Die sieben Studien aus dem Seminar "Streß, Belastung und Persönlichkeit" bei M. Kazén

Baumeister, Dale & Sommer: Freudian Defense Mechanisms and Empirical Findings in Modern Social Psychology

 

Reaktionsbildung: Unakzeptabler Wunsch wird ins Gegenteil umgekehrt.

Morokoff, 1985: Frauen mit induzierter "Sex-Schuld" (schlechtes Gewissen) berichten von wenig Erregung, wenn sie erotische Stimuli sahen. Physiologische Messungen zeigten aber höhere sexuelle Erregung als bei anderen.
Dutton & Lake, 1973: Weißen Vpn wurde durch ein falschen Bio-Feedbacks vorgemacht, daß sie Vorurteile gegen Schwarze haben. Dann trafen sie schwarzen Bettler. Die, denen Rassismus induziert wurde, gaben Schwarzem mehr als Weißem. (homosexuelle, sexistische Einstellungen)
Reaktionsbildung ist ein Mechanismus, der das Selbst vor Bedrohung schützen kann.
Die Verdrängungsart konnte also empirisch bestätigt werden.

Projektion: Eigene Eigenschaften werden bei anderen und nicht bei sich selbst gesehen.

False consensus effect: Personen, die gleiche Eigenschaften wie man selbst hat, werden mengenmäßig überschätzt. Aber Befunde zeigen nicht, daß es ein Abwehrmechanismus ist, der hilft, eigene schlechte Eigenschaften nicht wahrzunehmen.
Bramel, 1962: Männer, denen gesagt wurde, sie hätten homosexuelle Tendenzen, sahen andere so, als hätten sie sie.
Agostinelli, Sherman, Presson & Chassin, 1992: Vpn mit Mißerfolg sagen voraus, daß andere auch Mißerfolg haben.
Newman, 1997: Falsche Rückmeldung beim Persönlichkeitstest. Vp sollte vermeiden, an die Dimension mit negativer Rückmeldung zu denken. Danach sollte sie andere Vp einschätzen. Die Eigenschaft, zu der sie negatives Feedback erhielt, wurde bei der anderen höher eingeschätzt, aber nur, wenn sie das negative Feedback unterdrücken sollte.
Projektion ist eher ein Nebenprodukt einer Abwehrreaktion als ein Abwehrmechanismus an sich.
Für diese Verdrängungsart wurden keine Befunde entdeckt.

Verschiebung: Das Ziel eines gewalttätigen Impulses wird verändert.

Hokanson, Burgess & Cohen, 1963: Vpn wurden frustriert, dann Gelegenheit gegeben, Aggression am VL, Assistenten, Studenten auszulassen. Machten keinen Unterschied, an wem sie ihre Aggressionen ausließen.
Cantor, Zillman & Einsiedel, 1978: Vpn, die durch Film erregt wurden, zeigten aggressives Verhalten, auch wenn Provokation nichts mit vorheriger Erregung zu tun hatte.
Hovland & Sears, 1939: Wenn Preise für Baumwolle fielen, litten Farmer Verlust und Frustration und ließen Wut an Schwarzen aus ("Sündenbock")
Befunde unterstützen Abwehrmechanismus nicht. Alternative Erklärung: Allgemeine Tendenz für Erregung oder schlechte Stimmung, die in Aggression ausgedrückt wird

Ungeschehenmachen:

Newman, 1988: Arbeitslose denken darüber nach, wie sie gefeuert wurden, was sie gerne noch gesagt oder anders gemacht hätten.
Medvec, Madey & Gilovich, 1995: Silber-Gewinner sind weniger glücklich als Bronze-Gewinner.
Taylor, 1983: Krebspatienten vergleichen sich mit anderen Patienten, denen es noch schlechter geht.
Keine Befunde für Ungeschehenmachen als Abwehrmechanismus. Ungeschehenmachen ist eine Copingstrategie, die helfen kann, sich besser zu fühlen.

Isolierung: Mentale Barriere wird zwischen bedrohender Kognition und anderen Gefühlen errichtet

Hansen & Hansen, 1988: schlechte Erinnerungen rufen bei Verdrängern keine anderen schlechten Erinnerungen wach. Verdränger haben zwar genauso viele negative Erfahrungen, verbinden diese aber nicht mit anderen negativen Ereignissen und fühlen sich deshalb nicht so beunruhigt.
Baumeister, Stillwell & Wotman, 1990: Täter sagen aus, daß ihre Tat kaum Auswirkungen auf ihr Leben oder Beziehungen hat
Gute Belege, daß Menschen ihr Selbst gegen Bedrohung verteidigen, indem sie Bedrohung mental isolieren.

Sublimation: Trieb wird in einer Weise ausgedrückt, die keine Beziehung zum ursprünglichen Ziel hat.

Keine Befunde zur Sublimation. In Zeiten der intellektuellen und künstlerischen Blüte gab es auch mehr Sexualität.
Janus & Janus, 1993: gebildete Menschen haben mehr Sex, zeigen mehr sexuelle Praktiken und haben mehr außereheliche Affären.
Heuscher fand in Interviews mit 50 Geistlichen keinen Beleg dafür, daß ein eheloses Leben für ihre Aufgaben frei macht. Es gibt keine Befunde, daß Sublimation ein Abwehr-mechanismus ist.

Verleugnung: Weigerung, best. Fakten wahrzunehmen

Zuckerman, 1979: Menschen machen für Mißerfolg externale Eigenschaften verantwortlich, bei Erfolg internale.
Pyszczynski, Greenberg & Holt, 1985: Studenten finden Test unfair, wenn sie schlecht abschneiden, Test für günstig, wenn sie gut waren.
Taylor & Brown, 1988: Mehrheit denkt, daß sie unter weniger schlimmen Problemen leiden werden als es der Fall ist.
Burger & Burns, 1988: Menschen glauben, daß ihnen Geschlechtskrankheiten nicht zustoßen, haben deshalb Sex ohne Kondom.
Lipp, Kolstoe, James & Randall, 1968: körperlich behinderte Menschen brauchten länger um tachistoskopisch dargebotene Bilder von Behinderten wahrzunehmen als Nichtbehinderte
Es gibt zahlreiche Belege, dass Verleugnung ist ein wirklicher Abwehrmechanismus ist.

Sind die genannten Prozesse auch Abwehrmechanismen?

  • Sie schützen das Selbst vor Bedrohung, vor allem vor einem Verlust der Selbstachtung
  • Verschiebung und Sublimation sind keine effektiven Abwehrmechanismen
  • Ungeschehenmachen scheint eine Copingstrategie zu sein, die sehr effektiv sein kann
  • Projektion ist ein Grenzfall. Es ist kein hilfreicher Abwehrmechanismus, sondern ein Nebenprodukt
  • Reaktionsbildung, Isolation und Verleugnung scheinen die am besten geeignetsten Abwehrmechanismen zu sein

Wann ist eine Abwehr von Bedrohung auch ein Abwehrmechanismus?

  • Stärke der Reaktion (extreme Formen bei psychisch Kranken)
  • Intrapsychische und interpersonale Strategien bei der Umsetzung

Sind Abwehrmechanismen adaptiv?

  • Milde Formen unterstützen die Selbstachtung, minimieren emotionalen Streß und unterstützen die mentale Gesundheit
  • Stärkere Formen haben eher den gegenteiligen Effekt

 

Conclusion: Verschiebung des Einsatzes der Abwehrmechanismen: von unakzeptierten Impulsen (Energetisches Modell bei Freud) zu einer Bedrohung der Selbstachtung (Kognitives Modell der heutigen Sicht)

Für viele Abwehrmechanismen gibt es Befunde, allerdings müssen die ihnen zu Grunde liegenden Prozeße noch weiter untersucht werden. Durch Abwehrmechanismen wird weniger versucht, das Ich zuschützen, sondern eher das Selbst


Manfred Spitzer: Streß und Kognition

Cannon: fight or flight (sympathisches NS)
Selye: Stressor führt zu allg. Adaptionssyndrom (Alarmreaktion, Widerstand, Erschöpfung)
Mason (1968): Fastende Affen zeigten Streßreaktionen, wenn sie anderen Tieren beim essen zusahen. Streß hatten sie aber nicht, wenn sie nährstofflose Futterbällchen bekamen.
Akuter Streß: Aktivierung des Sympathikus, Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin (in Sekunden) und Glucocorticoiden (in Stunden). Führt zu erhöhten kardiovaskulärem Tonus und zu erhöhter kognitiver Leistungsfähigkeit. Hemmung von Verdauung, Wachstum, Reproduktion, Immunsystem.
Glucocorticoide: Führen zur Bereitstellung von Glucose durch Hemmung der Glucoseaufnahme in den Zellen und eine vermehrte Synthese von Glucose.
Langfristiger Streß: Chronisch erhöhter kardiovaskulärer Tonus, chronischer Hypertonus, neuronaler Zelltod, Zwergwuchs, Osteoporose, Libidoverlust, Verstopfung, Infektionskrankheiten.
Hippocampus: Assoziationsspeicher, kognitive Landkarte. Patient H.M. Vögel, die ihr Futter verstecken (Untersuchung mit Futtermehl statt Körnern)
Morris-Wasserirrgarten: Defekter Hippocampus: Ratten merkten sich den Weg nicht. Gestreichelte vs. Nicht gestreichelte Ratten.

Regulation der Streßhormone: Nebennierenmark ist Teil des sympathischen NS und scheidet Adrenalin und Noradrenalin aus. Diese passieren die Blut-Hirn-Schranke nicht, Glucocorticoide schon.
CRH (Corticotrophin-Releasing-Hormon) aus dem Hypothalamus stimuliert die Sekretion von ACTH (adrenocorticotropen Hormon) in der Hypophyse, und das bewirkt die Ausschüttung von Cortisol in der Nebennierenrinde.
Cortisol übt eine negative Rückkopplung auf seine Sekretion aus: Hemmt die Ausschüttung von CRH und von ACTH.

Cortisol und ZNS: Im Gehirn gibt es Mineralcorticiodrezeptoren (Steroidrezeptoren Typ I, fast nur im Hippocampus) und Glucocorticoidrezeptoren (Steroidrezeptoren Typ II, überall im Gehirn, am meisten im Hippocampus).
Der Hippocampus hemmt die Cortisolsekretion.
Physiologische Cortisolwirkungen am Hippocampus: Glucocortikoide hemmen den vaskulären Glucosetransport durch die Blut-Hirn-Schranke im Gehirn. Zusätzlich im Hippocampus hemmen sie die Glucoseaufnahme der Neuronen. Bei erhöhter Cortisolkonzentration und stärkerer Hippocampusaktivität wird die Energiebereitstellung herabgesetzt. Die Neuroplastizität des Hippocampus ist dann beeinträchtigt.
Mineralcorticiodrezeptoren: starke Affinität zum Cortisol, im Ruhezustand stark besetzt. Fördern die neuronale Plastizität im Hippocampus.
Glucocorticoidrezeptoren: schwache Affinität zum Cortisol, nur unter Streß besetzt. Unterdrücken die neuronale Plastizität im Hippocampus.
Alter und Hippocampus: Chronischer Streß führt zu einer Abnahme der Cortisolrezeptoren im Hippocampus, Abnahme seines negativen Feedbacks zur Cortisolselretion, diese ist also dauerhaft gesteigert. Weitere Abnahme der Rezeptoren. Zellabbau/Zelltod.


Bushman: Effects of television on memory for commercial messages

Beeinträchtigt Gewalt im Fernsehen das Erinnern an Werbeclips?

Experiment 1
UV: Film (gewaltsam/nicht gewaltsam),
AV: Erinnerungsvermögen (Markenname, Aussage der Werbung)
Ergebnis: Vpn, die gewaltfreien (genauso erregenden) Film sahen, konnten sich besser an Markennamen und Botschaften aus der Werbung erinnern.

Experiment 2
Replikation von Exp. 1
zusätzliche AV: Markennamen-Recognition
zusätzliche Check-Items: War der Film involvierend? Waren die Werbeclips ablenkend? Waren die Werbeclips verärgernd?
Ergebnis: Check-Items nahmen keinen Einfluss auf die AV. Vpn, die gewaltfreien Film sahen, erbrachten bessere Gedächtnisleistungen in Markennamen-Recall, Aussage -Recall und Markennamen-Recognition.

Experiment 3
Replikation von Exp. 1 und 2
Zusätzlich wurden Ärger, positiver Affekt und Erregung als mögliche Mediatoren des Haupteffekts getestet, indem die Vpn nach dem Film einen Stimmungstest ausfüllen mußten, der Ärger und positive Stimmung maß.
Befund: Erneute Bestätigung des Haupteffekts. Außerdem zeichnete sich Ärger als Mediator des Effekts aus: TV-Gewalt erhöhte das Gefühl von Ärger und Ärger wiederum beeinträchtigte das Erinnerungsvermögen. Folglich hat die TV-Gewalt keinen direkten Einfluß auf das Erinnern an die Werbung, sondern nur einen indirekten.

2 Erklärungsansätze:

  1. Ärger, der von TV-Gewalt induziert wird, könnte weitere aggressivitätsbezogene Gedanken aktivieren, die wiederum die Verarbeitung der Werbe-Infos stört und diese weniger zugänglich macht.
  2. Ärger, der von TV-Gewalt induziert wird, könnte den Zuschauer dazu veranlassen, sich mehr auf das Reparieren der eigenen Stimmung zu konzentrieren als auf die Werbung.


Die vorliegende Studie hat diese beiden Hypothesen nicht explizit getestet!


Koole & Jostmann: Getting a Grip on Your Feelings:
Effects of Action Orientation and External Demands on Intuitive Affect Regulation

Untersucht wird die Verbindung zwischen Handlungsorientierung und Intuitiver Affektregulation.
Bewußte Affektregulation (suppression): Verbunden mit logischem, analytischem Denken, langsam, aufwendig.
Automatische Affektregulation (repression): Schnell, effizient, aber nicht mit Motiven, Zielen verbunden.
Intuitive Affektregulation: Vom EG generiert, schnell, effizient, parallel, mit Netzwerken aus Motiven und Zielen aus den höheren Ebenen verbunden. Nicht bewußt.
Hypothese: Fordernder Kontext aktiviert Intuitive Affektregulation bei HOPs, aber nicht bei LOPs.

Studie 1: Untersucht den Effekt von HOP und leistungsabhängiger Belohnung auf die momentane Affektänderung. Rechenaufgaben sollten gelöst werden.
Hypothese: In der stark fordernden Bedingung verbessern HOPs ihre Stimmung 10 min. nach der Aufgabe. LOPs nicht. (Verzögerung von 10 min, weil die Aufgabe bewußt ausgeführt wird und deswegen erstmal das EG hemmt.) In der schwach fordenden Bedingung verbessern auch LOPs ihre Stimmung. In der unterstützenden Umgebung sollen sie sogar den negativen Affekt besser herabregulieren als HOPs.
UV: HOP / LOP (ACS-90, Action Control Scale)
Art der Belohnung: leistungsabhängig oder nicht (wenn Du 10%/25% mehr schaffst als beim 1.Mal, bekommst Du Bonus)
Stimmung der Vpn (Adjektive sollten bewertet werden, Profile of Mood States, POMS)
AV: Gefühl, unter Spannung zu stehen. Weitere AV: Depressionsgefühle, Ärger, Müdigkeit, Vitalität.
Ergebnis: Haupteffekt Handlungsorientierung (HOPs empfanden allg. weniger Spannung)
Das Spannungsgefühl ließ mit der Zeit nach (signifikanter Zeiteffekt)
LOPs & Interaktion: In der nicht-leistungsbezogenen Bedingung nahmen Spannungsgefühle unmittelbar nach der Aufgabe ab (gleich danach, also situationsbedingt). In der leistungsbezogenen Bedingung gab es keinen Abfall der Spannung.
HOPs & Interaktion: Umgekehrt: Spannungsabfall in leistungsbezogener Bedingung nach 10min (bedingt durch EG).

Studie 2 Nach der Rechenaufgabe wurde der "affective Simon task" zugefügt (als Studie über Grammatik). (Sage "gut", wenn das Wort blau geschrieben ist und "schlecht", wenn das Wort grün geschrieben ist!) Dabei werden implizite Assoziationen offenkundig: Die Vp kann schneller "gut" sagen, wenn sie das Wort auch wirklich (aus irgendeinem Grund) gut findet.
Hypothese: HOPs können in der leistungsbezogenen Bedingung schneller "gut" zu negativen Wörtern sagen als "schlecht", weil neg. Affekt inhibiert wird. LOPs zeigen keinen veränderten Simon-Effekt, da sie nicht die Intuitive Affektregulation aktivieren.
Ergebnis: HOPs zeigten einen geringeren Simon-Effekt bei negativen Target-Wörtern als LOPs, dies aber nur in der leistungsbezogenen Bedingung. Bei positiven Target-Wörtern trat bei allen Vpn der normale Simon-Effekt auf, es ging schneller, "gut" zu positiven Taget-Wörtern zu sagen als "schlecht".

Studie 3: Statt Aufgabe mit Feedback sollte man sich eine fordernde Person aus dem Freundeskreis vorstellen, um ein Gefühl des Drucks hervorzurufen. Danach sollten die Vpn ein glückliches Gesicht unter vielen traurigen suchen.
Hypothese: Finden des fröhlichen Gesichts soll durch die intuitive Affektregulation von HOPs erleichtert werden.
Die vorgestellte fordernde Person soll da zu führen, daß HOPs schneller selbstbezogene Aufgaben lösen können (betrifft mich / betrifft mich nicht), da hier das EG involviert wird, das auch für die Intuitive Afektregulation aktiviert wird.
Ergebnis: HOPs, die sich eine fordernde Person vorgestellt hatten, entdeckten schneller das glückliche Gesicht unter traurigen, als HOPs, die sich eine akzeptierende Person vorgestellt hatten. Bei LOPs war da kein Unterschied.
Auch kein Unterschied in der akzeptierenden Bedingung.
In der fordernden Bedingung konnten HOPs Bei LOPs gab es keinen Unterschied, sie waren ein bißchen langsamer. schneller die Aufgaben zur Selbst-Evaluation bearbeiten.


Kuhl & Helle: Motivational and Volitional Determinants of Depression: The Degenerated-Intention Hypothesis

Die Chronizität von Depressionen ist begründet mit unerfüllten Intentionen, die dem Arbeitsspeicher Energie wegnehmen, die eigentlich für neue Intentionen gebraucht wird.
In diesem Versuch wird bei Depressiven eine unerfüllte Intention induziert.
Daraus resultieren Defizite im Kurzzeitgedächtnis.

Zwei Fragen werden untersucht:

  1. Haben Depressive eine erhöhte Tendenz zu unrealistischen Intentionen?
  2. Haben sie, nachdem Ihnen ein unrealistisches Ziel vorgeschlagen wurde, ein schlechteres Gedächtnis?

Vpn wurden gebeten, einen Tisch aufzuräumen, aber nach 2 min unterbrochen, um mit anderen Aufgaben anzufangen. Ihnen wurde gesagt, daß sie mir dem Aufräumen fortfahren können, wenn sie meinen, daß Gelegenheit dazu da ist.
Bei Depressiven sollte das Aufräumen als Intention gespeichert werden und mit anderen Aufgaben kollidieren, die auch als Intention gespeichert werden (Gedächtnisaufgaben). So soll das Gedächtnis beeinträchtigt sein.
Dann kamen die Gedächtnisaufgaben (Wörter aus dem Gedächtnis wiedergeben).

Danach sollten die Vpn mehrere Blätter mit verschiedenen einfachen Aufgaben ausfüllen, die Zeit war aber pro Aufgabe begrenzt. Nach der Instruktion wurde ihnen gesagt, daß sie die Blätter oben mit einer Nummer versehen sollten.
Dies ist eine Intention, die in dieser Situation schnell vergessen wird.
AV: Wie oft vergißt die Vpn, die Zahl zu notieren?

Zum Schluß wurden die Vpn gefragt, wie oft sie während des Tests an den unaufgeräumten Schreibtisch dachten.

Ergebnis: Depressive vergaßen in der Aufräumbedingung öfter, das Blatt zu numerieren. ⇒ Reduzierte Erinnerung an Intentionen. Bei nicht-depressiven Vpn gab es keinen Unterschied zwischen Aufräum- und Kontrollgruppe.
Patienten mit starker Depression brachten bei der Gedächtnisaufgabe in der Aufräumbedingung schlechtere Ergebnisse als Patienten mit schwacher Depression.
Stark Depressive dachten während der ganzen Aufgaben viel öfter an den Schreibtisch als schwach Depressive oder Patienten in der Kontrollbedingung. Bei schwach Depressiven gab es keinen Unterschied zwischen Aufräum- und Kontrollgruppe.
Die Tendenz, unrealistische Aufgaben in eine Intention zu enkodieren, wird nicht durch aktuelle depressive Symptome verstärkt, wohl aber durch die bereits erlebten depressiven Episoden eines Patienten.


Kazén & Kuhl: Running Head: Needs & Volitional Facilitation

Unterschied zwischen Intentionsgedächtnis und Arbeitsgedächtnis:
Das IG speichert Informationen, die bezogen auf Handlungen sind, die nicht automatisch ausgeführt werden können und die gehemmt werden müssen, bis der richtige Zeitpunkt da ist. Im IG gespeicherte Intentionen bleiben bis zur Ausführung aktiv.
Positiver Affekt: Bahnt global Verhalten (BAS, Gray). Die Verbindung zwischen volitionaler Verhaltensbahnung und ihrem ausführenden System wird durch das IG gehemmt. Eine Intention entsteht ja, wenn ein Verhalten nicht sofort ausgeführt werden kann.
Operationalisierungen: Volitionale Bahnung durch Leistung in der inkongruenten Stroop-Bedingung.
Allg. Verhaltensbahnung durch die Kontrollgruppe (XXXX in blau geschrieben) und durch schnellere Reaktionen bei erhöhter Fehlerzahl (kommt durch erhöhte Aktivierung zustande).
Hier wird gesagt, daß pos. Affekt nicht wie bei Gray global aktiviert, sondern hauptsächlich das gerade relevante Bedürfnis. In einer Stroop-Aufgabe also die Leistungmotivation. Daher werden leistungsbezogene Prime-Wörter ausgewählt.
Hypothesen: Die Stroop-Interferenz sollte mit leistungsbezogenen Prime-Wörtern verschwinden, mit affiliationsbezogenen Prime-Wörtern nicht. Um das IG zu aktivieren, wurden zwei Stroop-Aufgaben hintereinander dargeboten.

Studie 1: UV: Bedürfnis (Leistung, Affiliation, Macht), SOA (750, 2250ms), Prime (positiv, negativ, neutral), Stroopreiz (inkongruent, Kontrolle).
Ergebnis: Nach positiven Affiliations-Primes nahm die Interferenz sogar zu.
Leistungs-Primes brachten signifikanten Effekt auf Stroop-Interferenz. Nach positiven Primes war die Interferenz kleiner als bei neutralen Primes. Negative Primes hatten keinen Effekt. Das könnte daran liegen, daß es unterschiedliche Coping-Strategien gibt, um mit negativen Affekten zurechtzukommen, wohingegen positive Primes auf alle Vpn wirkten.
Um einen negativen Effekt zu bekommen, müßte man die speziellen negativ behafteten Themen der Vpn kennen.

Studie 2a: In der vorigen Studie war die Unabhängigkeit der volitionalen Bahnung von persönlichen Faktoren zu sehen. Die Robustheit der volitionalen Bahnung durch den positiven Prime beruht darauf, daß ein Wort, das an ein positives Erlebnis erinnert, dies ja bei allen Personen tut, ohne daß dafür eine Fähigkeit, positiven Affekt zu generieren, nötig wäre. Wenn das stimmt, sollten pos. Leistungs-Primewörter generell die Stroop-Interferenz beseitigen und Verhalten bahnen. Um zu untersuchen, ob individuelle Unterschiede, mit negativem Affekt umzugehen, die volitionale Hemmung beeinflussen, wurden als Vpn nun arbeitslose Akademiker gewählt.
Hypothese: Die Vpn zeigen volitionale Hemmung, wenn negative Primewörter der Stroop-Aufgabe vorangehen. Die Interferenz sollte sogar größer werden.
Ergebnis: Die Stroop-Interferenz wurde bei positiven Primes verringert. Nach negativen Primes war sie erhöht.
Studie 2b: Der gleiche Versuch mit einer neuen Gruppe Arbeitsloser, um das Ergebnis zu replizieren. Ergebnis wie oben.

Diskussion: Die Hypothese der bedürfnisspezifischen Handlungsbahnung ist bestätigt. Die Stroop-Interferenz wird durch leistungsbezogene Primes beseitigt, aber nicht durch affiliationsbezogene Primes.
Die arbeitslosen Vpn machten allgemein mehr Fehler und reagierten langsamer, was wohl auch volitionaler Hemmung liegt.

Studie 3: Replizierung von Studie 1, aber mit standardisierten Primes, um individuelle Unterschiede zu finden. In den vorigen Studien wurden vorher erhobene individuelle Primewörter benutzt, in dieser Studie bekamen alle Vpn die gleichen. Vpn: Mitarbeiter eines großen Versucherungsunternehmens.
Hypothese: Auch hier soll volitionale Bahnung stattfinden, wenn leistungsbezogene Primes gezeigt werden.
Vpn mit (vorher mit OMT erfaßtem) höheren Leistungsmotiv sollten geringere Stroop-Interferenz haben.
Ergebnis: Positive Primes reduzierten Stroop-Interferenz.
Vpn mit hohem Leistungsmotiv zeigten eine Interferenz-Beseitigung beim positiven Prime. Bei den Vpn mit niedrigem Leistungsmotiv gab es keinen Unterschied zwischen positivem, negativem oder neutralem Prime.

Studie 4: Replizieren standardisierte nonverbale Primes die volitionale Bahnung, wenn man nur eine Stroop-Aufgabe darbietet? Bisher wurde ja angenommen, daß das IG durch zwei Stroop-Aufgaben hintereinander aktiviert werden muß.
Es konnte aber gezeigt werden, daß die zweite Aufgabe keine Stroop-Aufgabe sein muß. Hier wurde nun das IG aktiviert, indem man einen leistungsbezogenen Kontext schaffte. Die Primes sind hier ein (angebliches) Feedback auf die bisherige Leistung.
Ergebnis: Nach positivem leistungsbezogenem Prime wurde die Stroop-Intereferenz beseitigt.


Kazén, Baumann & Kuhl: Self-Infiltration vs. Self-Compatibility Checking in Dealing with Unattractive Tasks: The Moderating Influence of State vs. Action Orientation

Selbstinfiltration = Selbstzuschreibung von externen Zielen oder Ideen. Lageorientierung (LOM) verstärkt sie.
Da Selbstinfiltration unbewußt ist, kann man sie nicht erfragen.
Kuhl & Kazen haben sich aber eine Methode ausgedacht, mit der man sie erfassen kann:
Die Simulation eines Arbeitstages. Die Vpn bekommen eine Liste mit einfachen Aufgaben und sollen sich welche aussuchen, dann bekommen sie davon welche "befohlen", einige bleiben übrig.
Später sollen die Vpn dann benennen, welche sie sich selbst ausgesucht haben.
Selbstinfiltration wird durch die Tendenz erhoben, mit der man externe Arbeiten sich selbst zuschreibt.
Identifikation: lt. PSI-Theorie ist das die Integration eines Ziels in die relevanten Selbststrukturen, die auf den impliziten und holistischen Erinnerungen basieren.
Introjektion: lt. PSI-Theorie die Repräsentation eines Ziel auf einem Level außerhalb des Selbst. Hier entsteht eine Inkongruenz zwischen Selbst und Ziel, die bewußt (informierte Introjektion) oder unbewußt (uninformierte Introjektion) sein kann. Bei LOMs ist der Selbstzugang durch den negativen Affekt gehemmt, weshalb sie für Introjektionen empfänglicher sind. Um sicherzugehen, daß die falsche Selbstzuschreibung der Arbeiten auf Introjektion beruht, müssen die Vpn vorher die Tätigkeiten bewerten. Introjektion kann man ja nur bei unattraktiven Arbeiten erwarten.
HOMs haben guten Zugang zu Selbstrepräsentationen und emotionalen Präferenzen, bes. unter negativen emotionalen Konditionen.
Hypothese: LOMs, die die Entfremdung nicht bewältigen können, die durch eine bedeutungslose Aufgabe induziert wird, und die negativen Affekt nicht herabregulieren können, sollten eine höhere Selbstinfiltration zeigen, die sich dadurch ausdrückt, daß sie mehr unattraktive Arbeiten als selbstgewählt benennen.

Experiment 1: Untersucht werden soll der Effekt von der Attraktivität der Aufgaben auf die Selbstinfiltration. LOMs sollten nur unattraktive Arbeiten fälschlicherweise als selbstgewählt benennen
Zuerst sollten die Vpn eine unsinnige, bedeutungslose Aufgabe lösen. Angeblich sollten Mini-Handlungen erprobt werden, die in einem Trainigsprogramm für Kinder angewandt werden sollten.
Dann sollte die Vp aus einer Liste Minihandlungen auswählen, die sie für am besten hielten. Eine "Expertenmeinung" gab es auch, die auch Handlungen ausgewählt hatte. Zum Schluß sollte die Vp sich an selbstgewählte Handlungen erinnern.
Ergebnis: LOMs benannten mehr fremdgewählte Items als selbstgewählt als übriggebliebene Items. Das auch nur bei unattraktiven Items. HOMs zeigten keinen Unterschied.

Experiment 2: Hat es Einfluß auf die Selbstinfiltration von LOMs, wenn man die negativen Aspekte einer Handlung betont, und ist diese Tendenz von der Attraktivität der Handlung beeinflußt?
Hier sollten die Vpn Arbeiten in einem Büro auswählen. Die Hälfte der Vpn wurde vorher durch eine Zusatzaufgabe unter Druck gesetzt.
Ergebnis: LOMs benannten mehr vom Chef vorgegebene unattraktive Arbeiten als selbstgewählt.

Experiment 3: Folgende Faktoren haben lt. Psi-Theorie Einfluß auf das Selbstsystem: Lageorientierung, geringe Aufgaben-Einbindung, externaler Druck, negativer Affekt.
In dieser Studie wird der Einfluß von negativem Affekt auf Selbstinfiltration untersucht. Die Stimmung wurde vorher mit einem Fragebogen erfaßt.
Ergebnis: Traurige LOMs benannten mehr vom Chef vorgegebene unattraktive Arbeiten als selbstgewählt. Traurige HOMs benannten mehr übriggebliebene Aufgaben als selbstgewählt als die vom Chef vorgegebenen. (Beides bei unattraktiven Aufgaben). Nicht-traurige LOMs benannten mehr übriggebliebene Aufgaben als selbstgewählt als die vom Chef vorgegebenen.
Schlechte Stimmung verstärkt bei LOMs also die Selbstinfiltration.

HOMs beachten den negativen Affekt mehr als LOMs, bevor sie eine Entscheidung treffen. Das ist daran zu erkennen, daß sie länger brauchen, um zuzustimmen. Sie haben einen mechanismus, um zu prüfen, ob etwas selbstkompatibel ist oder nicht (Schutz vor Selbstinfiltration).