B. Weiner: Motivationspsychologie

Hulls Triebtheorie

Hull vertrat dualistische Position: Physische und psychische Prozesse laufen parallel und beeinflussen einander nicht, sind voneinander unabhängig.
Untersuchungen zum Trieb: Deprivation hängt mit allg. Aktivitätsniveau zusammen.
Columbia Obstruction Box: Hungrigere Ratten waren bereit, stärkeren Strom in Kauf zu nehmen.
Hulls Konzeption des Triebs: Bedürfnisse motivieren zu Verhalten. Triebe sind undifferenziert.
Habit: Reiz-Reaktions-Verbindung. Gibt Verhalten die Richtung. Damit ein Habit aktiviert wird, muß ein Bedürfnis Energie zur Verfügung stellen. Es wird immer das gerade wichtigste Habit aktiviert.

Verhalten = Trieb X Habit

Im Gegensatz zu Freud sah Hull den Organismus nicht als geschlossenes Energiesystem an. Deprivation kann die Energie erhöhen.
Empirische Belege:
Multiplikative Verbindung von Trieb und Habit: Ratten drücken Hebel, um Futter zu bekommen. Die Anzahl der verstärkten Durchgänge und die Dauer der Deprivation beeinflussen die Löschungsresistenz. Die Kurven steigen aber unterschiedlich steil an, nicht parallel.
Ähnlichkeit der Reize: Hulls Theorie besagt indirekt auch, daß das Verhalten abnimmt, wenn Reize sich vom ursprünglich gelernten unterscheiden, dann sinkt nämlich die Habitstärke.
Trieb als aggregierte Energiequelle: Hungrige Ratten lernten, Hebel zu drücken. Danach wurden satte, durstige Ratten getestet. Je durstiger die Ratten waren, umso schwerer fiel die Löschung des Hebeldrückens, aber nie so schwer wie bei hungrigen Ratten. ABER: Hunger und Durst sind nicht unabhängig voneinander! (weiterer Versuch: Schreckreaktion und Hunger)
Sekundäre Triebe: Oft tritt Verhalten auch auf, wenn gerade kein Bedürfnis da ist.
Shuttle Box: Die beiden Abteile sind durch eine Tür getrennt, die die Ratte selbst öffnen kann. Sie lernt, daß sie dem Schock entkommen kann, indem sie ins schwarze Abteil flieht. Irgendwann wird sie das weiße Abteil meiden, obwohl gar kein Strom da ist. Wird die Tür erst in der zweiten Phase geschlossen, lernen sie trotzdem, sie zu öffnen, obwohl kein Schock mehr kommt.

Änderung der Theorie: Jeder ausreichend intensive Reiz kann Triebeigenschaften bekommen, nicht nur Bedürfnisse. Latentes Lernen: Ratten im Labyrinth. 1. Gruppe erhielt nach jedem Durchgang Futter, 2. Gruppe erst 2 Durchgänge nichts und dann Futter, 3. Gruppe nach 6 Durchgängen. Die 3. Gruppe zeigte sofort, nachdem sie einmal Futter erhalten hatte, bessere Leistungen und war am Ende genauso gut wie die 1. Gruppe. Sie hatte genauso den Weg gelernt, die Leistung aber erst wegen des Futters gezeigt.
Anderer Versuch: Eine Gruppe erhielt erst viel, dann weniger Futter, eine andere Gruppe erhielt die ganze Zeit weniger Futter. Die erste Gruppe reduzierte die Laufgeschwindigkeit, nachdem das Futter reduziert wurde. Die zweite Gruppe lief immer gleichschnell.
Das widerspricht Hulls Aussage, daß allein die Habitstärke das Verhalten beeinflußt. Trieb: Stoßkraft, hängt von Deprivationsdauer ab. Anreiz: Zugkraft, hängt von Objekteigenschaften ab
Angst: Habitstärke hängt von den Lerndurchgängen ab. Die Triebstärke hängt von der Stärke des UCS und einem Wert auf der Manifest Axiety Scale ab. Man kann auch von den Fragebogenwerten auf die Triebstärke einer Person schließen. (Lidschlag)
Paarassoziationslernen: Erhöhung der Triebstärke -> schnelleres Lernen, weniger Fehler. Hochängstliche sollten einfache Aufgaben besser lösen als niedrigängstliche. (Schwellenwert)

Millers Konfliktmodell:

  1. Annäherungstendenz wird stärker, wenn das Ziel näher kommt
  2. Vermeidungstendenz wird stärker, wenn der aversive Reiz näher kommt.
  3. Vermeidungstendenz steigt schneller als Annäherungstendenz (Ratte mit Hunger: Die Triebstärke Hunger verändert sich nur minimal bei der Zielannäherung. Ein aversiver Reiz ist aber erlernt, und je näher man dem Ziel kommt, desto ähnlicher werden die Umgebungsreize dem Ziel, die Angst steigt schneller)
  4. Annäherungs- und Vermeidungstendenz hängen von zugrundeliegender Triebstärke ab. (Hier wird außerdem gesagt, daß der Trieb wohl selektiv wirkt, sonst müßte ja mit zunehmendem Hunger Anäherungs- UND Vermeidungstendenz zunehmen)
  5. Unter der Asymptote der Lernkurve führt eine Erhöhung der Zahl der verstärkten Durchgänge zu einer Intensivierung der Reaktionstendenz.
  6. Befinden sich zwei inkompatible Verhaltenstendenzen in Konflikt, gewinnt die stärkere.

Empirische Überprüfung: Ratten wurden in unterschiedlichen Abständen in eine Futter-Strom-Box gesetzt. Man maß ihre Zugkraft, mit der sie zum Futter strebten.
Anderer Versuch: Drei Laufgänge, die durch Pforten miteinander verbunden waren. Einer weiß, einer grau, einer schwarz. Im schwarzen gab es am Ziel einen Stromschlag. Die Ratten näherten sich im grauen Gang näher an das Ziel an und im weißen noch näher als im schwarzen.


Amsels Theorie der Frustration:

Frustration tritt ein, wenn eine Leistung nicht mehr verstärkt wird, obwohl sie es vorher wurde. Man hat eine Belohnungserwartung, die nicht erfüllt wird. Die Frustration ist umso stärker, je stärker man die Belohnung erwartet hat. Sie hat Triebeigenschaften.
Vorher neutrale Reize (und Reize, die denen ähneln) nehmen aversive Eigenschaften an, wenn sie mit frustrierenden Ereignissen gekoppelt werden. Wenn eine Ratte mal in der Zielbox kein Futter bekommen hat, erlebt sie im gesamten Laufgang Frustration. (Ähnlicher Reiz).
Versuch: Ratten im Laufgang. Die Zielbox des ersten Ganges war gleichzeitig die Startbox des zweiten Ganges. Zuerst wurde in beiden Zielen Futter gegeben. Dann in der ersten Zielbox nicht mehr. So liefen die Ratten im zweiten Gang schneller. Frustrationseffekt: Intensivierung der Reaktion unmittelbar nach einer Frustration.


Kurt Lewins Feldtheorie

Lebensraum:
Verhalten wird durch die Person und durch die Umwelt beeinflußt. Person und Umwelt zusammen sind der Lebensraum. Der Lebensraum ist die psychologische Realität, der durch Bedürfnisse, Werte, Motive beeinflußt wird.

Person:
Strukturelle Konstrukte: Die Person kann sich im Lebensraum als Punkt oder als Bereich befinden. Ist die Person ein Bereich, hat sie "Wände" zwischen ihren verschiedenen Bereichen, die unterschiedlich durchlässig sind.
Dynamisches Konstrukt: Besteht ein Bedürfnis, entsteht Spannung (wie zwei verschieden hohe Wasserspiegel mit einer dünnen Trennwand) Benachbarte Bereiche sind also Repräsentationen ähnlicher Bedürfnisse. Spannung kann auch in einen anderen Bereich abfließen. Das hängt von der Durchlässigkeit der Grenzwände ab.

Umwelt:
Strukturelle Konstrukte: Umweltbereiche repräsentieren Handlungsmöglichkeiten oder auch Barrieren. Es gibt aber verschiedene Wege durch das Feld zum Ziel. Richtung im Lebensraum: Pfade zwischen mehreren Bereichen.

  • (A,A): Konsumatorisches Verhalten. Person befindet sich in A und möchte da bleiben.
  • (A,-A): Fluchtverhalten. Person ist in A und möchte dort weg.
  • (A,B): Annäherungsverhalten. Person ist in A und möchte zu B.
  • (B,-A): Vermeidungsverhalten. Person ist in B und möchte nicht zu A.

Dynamische Umweltkonstrukte: Befindet sich ein intrapersoneller Bereich im Spannungszustand, nimmt ein damit korrespondierender Umweltbereich (ein Objekt) eine Valenz an. Die Stärke der Valenz ist direkt proportional zur Intensität des Bedürfnisses. Ein Bereich mit Valenz wird zum Zentrum eines Kräftefeldes. Das Kräftefeld gibt die Größe und Richtung des Verhaltens für alle Punkte des Lebensraumes an. Die Stärke der Kraft hängt auch von der Entfernung zum Ziel ab.

Konflikt:

  • Annäherungs-Annäherungs-Konflikt: Mehr als ein positives Kräftefeld. Instabile Situation, da man sich von einem leicht lösen kann, jede kognition, die eine leichte Veränderung bewirkt, löst eine Entscheidung aus.
  • Vermeidungs-Vermeidungs-Konflikt: Mehrere negative Kräftefelder. Stabile Situation. Die entgegengesetzten Kräfte veranlassen, im Zustand des Gleichgewichts zu verharren, denn wenn man sich bewegt, verringert man die psachologische Distanz zu einer Kraft, was sie aber stärker macht.
  • Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt: Ein Bereich hat positive und negative Valenzen. Stabile Situation.

Erinnerung von Aufgaben: Erledigte Aufgaben werden schlechter erinnert als unerledigte.
Empirische Überprüfung: Vpn machten Aufgaben, diese wurden von Lewin vor der Fertigstellung eingesammelt. Die Vpn sollten sich dann daran erinnern. Zeigarnik-Effekt!
Wiederaufnahme von Aufgaben: Einige Aufgaben wurde unterbrochen, andere nicht. Vpn konnten selbst entscheiden, ob sie die Aufgabe wieder aufnahmen. Das hing ab von:

  • Art der Aufgabe (klar definierter Endzustand?)
  • Je näher man am Ziel ist, desto lieber will man die Aufgabe weitermachen
  • Dauer der Unterbrechung
  • Charakter der Person (intrinsisches Interesse?)

Ersatzhandlungen: Gleicher Versuch wie oben, aber in der Pause mußten die Vpn eine andere Aufgabe machen. Je ähnlicher die Zwischenaufgabe war und je schwieriger sie war, desto mehr Ersatzwert hatte sie.


Atkinsons Theorie der Leistungsmotivation

Messung von Bedürfnissen: TAT (Thematischer Apperzeptionstest)

Hoffnung
auf Erfolg:
Leistungsmotiv: Stabile Disposition, Erfolg anzustreben. Fähigkeit zum Erleben von Stolz.
Erfolgswahrscheinlichkeit: Kognitiv repräsentierte Zielerwartung.
Anreiz von Erfolg: Anreiz nimmt mit sinkender Erfolgswahrscheinlichkeit zu. Stolz über Leistung.
Furcht vor Mißerfolg:
Motiv, Mißerfolg zu vermeiden: Vermögen zum Erleben von Scham über Mißerfolg. Wird mit TAQ erfaßt (Test Anxiety Questionaire)
Resultierende Tendenz:


Leistungsverhalten = Resultierende Tendenz + extrinsische Motivation

Vergleich mit Lewin und Hull:
Ähnliche Komponenten:

  • Eigenschaft der Person: Trieb bei Hull (ungerichtet), Spannung bei Lewin (bedürfnisspezifisch), Motiv bei Atkinson (stabile Persönlichkeitseigenschaft)
  • Eigenschaften des Objekts: Anreiz bei Hull, Natur des Objekts bei Lewin (hängt von der Spannung ab)
  • Richtungs-, Lernvariable: Habit bei Hull (objektiv, mechanisch), psychische Entfernung bei Lewin (kognitive Repräsentation), Erfolgswahrscheinlichkeit bei Atkinson (kognitiv)