E. Goldstein: Wahrnehmungspsychologie

Einführung in die Untersuchung der Wahrnehmung

Vestibuläres System: ist an der Schwerkraft orientiert, die in allen Lebenslagen gleich ist
Nervenimpuls: Neuronen sind in einer Flüssigkeit, die reich an Ionen ist. Löst man z.B. Salz in Wasser auf, entstehen positiv geladene Na+-Ionen. Außerhalb des Axons ist die Flüssigkeit reich an Na+-Ionen, im Axon ist die Lösung reich an Kaliumionen (K+).
Beim Ruhepotential gibt es im Neuron einen Überschuß an negativen Ladungen gegenüber der Umgebung (-70mV). Beim Nervenimpuls ändert sich kurz die Durchlässigkeit der Membran des Neurons, Natrium tritt ein, es folgt ein Anstieg der positiven Ladung im Neuron. Dann tritt Kalium aus, die Ladung normalisiert sich wieder. So wandert diese Ladungsänderung die Nervenfaser entlang.
Eine Veränderung der Reizstärke verändert nicht die Amplitude der Nervenimpulse, sondern nur ihre Rate.
Am synaptischen Spalt wird die Erregung durch Neurotransmitter von einem Neuron zum anderen übertragen. Die Transmitter sind in den Vesikeln (synaptische Bläschen) gespeichert.
Tritt ein Transmitter im postsynaptischen Neuron ein, kann er erregend oder hemmend wirken.
Okzipitallappen: Hinterhauptlappen. Primäres Areal für das Sehen.
Temporallappen: Schläfenlappen. Primäres Areal für das Hören.
Parietallappen: Scheitellappen. Primäres Areal für die Hautsinne
Nuclei: Regionen entlang der sensorischen Bahnen, wo die Synapsen stark konzentriert sind.

Das Sehen: Retina, Rezeptoren und erste Stufen der neuronalen Verarbeitung

Licht: Elektromagnetische Wellen von 400-700 Nanometer. Geschw.: 300000km/sec.
Akkomodation: Durch Anspannung der Ziliarmuskeln stellt das Auge scharf.
Nahpunkt: Entfernung, bei der die Linse nicht mehr akkomodieren kann. Dieser wächst mit dem Alter (Altersweitsichtigkeit)
- Die Netzhaut enthält ca. 5 Mio. Zapfen, 50000 davon sind in der Fovea. Dort sind keine Stäbchen.
- In der Peripherie sind aber ca. 20 mal soviele Stäbchen wie Zapfen.
Blinder Fleck: Rezeptorloser Bereich, aus dem die Ganglienzellen aus der Retina austreten (Sehnerv).
Dunkeladaption: Verläuft in 2 Stufen. Zuerst passen sich Zapfen an (3min), dann langsamer Stäbchen (10-30min).
Regeneration des Sehpigments: Wenn die Retina Licht absorbiert, verändert das Sehpigment seine Form. Dadurch löst es sich vom Opsin. Kurz darauf verbinden sich Retinal und Opsin wieder, um den Reiz in elektrische Aktivität umzuwandeln. Das ist Pgmentregeneration. Das Stäbchenpigment regeneriert langsamer, deshalb adaptieren die Stäbchen auch langsamer an Dunkelheit und sind lichtempfindlicher.
Spektrale Hellempfindlichkeit: Blau: kurzwellig, grün-gelb: mittelwellig, rot-orange: langwellig. Im mittleren Bereich braucht man am wenigsten Licht, um es zu sehen. Stäbchen sind empfindlicher für kurzwelliges Licht als Zapfen. Bei der Dunkeladaption sehen wir immer mehr mit den Stäbchen, daher auch immer mehr in Blautönen.
Pigmentabsorbtionsspektrum: Lichtmenge, die ein Pigment absorbiert.
Konvergenz: Wenn Synapsen von mehreren Neuronen auf ein einziges Neuron münden. Die Ganglienzellen erhalten also Informationen von ca. 126 Neuronen. Es werden exzitatorische (On-Reaktion) und inhibitorische (Off-Reaktionen) Erregungen übertragen.
Rezeptives Feld: On-Off-Feld, entweder On-Zentrum-Neuron oder Off-Zentrum-Neuron.
Zentrum-Feld-Antagonismus: Die Konvergenz der Verschaltung in den Stäbchen führt zu einer Erhöhung der Empfindlichkeit, die geringere Konvergenz in den Zapfen hängt mit einer höheren Auflösung zusammen. Nebeneinanderliegende rezeptive Felder überlappen sich.

 tl_files/Psychologie/Allg-1/hermann-gitter1.jpg Hermann-Gitter und laterale Inhibition: Wenn man davon ausgeht, daß einige rezeptive Felder außen einen Ring aus hemmenden Neuronen haben, hemmen die Felder in den weißen Zwischenräumen, sodaß an den Kreuzungen sich die Hemmungen der Farbe weiß aus vier Richtungen überschneiden und dadurch verstärken.
 tl_files/Psychologie/Allg-1/machsche_baender1.gif Mach'sche Bänder: Die Flächen sehen nicht einfarbig aus, sie verlaufen von hell nach dunkel. Auch das läßt sich mit lateraler Inhibition erklären.
tl_files/Psychologie/Allg-1/simultankontrast.gif Simultankontrast und laterale Inhibition: Auch dies kann so erklärt werden.
tl_files/Psychologie/Allg-1/benary-kreuz.jpg Benary-Kreuz: Ist nicht mit lateraler Inhibition zu erklären, da bei beiden Dreiecken zwei Seiten von schwarz umrahmt werden. So dürften sie nicht unterschiedlich hell aussehen. Hier wird der Effekt durch das Prinzip der Zugehörigkeit erklärt. Das obere Dreieck gehört zur weißen Fläche, das untere zum schwarzen Kreuz. Daher sieht das obere dunkler aus. (Siehe auch Whit'sche Illusion)


Corpus geniculatum laterale und primärer visueller Cortex

Das CGL liegt zwischen Netzhaut und dem visuellen Cortex. Alle Fasern des Sehnervs laufen zunächst zum Chiasma opticum. Dort werden die inneren Nervenfasern (nasal) gekreuzt und laufen zur kontralateralen Seite. Die äußeren Fasern bleiben auf der gleichen Seite. Das CGL empfängt Informationen aus beiden Richtungen, vom Cortex und von der Retina. Vom CGL zum Cortex ist der kleinste Informationsfluß. Das CGL hat auch eine linke und eine rechte Hälfte und liegt im Thalamus. Jedes Teil der beiden enthält 6 Schichten, jede Schicht enthält Signale von einem Auge.
- Schichten 2, 3, 5 vom ipsilateralen Auge
- Schichten 1, 4, 6 vom kontralateralen Auge

Retinotope Karte der Netzhaut: Jeder Ort auf der Netzhaut entspricht einem Ort im CGL, und benachbarte Orte sind auch im CGL benachbart.
Magnozelluläre Bahn: Von den Schichten 1 und 2 gehen M-Ganglienzellen zum primären Visuellen Cortex (Wahrnehmung von Bewegung).
Parvozelluläre Bahn: Von den Schichten 3, 4, 5, 6 P-Ganglienzellen (Wahrnehmung von Farbe, feiner Textur, räumlicher Tiefe).
Primärer visueller Cortex (V1): Aria striata. Hier treffen die Signale aus dem CGL ein. Von der Schicht V1c werden sie weitergeleitet zu den anderen Schichten.
Einfache Cortexzellen: Stärkste Reizantwort, wenn ein wahrgenommener Streifen parallel zur Ausrichtung des rezeptiven Feldes liegt.
Komplexe Cortexzellen: Reagieren, wenn ein Streifen sich über gesamte rezeptive Feld bewegt. Viele reagieren auch optimal auf eine bestimmte Richtung.
Endinhibierte Cortexzellen: Feuern als Reaktion auf sich bewegende Linien in einer bestimmten Länge oder auf bestimmte sich bewegende Ecken oder Winkel.
Technik der selektiven Adaption: Wenn man bestimmte Streifen für längere Zeit anscheut, adaptieren die dafür zuständigen Neuronen. Diese Sensitivitätsänderung ist dann meßbar.
Ortsfrequenz: Ein Streifenmuster hat eine Ortsfrequenz. Es gibt auch Detektorzellen für bestimmte Ortsfrequenzen. Das sind immer zwei Streifen (ein weißer und ein schwarzer) beim schwarz-weißen Streifenmuster. Man mißt also die Kontrastsensitivität für ein Streifenmuster, adaptiert den Beobachter und mißt danach nochmal. Wenn man vorher auf breitere Streifen geschaut hat, wirken mittlere schmaler. Hat man vorher auf schmalere Streifen geschaut, wirken mittlere Streifen breiter.
- Menschen sind weniger sensitiv für schräge Streifen als für horizontale oder vertikale.

Hubel & Wiesel stachen in verschiedene Richtungen eine Elektrode in den Cortex eines Affen und fanden heraus, daß auch der primäre visuelle Cortex retinotrop organisiert ist. Nur der Fovea ist im Cortex mehr Raum zugeordnet (Vergrößerungsfaktor). Positionssäulen: ca. 1mm dick.
Orientierungssäulen: "Säulen" von Neuronen, die ähnliche Reizorientierungen bevorzugten, also ähnlich spezialisiert sind. Ca. 1mm dick.
Augendominanzsäulen: 80% der Neuronen sprechen auf beide Augen an, obwohl sie ein Auge immer präferieren. Paarweise 1mm dick.
Hypersäulen: Ein Ein-Millimeter-Block aus dem Cortex als Verarbeitungsmodul für einen bestimmten Netzhautabschnitt (mit Augenpräferenz rechts und links und verschiedenen Orientierungssäulen).
Frühe sensorische Deprivation: Versuch mit der kleinen Katze in der gestreiften Röhre. Sie konnte später keine Streifen in anderer Richtung mehr wahrnehmen.

Höhere Ebenen der cortikalen visuellen Informationsverarbeitung

Rezeptive Felder des striären Cortex: grobe Analyse der visuellen Informationen (Merkmalsdetektoren)
Visuelle Verarbeitung: Große Teile des parietalen, temporalen, frontalen Cortex
Primärer visueller Cortex: Enthält Neurone, die für Orientierung/Richtung, Ortsfrequenz, Länge selektiv empfindlich sind und die den retinalen Ort der Reizung angeben können. Auch Unterscheidung der Zentrum-Umfeld-Struktur (eine senkrechte Linie in mehreren schrägen oder einigen senkrechten).
Ungerleider & Mishkin: Zerstörung von Magnoneuronen beeinträchtigt die Bewegungswahrnehmung (ventrale Bahn zum Temporallappen), die von Parvoneuronen die Wahrnehmung von Farbe, Form und räumlicher Tiefe (dorsale Bahn zum Parietallappen).
Goodale & Milner: Dorsaler Pfad dient auch der Wahrnehmung von eigenen Aktionen.
Patientin D.F.: Konnte keine Objekte erkennen, sie aber greifen oder eine Karte in den Schlitz stecken. (visuelle Formagnosie), Läsion des ventralen Pfades.
Mediotemporales Areal: Modul für die Bewegungsanalyse
Inferotamporales Areal: Modul für die Formanalyse
Prosopagnosie: Schriwerigkeiten, Gesichter wiederzuerkennen

Einzelzellencodierung: Spezifische Reizmuster werden durch das Feuern spezieller Neurone signalisiert, die dafür empfindlich sind.
Populations- oder Ensemblecodierung: Netzwerk von Neuronen und das Muster des Feuerns symbolisiert das visuelle Reizmuster. So können mit wenigen Neuronen viele Objekte signalisiert werden.
Größeninvariante Neurone: Antworten auf ein Objekt undabhängig von der Größe der retinalen Abbildung.
Ortsinvariante Neurone: Antworten unabhängig von der Position auf der Netzhaut.
Sichteninvariante Neurone: Antworten unabhängig vom Blickwinkel auf ein Objekt.
- diese Neurone bestehen neben den Größen-, Orts-, Sichtspezifischen Neuronen.
Moment der unterdrückten Aufmerksamkeit: circa 500ms, während der ein zweites Reizmuster in einer Reihe von kurz dargebotenen Reizen nicht entdeckt werden kann. (mehrere Reize werden hintereinander für 100ms dargeboten)
Blindheit für Veränderungen: Wenn keine Aufmerksamkeit darauf gelenkt wird.
Verknüpfung cortikaler Signale: Bewegung, Farbe, Form und Ort eines Balls werden miteinander verknüpft. Wenn die Neuronen, die auf Farbe, Bewegung und Form ansprechen, synchron feuern, bedeutet das, daß alle drei Qualitäten zum selben Objekt gehören.
Multimodale Neurone (oder bimodale): Neurone, die auf Sehen und Berührung ansprechen (zum Beispiel). Es gibt z.B. Neurone, die feuern, wenn visuelle Bewegungen innerhalb des taktilen Feldes der Hand stattfinden.

Farbwahrnehmung

Drei Arten von Farben: Körperfarben, Durchsichtfarben, selbstleuchtende Farben
Reflektanz: Anteil des einfallenden Lichts, der reflektiert wird. Der andere Teil wird absorbiert.
Weiß: Alle Wellenlängen werden reflektiert.
Achromatische Farben: Weiß, grau, schwarz. Chromatische Farben: Blau, rot, grün, gelb.
Wieviele Farben können wir sehen? 200 Stufen im Spektrum kann man unterscheiden. 500 Helligkeitsabstufungen.
Sättigung: Je gesättigter eine Farbe ist, desto weniger weiß enthält sie.
Helmholtz, Dreifarbentheorie: Zur Herstellung einer Farbe sind mindestens drei Wellenlängen nötig.
So gibt es drei Rezeptorsysteme mit jeweils unterschiedlicher spektraler Farbempfindlichkeit. Das Aktivitätsmuster in den drei Systemen führt zur Wahrnehmung einer Farbe. Diese Theorie erklärt aber nicht alle Phänomene.
Hering, Gegenfarbentheorie: Rot und Grün, Blau und Gelb sind Gegenfarben, die perzeptuell verbunden sind. Nachbild in gegenteiliger Farbe (Farbsimultankontrast: Wenn eine Fläche ihr Aussehen verändert, wenn man sie mit einer Farbe umgibt). Man kann sich kein rötliches Grün oder bläuliches Gelb vorstellen. Rotblinde Menschen sind auch grünblind.
Dreifarbentheorie: Drei Zapfenpigmente mit unterschiedlichen Absorptionsmaxima (kurzwellig, mittelwellig, langwellig): K-, M-, L-Rezeptoren.
Metamere: 2 Farbflächen mit unterschiedlichen Wellenlängen, ie jedoch perzeptuell identisch sind. Zwei Farbreize mit unterschiedlichen Spektren erscheinen farblich gleich, wenn sie die Rezeptoren im gleichen Verhältnis erregen.
Gegenfarbenzellen: wie die On-Off-Zellen, nur mit den Gegenfarben. Blau(+)-Gelb(-)-Zellen und Grün(+)-Rot(-)-Zellen und umgkehrt.
Gegenfarbenzellen im Cortex: Typ-1-Gegenfarbenzellen: Eine On-, bzw. Off-Zentrum-Zelle, de von einer bestimmten Wellenlänge gehemmt wird und von einer anderen Wellenlänge erregt wird.
Doppelte Gegenfarbenzelle: In ihrem Zentrum wirken die L-Zapfen exzitatorisch und die M-Zapfen inhibitorisch, im Umfeld ist es umgekehrt. Diese Zellen reagieren am stärksten, wenn ein roter Punkt vor einem grünen Hintergrund gezeigt wird. Diese Zellen sind die häufigsten und konzentrieren sich im Cortex als Blobs.
V1 und V2: Von jedem Ort der retinalen Abbildung wird die Zusammensetzung der Wellenlängen bestimmt.
V4: Die aufgenommene Farbinformation wird mit Bezug auf den Hintergrund ausgewertet. Läsionen in diesem Areal: Defizite in der Farbkonstanz. V4 ist retinotop organisiert, V4alpha nicht.
Monochromasie: Keine funktionsfähigen Zapfen, man sieht keine Farben, nur schwarz-weiß
Dichromasie: Rot-Grün-Blindheit oder Blau-Gelb-Blindheit.
Cortikale Achromatopsie: Cortikale Farbenblindheit. Man kann keine Farben sehen, aber richtig darauf reagieren.
Farbkonstanz: Funktioniert weniger gut, wenn das Umfeld verdeckt wird. Gedächtnisfarben: Man weiß, daß eine Tomate rot ist.
Helligkeitskonstanz: Information durch Schatten. Man kann unterscheiden, ob eine Helligkeitsänderung durch Änderung der Beleuchtung oder der Reflektanz zustandekommt. Die Wahrnehmung des Schattens verändert sich, wenn der Halbschatten nicht mehr da ist.

Wahrnehmung von Objekten

Eine zweidimensionale Darstellung muß in eine dreidimensionale umgewandelt werden. Schwierig daran ist: Es gibt immer mehrere Möglichkeiten. Bereiche lokaler Merkmale müssen zu größeren Einheiten zusammengefaßt werden, die Oberflächen entsprechend umkonstruiert werden.

5 Teile des Probemkomplexes:

  • Erkennen kann auf unterschiedlichen Komplexitätsebenen erfolgen. Die beste Übereinstimmung mit alltäglichen Dingen.
  • Merkmale und Merkmalskomplexe müssen in der Wahrnehmung zu Einheiten organisiert werden. Einzelmerkmale (Ecken, Texturen) müssen zusammengefügt werden.
  • Objekte und Oberflächen müssen bei wechselnden Darbietungsedingungen erkannt werden.
  • Wie bauen wir die begriffliche Ordnung unserer Welt auf?
  • Das Erkennen von Objekten ist eng mit Lernen verbunden.

Klassische Assoziationspsychologie: Gegenstand ist das subjktive Erleben; Introspektion. Komplexes Erleben setzt sich aus elementaren Empfindungen zusammen. Das Ganze ist die Summe seiner Teile.
Gestaltpsychologie: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. (Scheinkonturen)
Faktor der Guten Gestalt: Jedes Reizmuster wird so gesehen, daß die resultierende Struktur einfach wie möglich ist.
Faktor der Ähnlichkeit: Ähnliche Dinge erscheinen zu zusammengehörenden Gruppen geordnet.
Faktor der fortgesetzt durchgehenden Linie: Wenn Linie unterbrochen wird, nimmt sie doch als fortlaufend wahr.
Faktor der Nähe: Dinge, die sich nahe beieinander befinden, erscheinen als zusammengehörig.
Faktor des gemeinsamen Schicksals: Dinge, die sich in gleiche Richtung bewegen, erscheinen zusammengehörig.
Faktor der Bedeutung oder Vertrautheit: Dinge bilden Gruppen, wenn die Gruppen vertraut erscheinen oder etwas bedeuten. (Bestandteile von Gesichtern werden zusammengefügt)
Kippfigur: Figur-Grund-Trennung. Vase und Gesichter. Man neigt dazu, symmetrisch geformte Bereiche als Figur wahrzunehmen, konvexe (nach außen gewölbte) Formen werden eher als Figur wahrgenommen als konkave (nach innen gewölbte). Bedeutungshaltige Gegenstände werden eher als Figur gesehen.
Prinzip der gemeinsamen Region: Elemente, die innerhalb einer gemeinsamen Region liegen, werden zusammengruppiert.
Prinzip der Verbundenheit: Elemente, die miteinander verbunden sind, werden als Einheit gesehen.
Prinzip der zeitlichen Synchronizität: Leuchten Punkte gemeinsam auf, werden sie als Einheit erkannt.
Treismanns Merkmalsintegrationstheorie: Textone: Elementarmerkmale, ie eine Bereichstrennung aufgrund verschiedener Texturmerkmale ermöglichen. Gerichtete Aufmerksamkeit ist dafür nicht nötig.
Bottom-up-Verarbeitung: Beginnt bei den elementaren Merkmalen.
Top-down-Verarbeitung: Geht von Informationen der höheren ebene (Erfahrung, Gelerntes, Erwartung) aus.
Geone: Elementare Teilkörper (Quadrate,Kreise, Zylinder), aus denen alles zusammengesetzt ist. Wahrnehmung ist nur das Erkennen der Geone. Wenn man die Geone erkennen kann, weiß man, was für ein Objekt man sieht, auch wenn es teilweise verdeckt ist.
Kanonische Ansicht: Beste Ansicht für ein Objekt, schnellste Erkennungszeit.

Wahrnehmung räumlicher Tiefe und der Objektgröße

Okulomotorische Informationen: Ergeben sich aus der Konvergenzstellung und der Akkomodation der Augen. Konvegenzwinkel (bzw. Divergenz). Formveränderung der Linse: Akkomodation. Die Muskelbewegungen geben Steuer-Rücksignale ab ⇒ Tiefeninformation. Vor allem im unmittelbaren Greifbereich wirksam.
Monokulare Informationen: Lassen sich aus der Struktur eines unbewegten Bildes entnehmen.
Verdecken von Objekten. Relative Höhe im Gesichtsfeld. Relative Größe im Gesichtsfeld. Atmosphärische Perspektive. Gewohnte Größe von Gegenständen. Lineare Perspektive. Texturgradient.
Bewegungsinduzierte Informationen: Bewegung des Beobachters oder des Objektes.
Bewegungsparallaxe (Helmholtz): Nahe Objekte gehen schneller vorbei als welche, die weiter weg sind.
Fortschreitendes Zu- und Aufdecken von Objekten.
Stereoskopische Informationen: Vergleich der gering unterschiedlichen Sichten auf eine Szene, die die beiden Augen aufnehmen.
Querdisparation: Entsteht durch den Unterschied zwischen den Abbildungen beider Augen.
Horopter: Die Linie , die alle Punkte verbindet, die sich jeweils links und rechts entsprechen. Jeder Punkt auf der linken Netzhaut hat einen korrespondierenden Punkt auf der rechten Netzhaut. Sie sind mit denselben Ortswerten im Cortex verbunden. Der Horopter geht durch den Fixationspunkt und die optischen Mittelpunkte beider Augen. Je weiter ein Objekt vom Horopter entfernt ist, desto größer ist der Querdisparationswinkel.
Näher als Horopter: Abbildungen liegen auf den äußeren Randbereichen der Netzhäute (gekreuzte Querdisparation).
Weiter weg als Horopter: Abbildungen liegen auf den inneren Teilen der netzhäute (ungekreuzte Querdisparation).
Zufallsstereogramme: Enthalten keine andere Tiefeninformation als die Querdisparation.
Neuronale Verarbeitung der Querdisparation: Im visuellen Cortex (V1). Zellen für räumliche Tiefe (Querdisparationsneurone) ⇒ Hubel & Wiesel und Einzelneuronenableitung.
Sehwinkel: Hängt von der Größe des Objektes und der Entfernung ab. Größe der Abbildung auf der Netzhaut.
Größenkonstanz: Versuch von Holway & Boring: Vp sitzt so, daß sie rechts in einen Flur mit 3m entfernter Vergleichsscheibe guckt und links in den Flur mit Testscheibe, die unterschiedlich weit weg ist (Sehwinkel aber immer 1°, die Scheiben sind also unterschiedlich groß!) Vp soll Vergleichsscheibe so einstellen, daß sie gleich groß wie Testscheibe ist. Das geht ohne Probleme, solange die Vp Informationen darüber hat, wie weit die Testscheibe weg ist.
Emmert'sches Gesetz: Je weiter entfernt ein Nachbild gesehen wird, desto größer erscheint es. Retinale Größe und Enterfernung werden gemeinsam verarbeitet.
Müller-Lyer-Täuschung: Außenkante zu mir hin vs. Innenkante von mir weg (weiter weg).
Ponzo-Täuschung: Die obere Linie wird als weiter entfernt wahrgenommen.
Ames'sche Raum: Eine Person steht weiter weg, obwohl der Raum so aussieht, als wären beide gleich weit entfernt.
Mondtäuschung: Am Horizont sieht der Mond weiter entfernt aus, daher erscheint er größer.

Visuelle Bewegungswahrnehmung

Bewegungswahrnehmung bei Fortbewegung und Kopfbewegung: Propriozeptive Rückmeldungen verhindern, daß die Welt wackelt.
Scheinbewegung: Wertheimer (Gestaltpsychologie). Die Art der Bewegung hängt von der zeitlichen Abfolge der Leuchtpunkte und dem Abstand zwischen ihnen ab. Sind weniger als 30ms dazwischen, sieht man sie gleichzeitig aufleuchten. Mehr als 30ms: Bewegung wird wahrgenommen. Ab 250ms: keine Bewegung wird mehr wahrgenommen. Je größer der räumliche Abstand wird, desto größer muß auch das Zeitintervall oder die Lichtintensität sein.
Bewegungsrichtungsempfindliche Neuronen in der Area striata: Im Areal V2.
Wasserfalltäuschung: Bewegungsnacheffekt. Entladungsrate der bewegungssensitiven Zellen steigt beim Ansehen des Wasserfalls und fällt danach unter das Niveau der Spontanentladung. Deshalb nimmt man dann die Spontanentladung der bewegungssensitiven Zellen für die entgegengesetzte Richtung wahr.
Reafferenzprinzip: Das visuelle System muß unterscheiden können, ob die Bewegung auf der Retina auf eine reale Bewegung, auf eine Bewegung der Augen oder auf beides zurückgeht. Eine kopie der efferenten motorischen Signale wird erstellt und kann zusammen mit den visuellen Signalen verarbeitet werden.
Lokale Bewegung im Gesichtsfeld: Dabei werde Teile des Hintergrundes verdeckt und wieder freigegeben.
Optisches Fließen im gesamten Gesichtsfeld: Hier spielt eine Rolle, ob in der Peripherie gleichmäßige Bewegung vorherrscht. Man muß ja Eigenbewegung von Objektbewegung unterscheiden können.
Korrespondenzproblem: Das Wahrnehmungssystem muß herausfinden, wie die zeitlich und räumlich sukzessiven Informationen richtig aufeinander zu beziehen sind. Es muß entscheiden, ob mehrere Punkte zusammengehören oder nicht.Dies passiert wahrscheinlich über Vergleiche über Mustergruppen und -bereiche.
Heuristische Regeln:
- Fortsetzung der Bewegung in der gleichen Richtung.
- Aufdecken und Verdecken des Hintergrundes.
- Wenn ein Objekt sich bewegt, bewegen sich seine Teile synchron.
Biologische Bewegung: Man erfaßt nicht nur hüpfende Lichtpunkte, sondern die gesamte Anordnung als gehende Person. Man kann sogar Frauen und Männer unterscheiden oder wie schwer ein Gewicht ist, das die Person hebt.
(Bewegungsschemata)