in der Familie

Daß man vor dem Löwen im Zoo keine Angst hat, liegt am Hippocampus. Er ist für die Hemmung der S-R-Verbindung zuständig (bei komplizierten Reizen wie Löwe und Gitter)

Welcher neurobiologische Mechanismus steckt hinter dem freudschen Begriff der Regression?

Regression: Unterbindung der Beteiligung hochinferenter Strukturen an der Verhaltenssteuerung.
Seit Freud wird Regression mit Erleben von akutem Stress (Angst, Konflikt) in Verbindung gebracht.
Regression liegt vor, wenn der HC abgeschaltet ist und dadurch seine steuernde Wirkung auf die Emotions- und Verhaltensregulation einbüßt. Der HC ist streßabhängig und kann schon in der frühen Kindheit maßgeblich beeinträchtigt werden.

Beschreiben Sie das Prinzip der emotionalen Dialektik!

Beschreibt ausgewogenes Wechseln zwischen negativen und positiven Affektlagen und ihrer Herabregulierung.
Dadurch kann sich das Selbst am besten entwickeln, während es bei affektiven Fixierungen zu einer Beeinträchtigung der Selbstregulation und damit auch der Selbstentwicklung kommen kann.
Schmerz kann so z.B. auch eine positive Wirkung haben: Wenn man sich mit dem Schmerz auseinandersetzt, führt dies zu einer Reifung des Selbst. (Wachsen des Selbstsystems)

Wie unterscheiden sich Bedürfnisse und Motive laut PSI-Theorie?

Bedürfnisse: Diskrepanzmelder, die ein Defizit beschreiben. Nicht an Objekte gebunden (subaffektiv), können ohne Kognitionen auftreten (man muß nicht wissen was Hunger ist, um Hunger zu haben)
Motive: Erlernte Verbindungen von Bedürfnissen mit kognitiv-affektiven Netzwerken, die aus bedürfnisrelevanten Episoden resultieren und viele Handlungsmöglichkeiten anbieten. Sie organisieren Erfahrungswissen, das ermöglicht, Bedürfnisse umzusetzen. Sie lenken das Verhalten in bestimmte Richtung und verleihen ihm Ausdauer und Intensität.

Aus diesen Elementen bilden sich Handlungsziele:

  • Bedürfniskern (Anschlussmotiv hat Bedürfniskern Sicherheit)
  • Energie (T+ und T-)
  • Anreiz
  • Kognitive Repräsentationen

Welche neurobiologische Evidenz gibt es dafür, daß Motive Konfigurationen zwischen Systemen vermitteln?

Dopamin: Bahnung motorischer Aktivierung
Serotonin: Gegenspieler dopaminerger Funktionen, Aktivierungshemmung auf Ebene der Anreizmotivation. Unterstützt Aktivierungsbahnung auf Ebene 1 der anreizunabhängigen Handlungssteuerung.
Noradrenalin: Steigerung der sensorischen Erregbarkeit.
Acetylcholin: Aktivität des Bestrafungssystems.Konzentration der Neuromodulatoren bestimmt, welche Systemkonfiguration entsteht.
Neuropeptide: Modulieren die Kombination der Neoromodulatoren innerhalb des Systems.

McClelland: Macht- und Selbstbehauptungsorientierte Bedürfnisse mit Aggression assoziiert, die von Zentren gespeist werden (Hypothalamus), deren Stimulation Aggression auslösen.
Luiten: Antagonismus zw. Furcht & Aggression: Ratten mit Läsionen der Amygdala zeigten keine Furcht, ergaben sich nicht.
Furcht = Hemmung aggressiven Verhaltens (Machtmotiv)
Clemente & Chase: Affiliationsmotiv: Brutpflege, Aggression

Kann man ohne Systemebene 4 leben?

Nein!
Um die Verarbeitung aufrecht zu erhalten (sei sie progressiv oder regressiv) braucht man die Systemebene 4. Sie ist ein eigenständiger Mechanismus, der das Aufsummieren von den Systemebenenen 1-3 und den Systemebenenen 5-7 leistet. Die Systemebene 4 fungiert als "Kollektor", der die Summierungsbeträge sammelt und dann in die Richtung der Beträge verstärkt.

Wo befindet sich laut PSI-Theorie der funktionale Ort des sozialen Desinteresses?

Hemmung der Verbindung zwischen dem subaffektiven bedürfnisgenerierenden System und den affekt- und aktivierungsgenerierenden Systemen.
Geringes Interesse gegenüber sozialen Partnern: Fähigkeit, allg. Verhaltensaktivierung T+ für eine Tätigkeit zu rekrutieren
Geringes Anreizerleben: Fähigkeit, Repräsentationen von bedürfnisfreundlichen Objekten mit A+ zu assoziieren
Beziehungsbedürfnisse (die durchaus vorhanden sein können) können schlecht umgesetzt werden, weil die dazu notwendige intuitiven Verhaltensprogramme wegen der Hemmung von A+ nicht gut aktiviert werden können

Für was steht die Bezeichnung OMT?
Erläutere das Kategoriesystem des OMT

Weiterentwicklung des TAT - der OMT
Ökonomischer (nur 15-20Min.), dafür Infos über alle relevanten Ausprägungen der 3 Basismotive mit den 4 Hauptformen der Motivation (IG, EG, OES, IVS), Infos über individuelle Verankerung jedes Motivs in der durch pos./neg. Emotionalität modulierten Systemkonfigurationen.
Ebene 1-2: Motiv mit positivem Affekt verknüpft
Ebene 3-5: Motiv mit negativem Affekt verknüpft

OMT Anschluß (Beziehung) Leistung (Kompetenz) Macht (Durchsetzung)
Wärme, keine affektive Fixierung, Tätigkeitszentriert, Intrinsische Motivation, Selbstregulierter positiver Affekt A1: Begegnung (Interaktion, freudiger Austausch) L1: Flow (intrinsisches Lernmotiv) M1: Führung (prosoziale Macht)
Anreizgesteuerter positiver Affekt A2: Geselligkeit (extravertiert, gute Stimmung) L2: Innerer Gütemaßstab (erkenntnisorientiert, Aufgaben lösen führt zu Stolz) M2: Status (opportunistisch, im Mittelpunkt stehen, Anerkennung)
Selbstgesteuerte Bewältigung von A- A3: Umgang mit Zurückweisung (Verständnis für Schwächen) L3: Mißerfolgsbewältigung (Lernmotivation, pos. Sicht von Mißerfolgen, Probleme erkennen) M3: Selbstbehauptung (Gefühle äußern, Einfluß ausüben, entschedien)
Bewältigung von negativem Affekt durch instrumentelles Handeln (Aktionismus) A4: Vertrautheit (geliebt werden, Sicherheit, Nähe) L4: Druck (egebnisorientiert, soziale Bezugsnormen, nichts falsch machen) M4: Direktion (Pflichtgefühl, Angst vor Machtanwendung, Aktionismus)
Passive Bewältigung von negativem Affekt, Grübeln, Umgang mit Furcht A5: Abhängigkeit (einsam, abgelehnt sein, nicht verstanden werden) L5: Mißerfolgsfurcht (Selbstkritik, gestreßt, ratlos, Hilfe bekommen) M5: Ohnmacht (Unterordnung, gehorsam, schuldig, krank, Bittsteller sein)

Der TAT und der OMT besitzen laut Klassischer Testheorie keine Gültigkeit, weil sie nicht reliabel sind. Aber die Anwendung beweist, dass der Test Gültigkeit besitzt! (Korrelation zw. Motiv und entsprechender Verhaltensweise)

Was ist die Systemkonditionierungsannahme?
Welche Beziehung hat es zu Reziprozität?

Je häufiger in der Kindheit auf Aktivierung des Selbstsystems (Schreien, Blickkontakt als Selbstausdruck) die Aktivierung subkognitiver affektregulierender Systeme (Beruhigung durch Streicheln) folgt (zeitlich, inhaltlich abgestimmt), desto stärker wird die Verbindung zwischen Selbstsystem und betreffendem affektregulierenden System.
Wenn die Reziprozität (Wahrnehmung eines ausgeglichenen Verhältnisses zw. Geben und Nehmen) eine gesunde Sozialisationsbedingung ergab, waren die OMT-Komponenten für die intrinsische Komponente bei Personen mit hoher Ausprägung des motivtypischen P-Stils stärker ausgeprägt: Reziprozität unterstützt demnach die Systemkonditionierungsannahme.

Welche der 14 Persönlichkeitsstile des PSSI haben eine prototypische Verbindung zu den 3 sozialen Motiven? Warum?

Nur bei Stilen mit intrinsischer Motivation ist Wechselwirkung mit dem Index für gesunde Entwicklung der Selbstregulation möglich. Das unterstützt die Annahme, daß es für jedes Motiv prototypische Systemkonfigurationen gibt.

Machtmotiv: mißtrauisch-paranoider Stil, hier erfolgt eine rasche Herabregulierung neg. Affekts und damit ein entsprechend gebahnter Zugang zur Selbstrepräsentation (zum eigenen Willen).
Leistungsmotiv: schizoider Stil, dispositionelle Hemmung von positivem Affekt, der Einfluß von analytischen Denkoperationen und expliziten Intentionen bahnt.
Affiliationsmotiv: Borderline-Stil, da dieser mit einer hohen Aktivierbarkeit und indirekt mit einer hohen Sensibilität für positiven Affekt verbunden wird.

Wie sieht die PSI-Theorie den Begriff "Wille"? Welche Hauptformen des Willens gibt es?

Wille: Führungszentrale: Führung hat Beziehung zu allen Abteilungen des Systems: Energieversorgung, operativen, motivationalen und kognitiven Abteilungen. Die afferenten Kommunikationswege lassen sich mit dem in Verbindung bringen, was wir Selbstwahrnehmung nennen, während die efferenten Verbindungen zu den anderen Systemen als Handlungskontrollstrategien beschreiben werden (Selbststeuerung).
Zentrale entscheidet dabei, welches System aktiviert ist.Der Wille (Selbststeuerung) gliedert sich in zwei Systeme:

  1. Selbstregulation: mit EG verknüpft, implizit, demokratisch
  2. Selbstkontrolle: hängt mit IG zusammen, verfolgt bewußte Ziele, autokratisch

Egal, welchen Persönlichkeitsstil man hat und wie stark er ausgeprägt ist:
Bei starker Selbststeuerung kann man immer aus der einseitigen Lage hinaussteuern. Wichtig ist nur die Erstreaktion, die entsprechend des Stils ausfällt. Bei schwacher Selbststeuerung kann man sich selbst nicht so gut beruhigen

Welches sind die Hauptmerkmale der Selbstregulation?

  • Aufmerksamkeitssteuerung
  • Selbstmotivierung (wenn bei unangenehmer Aufgabe zu wenig positive Anreize da sind, werden neg. Affekte beschwichtigt)
  • Selbstaktivierung bzw. Aktivierungssteuerung (hochfahren globaler Energieversorgung)
  • Selbstberuhigung (Reduzieren der Erregung)
  • Selbstbestimmung (Bildung selbstkongruenter Ziele)
  • Entscheidungssteuerung (selbstkongruentes Entscheiden)
  • Misserfolgskontrolle: Rückmeldungsverwertung (Leistungsoptimierung durch vs. Lähmung nach Mißerfolg)

Was ist Willenshemmung?
Wie unterscheidet sie sich von der Selbsthemmung?

Willenshemmung (Lageorientierung) besteht aus Verhaltenshemmung und Fühl- oder Selbsthemmung.
Verhaltenshemmung ist durch Zögern, Energiedefizit, Fremdkontrolle gekennzeichnet (LOP) und die Fühl- und Selbsthemmung durch Grübeln, emotionale Perseveration, etc. (LOM).
Selbsthemmung entscheidet sich insofern von der Willenshemmung, daß sie ein Teil von ihr ist (ähnliche Frage wäre, was ist der Unterschied zwischen einem Apfel und Obst).

Welche 5 Formen des Selbst identifiziert Neisser?

  1. Ökologisches Selbst: Selbst-Fremd-Unterscheidung im Umgang mit der physikalischen Umgebung
  2. Interpersonelles Selbst: Selbst-Fremd-Koordination in der emotionalen Bindung und Kommunikation. Defizit: Autismus
  3. Erweitertes Selbst: episodisches Gedächtnis
  4. Privates Selbst: Kind stellt fest, daß es Selbstaspekte besitzt, die es von anderen Leuten unterscheidet; daß Erlebnisse ganz persönlich sind und nur von einem selbst so erlebt werden
  5. Konzeptuelles Selbst: Netzwerk von "Theorien" über soziale Rollen (Ehemann, Professor), interne Zustände (Seele, mentale Energie, Leber) und explizierbaren Unterschieden zu anderen Personen (Intelligenz, Attraktivität).

Welche 4 Formen der Aufmerksamkeit berücksichtigt die PSI-Theorie?
Wie unterscheiden sich die absichtsorientierte und die kongruenzorientierte Aufmerksamkeit?

  1. räumliche Aufmerksamkeit (IVS)
  2. unstimmigkeitssensitive Aufmerksamkeit (OES)
  3. kongruenzsensitive Aufmerksamkeit (EG)
  4. absichtsorientierte Aufmerksamkeit (IG)

Absichtsorientierte Aufmerksamkeit ist auch kongruenzorientiert. Unterschied zw. absichtsorientierter Aufmerksamkeit und der kongruenzorientierter Vigilanz: Bei erster steht konkretes Ziel im Vordergrund (allg. Handlungsabsicht).
Die allg. Handlungsabsicht wird bei absichtsorientierter Aufmerksamkeit als konkrete Figur hervorgehoben, was dann adaptiv ist, wenn es um die Entdeckung häufig auftauchender absichtsrelevanter Objekte geht.
Bei Vigilanzaufgaben geht es um Entdeckung seltener und/oder unscharfer Objekte, die durch konkretes Objekt repräsentiert sind.

Wie hat Freuds Psychoanalyse das Selbst differenziert? Wie interpretiert die PSI-Theorie diese Differenzierung?

Freud teilte das Über-Ich in Gewissen und Ich-Ideal auf.
In der PSI-Theorie entspricht Freuds Gewissen dem Ich (A-, A(+)), das nach dem Realitätsprinzip handelt und dem IG nahe liegt.
Das Ich-Ideal kann als das Selbst (A(-), A+) bezeichnet werden, das nach dem Lustprinzip handelt (auf einer anderen Ebene wie das Es) und dem gleich kommt, was Kuhl mit Selbstverwirklichung und Identifikation meint - EG.

Wie funktioniert der Prozess der Selbstmotivierung laut PSI-Theorie?

Abschwächung oder Verstärkung von Affekten wird nicht durch bewußtes Ich (Freud), sondern durch implizites Selbst vermittelt. A+ ermöglicht durch Reduzierung von A- die Aktivierung von Fühlen und Selbstregulation, die eine umfassendere Einbindung kognitiver und emotionaler Prozesse in Entscheiden und Handeln ermöglichen.
Operationalisierung der Selbstmotivation: Selbstmotivierung wurde anhand der Veränderung der wahrgenommenen Attraktivität von Handlungsalternativen operationalisiert (Wohnungsangebote).
Selbstmotivierungseffekt wäre bei Personen zu erwarten, die ausgeprägte Fähigkeit haben, ihr Selbstsystem zu aktivieren, wenn es um die Herbeiführung einer Entscheidung geht (HOP).
Der Anreizaufschaukelungseffekt zeigte sich nur für HOP. Lageorientierte schätzen wie Depressive die Situation sehr realistisch ein

Welche Wirkung hat die Erwartung eines Mißerfolgs auf das Grübeln von Lageorientierten, wenn der Misserfolg tatsächlich auftritt? Warum?

Aktivierung des Selbst durch Vorhersagbarkeit: Gemäß der PSI-Theorie liegt eine Funktion der Selbststeuerung darin, Ereignisse vorherzusagen.
Selbstrepräsentationen, die aus früheren Erfahrungen selbstrelevanter Ereignisse gebildet wurden, werden mit neuen Erfahrungen verglichen, die von elementaren Verarbeitungssystemen gemeldet werden.
Die Vorhersagbarkeit des Mißerfolgs ermöglicht Lageorientierten das, was sie aus eigener Kraft nicht schaffen, nämlich angesichts negativer Erlebnisse das Selbstsystem zu aktivieren, was zu einer Herabregulierung von A- führt.

Welche Bedingungen begünstigen laut PSI-Theorie die Aktivierung des Selbst?
Welche Unterschiede zeigen Lage- und Handlungsorientierte in diesem Zusammenhang?

Negativer Affekt wird dadurch reduziert, daß A+ generiert wird.
Das passiert durch die Befriedigung eines Bedürfnisses.
Der Herabregulierungseffekt ist um so ausgeprägter, je intensiver die Aktivierung des Selbst ist. Das hängt vom Entwicklungsstand des Selbst ab. Emotionale Flexibilität ist Voraussetzung für die fortschreitende Entwicklung des Selbst. (Emotionale Dialektik)
Der Entwicklungsgrad des Selbstsystems müßte dadurch gemessen werden können, daß man prüft, wie oft eine Person zwischen pos. und neg. Aspekten pendelt, wenn sie ein selbstrelevantes Objekt beschreibt.

Showers & Kling: Fragmentierte Organisation (Trennung neg. und pos. Aspekte) vs. Integrierte Organisation (pos. und neg. Aspekte sind integriert)
Pendeln zwischen positiven und negativen Aspekten beim Beschreiben selbstrelevanter Objekte.
Nach induzierter negativer Stimmung: Verbesserung der Stimmung war abhängig von:
UV: Aufgabe: Aktivierung des Selbst ("wer bin ich") vs. Ablenkung (rückwärts zählen)
Gewichtung positiver im Vergleich zu negativen Selbstaspekten
Selbstkomplexität (siehe Linville) (Differenziertheit des Selbst - viele Kategorien)
AV: Stimmungsverbesserung - Vergleich trotzdem genannter positiver zu negativer Selbstaspekten; Selbstkomplexität
⇒ auch positive Selbstaspekte ⇒ Integriertes Selbst; nur negative Selbstaspekte ⇒ fragmentiertes Selbst Am besten: positive Selbstaspekte / Integriertes Selbst
Am schlechtesten: negative Selbstaspekte / fragmentiertes Selbst

Wie sieht die PSI-Theorie den Mechanismus der Selbstberuhigung?

Selbstgesteuerte Emotionsbewältigung
Selbstberuhigung ermöglicht, die in Phasen negativer Stimmung beachteten schema-diskrepanten Erfahrungen in die bestehenden hochinferenten Schemata zu integrieren.
Dies erklärt, warum Personen, die in der frühen Kindheit nicht gelernt haben, A- aktiv herabzuregulieren, Schwierigkeiten mit der Entwicklung eines kohärenten Selbstsystems haben.

Wie hat Linville (1987) die Selbstkomplexität gemessen?

Linville (1987) erklärt den dämpfenden Einfluß der Wechselwirkung von Streßbelastung und Selbstkomplexität auf die körperlichen und depressiven Symptome sowie auf das Streßerleben mit der Pufferhypothese:

Ein komplexes Selbstsystem könne Streßbelastung abpuffern, weil sich die Energie auf ein größeres Netzwerk verteile, während sie bei einem undifferenzierten Selbstsystem überschwappe und zu Übergeneralisierungen führe.

Die PSI-Theorie spezifiziert genauer: Ein komplexes Selbstsystem ist ein Zeichen dafür, daß die zugrundeliegenden Strukturen (Hippocampus, rechts-präfrontales System) gut entwickelt sind und häufig aktiviert werden.

Was sind Persönlichkeitsstörungen laut PSI-Theorie?

Einseitige Fixierungen auf eine oder mehrere Systemkonfigurationen. Das ist eine Reaktion des Systems auf Belastung. Zusätzlich kann noch eine angeborene Extremausprägung eines der Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen zugrundeliegenden neurobiologischen Transmittersystemen beteiligt sein.
Es liegen entweder extreme Ausprägungen auf der Anreiz- oder der Temperamentsebene vor.
Nach dem DSM-IV setzt die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung voraus, daß eine Mindestanzahl von Verhaltenssymptomen auftritt, und daß diese Symptome von den Erwartungen der soziokulturellen Umgebung abweichen und den Patienten beeinträchtigen oder Leiden zuführen.

Welche Persönlichkeitsstörungen sind als Temperamentstypen klassifiziert?
Welches ist ein verhaltensbahnender Typ?

Störungen durch Fixierungen auf Extrempositionen der beiden Temperamentsdimensionen sind: borderline, histrionisch, abhängig, negativistisch, antisozial
Eine Übersteigerung des verhaltensbahnenden Systems wird bei zwanghaften Störungen vermutet

Welche Dominanzdimension kennzeichnet die aggressive Persönlichkeitsstörung?

A{+} & A(-)
Ein gesundes Maß an Aggressivität ist die Voraussetzung für Selbstbehauptung.
Das Erlernen sozialer Normen, die das übermäßige Ausleben von Aggressivität verhindern, setzt die Intaktheit des Bestrafungssystems voraus.
Ist das Bestrafungssystem sehr insensitiv, folgt eine triebhafte Impulsivität. So erklärt sich das A(-).

Damit die aggressiven Impulse in die Tat umgesetzt werden, ist eine mittlere Beteiligung des Belohnungssystems nötig.
Bei einer gehemmten Belohnungssensitivität wären die aggressiven Impulse blockiert, bei hoher belohnungssensitivität wäre mit einer eher positiv gestimmten sozialen Kontaktorientierung zu rechnen. Effizienzdimension: zielorientiertes Handeln (kann aber auch zur Konfliktdimension werden, wenn zielorientiertes Planen und intuitives Handeln nicht mehr zusammenarbeiten)
Dominanzdimension: Extensionsgedächtnis und integriertes Selbst. Obwohl das Selbst verflacht, wenn die Bestrafungshemmung verhindert, daß negative Affekte lange genug asgehalten werden, um ins Selbst integriert zu werden.

Welche Dominanzdimension kennzeichnet die antisoziale Persönlichkeitsstörung (AS)?

A+/A(-)

Was kennzeichnet die paranoide Persönlichkeitsstörung (PA)?

A(+) & A(-)
Ungerechtfertigte Erwartungen, von anderen ausgenutzt zu werden; Umdeutung freundlicher Gesten als feindlich, mangelnde Bereitschaft, Beleidigungen zu verzeihen, mangelnde Selbstöffnung, übersteigerte Bereitschaft, auf Unfreundlichkeiten mit Wut zu reagieren.
Kombination von Entwertung und verhaltener Aggressivität. A+ ist niedrig wegen Frustrationserfahrungen, A- ist niedrig unter Streß.
A(+): Verhaltenshemmung, Passivität, Tendenz zu Mißtrauen. Bevorzugung rationaler Tätigkeiten.
Das durch die Umsetzungshemmung oft vereitelte Handeln wird auf böse Absichten anderer geschoben. Erfolge werden aber dem Selbst zugeschrieben.

Warum ist das Funktionsprofil der schizoiden Persönlichkeitsstörung günstig für Wissensvermehrung?

A(+) & A{-}

  • emotionale Kühle, Distanziertheit oder flache Affektivität (eingeschränkte gemütsmäßige Ansprechbarkeit)
  • geringe Fähigkeit, warme, zärtliche Gefühle oder auch Ärger anderen gegenüber zu zeigen
  • anscheinend Gleichgültigkeit gegenüber Lob oder Kritik
  • wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit anderen
  • übermäßige Vorliebe für einzelgängerische Beschäftigungen und Unternehmungen
  • wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude oder Vergnügen
  • keine engen Freunde oder Vertraute (oder höchstens wenige oder eine einzige Person) und dabei auch kein ausdrücklicher Wunsch nach solchen Beziehungen (außer vielleicht nahen Angehörigen, wobei sich aber auch der Wunsch, Teil einer Familie zu sein, in engen Grenzen hält)
  • mangelnde Sensibilität im Erkennen und Befolgen gesellschaftlicher Regeln (beginnend mit Begrüßungen und endend mit vielleicht komplexeren, aber im Durchschnitt durchaus vertrauten sozialen Konventionen, also gesellschaftlichen Übereinkünften).
Reduzierte Aktivität des Belohnungssystems: Bei allen Verhaltensmerkmalen, die reduziert sind, ist eine Beteiligung des dopaminergen Systems nachgewiesen.
Solange gute Zusammenarbeit zw. hochinferenten und elementaren System bei Wahrnehmen und Erleben auftritt, ist Akzentuierung der Erlebnisseite zu erwarten. Schizoide Menschen sollten dann wahrnehmungs- und erfahrungsorientiert sein. Ausgewogenes Zusammenwirken der Fühl- und Empfindungsfunktion schafft für Aufnahme und Verarbeitung von Wissen gute Voraussetzungen. Da die Denkfunktion stark ausgeprägt ist, ergibt sich Gesamtkonfiguration, die für erfahrungsorientierte Wissensvermehrung geradezu prädestiniert ist. Dominanzdimension: Fühl- und Empfindungsfunktion

Wie unterscheiden sich die selbstunsichere (SU) und die abhängige (AB) Person?

Als Form der Bedürfnisbefriedigung kann beim SU-Typ Anlehnung an starke Personen erwartet werden. Damit wird Affinität zur AB-Störung angenommen, von der sich die SU-Störung aber durch ausgeprägteres Erleben eigener Vorstellungen unterscheiden sollte:
AB ist im Modell als temperamentsbedingte Entsprechung zur SU dargestellt. Durch reduzierte Anreizbindung (bei SU), werden Symptome bes. dann ausgelöst, wenn es um Verfolgung expliziter Ziele geht, während sie bei den AB durch neg. Beziehungserfahrungen zustande kommen (Trennungserlebnisse, die schon in der Kindheit hemmende Wirkung entfalten können, wenn Objektrepäsentationen und ihre Affektbesetzung noch nicht entwickelt sind).

Welches Funktionsprofiel im STAR-Modell und den DSM-IV Hauptmerkmalen kennzeichnet die zwanghafte (ZW) Persönlichkeitsstörung?

A{+} &A-
Perfektionismus, Beschäftigung mit Details, Regeln, Plänen, Druck auf andere, es auch so zu machen, exzessives Arbeiten, übermäßige Gewissenhaftigkeit, Inflexibilität in moralischen Fragen. Reduzierter Affektausdruck, mangelnde Großzügigkeit.
Hohe Aktivierung von A-: Überfunktion der Empfindung, die Diskrepanzen mit Wünschen vergleicht.
Mittleres A+: Effizientes Zusammenarbeiten von Planen und Umsetzung oder bei Fixierung auf Bestrafungspol: Unsensibilität für Anreizsystem, das anreizunabhängiges Verhalten bahnt. Ergebnisse werden selbst dann nicht als Erfolge anerkannt, wenn sie dem Ziel sehr nahe kommen. Rigidität durch Abschwächung der Fühlfunktion und der Unstimmigkeitssensibilität. Flexibel zu alternativen Zielen wechseln kann man nur mit dem EG.

Welches Funktionsprofiel im STAR-Modell und den DSM-IV Hauptmerkmalen kennzeichnet die schizotypische (ST) Persönlichkeitsstörung?

A+ & A-
Sozialer Rückzug, reduzierter Affektaustausch, mißtrauische Vorstellungen, telepathische Überzeugungen, magisches Denken, Eingebungen. Erlebnisse haben besonderen Bezug zur eigenen Person. Verarmte, abschweifende Ausdrucksweise.
Übersteigerte Aktivität beider Anreizbindungssysteme: Reduzierung des Einflusses von Denk-, Planungs-, Willensfunktion auf die Verhaltenssteuerung UND erschwerter Zugang zu komplexen Selbstrepräsentationen, intensivierte Objektwahrnehmung.
Gefühl, daß Erlebnisse von außen eingegeben scheinen: Top-down-Funktionen, die das Erleben eigener Veranlassung eines Gefühls verursachen, sind gehemmt. Affektbesetzung jeden auftretenden Erlebnisinhalts durch Überakivierung A+ und A-. Sogar neutrale Objekte werden als bedeutsam erlebt.

Wie erklärt die PSI-Theorie das misstrauische Verhalten der paranoiden und der schizotypischen Persönlichkeitsstörung?

Handeln, Denken, Fühlen wird nicht als selbstgewollt gefunden, sondern auf Eingebungen von außen attribuiert.
Geht man von der Annahme aus, daß das Erleben eigener Veranlassung Beteiligung hochinferenter Funktionen voraussetzt, läßt sich das Mißtrauen schizotypischer Menschen auf Erfahrung zurückführen, daß Wahrgenommenes von außen ausgelöst wurde.

Bei der paranoiden Störung besteht keine Neigung, hochinferente Funktionen zu dämpfen. Bei der paranoiden Störung ist wegen der Neigung zur Hemmung von A+ Mißtrauen zu erwarten, wenn eigene Ziele nicht umgesetzt werden (eigene Handlungshemmung) und wenn negative Affekte ausgelöst werden.
Bei schizotypischen Menschen sollte Mißtrauen nicht abhängig von den Aktionen und Stimmungen anderer sein, sondern in Phasen starken eigenen Engagements auftreten (da eigenes Handeln weniger als selbstveranlasst erlebt wird)

Welches Funktionsprofiel im STAR-Modell und den DSM-IV Hauptmerkmalen kennzeichnet die rhapsodisch (RH) histrionische (HI) Persönlichkeitsstörung?

A+ & A{-}
Verlangen nach Bestätigung, übertriebene Attraktivität, Besorgnis um Erscheinungsbild gepaart. Übertriebenes Zeigen von Emotionen. Im Mittelpunkt stehen, wechselnde, oberflächlicher Emotionen, egozentrisches Auftreten, impressionistischer Sprachstil, der keine Details kennt.
Extreme Fixierung auf A+.
Besondere Defizite beim handlungsvorbereitenden Denken und Planen. Impressionistischer Stil durch Unterfunktion des linkshemisphärischen Verarbeitungssystems.Gesteigertes Anschlußbedürfnis,Kombination aus Anschluß-, Macht- und sexueller Motivation.

Welches Funktionsprofil im STAR-Modell und den DSM-IV Hauptmerkmalen kennzeichnet die narzisstische (NA) Persönlichkeitsstörung?

A+ & A(-)
Tendenz zur Ausnutzung anderer, Grandiosität der Wahrnehmung eigener Leistungen, Einzigartigkeit eigener Probleme, Forderung nach ständiger Aufmerksamkeit, Mangel an Empathie, Neidgefühle.
Durch Abkopplung der Selbstrepräsentationen von der Wahrnehmung selbstdiskrepanter Empfindungen wird Selbst-Erleben unkritisch. Befriedigung eigener Bedürfnisse wird von anderen erwartet, die immer dann einen hohen Anreizwert erhalten, wenn sie dazu beitragen können.
Narzißten können die Welt aus der Perspektive anderer sehen. Sie können dies aber nicht altruistisch einsetzen, weil sie von eigenen Bedürfnissen dominiert werden. Die vorhandenen empathischen Fähigkeiten können deshalb zu einer gesteigerten Ausnutzung anderer Menschen eingesetzt werden.

Wie hat Jung die Begriffe Fühlen & Denken definiert?
Wie versteht die PSI-Theorie diese Begriffe?

PSI: höhere kognitive Funktionen lassen sich mit Denken und Fühlen beschreiben. Dabei ist mit Fühlen eine besondere Form der Verarbeitung, die eng mit Gefühlen vernetzt ist, bei der kognitive Leistungen im Vordergrund stehen.

Jung bezeichnet Denken und Fühlen als rationale Funktionen die sich von den irrationalen Funktionen des Intuierens und Empfindens abheben. Die Begriffspaare lassen sich den funktionsanalytischen Begriffen hochinferenter und elementarer Funktionen zuordnen, die die wertenden Begriffe rational und irrational systemanalytisch interpretieren, im Hinblick auf das Ausmaß der Aggregation oder Integration einfacher Sinneseindrücke bzw. Bewegungskomponenten zu immer höheren Repräsentationskomponenten.

Welche Unterschiede gibt es zwischen dem EG und dem Fühlen?
Warum eignet sich die Fühlfunktion für den Prozess der emotionalen Dialektik?

Fühlen: Strukturen, die durch Interaktion des EG mit diskrepanten Objektwahrnehmungen gewachsen sind. Fühlen ist eine hochinferente Form der Wissensrepräsentation, die durch Konfigurationen von Erfahrungen, wie Erlebnisepisoden oder Netzwerke von Selbstaspekten gekennzeichnet ist.

Das EG kann dagegen unabhängig von der Kommunikation mit diskrepanten Objektwahrnehmungen betrachtet werden, die stattgefunden haben.
Aus der Fähigkeit, neue Wahrnehmungen, die zunächst als Unstimmigkeiten identifiziert werden, in das EG zu integrieren, erwächst das Potential des Fühlens, Widersprüchliches zu integrieren und damit immer neue Unterscheidungen innerhalb der eigenen Erfahrungen machen zu können.

Welches Makrosystem unterstützt die Mastery-Orientation? Welche Argumente sprechen dafür?

Meistern von Herausforderungen paßt gut zur hochinferenten Form des Intuierens, womit eine Ausrichtung auf unscharfes, implizites Lernen statt bewußt repräsentierte Einengung auf ein konkretes Leistungsziel gemeint ist.
Mastery Orientation kommt Fühlen sehr nahe, da es...

  • ...rationale, auf gründliches Lernen ausgerichtete Seite umfasst, ohne daß auf explizite Strategien des analytischen Denkens hingewiesen wird
  • ...den Fokus auf ganzheitlich-heuristischen als auf analytischen-algorithmischen Problemlösen gerichtet hat
  • ...im Unterschied zum Motiv, das durch Fokussieren auf konkrete Ergebnisse charakterisiert ist, durch Verarbeitungs- und Motivationsstil charakterisiert ist, der schwierige Aufgaben als Herausforderung statt als Bedrohung auffasst.

Zu was lassen sich Jungs Archetypen (Sonne, Licht, Männlichkeit) zuordnen, zum Fühlen oder zum Intuieren?

Es handelt sich um Intuieren, denn was sich dem Bewußtsein bei Dominanz des Intuierens bietet, lässt sich nach Jung allenfalls als ein Ahnen beschreiben, was kaum mehr heißt, als daß dem Bewußtsein praktisch nichts von den Prozessen zugänglich ist, die auf diese ganz andere Weise das Problemlösen unterstützen.
Intuieren beruht auf einem inneren Zugriff auf elementare sensumotorische Einheiten, von denen einige vielleicht sogar angeborene Kernschemata enthalten, also ganz im Sinne von Jungs Archetypen.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Intuieren und Fühlen?
Welche kognitiven Komponenten beinhaltet das Fühlen?

Fühlen: Rational, realitätsbasiert, Integriert bewußte Erfahrungen, Höhere Form der Integration von Gegensätzen, Abstrahiert aus Episoden, Akkomodationsorientiert, Unterschiedssensitiv, Affinität zur Selbstregulation, Größerer Zeitbedarf, Dekomponierbarkeit, Höhere Vergessensrate, Vorhersagefunktion

Intuieren: Esoterisch, naiv, Geringe bewußte Repräsentanz, Elementares Integrationspotential, Lernen durch sensumotorische Rückmeldung, Assimilationsorientiert, Undifferenziert (z.B. Halo-Effekt), Affinität zur automatischen Steuerung, Geringerer Zeitbedarf, Verschmelzung, Niedrigere Vergessensrate, Online-Charakteristik

Welche Unterschiede gibt es zwischen dem kognitiven und dem persönlichkeitspsychologischen Ansatz bezüglich des analytischen und ganzheitlichen Verarbeitungssystems?

Gegenstand der Persönlichkeitspsychologie sind Funktionsmerkmale, die über den kognitiven Kern analytischer und ganzheitlicher Systeme hinausgehen (ganzheitliche Repräsentationen eigener und fremder Zustände, Werte, Ziele und andere Aspekte der eigenen Persönlichkeit) und betreffen zum Anderen dynamische Veränderungen der Aktivierung analytischer und ganzheitlicher Verarbeitungssysteme:
Während kognitive Modelle diese Systeme weitgehend modulationsfrei konzipieren, geht es in der Persönlickeitspsychologie um die Modulation der Aktivierung der analytischen vs. ganzheitlichen Verarbeitungssysteme.

Welches Hauptmerkmal kennzeichnet das analytische Denken?

Das vielleicht charakteristischste Merkmal des analytischen Denkens ist seine sequentielle "Wenn-Dann"Struktur.
Denken lässt sich in eine Folge einzelner Schritte gliedern, die durch logischen Verknüpfungen zwischen aufeinanderfolgenden Schritten bestimmt ist.
Lineare Sequenzen aufeinanderfolgender Verarbeitungsschritte innerhalb eines hierarchisch organisierten Systems sollten praktisch alle höheren kognitiven Leistungen erklären. Viele der genannten Leistungen sind viel effizienter durch parallele Verarbeitung in neuronalen Netzwerkmodellen zu erklären.
Schlußfolgerndes Denken " Wenn es regnet, wird die Straße naß."

Welche Wirkung haben laut PSI-Theorie positive und negative Affekte auf die Effizienz des Informationsaustausches zwischen den beiden Hemisphären?

Wechseln zwischen pos. und neg. Affekten macht die Effizienz des Informationsaustausches zwischen den beiden Hemisphären aus.
Informationsaustausch funktioniert am besten, wenn die Aktivierungsrelation zwischen pos. und neg. Affekt gleich stark ist. Durch Kommunikation zwischen dem Fühlen und dem OES entsteht ein Hemisphärenwechsel, wie auch durch die Kommunikation zwischen IVS und IG.
Wenn also alle vier Makrosysteme ungefähr gleichstark aktiviert sind, ist der Informationsaustausch besonders hoch.

Warum ist die Kommunikation zwischen den beiden hochinferenten Systemen und den jeweiligen elementaren Systemen von Bedeutung für die Persönlichkeitspsychologie?

Durch die Kommunikation können auch Menschen mit starker Neigung zum analytischen Denken Gefühle simulieren und Menschen mit starker Dominanz des Fühlens analytische Begründungen simulieren.
In der Persönlichkeitspsychologie versucht man, diese Simulation durch die Wiederherstellung des Kontakts zwischen Denken und Fühlen, überflüssig zu machen. (nicht vollständig)

Warum sind Lageorientierte fremdbestimmter?

Sie bleiben bei negativem Affekt in der linken Hemisphäre, so können sie fremde Erwartungen nicht bez. der Selbstkompatibilität prüfen. So auch Personen mit hoher Selbstkontrolle.

Wie lauten die Modulationsannahme?

  1. Heraufregulation von reduziertem A+ stellt die Verbindung zwischen IG und IVS her (z.B. durch Selbstmotivierung bei Schwierigkeiten)
  2. Herabregulation von A- stellt die Verbindung zwischen EG und OES wieder her (z.B. Selbstberuhigung, Integrieren von Widersprüchen)
  3. Ausführungshemmung durch IG
  4. Selbstberuhigung durch Selbst -> A(-)
  5. Selbstmotivierung durch Selbst -> A+
  6. Selbstverwirklichung durch emotionale Dialektik
  7. Je stärker und länger ein Affekt, desto komplexere Ebene wird aktiviert

Was könnte laut PSI-Theorie der Grund sein?
Eine Person gibt an, sie sei oft verletzt, grübele häufig, beobachtet gefährliche Situationen genau, und dann fallen ihr auch immer ähnliche Situationen ein.

  • starke Aktivierung des OES
  • hohe Sensibilität des Bestrafungssystems
  • hohe Erregbarkeit (Verstärkung der Sensibilisierung für A-)
  • Die Sensibilisierung für bedrohliche Inhalte kann gesenkt werden durch...
  • das Bedürfnis nach Selbstbehauptung, das stärker ausgeprägt ist als das nach Sicherheit
  • der ganzheitlichen analytischen Verarbeitung, die überwiegt
  • die Volitionshemmung (LOM), die die elbststeuerung schwächt, so daß eine Verdrängung aversiver Inhalte nicht unterstützt wird

Beschreibe die 4 kognitiven Systeme!

  Reizaufnahme (Erleben) (afferent) Reaktion (Verhalten) (efferent)
komplex Holistisches Fühlen (EG, implizites Selbst) Analytisches Denken (IG, explizites Ich)
elementar Diskrepanz-sensitive Objekterkennung (internal und external) Intuitive Verhaltenssteuerung (genetisch und erworben)