Buchtipps:

Osnabrück - Haste. Chronik eines Stadtteils. Wido Spratte. (Wenner)

Geschichte der Stadt Osnabrück. Hrsg. Gerd Steinwascher im Auftrag der Stadt Osnabrück.

 Osnabrück - Haste. Alte Bilder eines Stadtteiles herausgegeben von Wido Spratte.

Hier mein Uropa Bernhard Riehemann mit seinen beiden Töchtern Anna (meine Oma) und Angela

Mein Uropa Bernhard Riehemann links vor dem Tor beim Sportverein Pye oder Haste

Meine Oma mit ihrem Bruder Josef, der mit 18 Jahren im Krieg gefallen ist.

Holthauser Feld in Osnabrück-Haste

Die Straße "Zum Holthauser Feld", aus dem Dachfenster der Nummer 14 geknipst. Etwas weiter stadteinwärts war eine ähnliche Siedlung: "Urlager Esch".

Im Buch "Geschichte der Stadt Osnabrück" steht auf Seite 731:

"Man baute so genannte vorstädtische Kleinrandsiedlungen, so am Fürstenauer Weg, am Tannenkamp, im Fledder und in den Heidekämpen. Es waren Doppelhäuser - insgesamt zwischen 60 und 70 qm groß -, die vier Räume hatten. Zum Haus gehörte eine Waschküche, ein Stall und ein Abort; man hatte elektrische beleuchtung, war ber noch nicht an die Wasserleitung angeschlossen, sondern bezog das Wasser aus einem elektrisch betriebenen Brunnen. 1933/34 wurden 146 solch Häuser errichtet."

n den 70er Jahren sollte das Industriegebiet am Fürstenauer Weg erweitert werden, weswegen man die Häuser den Besitzern abkaufte und abriss. Es wurde aber nie etwas dort gebaut. Viele Jahre lang stand dort der "Hyde Park".

Folgende Familien haben dort gewohnt:

Riehemann, später Austermann/Stallkamp, Bastwöste, Kamowski, Dölling, Heermeyer, Strohmeier, Knäblein, Korte, Berner, Rohmann, Lahrmann, Drenkelfort, Remme, Heinze, Burray und Mithöfer.

Holthauser Feld (Richtung Fürstenauer Weg)
Adressbuch von 1937

Norbert Bastwöste erinnert sich an die Erzählungen seines Großvaters und seines Vaters:

Soweit ich aus den Erzählungen meines Großvaters und meines Vaters orientiert bin, sind die Häuser am Holthauser Feld von den Nachbarn gemeinschaftlich und weitestgehend in Eigenleistung errichtet worden. D.h., wenn die Berichte meiner Familie zutreffen, stellte die Stadt in den 30ger Jahren eigentlich nur die Grundstücke zur Verfügung und gab die Baupläne vor. Alle weiteren Arbeiten sind wohl von Eigentümern selbst verrichtet worden. So erzählte mein Großvater beispielsweise, daß es große Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Baumaterial gegeben hätte. Jeder, der etwas wußte oder hörte, hat sich an der Beschaffung des nötigen Materials beteiligt. 
So konnte man z.B. einige Zeit nicht weiterbauen, weil keine Deckenträger zu bekommen waren. Erst als einer der Nachbarn, der wohl Beziehungen zur Reichsbahn hatte, auf die Idee kam, statt der eigentlich nötigen "T-Träger" aus Stahl ausrangierte Eisenbahnschienen zu verwenden, war das Problem gelöst. Deshalb befanden sich auch in allen Häusern der Siedlung Eisenbahnschienen als Deckenträger. Und anscheinend hat diese Notlösung auch ganz vorzüglich gehalten....

Annelie Hughes geb. Drenkelfort hat auch einiges zu berichten:

Ihre Familie zog im Jahr 1931 mit dem Pferdefuhrwerk in das neu gebaute Haus am Holthauser Feld. Die Doppelhaushälfte mit zuerst vier Zimmern und der große Garten (vor dem Haus war der Vorgarten mit Rasen und Blumen, dahinter der Gemüsegarten mit den verschiedenen Obstbäumen und Beerensträuchern) war für die Kinder das Paradies. Sie vergnügten sich mit Turngeräten auf dem Hof, wie Schaukel, Wippe oder Turmstange. Und es gab einen Sandkasten für die Kleinen.

Im Piesberg wurden Butzen gebaut und mit kleinen Kindermöbeln ausgestattet, die ihr Vater für sie gezimmert hatte. Fast täglich schwammen sie in dem fünf Minuten vom Haus entfernten Stichkanal.

Nachdem sie in das neue Haus eingezogen waren, wurde einmal in der Woche, meist vom Vater, mit einem Handwagen bestückt, in einem 30 Minuten entfernt gelegenen Konsum eingekauft. Kurz darauf richtete ein Herr Ackermann mit seiner späteren Frau ein Zimmer seiner Wohnung, die sich ganz in unserer Nähe befand, als kleinen Kolonialwarenladen ein. Alle 24 Siedlerfamilien zahlten ihm eine kleine Summe, damit er seinen Laden bestücken konnte. Jede Familie bekam ein Einkaufsbuch, in dem die Einkäufe verrechnet und auch angeschrieben wurden. So konnten auch kleinere Kinder das gerade Benötigte einkaufen, ohne Angst haben zu müssen, dass sie die mitgegebenen Groschen verloren.

Außer der Siedlung gab es dort nur noch das Gartenlokal "Urlage" und einige wenige Piesberghäuser.

"Während des Zweiten Weltkrieges gab es jede Nacht Fliegeralarm (Osnabrück lag in der Einflugschneide nach Berlin). Schon bei Voralarm sprangen wir aus den Betten (wir schliefen in unseren Kleidern) und rannten um unser Leben zu einem alten Piesberger Bergwerksschacht, der als Bunker eingerichtet war und uns Sicherheit bot. Wir hatten oft schreckliche Erlebnisse, als wir im wahrsten Sinne des Wortes Todesangst ausstanden. Oft fielen die ersten Bomben schon, bevor wir den Bunker erreicht hatten."

Interessant ist auch, dass ich vor Jahren ganz zufällig bei einer Feier in Frankfurt einen Geologie-Studenten getroffen habe, der diese Siedlung kannte, da er in Osnabrück studiert hatte und das Gebiet untersucht hatte. Er erzählte mir, dass dort noch Reste von Siedlern zu finden seien wie Tulpen und andere Blumen, die sonst nicht wild wachsen. Ich konnte ihm nur sagen: "Ja, und diese Tulpen hat vielleicht meine Oma oder sogar Uroma gepflanzt."

Hier eine Zeichnung anhand von Erinnerungen.

Familientafel Riehemann: