Der Bauunternehmer Hermann Roop und die Roopstraße

Im Jahr 1873 hat Hermann Roop bei der Stadt Osnabrück einen Bauantrag gestellt, weil er an der Roopstraße ein Wohnhaus bauen wollte. Er war Steinhauer in Osnabrück, der sich dann als Bauunternehmer etablieren konnte, jedoch schon 1877 in Konkurs ging.

Hoffmeyer, Ludwig: Geschichte des Handwerks im Fürstentum Osnabrück, in Lingen, Meppen und Papenburg, H. Th. Wenner, Osnabrück, 1986, S. 137:
"Auf Anregung der Zunftgenossen Hannovers schlossen sich am 10. März 1875 die Maurermeister Weidner, Ehrhard, Geisler, Roop, Scheer, Hottenrodt, Mollenhauer und Freckmann sowie die Zimmermeister C. F. Gronert, R. Gronert, Timmersmann und Wilker zu einem Lokal-Baugewerks-Meister-Verein zusammen, so daß Miquel 1879 schreiben konnte: Die Baugewerke sind als Lokalvereine des Hannoverschen Provinzial-Baugewerk-Vereins fest organisiert."

Das Gebiet hier um die Roopstraße muss früher "Rabenkampsgärten" geheißen haben. Wenn jemand diesen Begriff kennt und mir mehr darüber erzählen kann, würde ich mich freuen.

Der Architekt Dreyer kaufte nach Roops Konkurs die Gärten, bebaute sie und siedelte sich dort an. Das Haus an der Bramscher Straße 10 (heute die Stern-Apotheke) steht in einem früheren Hof- und Paradiesgarten.

In den alten Osnabrücker Adressbüchern taucht Roop mit folgenden Angaben auf:

Roopstraßenschild
Das alte Straßenschild hängt heute noch.

1837: Roop, Joh. Herm. Zimmerges. Holtstr. 31
1845: Roop, Joh. Herm. Steinhauer, Holtstr. 31
1862: Roop, Herm, Steinhauer, Bischofstr. 11
1868: Roop, Herm. Steinhauer, Bramscher Str. 54
1870: Roop, Herm. Steinh., Bramscherstr.55c
1873: Roop, Herm. Steinh., Bramscherstr.10
1874: Roop, Herm. Bauuntern., Roopstr. 3, ab Ostern: 1
1875: Roop, Herm. Bauunternehmer, Roopstr. 1
1876/77: Roop, Herm. Bauunternehmer, Bramscher str. 10
1878: Roop, Herm. Bauunternehmer, Rathstr. 1
1879/80: Roop, Marie, Wwe, Rathstr. 1
1881: Roop, Marie, Wwe, Bramscherstr. 48c
1885/86: Roop, Maria, Wwe, Bramscherstr. 49 (i.Hh.)
1887: Roop, Herm. Tapezierer, Bramscherstr. 49 (im Hinterh.)
1890: Roop, Herm, Sattler und Tapezierer, Süntelstr. 35

Da ab 1879 in Rathstr. 1 eine Witwe Marie Roop wohnt, wird er 1878 oder 1879 gestorben sein.

Er baute das Haus in der Roopstraße 1 im Jahr 1874 und wohnte ab dann auch dort. Im Jahr 1876 baute er das Haus an der Bramscher Straße 10 (heute Stern-Apotheke) und wohnte dort.

Am 27. Juni 1873 stellte er also den Bauantrag bei der Stadt Osnabrück:

Antrag zur Baugenehmigung - Feldmark
Bauuunternehmer Roop beantragt die Genehmigung zur Erbauung eines neuen Wohnhauses zu Roopstraße,
nach dem in 2 Exemplaren hier anliegenden Bau- und Situationsplane.
Der Unterzeichnete hat gegen die Genehmigung der beabsichtigten Bauanlage an und für sich nichts zu erwidern.
Es dürfte indeß zwar festzustellen sein ob die Roopstraße als ein öffentlicher Fahrweg angesehen werden soll, und ist in dieser Beziehung darauf aufmerksam zu machen daß das Gebiet der Straße noch nicht vollständig frei gelegt ist, da rechts an derselben noch ein Streifen des Heggeschen Grundstücks frei gelegt werden muß.

(Ein Klick auf die Bilder vergrößert sie)

Die Roopstraße wurde zum öffentlichen Fahrweg erklärt, Hermann Roop durfte sein Haus bauen. Ihm wurden allerdings einige Bedingungen gestellt:

- der Garten wie der Hof des Hauses müssen mit einer dichten Einfriedung geschlossen werden, diese muss immer in gutem Stande gehalten werden.

- Kein Bewohner des Hauses darf Federvieh umherlaufen oder fliegen lassen und ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass dieses dem Nachbarn keinen Schaden zufügen kann.

- Die Abortanlagen: Menschliche Auswurfstoffe und thierische Abfälle dürfen nur in wasserdichten Gruben aufbewahrt werden.

Das Haus soll einen Abort bekommen

Irgendwann zwischen 1875 und 1895 kaufte Frau Oberamtsrichter Johanna Schreiber das Haus an der Roopstraße 1. Sie stellte 1896 den Antrag an die Stadt Osnabrück, eine Abortanlage bauen zu dürfen. Dieses wurde aus durchaus verständlichen Gründen abgelehnt:

Die beantragte Abortanlage können wir zu unserem Bedauern nicht genehmigen, weil

1. der Abortraum im Innern des Gebäudes eingebaut werden soll und nicht gelüftet werden kann

2. das Fallrohr nach der Abortgrube durch das ganze Gebäude und mit einem rechtwinkeligen Knick geführt werden soll, welche Anordnung, da ein beständiges Verstopfen unausbleiblich, das zu Unzuträglichkeiten Veranlassung geben kann und aus sanitären Gründen ganz unstatthaft ist.

Die eingereichten Zeichnungen folgen hierneben wieder zurück.

Später durfte sie aber noch eine Toilette bauen, die Pläne hierzu liegen mir leider nicht vor.

Ausgebombt

Im Krieg wurde das Haus zu einem großen Teil zerstört. Hier eine Ermittlung des Beschädigungsgrades, wie sie wohl damals (1949) üblicherweise gemacht wurde:


Vorderhaus: 57 qm beschädigt und nicht in Benutzung
Hofgebäude: (Lagergebäude) unbeschädigt und voll in Benutzung
Durch Augenschein festgestellte Beschädigung in %

Keller: 0%
Kellerdecke: 50%
Umfassungswände: 15%
Geschoßdecken: 100%
Innenwände: 35%
Treppen: 100%
Dach: 100%
Türen: 100%
Fenster: 100%
Sonst.: Ausbau 75%

Beschädigungsgrad: 57%

Schließlich wurde das Haus wieder aufgebaut und hat dabei sogar noch ein Stockwerk mehr bekommen. Die alte schöne Bruchsteinfassade und der verzierte Giebel gingen allerdings verloren.

Wenn man heute im Garten gräbt, findet man den Schutt vom alten Haus. Ich habe schon alte Cremedosen,  Arzneifläschchen und einige andere Dinge ausgegraben. Eine Glasflasche war wie durch große Hitze fast bis zur Unkenntlichkeit verformt.